Die moderne Variante des Brechstangenfußballs

…ist eben manchmal auch die Antithese von Barzelona.

Unglaublich großartig, dieser Alfred Tatar. Falls der Mann irgendwann mal keine Lust mehr haben sollte, so genannte „Zweitligafußballer“ in Österreich in die Kunst der modernen Brechstange einzuführen – er möge bitte ad hoc als Experte für’s Fernsehen verpflichtet werden!

SpVgg Donaudampfschiffkapitänsmütze – Gemischtwaren-Blog – R. Töpper, Wien

Der LASK Linz fristet ein ähnliches Dasein wie der UIC-Cup oder das HIV-Virus, steht das L im Akronym LASK doch bereits für „Linzer“. Über diese kleine Ungereimtheit schauen wir jedoch gerne hinweg, immerhin ist der Linzer ASK Linz einer von wenigen Vereinen Österreichs, der (noch) auf den Verkauf seines guten Namens verzichtet.

Nachhilfeunterricht könnten die Linzer allerdings bei ihrem Gegner in der ersten Runde des ÖFB-Cups nehmen. Dem frisch zwangsabgestiegenen Drittligisten wurde AUSGERECHNET ein Club zugelost, der das Verramschen seiner Identität offensichtlich längst perfektioniert hat: the one and only SV Spittal – Fliesen Nessl – Karosseriebau Toni Kluge.

Mehr. Geht. Nicht.

SV Spittal – Fliesen Nessl – Karosseriebau Toni Kluge. Schon jetzt unser WTF-Moment des Monats.

Stadion-Porträt: Wörthersee Stadion, Austria Klagenfurt

Premiere auf Stadioncheck.de: Ein Gastbeitrag. Matthias, Mastermind hinter Schalkefan.de, ist mit dem österreichischen Bundesland Kärnten familiär verbunden und versorgt uns Stadionfreaks daher mit Fotos und einem Porträt des EM-Stadions in der Landeshauptstadt Klagenfurt. Wir bedanken uns ganz herzlich, ein Besuch bei Matthias‘ famosem Blog wird hiermit auch Nicht-Schalkern mit durchaus imperativem Subtext empfohlen.

Das Wörthersee Stadion war die modernste und galt als die stimmungsvollste Spielstätte der „Euro 2008“ in Österreich und der Schweiz. Der Oberrang, eine Stahlrohr-Tribüne mit Tränenblech-Bodenbelag, sorgte durch seinen Resonanzkörper für eine außergewöhnliche Stimmung, unter anderem bei zwei Vorrundenspielen des späteren Vizeeuropameisters Deutschland. Dieser Glanz täuschte darüber hinweg, dass Klagenfurt als Spielstätte der EM ein Planungsfehler war. Denn im dünn besiedelten Bundesland Kärnten existiert keine Infrastruktur für Fußball auf nationalem Niveau.

Euro 2008 in Klagenfurt (Kroatien v Deutschland)

Landeshauptmann Jörg Haider, der den Bau und die Austragung der „Euro“ in seinem Stammland zur Chefsache gemacht hatte, fädelte in Ermangelung eines Erstligaclubs den Deal ein, die Bundesliga-Lizenz des ASKÖ Pasching (in Deutschland besser bekannt unter dem Namen SV Pasching) zu kaufen und nach Klagenfurt zu transferieren. Doch auch der so geschaffene Retortenclub SK Austria Kärnten schaffte es nicht, österreichischen Spitzenfußball im südlichen Bundesland zu etablieren, stieg kurz nach der Europameisterschaft ab und meldete Konkurs an. Sämtliche Wiederbelebungsversuche scheiterten – auch und vor allem weil Haider zwischenzeitlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Heute wird das Stadion vom unterklassigen SK Austria Klagenfurt genutzt, der seine Heimspiele vor wenigen Hundert Zuschauern austrägt und gegen den im Juni 2011 ebenfalls ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde. Ausgang offen.

Um das Wörthersee Stadion nicht gänzlich ungenutzt zu lassen, vergab der Österreichische Fußballbund (ÖFB) zahlreiche Länderspiele und nationale Pokalendspiele nach Klagenfurt. Auch das im Januar 2010 ausgetragene Eishockeyderby zwischen den beiden nationalen Spitzenteams Villacher SV (VSV) und dem Klagenfurter Athletiksport Club (KAC) sorgte mit 30.500 Zuschauern für das seltene Erlebnis eines nahezu ausverkauften Hauses.

