Günstig Kiffen

Name verpflichtet: Beim finnischen Drittligisten FC Kiffen hat man ein Herz für seine treuen User Fans und verkauft das sicherlich beliebteste Genussmittel zum günstigsten Preis. Jetzt muss sich nur noch die Mannschaft in einen Rausch spielen.

FC Kiffen Trip

Eingereicht von Nils, unserem Mann in Helsinki.

Filmkritik: 66/67 – Fairplay war gestern (DVD & Blu-ray)

Der Titel lässt Bundesliga-Nerds mit Sicherheit aufhorchen. Und ja, es geht vordergründig um Eintracht Braunschweig. Genauer gesagt um eine Gruppe von sechs erlebnisorientierten BTSV-Fans, allesamt der Generation „Anfang/Mitte Dreißig“ zugehörig.

Auf dieser Basis entwickelt sich ein Drama mit allerhand Zutaten – Freundschaft, Veränderung, Hooliganismus, Liebe, Verlassenwerden, Treue, Verantwortung, Gewalt, Verlust, Erwachsenwerden, Drogen, Homosexualität vs. Männlichkeit, Aids, Wut –, welches sich irgendwann zu allem Überfluss auch noch zu einem Psychothriller wandelt.

Das ist ein bisschen viel für einen Schauplatz wie Braunschweig, ein bisschen zu viel für 110 Minuten Film.

Wirklich schade, denn 66/67 hätte das Zeug zu einem guten Fußball- und zu einem sehr guten Generationenfilm gehabt. Umfeld und Charaktere wirken lebensnah, letzteren nimmt man vor allem ab, dass sie seit 20 Jahren zusammen zu Eintracht ins Stadion gehen. Und das ist ja längst nicht bei allen Spielfilmen der Fall, die sich mit dem Phänomen Fankultur auseinandersetzen.

Abzüge in der B-Note gibt es außerdem für die Darstellung von Hannover-96-Fans, die mit falsch kolorierten Schals in auf ihre Tracht Prügel warten. Die Roten sind eben nicht immer zwangsläufig rot.

Fazit

Gute Ansätze und hervorragende Darsteller – ambitionierter Ensemblefilm im Hooligan-Milieu, der sich leider irgendwann verzettelt. Für Freunde des Genre dennoch sehenswert.

Wertung

6 von 10 Punkten

Infos

66/67 – Fairplay war gestern

Darsteller: Fabian Hinrichs, Christoph Bach, Melika Foroutan, Maxim Mehmet, Aurel Manthei
Regisseure: Carsten Ludwig, Jan-Christoph Glaser
Sprache: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 28. September 2010
Produktionsjahr: 2009

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Boy from Brazil

Screenshot: boyfrombrazil.co.uk

Es ist im Prinzip nichts Außergewöhnliches, dass Fans ihren Verein publizistisch begleiten. Diese Behauptung ist allerdings kompletter Unsinn, wenn dies über die Dauer von über einem Jahrzehnt passiert und das Geschriebene sich stets kritisch, humorvoll, distanziert und leidenschaftlich zugleich präsentiert. Das mit den Prinzipien ist ja auch immer so eine Sache.

Seit 1999 berichtete der preisgekrönte Blog Boy from Brazil über die zahlreichen Aufs und noch zahlreicheren Abs von Bradford City. Very british, very lesenswert. Doch damit ist es jetzt – hoffentlich vorerst – vorbei. Nach einem Konflikt mit Chairman Mark Lawn wurde die Seite geschlossen. Scha(n)de.

Fankultur in den 90ern: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“

Unser neues Lieblings-Video-Portal Vimeo hat mal wieder eine echte Perle an den Blogstrand gespült:

Die Spielzeit 93/94 war die bislang letzte, die der Wuppertaler SV in der 2. Bundesliga verbringen durfte. Wie es der Zufall so wollte, war es diese Abschieds- und Abstiegssaison, die Volker Hoffmann zu einem 45-minütigen Dokumentarfilm verarbeitete: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“.

Der Wuppertaler Filmemacher lässt darin so ziemlich jede Stimme rund um das Stadion am Zoo zu Wort kommen – den politisch denkenden Fanzinemacher, eher einfach gestrickte Fanclubmitglieder in Kutte, den „szenekundigen“ Polizeibeamten, trinkfreudige Allesfahrer, den Ordner, die Mecker-Rentner, vermummte Hools mit verzerrten Stimmen oder den juvenilen Schnösel auf der Haupttribüne etc. pp. Dadurch wirkt der Film zwar manchmal ein wenig reißbrettartig, bildet auf der anderen Seite allerdings eben auch ein großes Spektrum an Meinungen, Eindrücken und (Fan-)Lebenswirklichkeiten ab.

Bitte sehr:

Dokumentation: Los Cerveceros de Quilmes – Die Bierbrauer aus Quilmes

Während beim Marktführer youtube jedes noch so banale Handyvideo in Fingernagelgröße landet, tummelt sich bei Vimeo eher die Avantgarde der Internetfilmer. Da passt es gut ins Bild, dass dort auch eine gut halbstündige Dokumentation über die Fanszene des Quilmes Atlético Club zu finden ist. Mit professionellem Equipment gedreht und absolut hochwertig in Szene gesetzt. Einfach so für Jedermann kostenlos abrufbar. Wahnsinn, dieses Internetz.

