Kombinat Ablieferungssoll

Mal angenommen, es existierte ein Mannschaftsport, bei der die Anzahl geschossener Tore über das Ergebnis entscheidet. Nicht besonders oft – durchschnittlich in etwa jeder vierten Partie – sei eine spezielle Spielsituation zu beobachten, die in 75% aller Fälle zu einem unmittelbaren Treffer führt, von deren Sorte jedes Team aber durchschnittlich nur 1,5 pro Spiel erzielt.

Niemand würde auf die Idee kommen, diese seltene und gleichermaßen erfolgsversprechende Chance als Standard, also als „Norm“ oder „weithin Verbreitetes“, zu bezeichnen. Es sei denn, man lebt in einer Region, die bereits durch ihr technokratisches Alltagsvokabular signalisiert, dass dort die Lust auf Sprache eher so mittel ausgeprägt ist. Allgemeines Warenverzeichnis, Betriebssportgemeinschaften, Jahresendprämie.

Ei verbibbsch! Die Standardsituation ist eine waschechte DDR-Erfindung und machte erst in den 80ern in den Wortschatz bundesdeutscher Trainer und Kommentatoren rüber (zumindest, wenn man Wikipedia Glauben schenkt).

So oder so: Es wird Zeit für eine, besser gleich mehrere neue Begrifflichkeiten. Schließlich sind neben Elfmetern auch Freistöße in ihrer Unendlichkeit an möglichen Positionen alles andere als Standard.

Vorschläge?

Tausche 50 Millionen gegen das Gefühl von damals

Am 20. April 2008 herrscht Ausnahmezustand in Lüttich: Mit einem 2:0 über den Rekordmeister Anderlecht sichert sich der Royal Standard Club die erste Meisterschaft seit 25 Jahren. Gerade einmal 22,7 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der damaligen Startelf, die damit als Vorbild für den aktuell erfolgreichen „Jugendwahn“ von Borussia Dortmund oder der Deutschen Nationalmannschaft angesehen werden kann.

Auch ich habe mich damals hemmungslos in diese begeistert und begeisternd aufspielende Mannschaft verliebt. Heute wurde nun bekanntgegeben, dass mit Steven Defour deren Kapitän und vielleicht komplettester Spieler zum FC Porto wechselt. Der Transfer kommt keineswegs überraschend – der 23-Jährige wurde in den Champions-League-Qualifikationsspielen gegen Zürich bewusst nicht eingesetzt, um potentielle Interessenten nicht zu vergraulen.

Damit haben 13 der 14 damals eingesetzten Spieler inzwischen den Verein verlassen und Réginal Goreux gebührt die Ehre, als letzter Mohikaner die Fahne des 2008er-Jahrgangs hochzuhalten. Ein solcher Exodus gehört vermutlich zu dieser globalisierten Fußballwelt einfach dazu, und doch kann selbst der Blick auf die erhaltenen Ablösesummen die Wehmut kaum schmälern.

Dabei haben die es durchaus in sich: Rund 50 Millionen Euro* hat Standard insgesamt durch diese Wechsel eingenommen. 50 Millionen. Für sieben Spieler – die anderen sechs wechselten ablösefrei oder wurden ausgeliehen – aus einer eher unbedeutenden Liga wie der belgischen eine unfassbare Zahl. Und doch so egal.

Alle Transfers in der Übersicht:

Name Alter Position neuer Verein Ablöse (in Mio. €)
Dante 24 IV Borussia M’gladbach 2,5
Marouane Fellaini 20 DM Everton FC 21,76
Gregory Dufer 26 RM AFC Tubize ausgeliehen
Oguchi Onyewu 27 IV AC Milan ablösefrei
Rorys Aragón 27 TW Diyarbakirspor ablösefrei
Marco Ingrao 26 LV Vertragsende ablösefrei
Dieumerci Mbokani 24 S AS Monaco 7,0
Igor de Camargo 27 S Borussia M’gladbach 4,0
Milan Jovanovic 29 S Liverpool FC ablösefrei
Marcos Camozzato 27 RV FC Brügge 1,0
Mohamed Sarr 26 IV Hercules CF ablösefrei
Axel Witsel 22 ZM SL Benfica 8,0
Steven Defour 23 ZM FC Porto 6,0

*Quellen: Transfermarkt.de & Fifa.com

1:1 gegen Standard – Genk zum dritten mal Belgischer Meister

Standard schlittert knapp an der Meisterschaft vorbei. Ein Remis im Quasi-Endspiel beim KRC Genk reicht nicht aus, um den Gastgeber vom 1. Platz zu verdrängen. Dabei lagen die Roten von der 45. bis zur 77. Minute mit 1:0 in Führung. Doch dann kam Kennedy. 1:1 – aus die Maus.