Das heutige Wörthersee Stadion wurde in den Jahren 2006 und 2007 auf dem Gelände seines im Jahr 1960 erbauten namensgleichen Vorläufers vollständig neu errichtet. In der Baukalkulation enthalten war ursprünglich der sofortige Rückbau nach der EM auf 22.000 Zuschauer. Mehrere Abnehmer für die Elemente des Stahlrohr-Oberrangs aus dem In- und Ausland standen bereit. Doch das überbordende Lob der Fußballfachwelt für die großartige Spielstätte verleitete das Land Kärnten dazu, den Rückbau so lange zu verzögern, bis das Material des Oberrangs aus baustatischer Sicht wertlos wurde und potenzielle Käufer Abstand nahmen. Die im Haushalt der Betreibergesellschaft eingeplanten Rückbaukosten wurden innerhalb kürzester Zeit durch die laufenden Betriebskosten aufgezehrt, sodass letztendlich das Geld fehlte, die Planungen umzusetzen. Zuletzt durfte der Oberrang aufgrund von genehmigungsrechtlichen Streitigkeiten nur noch an wenigen Terminen im Jahr genutzt werden.

Derzeitiger Stand ist, dass ein Rückbau nicht stattfinden und stattdessen die Statik des Oberrangs nachgebessert werden soll. Das Wörthersee Stadion soll in seiner derzeitigen Form erhalten bleiben. Allerdings wird auch das nichts daran ändern, dass es auf unabsehbare Zeit eine wunderschöne Sportstätte ohne nennenswerte fußballerische Nutzung bleiben wird.

Stadion-Daten:

Wörthersee Stadion, Klagenfurt (auch: Sportpark Klagenfurt)
Adresse: Südring 207, 9020 Klagenfurt, Österreich
Heimatverein: SK Austria Klagenfurt
Kapazität: 32.000
Erbaut: 2006 bis 2007

Fotogalerie:

Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt

Fotos und Text: Schalkefan.de

„Hans Krankl, sogn’s irgendwos“

Wer im Baden-Württemberg der 1980er-Jahre aufwuchs, tat dies zusammen mit der Mini-ZiB, Petzi, Helmi und natürlich mit Enrico und den anderen Knalltüten von Am dam des. Nur Bahnhof verstanden? Macht nix – die Rede ist vom großartigen Kinderprogramm (nicht ironisch gemeint) des ORF.

Daneben konnte das öserreichische Staatsfernsehen vor allem durch aktuelle Filme ohne Werbeunterbrechungen und regelmäßigen Fußballübertragungen punkten. Es mag für premierleagueverwöhnte Sky-Abonnenten vielleicht ein bisschen pervers klingen, aber ich habe die österreichische Bundesliga trotz ihrer mäßigen Qualität immer gerne verfolgt.

So kam es, dass ich 1992 zufällig Zeuge einer legendären Interviewsituation wurde, auf die ich mir zum Ausstrahlungszeitpunkt keinen wirklichen Reim machen konnte. Lag wohl an der Randomness – so würde es zumindest der Engländer nennen – des Gesehenen. Immer mal wieder habe ich in den vergangenen Jahren auf den gängigen Videoportalen danach erfolglos gesucht. Und inzwischen hat sich endlich jemand die Mühe gemacht, das Ding hochzulanden. Grandios. Youtube spült irgendwann einfach alles nach oben!

Zur Einordnung: Hans Krankl versuchte sich damals ausnehmend erfolglos als Trainer von Rapid Wien und spekulierte außerdem ganz offensichtlich auf die Rolle des Heinrich „Isch scheiß disch sowas von zu mit mein’m Jeld“ Haffenloher in Kir Royal. Die Darstellung des schmierigen Großindustriellen blieb dann allerdings doch Mario Adorf überlassen, Krankls Posten beim Rekordmeister sollte in der drauffolgenden Saison von Gustl Starek übernommen werden.

Krankl zeigte sich ob dieser beruflichen Hiobsbotschaften derart erzürnt, dass er für  die verbleibenden Partien als Rapid-Coach nicht mehr mit der Presse sprechen wollte. Das zog er dann auch erstmal durch, bis er von einem hartnäckigen Reporter vor Anpfiff eines Wiener Derbys geradezu bekniet wurde, dieses Schweigegelübde doch bitte zu brechen. Was er dann auch tat:

Wilde Riten, fremde Kulturen

Etwa 500 Fußballspiele habe ich ich in den letzten zehn Jahren live im Stadion verfolgt. The Good, the Bad and the Ugly. Auch auf den Zuschauerrängen gab es manche Absonderlichkeit zu entdecken, doch so etwas wie im Februar 2010 habe ich noch nie gesehen: Ein älterer Mensch, 100 Prozent olivgrün.

