Das Sonnensystem Hopp

Dass kleine Sportvereine ihre besten Spieler oft an reichere/erfolgreichere Clubs verlieren, liegt in der Natur der Sache. Blöd ist es aber trotzdem. Noch blöder, wenn der abwerbende Club vielleicht erfolgreicher, aber in Wirklichkeit bankrott ist.

Bei dem kleinen Verein könnte es sich um den Schwenninger ERC gegen Ende der 90er Jahre handeln, damals die beste Nachwuchsschmiede in der mit Talenten nicht gerade gesegneten deutschen Eishockeylandschaft. Der Pleiteclub sind demnach die Mannheimer Adler, die allerdings einen letzten Trumpf in der Tasche hatten, von dem sie selber vermutlich gar nichts wussten: einen gerade einmal 18-jährigen Anhänger namens Daniel Hopp.

Glücklicherweise hatte dieser einen relativ wohlhabenden Vater, der den klammen Adlern mit einer Geldspritze von rund zehn Millionen Euro aus der Patsche half. Und wenig später der Stadt Mannheim mit einem zinslosen Darlehen in siebenfacher Höhe zu einer modernen Multifunktionshalle verhalf, in der die Adler inzwischen ihre Kreise ziehen.

Die Rettung eines mit gezinkten Karten spielenden Wettbewerbsteilnehmers war die erste unschöne „Begegnung“ mit der Person Dietmar Hopp. Das war 1998. Drei Jahre später wurde ich zum ersten mal auf die mir zuvor komplett unbekannte TSG Hoffenheim aufmerksam, die als Aufsteiger in der Oberliga Baden-Württemberg zum direkten Durchmarsch in die (damals drittklassige) Regionalliga ansetzte.

Inzwischen ist viel passiert in der Metropolregion Rhein-Neckar. Gleich zwei mal ist Hopp etwa bei der Installation eines Großvereins gescheitert, wobei bemerkenswerterweise jeweils der in Sachen Sportsponsoring sehr umtriebige Energieversorger MVV eine bestimmende Rolle spielte.

Besonders interessant ist dabei das misslungene Entstehen des „FC Heidelberg 06“ – ein regelrechtes Fußballmonster aus drei bis vier Clubs „der Region“, für dessen Erschaffung Frankenstein Hopp ohne mit der Wimper zu zucken auch seine ach so geliebte TSG Hoffenheim als Organspender geopfert hätte.

Was ist das also für ein Typ, der dennoch das Narrativ des „Jungen von hier, der einfach nur seinen Jugendverein unterstützt“ aufrechterhalten konnte? Wo muss man überall seine Finger drin haben, um scheinbar von der Öffentlichkeit eines kompletten Landstrichs (und darüber hinaus) als edler Wohltäter verklärt zu werden?

Ja, eine Art Mindmap für das „Sonnensystem Hopp“ wäre nicht schlecht. Gibt’s nicht? Hmm… selber machen! Et voilà (zum Vergrößern anklicken):

Legende:
— direkte Verbindung | – – – indirekte / einmalige / nicht mehr bestehende / zukünftige Verbindung
Arbeitsverhältnis | es ist Geld geflossen | Verwandtschaftsverhältnis | Nutzungsonstiges

Ich bin kein Psychologe, aber mit „Megalomanie“ lässt sich diese Grafik vielleicht ganz gut zusammenfassen. Und noch ein Hinweis: Es handelt sich hier natürlich um keine investigative Rechercheleistung, die Infos lassen sich mit etwas Vorwissen problemlos ergooglen.

