EM 2012: Analogblog Halbfinale Deutschland – Italien 1:2

 

DFB stellt Verfahren gegen „Mitarbeiter“ von 1899 Hoffenheim völlig zurecht ein

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts das Ermittlungsverfahren eingestellt, das gegen einen Angestellten des Vereins 1899 Hoffenheim nach dem Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 13. August 2011 eingeleitet worden war.

Eine logische, eine richtige Entscheidung. Schließlich legt doch Punkt 14 der Stadionordung der Hoffenheimer Rhein-Neckar-Arena eindeutig fest:

Verbote

[…]

– mechanische und elektrisch betriebene Lärminstrumente – der Betreiber behält sich Ausnahmen vor

Tja, so einfach ist man aus dem Schneider.

Verboten sind gemäß Punkt 14 übrigens auch…

– sperrige Gegenstände wie Leitern, Hocker, Stühle, Kisten, Reisekoffer;

[Ausnahme (Anm. d. Red.): selbstgebaute Hochfrequenztöner auf Bollwerwagenbasis.]

…oder:

– Tiere

[Ausnahme: Currywürste.]

Damit ist ja alles tacko.

 

Halt, einen Moment – es gibt ja noch die Durchführungsbestimmungen des DFB, die unter anderem „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen“ enthalten. Sollten in diesem für jedermann im Internet abrufbaren Regelwerk nicht vielleicht doch Grundsätze finden lassen, die durch die mehrfache und angeblich nicht mit dem Stadionbetreiber abgesprochene Inbetriebnahme eines selbstgebauten, strombetriebenen Hochfrequenztöners durch einen autark handelnden Vereinsmitarbeiter verletzt werden?

Bitte bilden Sie sich selbst eine Meinung. Folgende Textauszüge stammen einheitlich aus erwähntem Abschnitt 3. „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesligaspielen“ der DFB-Durchführungsbestimmungen:

Seite 97, § 13 Beschallungseinrichtungen

Absatz 3. Im Stadion eingesetzte mobile Beschallungsanlagen müssen sowohl vom Stadionsprecher als auch über die Vorrangschaltung der Polizei abgeschaltet werden können

[…]

Seite 98, § 17 Grundsatz

Der Verein ist verpflichtet, alle organisatorischen und betrieblichen Maßnahmen zu treffen, die geeignet und erforderlich sind, Gefahren für die Platzanlage, die Zuschauer und den Spielbetrieb vorzubeugen sowie diese bei Entstehen abzuwehren.

[…]

Seite 104f, § 26 Ordnungsdienst

Absatz 10, wesentliche Aufgaben des Ordnungsdienstes

– Zugangs- und Anfahrtskontrollen an der äußeren und inneren Umfriedung des Stadions sowie an nicht allgemein zugänglichen Bereichen

[…]

– Wegnahme, Lagern und gegebenenfalls Wiederaushändigen von Gegenständen, die nach rechtlichen Vorschriften oder nach der Stadionordnung nicht mitgeführt werden dürfen

[…]

– Meldung sicherheitsrelevanter Sachverhalte an die Polizei, an die Rettungsdienste, an die Feuerwehr und an andere betroffene Institutionen […]

Die Fundstücke sind das Ergebnis einer semi-intensiven, zehnminütigen Suche in eben jenem PDF. Sicherlich lassen sich weitere Unklarheiten und mögliche Verstöße finden. Uns persönlich reicht das aber schon aus, um eine Nachfrage per elektronischem Brief an den Deutschen Fußball-Bund zu richten. Wer das ähnlich sieht, sollte es uns gleichtun, das Faxgerät oder den Rechner anschmeißen und den DFB „mit Protestnoten überschwemmen„.

England C

Das geht über eure Vorstellungskraft: England hat eine C-Nationalmannschaft!

