Fotos & Stadion-Porträt: Croke Park, Dublin

It would break my heart to see St George’s Cross waving over Croke Park. As long as I live, there will never be a soccer match played at this place. Never soccer!

Das war nicht unbedingt die erhoffte Reaktion. Statt einem „Vielleicht“ ernteten wir nur Pathos und bitteren Ernst, als wir uns im Herbst 2004 während einer spontanen Stadionbesichtigung bei einem Funktionär der Gaelic Athletic Association (GAA) nach der Wahrscheinlichkeit zukünftig hier stattfindender Fußball-Wettkämpfe erkundigten.

Der Gebrauch des Begriffs Soccer kam dabei nicht von ungefähr: Fußball – gleiches gilt im Übrigen auch für Rugby – ist in den Augen der Tradition- und Nationalisten der GAA eine Freizeitbeschäftigung der britischen Besatzer Nordirlands. Das Label Football bleibt daher exklusiv dem Nationalsport Gaelic Football vorbehalten.

1901 wurde das erste und für lange Zeit auch einzige Fußballspiel auf dem Croke-Park-Areal ausgetragen. Damals befand sich an Stelle des heute beindruckenden Bauwerks allerdings noch ein besserer Sportplatz mit Laufbahn, im Volksmund als „Jones Road“ bekannt. Sieben Jahre später kaufte die gälische Sportvereinigung das Gelände und 1913 wurde das zunächst aus lediglich zwei Tribünen bestehende Stadion unter seinem noch heute gültigen Namen eröffnet.

Glasgow oder Dublin: Hauptsache Irland

Als sich der feststehende Abriss des Nationalstadions Lansdowne Road im Jahr 2007 näherte, intensivierte sich auch die Diskussion um die Verwendung des Croke Park als Ausweichstadion für internationale Rugby- und Fußballspiele. Ein unvorstellbares, ja geradezu obszönes Szenario in den Augen vieler GAA-Hardliner, welches sich mangels Alternativen doch peu à peu konkretisierte.

Der einzige ernstzunehmende Gegenentwurf sah die Nutzung der Heimspielstätte des irischen Nationalteams auf Vereinsebene vor: den Glasgower Celtic Park. Nach monatelangen Verhandlungen verkündete der irische Fußballverband FAI im Januar 2006 jedoch die Einigung mit der GAA. Deren strenge Regularien bezüglich nicht-gälischer Sportarten wurde für die Zeit des Lansdowne-Neubaus gelockert, wozu sicher auch der eine oder andere Euro beigetragen hat.

Sitzen ist für’n…

Seit einem 2004 beendeten Umbau präsentiert sich das Croke Park Stadium als atemberaubende Sportstätte. Modern, steil, massiv. In das ansonsten symmetrisch durchgestylte Gesamtbild mag eine Hintertortribüne indes so gar nicht passen. Eine hinter Hill 16 verlaufende Bahnlinie verhindert die Angleichung der Stehplatzterasse an die Stilistik ihrer dreistöckigen Nachbarn.

„Hill 16“ in Stehplatzkonfiguration

Mit einem maximalen Fassungsvermögen von 82.300 Zuschauern ist Croke Park momentan das viertgrößte für Fußball geeignete Stadion Europas – nach Wembley, Camp Nou und dem Estadio Santiago Bernabéu. Für die Freundschafts- und Qualifikationsspiele Irlands wurden die Stehränge allerdings mit temporären Sitzschalen bestückt, wodurch die Kapazität um einige Tausend Plätze sank.

Am 24. März 2007 war dann der historische Moment gekommen: Irland empfing Wales zur ersten Fußballpartie im Croke Park nach 106-jähriger Pause. Und im Herbst 2009 hat auch yours truly die zweitletzte Möglichkeit zu einem Spielbesuch genutzt. Ob der eingangs Zitierte irgendwelche Konsequezen gezogen hat, konnte vor Ort leider geklärt werden. Wir hoffen aber, dass er und auch seine Kollegen die fünf Jahre zuvor getroffene Aussage nicht allzu wörtlich genommen haben.

Stadion-Daten:

Croke Park Stadium, Dublin
Adresse: Croke Park, Dublin 3, Irland
Heimatverein: Hauptsitz der Gaelic Athletic Association (GAA); momentan kein Fußballbetrieb
Kapazität: 82.300 (9.000 Stehplätze)
Zuschauerrekord Fußball: 74.103 (2009, Play-Off WM-Qualifikation: Irland – Frankreich 0:1)
Erbaut: 1913
Zuletzt renoviert: 2004

Fotogalerie

Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin
Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin
Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin
Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin

Links KW 42 2011

Soccer in den USA weiter auf dem Vormarsch

Eine Bestandsaufnahme von zeitloser Gültigkeit:

Inzwischen schwärmen nahezu 30 Prozent der US-Bürger für den Fußball nach europäischer Art. Nur noch American Football, dessen Spielzeit (September bis Januar) an die Soccer-Saison (März bis August) anschließt, und Pferderennen zählen augenblicklich noch mehr Anhänger als der europäische Fußball.