Quilmes befindet sich innerhalb der Agglomeration von Buenos Aires und ist insbesondere durch die dort beheimatete Brauerei bekannt. 1887 wurde der Quilmes Atlético Club (QAC) gegründet und ist somit einer der ältesten Fußballverein Argentiniens. Inzwischen besitzt der Verein zwar das Image einer Fahrstuhlmannschaft, doch 1978 konnte QAC zum ersten und bisher einzigen mal die argentinische Meisterschaft in die kleine Bierstadt holen. Die Erinnerungen an den Gewinn der Campeonato Metropolitano dient ein Stück weit auch als Aufhänger für einige der im Film zu sehenden Interviews.

Ich empfehle übrigens, diesen Film nicht in einem schnöden Browserfenster anzusehen. Das Werk von Andreas Geipel, Franz Sickinger und Shooresh Fezoniinem verdient mindestens einen großen LED-TV. Wer sich für die Hintergründe und Entstehungsgeschichte interessiert und ausreichende Spanischkenntnisse besitzt, sollte sich außerdem diesen Text zu Gemüte führen.

[via Schalkefan.de]


Europacup-Impressionen: Mainz 05 – Gaz Metan Mediaș

UEFA Europa League Qualifikation – 11/12
FSV Mainz 05 – Gaz Metan Mediaș
1:1 (1:0)
28.07.11, Coface Arena (Mainz)
15.759 Zuschauer (ca. 100 Gästefans)

Bislang habe ich den Straßen-Spielteppich meines vierjährigen Neffen für das Nonplusultra stadtplanerischer Anarchie gehalten. Bis gestern Abend, um genau zu sein. Denn da hat mir das unmittelbare Umfeld des neuen Stadions von Mainz 05 eine herbe Lektion erteilt.

Wir finden dort einen gelben Quader, der sich als Studentenwohnheim samt Mensa entpuppt, andere kunterbunte Fertighäuser ähnlicher Machart, wilde Feldwege, ein wenig Industriegebiet, eine Schnellstraße, Baustellenüberreste, Wohnsilos aus den 70ern, Brachland sowie jede Menge Getreidefelder, die sanft im Rhythmus der am Horizont schwurbelnden Windräder grooven.

Und mitten in dieser auf Jahre hinaus unschlagbaren Konzeptlosigkeit steht eben jenes rote UFO, von dem kein Mensch weiß, wie es eigentlich richtig ausgesprochen wird. Auf den Videowänden wird übrigens stets auf die „neue Kuhfäis Arena“ (Artikulationsvorschlag) hingewiesen. Als ob die Hausherren mit stolzgeschwellter Brust betonen möchten, dass sie sich von der international operierenden Stadionmafia keinen Gebrauchtsportplatz mit manipuliertem Tacho und stümperhaft lackiertem Totalschaden haben andrehen lassen.

Apropos stümperhaft:

Anstoss statt Anstoß lassen wir in Gedenken an die geniale Fußballmanager-Serie gerade noch durchgehen. Aber den Namen des Gegners auf den Eintrittskarten für ein Eurobbabogaaahl-Spiel falsch zu schreiben, das geht einfach gar nicht. Als Bestrafung fordert die Stadioncheck-Redaktion 15.759 Stockhiebe auf die verantwortlichen Volunteerhände. Nackt.

Das wäre zufälligerweise genau einer pro gestrigem Zuschauer. Zugegeben, Hertha hatte gegen attraktivere Gegner schon schlechtere Besucherzahlen, dennoch ist dieser Wert natürlich blamabel. Hallo Meenzer: Das war das Eröffnungsspiel EURER „neuen Köfaße Arena“ (iss klar, ne?)! Das kommt nie wieder.

26.600 hätten rein gepasst, in der Bundesliga noch einmal knapp 7.000 mehr. Zwar habe ich nicht noch nicht so ganz verstanden, wo genau sich die Stehplatzkurve für die Heimfans bei nationalen Spielen befinden soll. Das Stadion mit seinen trapezförmigen Tribünen und den dadurch weitestgehend offenen Ecken gefällt aber auf jeden Fall. Für einen Neubau finde ich es sogar ziemlich genial.

Mainz 05 – Gaz Metan 1:1. Weder Resultat noch dessen Entstehung taugen dazu, in 50 Jahren mit feuchten Augen den Enkeln erzählt zu werden. Dabei besaß das Spiel durchaus viele Grundzutaten für eine packende Europacup-Nacht: Flutlicht, Regen, einen in der ersten Hälfte groß aufspielenden Zoltan Stieber und – ganz wichtig – eine halbwegs frühe Mainzer Führung. Kann eben nicht immer klappen.

Noch etwas Positives zum Schluss: Die An- und Abreise mit Shuttlebussen funktionierte zügig und reibungslos. Ob diese Erfahrung ein Muster mit Wert ist, wird sich im Bundesligaalltag mit mehr Verkehr auf den Straßen, doppelt so vielen Zuschauern, Tausenden Gästefans und einem höheren Anteil Bahnreisender allerdings erst noch zeigen müssen.

Fotos: