Bericht: VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach | 88/89

Aus unserem Archiv:

 

1. Bundesliga – 88/89
VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach
2:1 (1:1)
10.06.1989, Neckarstadion (Stuttgart)
35.000 Zuschauer

Steck Dir bitte ein Taschenmesser in die Schuhe oder die Unterhose!

Das gab mir meine Mutter(!) einen Tag vor dem Spiel mit auf den Weg. An das Geschehen auf dem Rasen kann ich mich nicht mehr großartig erinnern, aber diese Worte werde ich nie vergessen. Ja, es waren die 80er und Fußball hatte (sicherlich teilweise zurecht) einen schlechten Ruf. Ein Umstand, an den man übermotivierte Politiker stets erinnern sollte, wenn mal wieder der Untergang des Abendlandes duch eine noch nie dagewesene Form von Fußballgewalt ausgerufen wird.

Wie gesagt, die sportlichen Erinnerungen sind verblasst, was auch daran liegen könnte, dass wir mit der kompletten D-Jugendmannschaft vor Ort waren. Da war es dann mit der Konzentration wohl nicht allzu weit her. Vom damals in den Kurven noch unüberdachten Neckarstadion war ich als Kleinstadtkind aber natürlich sehr beeindruckt. Die Torschützenliste konnte sich ebenfalls sehen lassen:

0:1 Hans-Günter Bruns (3.)
1:1 Jürgen Klinsmann (33.)
2:1 Karl Allgöwer (75.)

Dear Sirs, I am Mr. Michael Li-Hoi, Chairman of the Hong Kong and Shanghai Banking

Der derzeit vereinslose Marcel Ketelaer (34) spricht mit 11 Freunde über seine Karriere, deren sich näherndes Ende und seine aktuellen Perspektiven:

Ich bekomme allerdings immer noch viele Anfragen, die meisten aus Asien oder Osteuropa.

Unter uns Marcel: Die bekommen wir alle. Nennt sich „Spam“.

Rezension: „René Schnitzler. Zockerliga: Ein Fußballprofi packt aus“ (Löer, Schäfer)

Anfang 2011 gestand René Schnitzler den Ermittlern der Staatsanwaltschaft Bochum, für die Manipulation von Spielen in der 2. Bundesliga insgesamt 100.000 Euro von einer internationalen Wettmafia erhalten zu haben. In ihrem Buch “Zockerliga. Ein Fußballprofi packt aus” porträtieren Wigbert Löer und Rainer Schäfer den ehemaligen Fußballprofi (Borussia Mönchengladbach, FC St. Pauli), der umfassend und schonungslos über seinen Weg in die Spielsucht bis hin zum absoluten Tiefpunkt berichtet. Insgesamt handelt es sich bei ihren Ausführungen aber um mehr, als nur die Darstellung eines Einzelschicksals.

Denn vieles deutet darauf hin, dass die Spielsucht etliche Akteure in den professionellen Spielklassen erfasst hat. Egal ob es die illegalen Pokerturniere in einem offenbar legendären Etablissement in Viersen, die Schilderung der elegant-dekadenten Stimmung während einer Zusammenkunft beim Roulette oder die durch die Langeweile des Trainingslageralltags lancierten Wetten auf Banalitäten sind – scheinbar ist René Schnitzler nicht der einzige, der sich der Glücksspiel-Leidenschaft hingegeben hat und daran gescheitert ist.

Den Recherchen liegt oft eine vermeintlich einfach Überlegung zugrunde: Was machen Fußballer eigentlich in ihrer Freizeit? Neben Trainingseinheiten, Spielen, Reisen und Werbeveranstaltungen gibt es auf den ersten Blick nicht viel, was die Spieler miteinander verbindet. Tatsächlich aber muss hinter den Kulissen der Profi-Ligen ein stetig gestiegenes Interesse für die unterschiedlichen Angebote der Wett-Branche zu beobachten gewesen sein. Diese, so scheint es, erreichen inzwischen die Spieler aller Ligen des DFB und haben sich vielerorts zu einem auch gemeinschaftlich ausgeübten Hobby entwickelt.

:: Es könnte alles so einfach sein

Wann scheitern Disziplin und Selbstkontrolle? An welchem Punkt wäre es besser, sich mit seinen Problemen an Vereinsverantwortliche zu wenden und/oder professionellen Hilfsangebote anzunehmen? Wieso ist das Zocken ein so elementarer Bestandteil der Freizeitgestaltung vieler Spieler? Solche und ähnliche Fragen rücken im Verlauf des Buches thematisch in den Mittelpunkt.

Dabei sollte natürlich zunächst einmal bedacht werden, dass es, maßvoll ausgeübt, auch bei Wettspielen eine gewisse Toleranzgrenze gibt. Bei Schnitzler kam allerdings jede Hilfe zu spät. Die Folgen seiner Neigung gingen weit über das hinaus, was man vielleicht noch als „Privatsache“ abtun könnte. Denn seine Zockerei beschränkte sich eben nicht nur auf die Casino Spiele. Sportwetten, auch auf Partien des eigenen Teams, waren Teil einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale, die Abhängigkeit, einen unprofessionellen Lebensstil und – am Schlimmsten – eine massive Überschuldung mit sich gebracht hat.

Am Ende seiner ersten Saison bei St. Pauli kam es zum verhängnisvollen Treffen mit dem Wettpaten Paul R. in einem niederländischen Hotel. Der 1,87 m große Mittelstürmer spielte zu diesem Zeitpunkt noch einigermaßen regelmäßig, hatte allerdings bereits große Geldprobleme. Schnitzler stieg auf dessen Angebot ein und nachdem das Ergebnis im ersten Spiel gegen Mainz auch ohne seine Teilnahme für Zufriedenheit sorgte, kam es zu weiteren Absprachen und Zahlungen. Schnitzler beteuert aber nach wie vor, nie aktiv manipuliert zu haben.

:: Stärken und Schwächen

Wieso Schnitzler als eigentlich sympathischer Hallodri, dem man nicht wirklich böse sein kann, skizziert wird, kann ich nach Lektüre des Buches und Verfolgen diverser Medienberichte nicht nachvollziehen. Ein Mensch – unzuverlässig und egozentrisch –, der permanent trickst und betrügt, wirkt auf mich jedenfalls schon per se nicht besonders sympathisch. Darüber hinaus hat Schnitzler mehrfach nicht nur sich selbst, sondern beispielsweise auch mutmaßlich unschuldige Mitspieler wie Mathias Hain in Schwierigkeiten gebracht. Und das nur, weil ihm gerade keine bessere Notlüge eingefallen ist.

Auch das Buch, zwar lebhaft geschrieben und wirklich angenehm flüssig zu lesen, kommt keineswegs fehlerlos daher. Zu oft behelfen sich die Autoren mit Werkzeugen des Boulevards. Obendrein lässt manche ungelenke Formulierung (Beispiel: „Er [der kleine René] schoss Tore, als andere Kinder noch Gänseblümchen pflückten.“) erahnen, dass das Werk aus monetären Gründen möglichst rasch nach Enthüllung des Skandals auf den Markt geworfen werden musste.

„Zockerliga“ kann keine Empfehlung darüber abgeben, wie Fußballverbände ihre Spieler besser schulen und damit aktiv vor den Versuchungen des Wettens bewahren können. Vermutlich wird es also auch in der Zukunft zu Skandalen wie diesem oder den um den Schiedsrichter Robert Hoyzer kommen.

Fazit

Ein unterhaltsames Buch, das den Leser trotz boulevardesker Momente und kleiner handwerklicher Schwächen durchaus zu fesseln vermag. Für ein Taschenbuch mit dem Potential von etwa zwei bis drei Tagen Lesespaß ist es mit mit einem Verkaufspreis von 16,99 EUR aber deutlich zu teuer.

 


Produktinformation

René Schnitzler. Zockerliga: Ein Fußballprofi packt aus
Autoren: Wigbert Löer, Rainer Schäfer
Paperback, 208 Seiten
Verlag: Gütersloher Verlagshaus (22. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-579-06691-2
Preis: 16,99 EUR [D] | 17,50 EUR [A] | CHF 24,50

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Hinweis

Da wir im Gegensatz zu den meisten Zockern gerne mit offenen Karten spielen, möchten wir auf folgenden Sachverhalt aufmerksam machen: Das Buch wurde uns von einer Informationsseite rund um das Thema Online-Casinos zur Besprechung zur Verfügung gestellt. Auf dieses Internetangebot wurde im Haupttext zwei mal verwiesen. Wir möchten allerdings ausdrücklich betonen, dass dieser Umstand keinerlei Beeinflussung der Bewertung zur Folge hatte. Wir bedanken uns herzlich für die unkomplizierte Zusammenarbeit.

Mannschafts-Kader: Borussia Mönchengladbach, Saison 2011/2012

Tor

  • Janis Blaswich
  • Christofer Heimeroth
  • Marc-André ter Stegen

Abwehr

  • Roel Brouwers
  • Filip Daems
  • Dante
  • Tobias Levels
  • Martin Stranzl
  • Oscar Wendt
  • Matthias Zimmermann

Mittelfeld

  • Juan Arango
  • Michael Bradley
  • Patrick Herrmann
  • Tony Jantschke
  • Julian Korb
  • Thorben Marx
  • Roman Neustädter
  • Håvard Nordtveit
  • Yuki Otsu
  • Marco Reus
  • Lukas Rupp

Angriff

  • Raúl Bobadilla
  • Igor de Camargo
  • Mike Hanke
  • Mohamadou Idrissou
  • Elias Kachunga
  • Joshua King
  • Mathew Leckie

Trainerstaab

  • Lucien Favre (Chef-Trainer)
  • Frank Geideck (Assistenz-Trainer)
  • Manfred Stefes (Assistenz-Trainer)
  • Uwe Kamps (Torwart-Trainer)

Stein um Stein

Warum das Bauland auf dem Gelände des 2006 abgerissenen Bökelbergstadions ein Ladenhüter ist (bzw. war)? Ganz einfach:

Wieso es mit dem Verkauf nicht klappt, darüber rätselt man bei der Stadt. Dabei sind sich Fachleute einig: Die wahren Fans, denen der Mythos Bökelberg etwas bedeutet, die gerne ihr Haus am Elfmeterpunkt bauen würden, können sich die Preise nicht leisten. Und die, die es sich leisten können, ziehen lieber in ein Gebiet, das bereits voll erschlossen ist. „Oder gleich nach Düsseldorf„, wie ein Gladbacher Architekt süffisant bemerkt.

Wenn nur alles im Leben so nachvollziehbar zu erklären wäre. Mittlerweile soll sich die Nachfrage nach Bökelberg-Grundstücken allerdings deutlich erhöht haben.

Fußballfans sind keine Verbrecher? Logan Bailly droht Haftstrafe

Logan Bailly ist für deutsche Medien offenbar kein Thema mehr. Anders ist es nicht zu erklären, dass Google News keinen einzigen aktuellen, deutschsprachigen Artikel über das sich zuspitzende Strafverfahren gegen den dritten Torhüter von Borussia Mönchengladbach ausspuckt. Nun, wenn kicker und Co. nicht wollen, übernehmen wir das eben:

Heute morgen forderte die Staatsanwaltschaft vor dem Lütticher Strafgericht eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von sechs Monaten für den Fußballprofi. Bailly soll 2008 in der Lütticher Innenstadt zusammen mit seinem Bruder Arnaud in eine Schlägerei mit Körperverletzungsfolge verwickelt gewesen sein. Pikantes Detail: Der Vorfall ereignete sich am Abend der Meisterfeierlichkeiten von Standard Lüttich – obwohl der 25-Jährige damals beim Rivalen KRC Genk unter Vertrag stand.

Logan Baillly, in Lüttich geboren und aufgewachsen, ist möglicherweise also noch immer ein leidenschaftlicher Anhänger der Roten. Wie dem auch sei, die Urteilsverkündung wird jedenfalls für den 6. Juni erwartet.

Die großartigsten Vereinsmaskottchen, Teil 5

Unsere Reise in die Welt der Maskottchen geht weiter. Um ein wenig Exotik ins Spiel zu bringen, führt uns die aktuelle Etappe bis nach… Brandenburg.

21. Borussia Mönchengladbach

Experten werden es bereits an der Frisur erkannt haben: Nach Fohlen Jünter wurde der legendäre Spielmacher Günter Netzer benannt.

22. Espanyol Barcelona

Barca hat Puyol, Lokalrivale Espanyol nur diesen komischen Vogel.

23. BV Veendam

Der doppelte Schumi-Daumen – international anerkannte Begrüßungsgeste der Maskottcheninnung.

24. Energie Cottbus

Lauzi heißt dieser lustige Knabe. Testurteil: uninspiriert. Was spräche zum Beispiel gegen „Ede, die cholerische Spreewaldgurke“?

25. Southend United

Sammy the Shrimp. Ohne Worte.

Fotos: Bökelbergstadion / Bökelberg, Borussia Mönchengladbach

Bökelbergstadion, Mönchengladbach

Adresse: Bökelstraße 165, 41063 Mönchengladbach
Heimatverein: VfL Borussia Mönchengladbach
Kapazität: zuletzt 34.500 (8.700 überdachte Sitzplätze)
Zuschauerrekord: 35.000 (1966, 1. Bundesliga: Borussia M’gladbach – Fortuna Düsseldorf 3:1)
Erbaut: 1919
Abgerissen: 2006

Video:

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

Bökelbergstadion, Borussia Mönchengladbach Bökelberg-Stadion, Borussia Mönchengladbach
Bökelbergstadion, Borussia Mönchengladbach Bökelbergstadion, Borussia Mönchengladbach
Bökelberg, Borussia Mönchengladbach

Live-Bericht: Borussia Mönchengladbach – Waldhof Mannheim | Groundhopping

Aus unserem Archiv:

2. Bundesliga – 00/01
Borussia Mönchengladbach – SV Waldhof Mannheim
3:0 (0:0)
02.04.01, Bökelbergstadion (Mönchengladbach)
22.000 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

In der ersten Halbzeit gab es (leider) sehr viele Fehlpässe, Stockfehler und kleinere Fouls. Deswegen kam auch kaum Spielfluss auf. Mannheim hatte lediglich zwei gute Chancen durch Konter, Gladbach eigentlich überhaupt keine.

In Hälfte zwei war Gladbach dann drückend überlegen, ohne sich richtig gute Torgelegenheiten herauszuspielen. Nach einem Platzverweis für einen Mannheimer legten sie dann aber einen Gang zu und gingen durch einen Doppelschlag von van Houdt mit 2:0 in Führung. Das war natürlich die Entscheidung, in der 90. fiel dann noch das 3:0.

Die Unterstützung von den Rängen war nicht schlecht, nach dem 2:0 ging sogar die Haupttribüne einigermaßen mit. Die Herren vom DSF sind in Gladbach übrigens nicht besonders gern gesehen, immer wieder hallen Anti-Sprechchöre durchs Stadion. Zudem sind eine ganze Reihe Plakate aufgehängt, die sich alle mit dem leidigen Thema „Montagsspiele“ beschäftigen.

Der Bökelberg ist wirklich unglaublich steil, man fühlt sich zuweilen wie Louis Trenker in der Eiger-Nordwand. Das verleiht der Spielstätte aber wiederum einen eigenen Flair und einen gewissen Kultstatus. Zudem hat man auch eine gute Übersicht über das Spielfeld. Wenn der neue Sportpark Nord wirklich gebaut werden sollte, wäre die Bundesliga um eine ihrer atmosphärischsten Arenen ärmer. Irgendwie sehr schade.