Weltpokalsiegerkeimzellenbesieger

Informiert man sich über Gründungsgeschichte und Anfangsjahre von Fußballvereinen, stolpert man in den meisten Fällen über Begriffe wie Abspaltung, Anschluss, Fusion, Bankrott, Umbenennung, Neugründung, etc. Auch die Entstehung des FC Bayern München, immerhin als einer von ganz wenigen Clubs unter seinem noch heute bestehenden Namen gegründet, macht da keine Ausnahme:

Am 27. Februar 1900 fand im Gasthaus „Bäckerhöfl“ eine Sitzung der Fußballabteilung des MTV München statt. Es war kurz zuvor zu einem Streit über die weitere Entwicklung der Fußballabteilung gekommen, da eine Generalversammlung des MTV dem Beitritt des Vereins zum süddeutschen Fußballverband eine Absage erteilt hatte. Um 21:30 Uhr verließen elf Männer […] das Lokal und fanden sich im Restaurant „Gisela“ in Schwabing ein, um noch am selben Abend den FC Bayern München zu gründen.

Schnitt.

Irgendwann Mitte der 90er traf ich mit meinem damaligen Verein im Rahmen eines international besetzten A-Jugend-Turniers in Italien auf 1879 München. Die Gruppenspiele dauerten zwei mal 20 Minuten und ich stand im Tor, logisch. Ansonsten erinnere ich mich nur noch an einen recht kuriosen Treffer unseres Laufwunders Uwe im Stile des Fitzelkönigs Torsten Oehrl. Ach ja, und an das Ergebnis natürlich: Das Dorf mit etwas über 1.000 Einwohnern (wir) besiegt die Millionenmetropole (München) mit 4:0.

Heute, bereits anderthalb Jahrzehnte nach diesem Triumph bzw. 112 Jahre nach Gründung des FC Bayern bin ich dann auch mal auf den Trichter gekommen, dass 1879 München und MTV München beide dasselbe meinen: Den Männer-Turn-Verein München von 1879 e.V. (MTV von 1879).

Ich bin dann mal T-Shirts drucken.

Sonntagsschuss: Rehden ist Silber

5.631 Menschen leben in der Samtgemeinde Rehden. Und statistisch gesehen waren fast alle Einwohner zugegen, als der große Fußball einmal kurz in der niedersächsischen Provinz Station machte. Doch selbst die eilig errichteten Stahlrohrtribünen konnten aus den beschaulichen „Waldsportstätten“ keine Festung machen: Die Münchner Löwen gewannen ihre Erstrundenpartie im DFB-Pokal 2003/04 vor 5.500 Zuschauern souverän mit 5:1.

Die Nr. 2 der Stadt

Nachdem wir uns spätestens gestern gedanklich in die Winterpause verabschiedet haben, ist es mal wieder an der Zeit für eine kleine Statistikspielerei. Einfache Frage: Auf welchem Niveau kicken eigentlich die am zweithöchsten klassierten Vereine der 20 größten Städte Deutschlands?

Einfache Antwort:

Rang Stadt Level Verein(e) Einwohner
1. Frankfurt/Main II Eintracht Frankfurt; FSV Frankfurt 679.664
2. München II TSV 1860 München 1.353.186
3. Hamburg II FC St. Pauli 1.786.448
4. Berlin II 1. FC Union Berlin 3.460.725
5. Stuttgart IV Stuttgarter Kickers 606.588
6. Köln IV Fortuna Köln 1.007.119
7. Mannheim V VfR Mannheim 313.174
8. Bielefeld V TuS Dornberg 323.270
9. Duisburg V VfB Homberg 489.599
10. Leipzig V 1. FC Lok Leipzig 522.883
11. Bremen V die meisten Vereine der Bremen-Liga 547.340
12. Essen V ETB Schwarz-Weiß 574.635
13. Bochum VI SG Wattenscheid 09; DJK TuS Hordel 374.737
14. Nürnberg VI Dergah Spor Nürnberg 505.664
15. Hannover VI mehrere Vereine der Landesliga Hannover 522.686
16. Dortmund VI mehrere Vereine in der Verbandsliga Westfalen II 580.444
17. Düsseldorf VI TuRu Düsseldorf 588.735
18. Bonn VII Bonner SC; DJK BW Friesdorf; 1. SF Brüser Berg 324.899
19. Wuppertal VII mehrere Vereine in der Landesliga Gruppe 1 349.721
20. Dresden* VII FV Dresden 06 Laubegast, SG Weixdorf, Post SV Dresden 523.058

*Der eigentlich in der fünftklassigen Oberliga Nordost-Süd aktive SC Borea Dresden hat seine Mannschaft kurz nach Saisonbeginn zurückgezogen.