Dennoch: Standard hat eine grandiose Play-Off-Runde gespielt, 26 von 30 möglichen Punkten geholt. Genk gibt aufgrund der Hauptrunde allerdings einen würdigen Titelträger ab. Glückwunsch zur dritten Meisterschaft der noch jungen Vereinsgeschichte.

Für Standard bleibt die Hoffnung auf den ersten Pokalsieg seit 1993. Das Finale findet am 21. Ma (Samstag) gegen den KVC Westerlo statt.

Fußballfans sind keine Verbrecher? Logan Bailly droht Haftstrafe

Logan Bailly ist für deutsche Medien offenbar kein Thema mehr. Anders ist es nicht zu erklären, dass Google News keinen einzigen aktuellen, deutschsprachigen Artikel über das sich zuspitzende Strafverfahren gegen den dritten Torhüter von Borussia Mönchengladbach ausspuckt. Nun, wenn kicker und Co. nicht wollen, übernehmen wir das eben:

Heute morgen forderte die Staatsanwaltschaft vor dem Lütticher Strafgericht eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von sechs Monaten für den Fußballprofi. Bailly soll 2008 in der Lütticher Innenstadt zusammen mit seinem Bruder Arnaud in eine Schlägerei mit Körperverletzungsfolge verwickelt gewesen sein. Pikantes Detail: Der Vorfall ereignete sich am Abend der Meisterfeierlichkeiten von Standard Lüttich – obwohl der 25-Jährige damals beim Rivalen KRC Genk unter Vertrag stand.

Logan Baillly, in Lüttich geboren und aufgewachsen, ist möglicherweise also noch immer ein leidenschaftlicher Anhänger der Roten. Wie dem auch sei, die Urteilsverkündung wird jedenfalls für den 6. Juni erwartet.

Torlos glücklich

UEFA Europa League – 09/10
FC Salzburg – Standard de Liège
0:0
25.02.10, R** Arena (Wals-Siezenheim)
26.500 Zuschauer (ca. 2.500 Gäste)

Falls ihr euch immer schon einmal gefragt habt, wo die ganzen Halbstarken wech sind, die es mit traumwandlerischer Sicherheit bewerkstelligen, die morgendliche Straßenbahnfahrt zur Maloche oder in die Uni, wenn die Laune natürlich eh schon in den Seilen hängt, vollends zu vermiesen: Ich kanns euch verraten.

Die werden in Salzburg produziert. Unglaublich was da rumläft. Abseits des Marzipan-Overkills muss sich in der Mozart-Stadt von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt ein neuer Exportschlager etabliert haben. Quasi Krocha made in Salzburg.

Fußball gab es natürlich auch zu sehen. Und zwar ein – wie sagt man so schön? – 0:0 der besseren Sorte. Standard kam auf dem ungewohnten Kunstgeläuf von Beginn an gut zurecht und schaukelte das Ding am Ende souverän über die Zeit. Einen etwas ausführlicheren Bericht gibt es auf 11Freunde Auswärtsspiel.

Fotos:

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Links KW 13 2010

Mit Lichtorgel in der Bullendisko (11freunde.de)

Wie männliche Cheerleader (ZEIT Online)

Ein-Mann-Armee des Weltfußballs (SPON)

Ultras in Britain are wrongly persecuted (WSC)

In die Enge getrieben (sueddeutsche.de)

*UPDATE* Alles auf Rot: Standard vs. HSV

*UPDATE*
19.03.: Die folgenden Angaben dürfen natürlich auch gerne von Anhängern des Hamburger SV genutzt werden. 😉
*UPDATE Ende*

Jawoll, die gestrige Auslosung für die nächste Runde der Europa League hat ergeben: Standard darf rotes Tuch bei den *hüstel* roten Bullen spielen. Und, liebe Salzburger, damit ihr euch bei der Suche nach Infos zu eurem Eliminator  in spe nicht unnötig anstrengen müsst (Referrer sind was feines), gibt es hier alles Wissenswerte auf einen Blick.

Anschrift
Royal Standard de Liège
2, Rue de la Centrale
4200 Liège
Tel.: +32 4 2 52 21 22
Fax: +32 4 2 52 14 69

Offizielle Website: www.standard.be

Allgemeinwissen
Stamnummer: 16
Vereinsfarben: Rot und Weiß
Spitzname: Les Rouches (die Roten)

Standard spielt in der Saison 09/10 das insgesamt 91. Jahr in der höchsten belgischen Spielklasse – davon mittlerweile 86(!) hintereinander.

