Sonntagsschuss: Abstieg

Westfalia Herne ist aus der Oberliga Westfalen abgestiegen

Viel ist seit der Winterpause bei Westfalia Herne passiert. Neuer Trainer, neue Spieler, fünf Niederlangen in Folge nach einer Serie von sieben ungeschlagenen Spielen. Durch den freiwilligen Rückzug des VfB Hüls hatte man vor dem finalen Spieltag der Oberliga Westfalen den Klassenerhalt dennoch in der eigenen Hand. Allein dieser Umstand musste nach einer Vorrunde mit nur sechs(!) Punkten bereits als Erfolg gewertet werden.

Westfalias seit Jahren vor sich hin darbende Fanszene hatte noch einmal alles mobilisiert und zeigte im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck dreistellig Präsenz. Die Mannschaft bot ein gutes, ein mitreißendes, in der zweiten Halbzeit sogar hervorragendes Spiel. Zumindest in der Offensive. Denn „dass man keine Querpässe im eigenen Strafraum spielt, lernt man schon bei Schonnebeck in der E-Jugend“ – 83. Minute, das 2:3 für Aplerbeck, die Entscheidung. Konkurrent SV Zweckel wird seine Partie sicher gewinnen und somit hätte nur ein Sieg Herne gerettet.

Trainer Holger Wortmann betont während der Pressekonferenz noch einmal, dass man den Abstieg nicht dem heutigen Ergebnis, sondern der desaströsen Hinserie zu verdanken habe. Er mag recht haben, aber… kein Trost. Abstieg.

Die Dinosaurier wer’n immer weniger

Dinosaurier

Trotz des jüngsten Auswärtssiegs in Kaiserslautern schwebt der Hamburger SV in echter Abstiegsgefahr. Wir wollen ja nichts beschreien… aber: Wann haben eigentlich die anderen 15 Teilnehmer der ersten Saison ihren Status als „Bundesliga-Dino“ verloren?

  • 1964: Als erste Gründungsmitglieder der Bundesliga steigen Preußen Münster und der 1. FC Saarbrücken sofort wieder ab.
  • 1965: Sportliche Absteiger gibt es aufgrund der Aufstockung auf 18 Teams nicht, Hertha BSC wird allerdings die Lizenz entzogen.
  • 1968: Der Karlsruher SC landet abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz.
  • 1969: Der 1. FC Nürnberg schafft das bis heute unwiederholte Kunststück, als amtierender Meister abzusteigen.
  • 1970: Der TSV 1860 verlässt nur vier Jahre nach seiner ersten und einzigen Meisterschaft die 1. Liga.
  • 1972: Borussia Dortmund verschwindet für vier Spielzeiten in der Zweitklassigkeit.
  • 1973: Sechs Jahre nach dem Titelgewinn muss Eintracht Braunschweig erstmalig den Gang in die Regionalliga antreten.
  • 1975: Der VfB Stuttgart steigt in die neu gegründete 2. Bundesliga Süd ab.
  • 1980: Ähnlich wie den VfB erwischte es Werder Bremen bislang nur einmal.
  • 1981: Die 80er waren eine schwierige Zeit für den FC Schalke 04, die mit dem ersten Abstieg begann.
  • 1982: Erstaunlich, dass sich der MSV Duisburg so viele Jahre am Stück in der Bundesliga halten konnte.
  • 1996: Nach 14 Jahren Schonzeit erwischt es mit dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt gleich zwei „Dinos“.
  • 1998: Der 1. FC Köln erhält seine Bestimmung als Fahrstuhlteam.

Was sagt uns diese Auflistung? Nicht viel. Muss sie ja auch nicht. Interessant, dass Preußen Münster als einziger Club nie den Wiederaufstieg geschafft hat. Immerhin: Dass der MSV Duisburg erst nach seiner 19. Bundesliga-Saison die Bundesliga erstmalig verlassen musste, hat mich wirklich überrascht.

