Fankultur in den 90ern: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“

Unser neues Lieblings-Video-Portal Vimeo hat mal wieder eine echte Perle an den Blogstrand gespült:

Die Spielzeit 93/94 war die bislang letzte, die der Wuppertaler SV in der 2. Bundesliga verbringen durfte. Wie es der Zufall so wollte, war es diese Abschieds- und Abstiegssaison, die Volker Hoffmann zu einem 45-minütigen Dokumentarfilm verarbeitete: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“.

Der Wuppertaler Filmemacher lässt darin so ziemlich jede Stimme rund um das Stadion am Zoo zu Wort kommen – den politisch denkenden Fanzinemacher, eher einfach gestrickte Fanclubmitglieder in Kutte, den „szenekundigen“ Polizeibeamten, trinkfreudige Allesfahrer, den Ordner, die Mecker-Rentner, vermummte Hools mit verzerrten Stimmen oder den juvenilen Schnösel auf der Haupttribüne etc. pp. Dadurch wirkt der Film zwar manchmal ein wenig reißbrettartig, bildet auf der anderen Seite allerdings eben auch ein großes Spektrum an Meinungen, Eindrücken und (Fan-)Lebenswirklichkeiten ab.

Bitte sehr:

Juristische Salti in Solingen

Eine kleine Geschichte aus meiner dritten Heimat, die wohl mangels sportlicher Bedeutsamkeit nicht den Weg in überregionale Medien finden wird. Sie ist es dennoch wert, erzählt zu werden.

Am 2. Spieltag der sechstklassigen Niederrheinliga empfing Union Solingen die Reserve des Wuppertaler SV. Mit 3:1 konnten die Gäste dieses bergische Duell für sich entscheiden. Doch die schon sicher geglaubten Punkte stehen durch einen simplen Einwurf wieder auf dem Spiel.

Simpel ist vielleicht der falsche Ausdruck – geradezu akrobatisch feuerte Solingens Tim Vodeb das Spielgerät in der 61. Spielminute gen Wuppertaler Gehäuse. Doch der spektakuläre Salto, oder besser Handstandüberschlag (zum Vergleich), fand beim diensthabenden Kampfrichter wenig Anklang.

Einen „falschen Einwurf“ zu verfügen, wäre sicher noch im Ermessensspielraum des Unparteischen gewesen. Dieser entschied sich aber stattdessen dafür, den Turner zu verwarnen und dem Gegner einen indirekten Freistoß zuzusprechen. Ein verhängnisvolles Fehlurteil: Wuppertal gelang direkt im Anschluss das vorentscheidende 2:1.

Der Fußballverband Niederrhein entsprach nun dem rasch erfolgten Protest der erbosten Klingenstädter. Der abgeschlagene Tabellenletzte bekommt folglich eine zweite Chance, gegen den Lokalrivalen seine ersten Punkte einzufahren und profitiert dabei auch von einem weiteren kuriosen Begleiterscheinung.

Zwei Spieler des langjährigen Zweitligisten, darunter auch der Akrobat selbst, stehen im Verdacht, ohne Spielberechtigung angetreten zu sein. Da der WSV seinerseits – als sportlicher Sieger wenig überraschend – auf eine sportgerichtliche Intervention verzichtet hat, steht einer Neuaustragung (Termin offen) wohl nichts im Wege. Vermutlich könnte nur ein Machtwort der FIFA noch für eine Wende sorgen. Ob man in Zürich wohl das Solinger Tageblatt abboniert hat?

Die endlose Radsport-Krise

3. Liga – 09/10
Wuppertaler SV – SSV Jahn Regensburg
2:2 (1:1)

29.07.09, Stadion am Zoo (Wuppertal)
4.870 Zuschauer (ca. 40 Gäste)

Bei meiner letzten Stippvisite am Zoo vor über sieben Jahren erinnerten die damals hinter den Toren existenten Steilkurven noch deutlich an die velosportive Vergangenheit der traditionsreichen Arena. In seiner jetzigen Form, mit den beiden an selber Stelle neugeschaffenen Tribünen, präsentiert sich das Wuppertaler Stadion der Drittklassigkeit gleichwohl mehr als gewachsen. Die Gegengerade ist somit das letzte noch verbliebene Kuriosum. Ein Umbau dürfte aber wohl erst nach einem Aufstieg in die 2. Bundesliga ein Thema werden. Und der ist, nicht nur aus finanziellen Gründen, so schnell nicht in Sicht.

Zwar kann der WSV zweimal in Führung gehen, muss dann aber jeweils den etwas unglücklichen Ausgleich hinnehmen. Hauptverantwortlich dafür  sind eklatante (wird dieses Wörtchen eigentlich auch außerhalb von Fußball-Kontexten verwendet?) Schwächen bei Standardsituationen. Wer aber ernsthaft drei Euro für einen Plastikbecher mit abgestandenem Mineralwasser verlangt, hat den Sieg dann auch einfach nicht verdient. Irgendwie.

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