Eine alte österreichische Frau mit einer Burka verhüllt

Das Geschlecht war nicht eindeutig auszumachen, es müsste aber eine Frau gewesen sein. Da selbst das Gesicht dieser Kultperson komplett von grobem Deckenstoff umhüllt war, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um die landestypische Form einer „Burka“ handeln könnte.

Wo der Edelfan mit dem fremdartigen Kleidungsstil bewundert werden kann? Natürlich in Österreich.

Torlos glücklich

UEFA Europa League – 09/10
FC Salzburg – Standard de Liège
0:0
25.02.10, R** Arena (Wals-Siezenheim)
26.500 Zuschauer (ca. 2.500 Gäste)

Falls ihr euch immer schon einmal gefragt habt, wo die ganzen Halbstarken wech sind, die es mit traumwandlerischer Sicherheit bewerkstelligen, die morgendliche Straßenbahnfahrt zur Maloche oder in die Uni, wenn die Laune natürlich eh schon in den Seilen hängt, vollends zu vermiesen: Ich kanns euch verraten.

Die werden in Salzburg produziert. Unglaublich was da rumläft. Abseits des Marzipan-Overkills muss sich in der Mozart-Stadt von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt ein neuer Exportschlager etabliert haben. Quasi Krocha made in Salzburg.

Fußball gab es natürlich auch zu sehen. Und zwar ein – wie sagt man so schön? – 0:0 der besseren Sorte. Standard kam auf dem ungewohnten Kunstgeläuf von Beginn an gut zurecht und schaukelte das Ding am Ende souverän über die Zeit. Einen etwas ausführlicheren Bericht gibt es auf 11Freunde Auswärtsspiel.

Fotos:

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*UPDATE* Alles auf Rot: Standard vs. HSV

*UPDATE*
19.03.: Die folgenden Angaben dürfen natürlich auch gerne von Anhängern des Hamburger SV genutzt werden. 😉
*UPDATE Ende*

Jawoll, die gestrige Auslosung für die nächste Runde der Europa League hat ergeben: Standard darf rotes Tuch bei den *hüstel* roten Bullen spielen. Und, liebe Salzburger, damit ihr euch bei der Suche nach Infos zu eurem Eliminator  in spe nicht unnötig anstrengen müsst (Referrer sind was feines), gibt es hier alles Wissenswerte auf einen Blick.

Anschrift
Royal Standard de Liège
2, Rue de la Centrale
4200 Liège
Tel.: +32 4 2 52 21 22
Fax: +32 4 2 52 14 69

Offizielle Website: www.standard.be

Allgemeinwissen
Stamnummer: 16
Vereinsfarben: Rot und Weiß
Spitzname: Les Rouches (die Roten)

Standard spielt in der Saison 09/10 das insgesamt 91. Jahr in der höchsten belgischen Spielklasse – davon mittlerweile 86(!) hintereinander.

Geschichte in Stichworten
27.05.1898: Gründung als Standard FC Liège
1910: Umbenennung in Standard Club Liège
1923: Umbenennung in Royal Standard Club Liège
1973: Umbenennung in Royal Standard Liège
1996: Anschluss von RFC Seraing

Erfolge
Belgische Meisterschaft: (10) 1958, 1961, 1963, 1969, 1970, 1971, 1982, 1983, 2008, 2009
Belgischer Pokal: (5) 1954, 1966, 1967, 1981, 1993.

Stadion
Name: Stade Maurice Dufrasne (auch bekannt als „Sclessin“)
Kapazität: 26.659 Sitzplätze

Als Sahne Schlagobershäubchen noch zwei Spielberichte zum Anfixen:

Standard – Club Brügge 2:1 (September 2007)
Standard – Anderlecht 2:0 (April 2008)

Das Wunderteam: Nur noch 10

Stürmer von internationalem Format waren in Österreich einst Legion. Doch die fetten Jahre schienen längst vorbei, spätestens seit dem Karriere-Ende von Toni Polster.

Momentan hat Rapid-Angreifer Stefan Maierhofer aber beste Chancen, in die riesigen Fußstapfen von Sindelar, Krankl und Co. zu treten. Leider muss der 27-jährige Edeltechniker in der Nationalmannschaft die Kohlen quasi alleine aus dem Feuer holen.

Der Ex-Bayer wirkt ob seiner individuellen Klasse oftmals wie ein Fremdkörper in einer Mannschaft von drittklassigen Spielzerstörern. Auf ein neues Wunderteam müssen die leidgeplagten Fans wohl noch ein bisschen länger warten.

Wie heillos überfordert die Grobmotoriker im Mitspieler-Pelz mit seinen genialen Körpertäuschungen ohne Ball oder den butterweichen Kopfballverlängerungen sind, beweist dieser Zusammenschnitt der unglücklichen 0:2-Niederlage in Litauen. Doing.