Bei der Sortierung der Liste wurde bei gleichem Level die kleinere Stadt besser platziert. Den Vogel abgeschossen hat mal wieder die ehemalige Hauptstadt Bonn, wo selbst der beste Verein der Stadt nicht über einen Mittelfeldplatz in der 7. Liga hinaus kommt. Aber auch so manche als Fußballhochburg geltende Ortschaft hat neben dem sportlichen Aushängeschild augenscheinlich nicht viel zu bieten.

Eislaufmuttis sind keine Verbrecher

Pöbeln, spucken, Linienrichter bedrohen – erziehungsberechtigte Sportplatzbesucher haben einen harten Job. In Niedersachsen, bekanntermaßen so etwas wie das Nord-Sizilien unter unseren Bundesländern, haben es einige Elternteile anscheinend mit ihrer Fürsorge etwas übertrieben und den heimischen Landesverband zu drastischen Maßnahmen greifen lassen.

Im Mai diesen Jahres hat der NFV unter der Schirmherrschaft von Schiedsrichter Florian Meyer das Pilotprojekt „Eltern-/Fanzonen“ ins Leben gerufen. Auf der NFV-Webseite – für deren Gestaltung übrigens der Betreuer meiner Bachelor-Thesis verantwortlich zeichnet – heißt es unter anderem:

Durch eine mind. fünf Meter vom Spielfeld entfernte, mit Hütchen abgesteckte Eltern- und Fanzone soll die direkte Ansprache der Kinder von außen unterbunden werden.

Für die Umsetzung des in der Lokalpresse „Eltern-Sperrzonen“ titulierten Vorhabens gibt es natürlich auch ein eilig angefertigtes Handbuch im PDF-Format zum Herunterladen. Muss ja alles seine Ordnung haben.

Sieg oder Spielabbruch

Gestern hat sich Schiedsrichter Sven Binder beim Stand von 0:0 für den vorzeitigen Abbruch (der erste meiner Zuschauer“karriere“) der Oberligapartie Göttingen 05 gegen Rehden entschieden. Er hatte gute Gründe:

Video: Stadionbau anno 1939

Das Jahr 1939 war nicht das unbeschwerteste in der Geschichte unseres Landes. In Worms am Rhein besitzt man dennoch die die Muße, sein erst zwölf Jahre zuvor errichtetes Stadion einer Komplettrenovierung zu unterziehen. Und in der Stadt, nach der später Computerspiele benannt werden sollten, gibt es sogar einen Hobbyfilmer, der die Arbeiten in der damaligen Adolf-Hitler-Kampfbahn für die Nachwelt festhält.

Heutzutage sind Stadionbau-Dokumentationen natürlich Massenware, Filmmaterial aus dieser dunklen Ära ist allerdings fast schon als als kleine Sensation zu bezeichnen und daher unbedingt sehenswert. Daran ändert auch die eigenwillige Musikuntermalung – nicht näher definierbares Technogedudel geht nahtlos in den Stranglers-Klassiker „Golden Brown“ über – nichts. Bittesehr:

Chrome de la Chrome

Wer sich im Internet über den Heimatverein von Lars und Sven Bender informieren möchte und dazu den Browser die als Browser getarnte Schnüffelsoftware Chrome verwendet, bekommt statt der vom Spielbeobachter in Aussicht gestellten Extraseite über die Brüder leider nur eine kleine Nachhilfestunde* in Netzneutralitätskunde:

Kein Zutritt für Chrome

Diese Website ist von ihren Betreibern für jegliche Betrachtung mit dem Google-Webbrowser »Chrome« explizit gesperrt worden. Google verfügt über die zurzeit größte Datensammlung über die Internet-Nutzung der Welt. Diese Datensammlung wird sich durch gezieltes Protokollieren Ihrer gesamten Netznutzung noch vergrößern, wenn Sie weiterhin diese als Browser getarnte Schnüffelsoftware verwenden. Ich betrachte es darüber hinaus als unverschämt, dass sich Google nicht im Datensammeln beschieden hat und sich auch noch mit einem dreisten Trick die Rechte an den Inhalten des Internet erschleichen wollte, ohne sich bislang bei den vielen Gestaltern des Internet auch nur für diesen Griff ins Klo zu entschuldigen. Die dumme Ausrede, dass es sich um ein Versehen mit dem Clipboard gehandelt haben solle, klänge vielleicht bei einer kleinen Klitsche glaubwürdig, nicht aber bei einer vor Juristen strotzenden Krake wie Google.
Bitte verwenden Sie in Zukunft den Browser eines Herstellers, der die Rechte der Gestalter des Internet ein wenig achtet und nicht jeden Tag durch seine Datensammelwut die Privatsphäre aller Menschen ignoriert. Vielen Dank!

*Ob kostenlos oder umsonst ist sicher Ansichtsache.