Quellen / weiterführende Links:

http://www.faz.net/aktuell/sport/2-bund … 80123.html
http://www.faz.net/aktuell/sport/fussba … 94054.html
http://www.rp-online.de/sport/fussball/ … -1.1673447
http://www.spiegel.de/sport/fussball/wa … 236-2.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sap-sp … 38166.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen … 664-2.html
http://www.gc-slr.de/461.html
http://www.gc-slr.de/grusswort_beckenbauer.html
http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-s … 70981.html
http://www.welt.de/sport/article5945699 … aters.html
http://www.fr-online.de/sport/daniel-ho … 24988.html
http://saparena.de/kontakt/
http://firma-24.de/dietmar-wolf-hopp-ar … e-mannheim
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachric … ionen-Euro
http://www.derwesten.de/sport/fussball/ … 14132.html
http://www.press-schlag.de/2011/10/04/d … tmar-hopp/
http://www.spiegel.de/sport/sonst/solhe … 66357.html
http://www.achtzehn99.de/kontakt-frauen/
http://www.fc-astoria-walldorf.de/index.php?content=1
http://dietmar-hopp-stiftung.de/s71_akt … ertraeume/
http://www.aktion-kindertraeume.de/sponsoren.php
http://www.beckenbauer-stiftung.de/partner.htm
http://golfwelt.com/artikel/travel/diet … r-provence
http://www.spiegel.de/sport/fussball/wa … 04382.html
http://www.focus.de/sport/fussball/nati … 19569.html
http://www.morgenweb.de/sport/adler-man … -1.1199053
http://www.transfermarkt.de/de/hsw-heid … _9946.html
http://www.deutschlandcup-online.de/spi … a-mannheim

Mein BAK, dein BAK – ein offener Leserbrief an den Berliner Kurier

Lieber Berliner Kurier, lieber Sportchef des Selbigen,

es ist ja nicht so, als könnte ich euer an Borniertheit grenzendes Desinteresse überhaupt nicht nachvollziehen: Die Berliner Vereinslandschaft ist mit wenigen Ausnahmen in etwa so spannend wie eine Folge Praxis Bülowbogen. Das gilt leider insbesondere für den Amateurfußball.

Vor allem im Vergleich mit Regionen wie Hamburg, dem Ruhrgebiet oder quasi dem kompletten Osten um die Hauptstadt herum verwundert es nicht, dass diese Ansammlung identitätsloser Quatschvereine seine Ligaspiele regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit austrägt. Verwöhntes Eventpublikum hin oder her.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich das Vergnügen, ein Heimspiel des momentanen Klassenprimus Berliner AK zu besuchen. Bei der Regionalliga-Partie gegen die zweite Mannschaft des Hamburger SV gab es offiziell eine kreisligareife Kulisse von 200 Besuchern zu bestaunen. Die Zahl an sich dürfte sogar hinkommen, bedenken sollte man allerdings, dass ein Großteil der Anwesenden an der Kasse einfach durchgewunken wurde.

Nun hat aber eben jener Berliner AK im DFB-Pokal etwas ganz Erstaunliches vollbracht und die TSG Hoffenheim vor 1.468 Zuschauern förmlich aus dem Wettbewerb geschossen. Das 4:0, ihr werdet es vielleicht mitbekommen haben, ist der bis dato höchste Sieg eines Viertligisten gegen ein Team aus der 1. Bundesliga.

Eine grandiose Leistung, die von euch unter anderem im Artikel „Hoffenheim kommt vor dem Fall“ verarbeitet wurde.

Dass dieses Etwas (es handelt sich wohl um eine Art Kolumne) handwerklich – sprachlich wie argumentativ – auf dem Niveau einer Schülerzeitung daherkommt, wäre eigentlich schon schlimm genug. Ärgerlicherweise gelingt es euch zudem während der kompletten 1112 Zeichen, mit traumwandlerischer Sicherheit das Thema zu verfehlen.

Häme gegen Hoffenheim mag gerade in einem meinungsbetonten Text bis zu einem gewissen Grad angebracht sein, allein die unglaublich vorhersehbare und plumpe Darreichungsform („Millionarios“) dürfte die Toleranz-Grenze so manchen Lesers aber bereits übersteigen.