Zu Besuch bei der Schäng-Gäng: Fortuna Köln – Westfalia Herne

NRW-Liga – 10/11
SC Fortuna Köln – SC Westfalia Herne
2:0 (1:0)
22.05.11, Südstadion (Köln)
500 Zuschauer (ca. 25 Gäste)

Über zehn Jahre wohnt er nun schon im weltbesten Bundesland Europas, hat das eine oder andere Fußballspiel mitgenommen, doch bis in die Bezirkssportanlage Köln-Süd hatte es der Verfasser dieser Zeilen bislang noch nicht geschafft. Einmal, 2002, befand ich mich bereits auf dem Weg zu einer Regionalliga-Partie gegen die Namensbase aus Düsseldorf, ehe mir unwetterartige Regenfälle einen Spielausfall und einen nicht geplanten Ausflug nach Wuppertal bescherten.

Regen ist eine gute, nein, eine phantastische Überleitung. Denn auch am vergangenen Sonntag beginnt es etwa eine Stunde vor Spielbeginn wie aus Kübeln zu kübeln. Doch der Mai war noch nie ein Februar, und so steht eine eine erneute Absage natürlich nicht zur Debatte. Und zumindest uns Zuschauern bietet die erst seit kurzem mit Plastiksitzen ausgestattete Haupttribüne auch ausreichend Regenschutz.

Ferner kann das Südstadion auch mit einer fünfstelligen Anzahl an Stehplätzen auftrumpfen. Von deren Steilheit bin ich doch einigermaßen angetan, ich hätte mir die Sichtverhältnissen insbesondere von den Hintertorbereichen deutlich schlimmer vorgestellt. Netter Kontrast: Während sich auf der Tribüne die Kirmesproll-Fraktion niederlässt, hat sich in einer der Kurven alternativ angehauchte Fortuna-Fans eingerichtet. Mit zahlreichen Fahnen, Reggae-Musik vom eigenen DJ-Pult samt passender Rauchwaren. Garantiert kunstrasenfrei.

Game Over?

Kölsches Original oder unerträglicher Dampfplauderer? Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Die Rede ist nicht etwa von Calli, sondern von einem älteren Herrn mit Vollglatze, der kurz nach Anpfiff mit der Sammelbüchse durch die Reihen wandert. Ich hoffe nur, dass meine 57 Cent an die Jugendabteilung und nicht etwa an „deinfussballclub.de“ gehen.

Dabei könnte das ambitioniert gestartete Projekt vermutlich jeden Penny gebrauchen. Der Real-Life-Fußballmanager für die Freaks unter den Nerds verzeichnet trotz tatkräftiger Unterstützung durch Nachwuchsregisseur Sönke Wortmann momentan lediglich 7.313 Mitglieder. Zu wenig, meint unter anderem der Kölner Stadtanzeiger und befürchtet bereits das Aus der ganzen Geschichte, sollte der angepeilte Aufstieg auch in der nächsten Spielzeit nicht realisiert werden. Abwarten.

Die Westfalia wird hingegen von ganz anderer Sorgen geplagt. Abstiegsängste. Und die sind nach der verdienten 0:2-Niederlage nicht kleiner geworden. Einer unterirdischen ersten folgt eine passable zweite Halbzeit, für die man sich in Herne aber nichts kaufen kann, da die durchaus vorhandenen guten Chancen inklusive Foulelfmeter kläglich versemmelt werden.

Im letzten Saisonspiel gegen Homberg geht es nun um Alles oder Nichts. Und kompliziert wird es auch. Alle möglichen Szenarien durchzuspielen würde den Rahmen sprengen, deshalb nur soviel: Westfalia ist von den Ergebnissen der Konkurrenz genauso abhängig wie von denen der abstiegsgefährdeten NRW-Vereine in der Regionalliga West. Auch der Lizenzentzug des bisherigen Drittligisten RW Ahlen könnte noch eine Rolle spielen. Kompliziert, wie gesagt.

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

Fotos Fortuna Köln – Westfalia Herne Fotos Fortuna Köln – Westfalia Herne
Fotos Fortuna Köln – Westfalia Herne Fotos Fortuna Köln – Westfalia Herne

Abgestiegen. Abgeschrieben. Amateure.

Grimsby Town ist ein englischer Viertligist, beheimatet an der Nordseeküste im äußersten Nordosten des Landes. Vor vier Jahren habe ich den Club noch im Play-Off-Final in Cardiff erlebt, danach setzte jedoch ein stetiger Abwärtstrend ein. Drei Spieltage vor Ende der aktuellen Saison ist man so gut wie abgestiegen, der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt bereits sieben Punkte.

Die Mariners benötigen also bereits ein mittelgroßes Fußballwunder, um den tiefen Fall in das „Non-League“ genannte Amateurlager doch noch irgendwie zu verhindern. Der User „Poojah“ scheint allerdings kein besonders gläubiger Mensch zu sein. Unter dem Einfluss der jüngsten 0:3-Niederlage lässt er im Forum der Grimsby-Town-Fanseite „The Fishy“ die Welt an seinem lesenswerten Frust teilhaben:

Die Arbeit kann mich mal. Wenn die glauben, dass ich am Montag da sein werde, haben sie sich geschnitten. Auf keinen Fall werde ich meine Zeit mit Arschlöchern verbringen, die ich bereits bei guter Laune kaum ertrage, geschweige denn in meiner momentanen Verfassung. Ich bin zornig, frustriert und fühle mich, als hätte man mir kräftig in die Eier getreten.

Diese Premier-League-Pseudofans können mich mal. Ich habe eben mit meinem Manchester United unterstützenden Nachbarn (Der, nebenbei bemerkt, wie oft bereits Old Tafford von innen gesehen hat? Zweimal!) über Towns Dilemma gesprochen. Könnt ihr euch vorstellen, was er gesagt hat?
„Ich weiß, wie du dich fühlst. Das ist eine Situation wie 1995, als wir keinen einzigen Titel geholt haben.“
NEIN, DAS IST ES VERDAMMT NOCH MAL NICHT!

Er hat kein Gesicht mehr.

Meine Freundin kann mich auf jeden Fall mal. Ihr bester Versuch mich zu trösten: „Ich verstehe nicht, warum dich das so mintnimmt. Du wusstest doch, dass die Mannschaft scheiße ist.“
Mag sein Liebste, aber es ist MEIN scheiß Verein.

Den kompletten Ausraster plus sechs Seiten Diskussion gibt es hier. Kinder und zart besaitete Gemüter seien hiermit allerdings vor zahlreichen Kraftausdrücken gewarnt.

„Blamage-Gefahr…

…in Neckarelz“. So betitelt der Online-Ableger eines recht bekannten Leitmediums seinen Beitrag zur Auslosung der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal. Es bleibt abzuwarten, ob der Rekordpokalsieger in der nordbadischen (akuter Pleonasmus-Alarm!) Provinz tatsächlich ins sportliche Straucheln gerät. In München ist das längst passiert. Wohlgemerkt nicht etwa in der Säbener, sondern in der Hultschiner Straße. Qualität kommt offensichtlich wirklich von Qual:

sz-liga02

Oberhausen, Oberhausen… zweite oder dritte Liga… mal ehrlich, wen interessiert das überhaupt?

sz-liga01 OK, der überraschende Doppel-Abstieg des amtierenden deutschen Meisters hätte vielleicht etwas mehr mediale Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Return of the Relegation

Jetzt ist sie also wieder da, nach 18 Jahren Pause. Nur die Älteren werden sich an legendäre Partien wie das Duell des juvenilen Tony Yeboah (verstärkt durch zehn andere Saarbrücker) mit Eintracht Frankfurt erinnern.

Mein Tipp: Die Paarungen sind wirklich sehr ausgeglichen und versprechen vier spannende Kampfspiele. Nürnberg und Osnabrück werden sich jeweils knapp durchsetzen.

Relegation zur 1. Bundesliga
LIVE IN DER ARD

Do 28.05.09 18:00
Energie Cottbus – 1. FC Nürnberg
So 31.05.09 15:30
1. FC Nürnberg – Energie Cottbus

Relegation zur 2. Bundesliga
LIVE IM NDR / WDR

Fr 29.05.09 20:30
SC Paderborn 07 – VfL Osnabrück
Mo 01.06.09 15:30
VfL Osnabrück – SC Paderborn 07