Europacup-Impressionen: Mainz 05 – Gaz Metan Mediaș

UEFA Europa League Qualifikation – 11/12
FSV Mainz 05 – Gaz Metan Mediaș
1:1 (1:0)
28.07.11, Coface Arena (Mainz)
15.759 Zuschauer (ca. 100 Gästefans)

Bislang habe ich den Straßen-Spielteppich meines vierjährigen Neffen für das Nonplusultra stadtplanerischer Anarchie gehalten. Bis gestern Abend, um genau zu sein. Denn da hat mir das unmittelbare Umfeld des neuen Stadions von Mainz 05 eine herbe Lektion erteilt.

Wir finden dort einen gelben Quader, der sich als Studentenwohnheim samt Mensa entpuppt, andere kunterbunte Fertighäuser ähnlicher Machart, wilde Feldwege, ein wenig Industriegebiet, eine Schnellstraße, Baustellenüberreste, Wohnsilos aus den 70ern, Brachland sowie jede Menge Getreidefelder, die sanft im Rhythmus der am Horizont schwurbelnden Windräder grooven.

Und mitten in dieser auf Jahre hinaus unschlagbaren Konzeptlosigkeit steht eben jenes rote UFO, von dem kein Mensch weiß, wie es eigentlich richtig ausgesprochen wird. Auf den Videowänden wird übrigens stets auf die „neue Kuhfäis Arena“ (Artikulationsvorschlag) hingewiesen. Als ob die Hausherren mit stolzgeschwellter Brust betonen möchten, dass sie sich von der international operierenden Stadionmafia keinen Gebrauchtsportplatz mit manipuliertem Tacho und stümperhaft lackiertem Totalschaden haben andrehen lassen.

Apropos stümperhaft:

Anstoss statt Anstoß lassen wir in Gedenken an die geniale Fußballmanager-Serie gerade noch durchgehen. Aber den Namen des Gegners auf den Eintrittskarten für ein Eurobbabogaaahl-Spiel falsch zu schreiben, das geht einfach gar nicht. Als Bestrafung fordert die Stadioncheck-Redaktion 15.759 Stockhiebe auf die verantwortlichen Volunteerhände. Nackt.

Das wäre zufälligerweise genau einer pro gestrigem Zuschauer. Zugegeben, Hertha hatte gegen attraktivere Gegner schon schlechtere Besucherzahlen, dennoch ist dieser Wert natürlich blamabel. Hallo Meenzer: Das war das Eröffnungsspiel EURER „neuen Köfaße Arena“ (iss klar, ne?)! Das kommt nie wieder.

26.600 hätten rein gepasst, in der Bundesliga noch einmal knapp 7.000 mehr. Zwar habe ich nicht noch nicht so ganz verstanden, wo genau sich die Stehplatzkurve für die Heimfans bei nationalen Spielen befinden soll. Das Stadion mit seinen trapezförmigen Tribünen und den dadurch weitestgehend offenen Ecken gefällt aber auf jeden Fall. Für einen Neubau finde ich es sogar ziemlich genial.

Mainz 05 – Gaz Metan 1:1. Weder Resultat noch dessen Entstehung taugen dazu, in 50 Jahren mit feuchten Augen den Enkeln erzählt zu werden. Dabei besaß das Spiel durchaus viele Grundzutaten für eine packende Europacup-Nacht: Flutlicht, Regen, einen in der ersten Hälfte groß aufspielenden Zoltan Stieber und – ganz wichtig – eine halbwegs frühe Mainzer Führung. Kann eben nicht immer klappen.

Noch etwas Positives zum Schluss: Die An- und Abreise mit Shuttlebussen funktionierte zügig und reibungslos. Ob diese Erfahrung ein Muster mit Wert ist, wird sich im Bundesligaalltag mit mehr Verkehr auf den Straßen, doppelt so vielen Zuschauern, Tausenden Gästefans und einem höheren Anteil Bahnreisender allerdings erst noch zeigen müssen.

Fotos:















Torlos glücklich

UEFA Europa League – 09/10
FC Salzburg – Standard de Liège
0:0
25.02.10, R** Arena (Wals-Siezenheim)
26.500 Zuschauer (ca. 2.500 Gäste)

Falls ihr euch immer schon einmal gefragt habt, wo die ganzen Halbstarken wech sind, die es mit traumwandlerischer Sicherheit bewerkstelligen, die morgendliche Straßenbahnfahrt zur Maloche oder in die Uni, wenn die Laune natürlich eh schon in den Seilen hängt, vollends zu vermiesen: Ich kanns euch verraten.

Die werden in Salzburg produziert. Unglaublich was da rumläft. Abseits des Marzipan-Overkills muss sich in der Mozart-Stadt von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt ein neuer Exportschlager etabliert haben. Quasi Krocha made in Salzburg.

Fußball gab es natürlich auch zu sehen. Und zwar ein – wie sagt man so schön? – 0:0 der besseren Sorte. Standard kam auf dem ungewohnten Kunstgeläuf von Beginn an gut zurecht und schaukelte das Ding am Ende souverän über die Zeit. Einen etwas ausführlicheren Bericht gibt es auf 11Freunde Auswärtsspiel.

Fotos:

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Links KW 13 2010

Mit Lichtorgel in der Bullendisko (11freunde.de)

Wie männliche Cheerleader (ZEIT Online)

Ein-Mann-Armee des Weltfußballs (SPON)

Ultras in Britain are wrongly persecuted (WSC)

In die Enge getrieben (sueddeutsche.de)

*UPDATE* Alles auf Rot: Standard vs. HSV

*UPDATE*
19.03.: Die folgenden Angaben dürfen natürlich auch gerne von Anhängern des Hamburger SV genutzt werden. 😉
*UPDATE Ende*

Jawoll, die gestrige Auslosung für die nächste Runde der Europa League hat ergeben: Standard darf rotes Tuch bei den *hüstel* roten Bullen spielen. Und, liebe Salzburger, damit ihr euch bei der Suche nach Infos zu eurem Eliminator  in spe nicht unnötig anstrengen müsst (Referrer sind was feines), gibt es hier alles Wissenswerte auf einen Blick.

Anschrift
Royal Standard de Liège
2, Rue de la Centrale
4200 Liège
Tel.: +32 4 2 52 21 22
Fax: +32 4 2 52 14 69

Offizielle Website: www.standard.be

Allgemeinwissen
Stamnummer: 16
Vereinsfarben: Rot und Weiß
Spitzname: Les Rouches (die Roten)

Standard spielt in der Saison 09/10 das insgesamt 91. Jahr in der höchsten belgischen Spielklasse – davon mittlerweile 86(!) hintereinander.

Geschichte in Stichworten
27.05.1898: Gründung als Standard FC Liège
1910: Umbenennung in Standard Club Liège
1923: Umbenennung in Royal Standard Club Liège
1973: Umbenennung in Royal Standard Liège
1996: Anschluss von RFC Seraing

Erfolge
Belgische Meisterschaft: (10) 1958, 1961, 1963, 1969, 1970, 1971, 1982, 1983, 2008, 2009
Belgischer Pokal: (5) 1954, 1966, 1967, 1981, 1993.

Stadion
Name: Stade Maurice Dufrasne (auch bekannt als „Sclessin“)
Kapazität: 26.659 Sitzplätze

Als Sahne Schlagobershäubchen noch zwei Spielberichte zum Anfixen:

Standard – Club Brügge 2:1 (September 2007)
Standard – Anderlecht 2:0 (April 2008)