Völlig unpassend hingegen erscheint am vermutlich größten Tag in der Vereinsgeschichte des Berliner AK das von Anfang bis Ende aus einer wirren Hertha-Perspektive betriebene Babbel-Bashing. Was hat das sicherlich etwas unschöne Auseinandergehen von dieser sportclubgewordenen Pokalblamage und dem aktuellen TSG-Trainer bitteschön mit dem gestrigen Spiel zu tun?

Wortspiele direkt aus der Wortspielhölle („Debabbel“) wechseln sich nahtlos mit unmotiviert eingestreuten Andeutungen über längst verlorene Hertha-Spiele („positiv besetzter Platzsturm“) ab und werden doch von einem schon jetzt legendären Ausfall mühelos getoppt:

Aber, hihi, Hoffenheim, haha, Babbel, prust, 0:4, muahahaha!

So viel Kraft. So viel Poesie. So viel Fremdschämen.

Berliner Kurier, Sportchef, ich bitte euch! Wenn es denn immer und unbedingt boulevardesk zugehen muss, dann konzentriert euch doch hier in Gottes Namen auf den Berliner Athletik-Klub. Diese Mannschaft hat Historisches geleistet und ein bisschen mediales Abgefeiertwerden durchaus verdient.

Wie wäre es also, sich zum Beispiel mit der Truppe zum gemeinsamen Köfte-Essen zu verabreden? Natürlich dürfen auch einzelne Spieler dem geneigten Leser etwas nähergebracht werden. Ich denke da etwa an: „Koloss Kruschke. Seine Liebe. Sein Körper. Seine Wut.“. Oder lasst euch von Präsident Mehmet Ali Han doch einfach für eine Homestory durchs renovierte Poststadion führen.

Viele Grüße und da nich‘ für

Eure Stadioncheck-ReBAKtion

DFB stellt Verfahren gegen „Mitarbeiter“ von 1899 Hoffenheim völlig zurecht ein

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts das Ermittlungsverfahren eingestellt, das gegen einen Angestellten des Vereins 1899 Hoffenheim nach dem Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 13. August 2011 eingeleitet worden war.

Eine logische, eine richtige Entscheidung. Schließlich legt doch Punkt 14 der Stadionordung der Hoffenheimer Rhein-Neckar-Arena eindeutig fest:

Verbote

[…]

– mechanische und elektrisch betriebene Lärminstrumente – der Betreiber behält sich Ausnahmen vor

Tja, so einfach ist man aus dem Schneider.

Verboten sind gemäß Punkt 14 übrigens auch…

– sperrige Gegenstände wie Leitern, Hocker, Stühle, Kisten, Reisekoffer;

[Ausnahme (Anm. d. Red.): selbstgebaute Hochfrequenztöner auf Bollwerwagenbasis.]

…oder:

– Tiere

[Ausnahme: Currywürste.]

Damit ist ja alles tacko.

 

Halt, einen Moment – es gibt ja noch die Durchführungsbestimmungen des DFB, die unter anderem „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen“ enthalten. Sollten in diesem für jedermann im Internet abrufbaren Regelwerk nicht vielleicht doch Grundsätze finden lassen, die durch die mehrfache und angeblich nicht mit dem Stadionbetreiber abgesprochene Inbetriebnahme eines selbstgebauten, strombetriebenen Hochfrequenztöners durch einen autark handelnden Vereinsmitarbeiter verletzt werden?

Bitte bilden Sie sich selbst eine Meinung. Folgende Textauszüge stammen einheitlich aus erwähntem Abschnitt 3. „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesligaspielen“ der DFB-Durchführungsbestimmungen:

Seite 97, § 13 Beschallungseinrichtungen

Absatz 3. Im Stadion eingesetzte mobile Beschallungsanlagen müssen sowohl vom Stadionsprecher als auch über die Vorrangschaltung der Polizei abgeschaltet werden können

[…]

Seite 98, § 17 Grundsatz

Der Verein ist verpflichtet, alle organisatorischen und betrieblichen Maßnahmen zu treffen, die geeignet und erforderlich sind, Gefahren für die Platzanlage, die Zuschauer und den Spielbetrieb vorzubeugen sowie diese bei Entstehen abzuwehren.

