EM 2012: Analogblog Halbfinale Deutschland – Italien 1:2

EM 2012: Analogblog Deutschland – Griechenland 4:2

Euro 2012: Analogblog Deutschland – Griechenland 4:2

Die Manfred-Manglitz-Medaille 2011/2012

Deutschland gilt als Torhüternation. Spanien eher nicht so. Und dennoch wird aus-ger-ech-net in der Primera Division bereits seit über 50 Jahren ein Preis verliehen, dessen Pendant hierzulande schmerzlich vermisst wird: Die „Trofeo Zamora“ für den Torhüter mit den wenigsten Gegentoren.

Namensgeber Ricardo Zamora war in der Premieren-Saison 1928/29 Torwart bei Espanyol Barcelona und hätte diese Trophäe mit 1,6 Gegentoren pro Spiel als Erster erhalten – Konjunktiv deshalb, weil der Award erst 30 Jahre später von der berühmt-berüchtigten Sportzeitung „MARCA“ ins Leben gerufen wurde.

Da die Sportzeitung „Stadioncheck“ traditionell ein Herz für Torhüter hat, möchten wir uns an dieser schönen spanischen Tradition orientieren und fortan eine vergleichbare Torhüter-Auszeichnung vergeben. Besonders super: Es gibt keine Jury, keine „Fan-Votings“, es zählen einfach nur harte Fakten.

Fehlt nur noch die passende Bezeichnung. Und auch hier trauen wir uns, die Spanier ganz frech zu kopieren. In der ersten Bundesliga-Saison erreichte Manfred Manglitz vom Meidericher SV mit 1,2 den besten Gegentore-Schnitt aller Torhüter, die mindestens ein Drittel aller Saisonspiele absolviert haben. Unser Preis wird demnach zu Ehren des vierfachen Nationalspielers den Namen Manfred-Manglitz-Medaille tragen.

Um das Ganze nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Die Manfred-Manglitz-Medaille für die Saison 2011/2012 geht an…

Manuel Neuer.

Es war knapp. Sehr knapp sogar. Noch am letzten Bundesliga-Spieltag hatten drei Torhüter reelle Chancen auf die, ähm, begehrte Auszeichnung. Letztendlich konnte sich der Bayern-Schlussmann aber gegen seine Verfolger Roman Weidenfeller und Marc-André ter Stegen durchsetzen.

Name Spiele Gegentore Schnitt
ter Stegen 34 24 0,706
Weidenfeller 32 22 0,688
Neuer 33 22 0,667

Herzlichen Glückwunsch.

Neuer: Fremde, Freunde, Eierkuchen

Koan ‚Hello again‘? Der fatalistischen Aufforderung des Königsblogs können und möchten wir uns jedenfalls (noch) nicht anschließen – wir hätten da nämlich noch ein Anliegen:

Fremde oder Freunde,
die Frage ist gestellt,
und wir müssen wissen,
wie nun der Würfel fällt.
Du nur kennst die Antwort,
du und nicht der Wind
ob wir von nun an
Fremde oder Freunde sind.

Derby-Nachlese: Glück auf, Glück galore

Neuer entpuppte sich mit Paraden am Fließband als BVB-Spielverderber – zudem hatte der Schalker Kapitän Glück bei Pfostenschüssen von Lucas Barrios (55. Minute) und Mario Götze (85.).

Dieses Zitat steht beispielhaft für eine Vielzahl an Pressemeldungen und Spielerstimmen, die am vergangenen Wochenende zu lesen waren. Vom Geplapper auf Twitter und Facebook ganz zu schweigen. Doch stimmt das überhaupt? Hat sich der „FC Neuer 04“ dieses 0:0 tatsächlich einfach nur erduselt?

Fangen wir mal bei Manuel Neuer an. Traurig aber wahr: Die Torhüterposition ist die einzig verbliebene, auf der wir klar und unzweifelhaft besser als der BVB besetzt sind. Das gilt gleichermaßen für Potential, momentanes Leistungsvermögen und aktuelle Form. Und wenn es uns wie am Freitag gelingt, diese letzte personelle Trumpfkarte auszuspielen, ist das also Glück? Als ob beim Fußball standardmäßig nur 20 Akteure auf dem Feld stehen und die Torhüter höchstens willkürlich als menschgewordene Multibälle ins Spiel eingreifen würden.

Ganz generell ist das ja so eine Sache mit dem Glück beim Fußball, nicht nur beim Derby am Freitag Abend. Aber was ist Glück überhaupt? Nun, eine eindeutige Definition existiert naturgemäß nicht, vielleicht sollten wir daher zur ansatzweisen Klärung dieser Frage zunächst einmal die großen Gelehrten der Weltgeschichte konsultieren

In der Antike war Aristoteles der erste, der den Menschen bescheinigte, durch ihr Handeln zu ihrem Glück selbst beitragen zu können. Die beliebte Fußballerfloskel „das Glück erzwingen“ basiert demnach irgendwie auf den Lehren des alten Griechen. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hingegen vertrat die Ansicht, dass Glück in der Schöpfung für den Menschen nicht vorgesehen sei. Bringt uns irgendwie nicht weiter.

Dann vielleicht die Wissenschaft? Mit Überlegungen zu Glück und Pech halten sich Mathematiker eher selten auf. Dafür umso mehr mit der Erfassung des Zufalls, dem „Übergang aus einer Ausgangssituation, die mehrere Endsituationen ermöglicht, in eine dieser Endsituationen, wenn keine erkennbare Ursache für das Zustandekommen gerade dieser Endsituation vorliegt.“

Kann es also Glück oder eben meinetwegen Zufall sein, wenn Manuel Neuer reihenweise Dortmunder Großchancen vereitelt? Ich jedenfalls kann da eine Vielzahl an Ursachen erkennen.

Auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen sind Fakten und Formeln Trumpf – das Reflexionsgesetz ist so ein Beispiel, besser bekannt als Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Diese Nachhilfestunde in Physik hätte sich Mario Götze am Freitag Abend ersparen können, wenn er denn nur ein wenig genauer gezielt oder seine Nerven besser im Griff gehabt hätte. Mit Pech hatte sein Pfostenschuss jedenfalls nichts zu tun.

Und doch kommt es relativ häufig vor, dass Glück beziehungsweise der Zufall den Ausgang eines Fußballspiels beeinflussen: durch falsche Schiedsrichterentscheidungen. Michael Weiner hat am 4. Februar 2011 allerdings eine nahezu fehlerfreie Leistung gezeigt. Tja, Pech gehabt.

Manuel Neuer vor dem Abgang – Pest oder Sommergrippe?

Lieber Manuel,

glaub mir, ich kenne die typische Ambivalenz, die regelmäßig für 90 Minuten die Gedankenwelt eines Torhüters beherrscht. Ich bin schließlich selber einer. Man möchte etwas zu tun haben, sich auszeichnen. Das eigene Ego giert nach dem Lob der Mitspieler und dem des Trainers. Gleichzeitig will man aber natürlich unter allen Umständen zu Null spielen. Schüsse, die aufs Tor kommen, sollten also irgendwie haltbar sein. Wirklich logisch ist das nicht. Und doch werden am Spieltag wahrscheinlich sämtliche Torhüter auf diesem Planeten von dieser komischen, ja geradezu absurden Gefühlsmelange heimgesucht.

Momentan allerdings wäre es Dir sicher recht, wenn Du auf spektakuläre Paraden verzichten und dafür nicht so oft hinter Dich greifen müsstest. In der Nationalmannschaft bist Du Stammtorwart, Du hast eine gute WM gespielt. Da frustrieren die aktuellen Ergebnisse im Verein umso mehr. Selbstverständlich habe ich Verständnis dafür, dass ein junger Profi auf dem Weg zur Weltklasse internationale Titel gewinnen möchte. Unter diesen Umständen kommen die ständigen Avancen aus München freilich wenig überraschend.

Ich bin sicher nicht der größte FCB-Hasser und mit den üblichen München-Klischees von koksenden Schickis in ihren gentrifizierten Favelas möchte ich Dich auch nicht langweilen. Man könnte es dort sicher aushalten und Du kennst die Stadt, was man so hört, sowieso besser als ich. Ich könnte es aber einfach nicht ertragen, Dich im Bayern-Trikot gegen Schalke auflaufen zu sehen. Genau genommen könnte ich mir Manuel Neuer in gar keinem anderem Bundesliga-Dress als dem mit dem großen, kreisrunden „G“ vorstellen.

Wenn wir aber mal ehrlich sind – ein Wechsel zu den Stuttgarts, Hamburgs oder Bremens dieser Fußballwelt würde keinen Sinn ergeben. Was willst Du bei einem Verein, der zumindest in den vergangenen Jahren auf einem vergleichbaren Level wie Königsblau agiert hat? Nein, in Deutschland käme als nächster Karriereschritt nur der Rekordmeister in Frage. Oder eben ein Transfer ins Ausland. Dass Sir Alex in Manchester schon bald eine neue Nr. 1 braucht und Du perfekt ins Anforderungsprofil passen würdest, ist kein Geheimnis.

Im US-Sport gibt es den Ausdruck „Franchise-Player“. Der Eishockeyspieler Steve Yzerman, der 20 Jahre lang die Detroit Red Wings als Kapitän aufs Eis geführt hat, war einer von dieser Sorte. Doch diese Betitelung würde Dir nicht gerecht werden. Schon gar nicht in einer Zeit, in der weltweit nach 13-jährigen Talenten gescouted wird und ein bedeutungsloses Gebilde wie 1899 der unkritischen Journaille vom kleinen Nachbarverein abgeworbene A-Jugendspieler erfolgreich als „Eigengewächse“ verkauft.

Nein, Manuel, Du bist der Gegenentwurf zu all diesen desillusionierenden Entwicklungen. Du hast hier sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und Dich auch von Widrigkeiten nicht aufhalten lassen. Dein bisheriger Werdegang ist gelebte Anti-Globalisierung. Du bist – so viel Pathos muss erlaubt sein – Schalke 04. Nicht mehr und nicht weniger.

Von daher würde uns auch ein Wechsel zu Man Utd mehr als nur leicht verschnupft zurücklassen. Aber dieses Szenario wäre irgendwie erduldbar. Und weißt Du was? Vorausgesetzt, Du leistest Dir bei Deinen ersten Auftritten nicht sofort einen Riesenbock – sie würden Dich dort lieben. Ernsthaft. Für Deine natürliche, unprätentiöse Art. Für Deinen Lausbubencharme. Für Deine schiere Physis, die sich in Deinem Spielstil und insbesondere in Deinen bereits heute legendären Abwürfen manifestiert.

Falls Deine Entscheidung nicht schon längst gefallen ist: Überlege noch einmal ganz genau, was das Richtige ist. Nicht für uns. Sondern vor allem für Dich, für Deine Familie und Freunde in Buer.

Glück auf!

Ein Fan