Der amerikanische Football wird vorwiegend von gutgepanzerten Spielern mit den Händen ins Ziel getragen, die Füße sind zum Treten des Gegners da. Jährliche Todesrate: bis zu 49. Im europäischen Fußball ist Handspiel verboten, nachgetreten wird nur, wenn der Schiedsrichter wegguckt. Der vor Jahren noch als „Emigranten-Sport“ verhöhnte Soccer-Wirbel „breitet sich“, so „U.S. News & World Report“, besonders „unter jungen Menschen schnell aus“.

Amerikaner zwischen 18 und 25 […] gelten als typische Fans des Fußballs made in Europe. 49 Prozent der zahlenden Zuschauer sind Frauen. Mädchen spielen Fußball unter sich, aber auch in gemischten Mannschaften. Soccer ist der beliebteste Schulsport.

Und angesichts dieser positiven Entwicklungen wagt natürlich auch The Kaiser eine Prognose:

Beckenbauer: „In zehn Jahren gibt es bestimmt die ersten Weltklassespieler amerikanischer Abstammung.“

Vertreibung aus dem Paradies

Vor einigen Tagen ist mir ein Artikel auf der Online-Ausgabe der amerikanischen Tageszeitung „The Oregonian“ ins Auge gestochen. Dieser erhitzt die Gemüter der sportinteressierten Öffentlichkeit derart, dass bislang 115 zumeist sehr temperamentvolle Kommentare dazu abgegeben wurden. Es geht natürlich um Fußball. Aber gleichzeitig auch um eine Art Nationalheiligtum: Baseball.

Eine Sportart, so ur-amerikanisch wie Cadillac oder Bruce Springsteen. Eine Sportart, die durch ihr Wesen mit kurzen Aktionsphasen in Kombination mit der auch bei Fachleuten umstrittenen Designated-Hitter-Regel die jüngsten Steroid-Exzesse geradezu gefördert hat – und dessen ungeachtet bei vielen Anhängern nach wie vor ein ungeheures Gefühl von Nostalgie hervorruft. Eine Sportart, deren Publikum nach gängigen Vorurteilen die Innings genannten Spielabschnitte nur als willkommene Verdauungspausen zwischen Hot Dog und Popcorn betrachtet.

Vor allem aber ist Baseball eine Sportart, die nach über 100 Jahren professioneller Ausübung in Portland, Oregon vor dem Aus steht. Ab 2011 werden die momentan noch in der zweitklassigen USL aktiven Timbers in der Major League Soccer spielen. Der heimische PGE-Park soll bis dahin in eine reine Fußball-Arena für maximal 22.000 Zuschauer umgebaut werden. Für den derzeitigen Hauptmieter, die Triple-A-Baseballer der Portland Beavers, wird dann kein Platz mehr sein. Eine Ausweichmöglichkeit ist momentan nicht in Sicht.

Wo man sportliche Auf- und Abstiege nicht kennt, wo Teams seit jeher munter Besitzer und Standorte wechseln, ist so etwas vielleicht der natürliche sportpolitische Lauf der Dinge. Vom vermeintlichen Mädchenspiel Soccer aus dem eigenen Stadion gejagt zu werden, dürfte dennoch von vielen Bieber-Freunden als besonders demütigend empfunden werden.

Man kann diesen Vorfall nun als unbedeutende Provinzposse ansehen. Oder anerkennen, dass „The Beautiful Game“ in den Staaten auf dem Vormarsch ist. Abzuwarten bleibt in jedem Falle, ob das globale Phänomen Fußball tatsächlich – wie viele vermuten – das nächste große Ding im US-Sport darstellen wird. Die Kapazitäten sämtlicher für die MLS neu erbauten Spielstätten haben jedenfalls nach deutschen Maßstäben eher Zweitligaformat.

Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass selbst noch halbwegs im Saft stehende Weltstars wie Pele und The Kaiser trotz anfänglichem Hype das vollständige Abebben der ersten Welle des Profifußballs in Nordamerika nicht verhindern konnten. Die Portland Timbers können sich auf dem Vereins Franchise-Friedhof der NASL übrigens quasi selbst besuchen: Ab 1975 trat eine exakt gleichnamige Truppe gegen New York Cosmos und Co. an, ehe sich in der 82er-Saison ausstehende Spielergehälter zu einer unüberwindbaren finanziellen Belastung summierten. Die eigene Geschichte müsste also Warnung genug sein.

