Tunnelblick

Hatten wir das Thema „Spielertunnel“ eigentlich schon unter fußballkulturellen Gesichtspunkten besprochen? Nein? Dann wird es Zeit. Die schönsten Exemplare gibt es – natürlich – in Südamerika, wo die Spieler nicht selten aus unterirdischen Katakomben durch überdimensionierte Schläuche in das gespült werden, was mit Fug und Recht als Hexenkessel bezeichnet werden kann.

Aber auch hierzulande lassen sich schöne Exemplare finden. Zum Beispiel dieses Prachtstück im südbadischen Villingen. Dort, im Stadion Friedengrund, ist der Verfasser dieser Zeilen in Jugendjahren selbst einige male zu Punktspielen und bei Turnieren angetreten.

Das Highlight war dabei nicht etwa, dass man sich in einer Sportstätte messen durfte, die als einzige im Kreis den Bezeichnung als Stadion (Vgl. die URL dieser Webseite) auch verdiente. Nein, die Besonderheit lag im Tunnel zum Spielfeld. Das Klackern von Schraubstollen auf den Betonstufen vor der Tribüne, die veränderten Lichtverhältnisse, die Abschottung von der brodelnden spärlichen Zuschauerkulisse… ein bisschen wie Bundesliga. Toll.

FOTOS

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Sonntagsschuss: Exempel

Vom Platz gestellter Spieler: „Schiri, ich hab nichts gemacht. Das war eine ganz normale Bewegung im Zweikampf.“

Gegnerischer Spieler: „Da war wirklich nichts.“

Schiedsrichter: *Trotz der Entlastung durch den Mannschaftskapitän des Gegners und der Tatsche, dass niemand im Stadion außer dem Linienrichter die vermeintliche Tätigkeit gesehen hat, ziehe ich das mit dem Platzverweis in der Nachspielzeit eines sportlich längst entschiedenen Spieles eiskalt durch.*

 

Oder halt als Foto:

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Betr.: #AudiCup2015 – Weitere Fragen an das @ZDF

Das Antwortschreiben des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) auf das im vorherigen Blogbeitrag veröffentlichte Fax hat weitere Fragen aufgeworfen. Dieses mal wurde Herr Hagedorn von der Abteilung „Presse und Information“ des ZDF direkt per E-Mail (Zukunft!) angeschrieben:

1. Wie gestaltet sich das Vertrags-Verhältnis mit -Partner Bayern München?

2. Ist die „Respektierung“ eines nicht der Rechtschreibung entsprechenden Produktnamens demnach wichtiger als das journalistische Selbstbewusstsein des größten TV-Senders der Republik?

3. Wieso muss dieser Name überhaupt genannt werden (die ARD etwa verzichtet in ihren Fernseh- und Radioprogrammen bisweilen bewusst auf die Erwähnung von nach Sponsoren benannten Stadien bzw. wählt eine neutrale Bezeichnung wie „Arena in München“)?

4. Bayern München ist der einzige deutsche Fußballclub, dessen Freundschaftsspiele Ihr Sender wiederholt live überträgt (bitte korrigieren Sie mich, falls ich da falsch liege). Zementieren bzw. vergrößern Sie damit – sowohl nach marktwirtschaftlichen als auch aufmerksamkeitsökonomischen Gesichtspunkten – nicht die sportliche und finanzielle Vormachtstellung dieses Wettbewerbsteilnehmers?

5. Wie beurteilen Sie die Ausgewogenheit Ihrer Sportberichterstattung unter der Prämisse „Fußball & Wintersport vs. alle anderen Sportarten“?

Außerdem erlaube ich mir die noch nicht beantwortete Frage aus dem Ausgangsfax zu wiederholen:

„Wieso tangiert bzw. verletzt die an vielen Stellen (z.B. in der Programmankündigung, Videotext, usw.) von Ihnen publizierte sowie mehrfach in der Live-Übertragung erwähnte Automarke nicht das Werbeverbot nach 20 Uhr?“

Eine etwaige Antwort wird wie gehabt an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht.