Richtig gelesen, es gibt ein offizielles „England C National Football Team“. Quasi die III. Mannschaft der Three Lions, für die alle (englischen) Spieler unterhalb der League, also des sich aus 1. bis 4. Liga zusammensetzenden Profifußballs, spielberechtigt sind.

Typische Gegner sind A-Nationalmannschaften der Güteklasse Gibraltar oder die U-23-Teams größerer Nationen. Betreut wird das sich hauptsächlich aus Semi-Profis der fünftklassigen Conference rekrutierende Team dabei von einem eigenen Cheftrainer (momentan: Paul Fairclough).

Schöne Sache irgendwie. Wieso scheint es eigentlich so, als würde bei der englischen FA unterhalb der Top-Ligen so ziemlich alles besser funktionieren als beim GröFVaZ, der nicht einmal mehr die Austragung einer landesweiten Amateurmeisterschaft gestemmt bekommt?

Post, moderne

Früher schrieb man noch Briefe und brachte sie danach ins Postamt. Macht man ja inzwischen kaum noch. Weil man kaum noch Briefe schreibt. Und weil es kaum noch Postämter gibt. Wer heute etwas mit dem gelben Riesen zu verschicken gedenkt, muss zu „Ingeborg’s Postkorb“ gehen. Oder in „Jessy’s Second Hand Shop 4 Kid’s“, der auch Postdienstleistungen anbietet. Oder zum Rahn. Überall das gleiche Bild: Wo einen früher gut bezahlte und schlecht gelaunte Beamte durch Panzerglas anmeckerten, wird man heute von schlecht bezahlten aber scheißfreundlichen Aushilfskräften bedient. In Sachen Kompetenz hat sich hingegen nicht viel verändert. Ich muss immer zu „Ingeborg’s Postkorb“, wenn ein Paket von Ämazän hinterlegt wurde. Briefe schreibe ich, wie alle anderen, fast gar keine mehr. Wenn, dann als Einschreiben mit Rückschein. Wer schon einmal mit den Wegelagerern vom Kundenservice eines DSL-Anbieters zu tun hatte, weiß wieso. Die Frage ist auch, was mit den ganzen Gebäuden passiert, die früher mal Postfilialen waren. Früher, also ganz früher, wurde aus einem ausrangierten Postamt oft ein Hotel oder eine Gaststätte gezaubert. Gerne „Alte Post“ oder „Zur Post“ genannt. Das kann allerdings auch zu Missverständnissen führen. Die Mutter einer Ex-Freundin vermute – ohne Spaß – einmal hinter der gut-bürgerlichen Fassade vom „Posteck“ den Sündenpfuhl einer Schwulenkneipe. In meiner Heimatstadt steht der riesige Betonklotz einfach ungenutzt in der Gegend herum. Obwohl, vielleicht werden dort die angeblich nicht angekommenen Kündigungsschreiben an die GEZ oder die Zeitschriftenabobetreuungsmafia zwischengelagert. Andere Wege der schriftlichen Kommunikation haben allerdings auch so ihre Tücken. Frag nach beim SV Wilhelmshaven oder beim Vater von Eric-Maxim Choupo-Moting, prominenteste Opfer des Faxgerät des Grauens. Der Faxdienst wurde 1979 durch die Deutsche Bundespost offiziell eingeführt. Heute würde er eher durch die Deutschlandzentrale von „Jessy’s Second Hand Shop 4 Kid’s“ eingeführt. 1979 aber noch nicht. Die Bundesliga gab es damals schon 16 Jahre. Wie wurden in der Zeit zwischen ganz früher und dem „Es gab immerhin schon Faxgeräte“-Früher eilige Schriftstücke nach Frankfurt übermittelt? Ich könnte mir vorstellen, dass ein Motorradkurier stundenlang im „Posteck“ auf seinen Einsatz gewartet und dabei eine Apfelschorle getrunken hat. Falls Apfelschorle schon erfunden war. Ansonsten eben stilles Wasser. Wie man alles richtig macht, hat unlängst die Fußballabteilung des Eimsbütteler Turnverbandes gezeigt. Die komplette Mannschaft und der Trainer des DFB-Pokalteilnehmers gaben nach einem Finanzstreit fristgerecht ihren Vereinsaustritt zum 30. Juni bekannt. „Die Austrittserklärungen liegen mir alle unterschrieben vor“, sagte der erste Vorsitzende Frank Fechner. Es lebe das Einschreiben mit Rückschein!