Vor einigen Tagen ist mir ein Artikel der Online-Ausgabe der Tageszeitung „The Oregonian“ ins Auge gestochen. Dieser erhitzt die Gemüter der sportinteressierten Öffentlichkeit derart, dass bislang 115, oft sehr temperamentvolle Kommentare dazu abgegeben wurden. Es geht natürlich um Fußball. Aber gleichzeitig auch um Baseball.

Eine Sportart, so ur-amerikanisch wie Cadillac oder Bruce Springsteen. Eine Sportart, die durch ihr Wesen mit kurzen Aktionsphasen in Kombination mit der auch bei Fachleuten umstrittenen Designated-Hitter-Regel die jüngsten Steroid-Exzesse geradezu gefördert hat – und dessen ungeachtet bei vielen Anhängern nach wie vor ein ungeheures Gefühl von Nostalgie hervorruft. Eine Sportart, deren Publikum europäischen Vorurteilen nach die Innings genannten Spielabschnitte nur als willkommene Verdauungspausen zwischen Hot Dog und Popcorn betrachtet.

Vor allem aber ist Baseball eine Sportart, die nach über 100 Jahren professioneller Ausübung in Portland, Oregon vor dem Aus steht. Ab 2011 werden die momentan noch in der zweitklassigen USL aktiven Timbers in der Major League Soccer spielen. Der heimische PGE-Park soll bis dahin in eine moderne Arena umgebaut werden.  Für den derzeitigen Hauptmieter, die Triple-A-Baseballer der Portland Beavers, wird dann kein Platz mehr sein. Eine Ausweichmöglichkeit ist bislang nicht in Sicht.

Wo man sportliche Auf- und Abstiege nicht kennt, wo Teams seit jeher munter Besitzer und Standorte wechseln, ist so etwas vielleicht der natürliche sportpolitische Lauf der Dinge. Vom vermeintlichen Mädchenspiel Soccer aus dem eigenen Stadion gejagt zu werden, dürfte dennoch von vielen Bieber-Freunden als besonders demütigend empfunden werden. Abzuwarten bleibt, ob Fußball, das globale Phänomen, tatsächlich the next big thing im US-Sport darstellen wird. Wenn dem so sein sollte: Wieso haben dann sämtliche für die MLS neu erbauten Spielstätten eher deutsches Zweitligaformat?

Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass selbst noch halbwegs im Saft stehende Weltstars wie Pele und the Kaiser trotz anfänglichem Hype den Niedergang der ersten Welle des Profifußballs in Nordamerika nicht verhindern konnten. Die Portland Timbers können sich auf dem Franchise-Friedhof der NASL übrigens quasi selber besuch – von 1975 bis 1982 trat eine exakt gleichnamige Truppe gegen New York Cosmos und Co. an. Das sollte eigentlich Warnung genug sein.

Gesamtschule Kampfbahn

Wo wir grade bei Schulen mit integrierten Sportstätten waren – diese spektakuläre Bildungseinrichtung ist sogar nach dem  ihr angeschlossenen Stadion benannt:

Stadium High SchoolFoto: Joe Mabel (GFDL-Lizenz)

Mit ihrem von der Architektur französischer Schlösser inspirierten Gebäude, der Lage direkt an einer Meerenge und nicht zuletzt aufgrund der imposanten Schüssel dürfte die „Stadium High School“ nicht nur meiner Idealvorstellung der perfekten Schule ziemlich nahe kommen. OK, der 70er-Jahre-Betonbunker am Rande eines Industriegebiets und die Bundesjugendspiele in der örtlichen Bezirkssportanlage waren auch nicht so schlecht.

Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk? Stimmt, nicht ganz, aber ziemlich nah dran. Das 15.000 Zuschauer fassende  und schlicht „Stadium Bowl“ genannte Stadion befindet sich in Tacoma im US-Bundesstaat Washington. Die Lehranstalt natürlich auch.

Um etwaige Off-Topic-Vorwürfe gar nicht erst aufkommen zu lassen: Auf dem Artificial Pitch der Multifunktionsarena wird auch der amerikanischsten aller Sportarten nachgegangen. Das war vermutlich nicht von Anfang an so geplant – die gelben Spielfeldmarkierungen für Soccer reichen an den Eckpunkten bis auf die Tartanbahn der Leichtathleten.

Viele weitere tolle Fotos gibt es bei flickr.

PS: Wer jetzt jetzt grade von einem Kenn-ich-doch-irgendwoher-Gefühl heimgesucht wird: Ja, die Schule war Hauptdrehort der Teenie-Schmonzette „10 Dinge, die ich an dir hasse“ mit dem späteren Oscar-Preisträger Heath Ledger.

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