+++ Update – 7. August 2015: Das Zweite Deutsche Fernsehen hat heute erneut auf meine Nachfragen geantwortet. +++

1. Bei dem Erwerb der Übertragungsrechte handelt es sich um einen im Bereich der Sportrechte üblichen Vorgang.

2. Den Namen der jeweiligen sportlichen Veranstaltung zu verwenden, entspricht den üblichen Gepflogenheiten – siehe UEFA Champions League oder FIFA Weltmeisterschaft. Das ZDF berichtet von Sportveranstaltungen und nennt folglich auch die offiziellen Titel dieser Veranstaltungen.

3. Auch das ZDF nutzt bei der Nennung der Stadien Varianten wie Arena in München – das ist aber etwas anderes als der offizielle Titel einer sportlichen Veranstaltung.

4. Dass die Partie des Champions-League-Siegers von 2013 und des Champions-League-Siegers von 2014 zum Start in die neue Saison die Zuschauer fasziniert, hat am Mittwochabend das Turnierfinale belegt: 6,32 Millionen Zuschauer verfolgten das Spiel Bayern München – Real Madrid live im ZDF, bei einem Marktanteil von 24,6 Prozent.

5. Die Ausgewogenheit in der Sportberichterstattung ist gegeben. So berichten wir derzeit in Absprache und Wechsel mit der ARD live von den Schwimm-Weltmeisterschaften in Kasan; daran schließt sich die Berichterstattung von der Leichtathletik-WM in Peking an.

Zu der laut Ihrer Mail unten für Sie offen gebliebenen Zusatzfrage:

Bei der Nennung offizieller Veranstaltungstitel handelt es sich nicht um Werbung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages bzw. der ZDF-Werberichtlinien. Das ZDF berichtet von Sportveranstaltungen und nennt folglich auch die offiziellen Titel dieser Veranstaltungen. Auf den Titel von Sportveranstaltungen hat das ZDF keinen Einfluss, ebenso wenig wie auf den Namen teilnehmender Mannschaften (z.B. Bayer Leverkusen). Die Nennung ist redaktionell veranlasst und stellt schon deshalb keine Werbung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages dar.

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Betr.: #AudiCup2015 – Fragen an das @ZDF

Diese Fragen gingen soeben per Fax an die Pressestelle des ZDF raus:

1. Erhält das ZDF von Turniersponsor Audi finanzielle Unterstützung für die Übertragung?

2. a) Falls ja: Wie stellt sich diese dar?

b) Falls nein: Wieso übernehmen Sie die Bezeichnung „Audi Cup“ ohne Bindestrich in Ihre Berichterstattung? Sollten Markennamen, die nicht den Rechtschreibungs-Regeln der deutschen Standardsprache entsprechen, von einer Anstalt des öffentlichen Rechts nach journalistischen Maßstäben korrigiert (Beispiel: „Iphone“ statt „iPhone“) werden?

3. Wieso tangiert bzw. verletzt die an vielen Stellen (z.B. in der Programmankündigung, Videotext, usw.) von Ihnen publizierte sowie mehrfach in der Live-Übertragung erwähnte Automarke nicht das Werbeverbot nach 20 Uhr?

4. Wie bewerten Sie den sportlichen Wert derartiger Freundschaftsspiele?

5. Wie rechtfertigt dieser eine Live-Übertragung zur so genannten Prime-Time in einem gebührenfinanzierten Medium?

Falls ich eine Antwort erhalte (wovon wir natürlich schwer ausgehen), wird sie an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht.

+++ Update – 5. August 2015: Das Zweite Deutsche Fernsehen hat heute Nachmittag auf mein Fax geantwortet. +++

Das ZDF erhält von Audi keine finanzielle Unterstützung. Vertragspartner für den Audi Cup ist im übrigen Bayern München.

„Audi Cup“ ist der offizielle Titel der Veranstaltung. Dies wird vom ZDF respektiert und die Veranstaltung deshalb auch mit ihrem Namen im Programm so benannt.

Beim Audi Cup handelt es sich um den letzten Test von Bayern München vor Beginn der neuen Saison. Das Turnier ist hochkarätig besetzt und trifft deshalb auch auf sehr hohes Zuschauer-Interesse, wie bereits die Einschaltquoten am gestrigen Abend bewiesen haben. Die Live-Übertragung des Spiels Bayern München – AC Mailand sahen 5,90 Millionen Zuschauer, bei einem Marktanteil von 21,6 Prozent.

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Frage: Der niedrigstklassige Verein, der jemals an einem Europapokalwettbewerb teilnahm?

Antwort:

Merthyr Tydfil FC

Der walisische Club wurde 1945 nach dem 2. Weltkrieg ins Leben gerufen und spielte seitdem im englischen Ligensystem mit, da vor 1992 kein eigenständiger Ligafußball in Wales existierte. 1987 konnte man letztmalig den walisischen Pokal gewinnen und avancierte dadurch zum am niedrigsten klassierten Verein, der jemals an einem Europapokalwettbewerb teilgenommen hat.

Der damalige Siebtligist schied in der ersten Runde denkbar knapp gegen den italienischen Vertreter Atalanta Bergamo (damals selbst „nur“ in der Serie B am Start) nach einem überraschenden 2:1 zu Hause und einer 0:2-Niederlage in Italien aus.

Paul Joyce hatte auf Twitter die passende Antwort parat:

…natürlich samt Youtube-Zusammefassung des sensationellen Hinspielerfolgs. Internet!!!

Penydarren Park

Und siehe da – Das Spiel fand tatsächlich Zuhause im kultig-baufälligen Penydarren Park vor offiziell 8.000 Zuschauern und nicht wie von mir vermutet in Cardiff oder Swansea statt. Kleine aber feine Randnotiz: In Bergamos Mittelfeld zog Italiens zukünftiger Ex-Nationaltrainer Cesare Prandelli die Fäden.

Im Jahr 2010 formierte sich der Verein unter dem Namen Merthyr Town FC neu, nachdem der Vorgänger Merthyr Tydfil FC aus finanziellen Gründen aus dem Vereinsregister gelöscht wurde. Wer mal zufällig in der Gegend ist, macht am besten einen Abstecher zum Stadion und lässt sich die Geschichten aus Bergamo in epischer Breite von Platzwart Colin erzählen.

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50 Stufen Grau

„Durch Dresden spazieren marschieren wieder die Vollidioten.“ – „Da musst Du aber differenzieren.“

„Oreo-Kekse schmecken wie Katzenklo.“ – „Da musst Du aber differenzieren.“

„RBS Leipzig ist der größte Irrtum seit Rosinen im Käsekuchen.“ – „Da musst Du aber differenzieren.“

 

Nein, muss ich nicht.

 

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Sonntagsschuss: Abstieg

Westfalia Herne ist aus der Oberliga Westfalen abgestiegen

Viel ist seit der Winterpause bei Westfalia Herne passiert. Neuer Trainer, neue Spieler, fünf Niederlangen in Folge nach einer Serie von sieben ungeschlagenen Spielen. Durch den freiwilligen Rückzug des VfB Hüls hatte man vor dem finalen Spieltag der Oberliga Westfalen den Klassenerhalt dennoch in der eigenen Hand. Allein dieser Umstand musste nach einer Vorrunde mit nur sechs(!) Punkten bereits als Erfolg gewertet werden.

Westfalias seit Jahren vor sich hin darbende Fanszene hatte noch einmal alles mobilisiert und zeigte im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck dreistellig Präsenz. Die Mannschaft bot ein gutes, ein mitreißendes, in der zweiten Halbzeit sogar hervorragendes Spiel. Zumindest in der Offensive. Denn „dass man keine Querpässe im eigenen Strafraum spielt, lernt man schon bei Schonnebeck in der E-Jugend“ – 83. Minute, das 2:3 für Aplerbeck, die Entscheidung. Konkurrent SV Zweckel wird seine Partie sicher gewinnen und somit hätte nur ein Sieg Herne gerettet.