Fiktive Fußballvereine im „Tatort“

  • Hannover (Tatort: Mord in der ersten Liga)
  • FC Bremen (Tatort: Endspiel)
  • VfL Bonsdorf (Tatort: Platzverweis für Trimmel)
  • FC Eppheim* (Tatort: Im Abseits)
  • Fortuna III (Tatort: Fortuna III)
  • FC Trudering und FC Dingelbach (Tatort: Pension Tosca)

*Liebe Google-Freunde: Die Spielstätte des FC Eppheim steht in Wirklichkeit in Südbaden. Im Wörtelstadion trägt der SV Kuppenheim seine Heimspiele aus.

From Frankfurt with Love

Um 1:38 Uhr MEZ erhielten wir vom Supercomputer aus der geheimen Kommandozentrale folgende Nachricht:

Sehr geehrter Ticketkunde,

das EDV-gesteuerte Losverfahren ist vollzogen und wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Ticketwunsch leider nicht erfüllt werden konnte.

Mit freundlichen Grüßen

DEUTSCHER FUSSBALL-BUND
– Ticketservice –

Same procedure seit etwa zehn Jahren.

Immer gegen die Deutschen

Zur deutschen WM-Folklore gehört seit geraumer Zeit – neben dem beständigen Erreichen des Viertelfinales – das Beklagen vermeintlicher Fehlentscheidungen. Vor allem Platzverweise und Sperren sorgen immer wieder für Unruhe im DFB-Lager. Eine kleine Chronologie:

  • 1998 – Christian Wörns ist nicht nur gedanklich zu langsam für Davor Šuker und fliegt vom Platz. Berti Vogts wittert eine Verschwörung.
  • 2005 – Deutschlands Wunderstürmer Mike Hanke sieht im kleinen Finale des Confed-Cups den roten Karton und wird für die nächsten zwei Pflichtspiele gesperrt. Mangels Qualifikation ist das gleichbedeutend mit den ersten beiden Gruppenspielen bei der Heim-WM.
  • 2006 – Sugar Ray Frings wird unter skandalösen Umständen vom Weltverband IBF vom Halbfinal-Kampf gegen Italien ausgeschlossen. Der Schlachtruf „Nie wieder Pizza“ steht seitdem synonym für einen IQ unter Raumtemperatur.
  • 2010 – Der spanische Schiedsrichter bleibt unverständlicherweise seiner harten Linie treu und zeigt Miroslav Klose nach einem dämlichen Frustfoul die verdiente Ampelkarte. Der Facebook-Mob tobt.

Diese Fälle von sehr selektiver Wahrnehmung werden zusätzlich von einem Vorfall relativiert, der allerdings schon etwas länger zurückliegt. 45 Jahre um genau zu sein, und mir selbst war diese Episode bis vor kurzem überhaupt nicht bekannt. Da musste schon die kostenlose Android-App „Franz Beckenbauer Quiz“* [sic] um die Ecke kommen:

Na, wer weiß es?

Antwort B (also die zweite  von oben) ist richtig. Die Fifa hat einfach nonchalant auf die Sperre verzichtet. So etwas kann wohl nur einem ewigen Glückskind wie dem Franzl passieren. Ob sich die Fans des Finalgegners daraufhin in „Nie wieder Bratwurst“-Gesängen ergeben haben, ist hingegen nicht bekannt.

*bietet Spielspaß fur etwa eine mittellange Straßenbahnfahrt