Geschichte in Stichworten
27.05.1898: Gründung als Standard FC Liège
1910: Umbenennung in Standard Club Liège
1923: Umbenennung in Royal Standard Club Liège
1973: Umbenennung in Royal Standard Liège
1996: Anschluss von RFC Seraing

Erfolge
Belgische Meisterschaft: (10) 1958, 1961, 1963, 1969, 1970, 1971, 1982, 1983, 2008, 2009
Belgischer Pokal: (5) 1954, 1966, 1967, 1981, 1993.

Stadion
Name: Stade Maurice Dufrasne (auch bekannt als „Sclessin“)
Kapazität: 26.659 Sitzplätze

Als Sahne Schlagobershäubchen noch zwei Spielberichte zum Anfixen:

Standard – Club Brügge 2:1 (September 2007)
Standard – Anderlecht 2:0 (April 2008)

Oops!… We Did It Again

anti-anderlecht

Nombre 10!

Standard besiegt im zweiten Entscheidungsspiel den Erzrivalen Anderlecht mit 1:0 und verteidigt dadurch seinen Titel! Der erste Vergleich in Brüssel endete am Donnerstag 1:1.

Das Gute hat also die Oberhand behalten. Ein Erfolg, mit dem nach den Abgängen von Dante (Mönchengladbach), Fellaini (Everton) und nicht zuletzt Trainer Michel Preud’homme kaum zu rechnen war.

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Belgien: Entscheidungsspiele um den Titel

belgienViolett oder Rot, Böse oder Gut, 30. oder 10. Meistertitel? Diese Fragen werden am 21. und 24.  Mai beantwortet. Dann nämlich werden der RSC Anderlecht und Standard de Liège, die beide ihre Partien am letzten Spieltag der Jupiler League gewinnen konnten, den belgischen Meister in Entscheidungsspielen ermitteln.

Während Anderlecht gegen eine sich für das Pokalfinale schonende Mannschaft aus Genk relativ leichtes Spiel hatte, entwickelte sich die parallel in Gent ausgetragene Partie zu einem wahren Thriller. Standard führte bis tief in die Nachspielzeit hinein mit 1:0, ehe das vom Meistertrainer der vergangenen Saison, Michel Preud’homme, trainierte Team einen Elfmeter zugesprochen bekam. Ein Unentschieden hätte den Titel für Anderlecht und die Qualifikation für den UEFA-Cup die UEFA Europa League für Gent bedeutet.

Hätte, hätte, Fahrradkette… Fußball ist kein Spiel der Konjunktive (s. Fuss, Wolf). Und da der Fußballgott offenbar einen Sinn für Dramatik hat, musste Lüttichs Torhüter Sinan Bolat diesen Strafstoß einfach halten. Der 20-jährige, der erst in der Winterpause vom Lokalrivalen Genk in die wallonische Hauptstadt gewechselt war, ist seit dem 28. Spieltag die Nr. 1 von Coach László Bölöni. Sollte Standard jetzt auch noch den Titel holen, dürfte ihm ein eigenes Kapitel in der Vereinshistorie sicher sein.

Obwohl auch hierzulande momentan einige klassischen Medien und auch Blogs über ein mögliches Entscheidungsspiels in der Bundesliga schreiben – die Chance, bei den aktuell gültigen DFL-Statuten jemals ein solches zu erleben, sind mehr als gering. Müssten doch zwei punktgleiche Teams in Deutschland auch in folgenden Kriterien exakt die selben Werte aufweisen:

  1. Tordifferenz (nicht das Torverhältnis, wird ja gerne mal falsch bezeichnet)
  2. die Zahl der geschossenen Tore
  3. die Zahl der geschossenen Auswärtstore
  4. der direkte Vergleich
  5. die Zahl der im direkten Vergleich auswärts geschossenen Tore

In der Heimat von gepantschem Bier und Pommes Frites spielen weder Torverhältnis noch direkter Verlgeich eine Rolle. Deshalb sind die etwas missverständlich als „Testwedstrijden“ bezeichneten Duelle zwar kein alltägliches, aber auch kein vollkommen ungewöhnliches Ereignis. Zuletzt konnte sich der Rekordmeister Anderlecht 1986 hauchdünn gegen den Club aus Brügge durchsetzen. In Liège hingegen hat man nicht die allerbestern Erinnerungen an Entscheidungsspiele: 2005 zog Standard im Kampf um den UEFA-Cup-Startplatz gegen den KRC Genk den Kürzeren.

Ach ja, wer Lust hat, mich zum enscheidenen Rückspiel am 24.05. nach Liège zu befördern – MELDEN!