Trainer Holger Wortmann betont während der Pressekonferenz noch einmal, dass man den Abstieg nicht dem heutigen Ergebnis, sondern der desaströsen Hinserie zu verdanken habe. Er mag recht haben, aber… kein Trost. Abstieg.

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Ortstermin #Fußballkultur: Sané – Déplacer les buts

Lost Places sind cool. Vor sich hin gammelnde Fußballplätze sind cool. Die Schnittmenge aus beiden natürlich der Hammer. Kann man nun noch die Verbindung zu einem bekannten Namen herstellen, wird die Angelegenheit sogar ein Thema für diese Seite.

:: Hollandes Sparzwänge

Im Oktober 2013 verkündete das französische Verteidigungsministerium die Auflösung des 110. Infanterieregiments. Eine hierzulande vernachlässigbare Meldung, wäre jenes nicht als Teil der Deutsch-Französischen Brigade im südbadischen Donaueschingen stationiert gewesen.


Kasernengebiet zwischen Villinger Str., Hindenburgring und Friedhofstr.

Genau 50 Jahre waren die Franzosen für die 21.000 Einwohner-Stadt und die umliegenden Gemeinden ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und darüber hinaus bei der restlichen Bevölkerung überaus beliebt. Aus und vorbei – die überwiegende Mehrheit der zuletzt rund Tausend Soldaten und Zivilangestellten sagte bereits 2014 zum letzten mal au revoir.

Über die zukünftige Nutzung des Areals wurde bislang nicht endgültig entschieden, die Verantwortlichen geben sich trotz der bevorstehenden Mammutaufgabe aber betont gelassen. Wohnen, Gewerbe, Mischnutzung – vieles scheint möglich. Vergangenen Sommer führte eine Lokalzeitung erstmals eine Gruppe interessierter Bürger über das riesige Gelände mit seinen knapp fünfzig Gebäuden.

Ende Mai 2015 sind noch einige wenige Wohnungen direkt hinter dem Eingangsbereich der Foch-Kaserne bewohnt. Eine Notbesatzung ist damit beschäftigt, die ordnungsgemäße Übergabe und Abtransporte zu organisieren. Dürfen wir hier überhaupt sein? Es gibt keine Wachen mehr, klar. Doch nach wie vor verbieten nicht zu übersehende Schilder bilingual das Betreten des Terrains. Sich einfach nicht erwischen lassen ist vielleicht eine gute Idee.

:: Auf den Punkt kommen

Ach ja, das hier ist ein Fußballblog. Und ein bisschen Promi-Glitzer hatte ich ja auch angedeutet. Gestern Abend hatte einer der – persönliche Meinung – wichtigsten Protagonisten der Bundesliga in der Nachwendezeit einen seinen selten gewordenen Auftritte im deutschen Fernsehen. Live aus seinem ehemaligen Wohnzimmer, in dem gut zwei Stunden später einem seiner Söhne ein Meisterpokal überreicht werden sollte.

Für Schnellmerker: Die Rede ist von Souleymane „Samy“ Sané. Und bevor dieser in Freiburg und noch etwas später in Bochum 6 für Schlagzeilen und vor allem Tore sorgte, leistete er am Rande des Schwarzwalds seinen Militärdienst ab. Als Teil des 110. Infanterieregiments.

Ohne es beweisen zu können: Die ersten Tore auf deutschem Boden dürfte der Mann mit den 51 Bundesligatreffern auf einem denkbar unglamourösen Kasernensportplatz als Mitglied der Kompaniemannschaft erzielt haben. Und diesen Platz gibt es immer noch.

Sogar eine kleine Tribüne ist vorhanden, deren massive Betonstufen ihre besten Tage allerdings hinter und die sich auf der Rückwand austobenden Graffitikünstler hoffentlich noch vor sich haben. Die Laufbahn ist uneben, der Rasen wird nur selten und im unmittelbaren Torbereich gar nicht mehr gemäht. Vor sich hin gammelnde Fußballplätze sind cool.

Genug gelabert – Fotos (zum Vergrößern anklicken):

Militärgelände - Zutritt verboten

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