[…]

Seite 104f, § 26 Ordnungsdienst

Absatz 10, wesentliche Aufgaben des Ordnungsdienstes

– Zugangs- und Anfahrtskontrollen an der äußeren und inneren Umfriedung des Stadions sowie an nicht allgemein zugänglichen Bereichen

[…]

– Wegnahme, Lagern und gegebenenfalls Wiederaushändigen von Gegenständen, die nach rechtlichen Vorschriften oder nach der Stadionordnung nicht mitgeführt werden dürfen

[…]

– Meldung sicherheitsrelevanter Sachverhalte an die Polizei, an die Rettungsdienste, an die Feuerwehr und an andere betroffene Institutionen […]

Die Fundstücke sind das Ergebnis einer semi-intensiven, zehnminütigen Suche in eben jenem PDF. Sicherlich lassen sich weitere Unklarheiten und mögliche Verstöße finden. Uns persönlich reicht das aber schon aus, um eine Nachfrage per elektronischem Brief an den Deutschen Fußball-Bund zu richten. Wer das ähnlich sieht, sollte es uns gleichtun, das Faxgerät oder den Rechner anschmeißen und den DFB „mit Protestnoten überschwemmen„.

Erstes Phantombild des beschuldigten 1899-Mitarbeiters aufgetaucht

Ein etwas älterer Herr soll laut übereinstimmender Zeugenaussagen für die Akustikattacken auf den BVB-Block verantwortlich sein:

Hausmeister Hoffenheim

Wer kennt diesen Mann?

  • circa 112 Jahre alt
  • 1,75 m bis 1,85 m groß
  • mehrere Milliarden schwer
  • trug zum Tatzeitpunkt ein T-Shirt mit dem aufgedruckten Slogan „Zukunft ist gut“

Sachdienliche Hinweise nimmt jede Poliz… ach, Sie wissen schon.

Was war denn überhaupt passiert?

Beim jüngsten Bundesligaspiel der TSG 1899 Hoffenheim gegen Borussia Dortmund (1:0) wurde seitens der Hausherren mehrfach versucht, Schmähgesänge der Gäste-Fans gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp mit extrem lauten Signalen zu übertönen. Die Beschallung mit Hochfrequenztönen wurde mit Hilfe einer offenbar speziell zu diesem Zwecke gebauten Apparatur durchgeführt, die unterhalb des Gästeblockes installiert war. Daraufhin hatten gleich mehrere Dortmunder Anhänger Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei gestellt.

Diese so genannten „Akustikatacken“ werden durch Fotos von der Apparatur sowie durch zahlreiche bei Youtube und ähnlichen Plattformen veröffentlichten Videos nahezu lückenlos dokumentiert. Die Chronistenpflicht und unsere neutrale Grundhaltung verpflichten uns aber selbstverständlich auch, die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen und diese offizielle Stellungnahme der TSG 1899 Hoffenheim vom 15. August 2011 zu veröffentlichen:

»Im Laufe des Sonntages sowie des heutigen Tages wurde mehrfach berichtet, die TSG 1899 Hoffenheim habe während des Bundesligaspiels gegen Borussia Dortmund am Samstag den 13.08.2011 versucht, gegen Herrn Hopp gerichtete Schmähgesänge des Dortmunder Fanblocks mittels Störgeräuschen zu unterbinden. Die Klubführung hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine unverzügliche Untersuchung eingeleitet. Diese hat ergeben, dass vorrangig im Bereich des Gästeblocks Geräusche wahrgenommen wurden, die nicht mit der Stadionbeschallung in Zusammenhang stehen.

Im Laufe des heutigen Tages hat sich auch unter dem Eindruck der Medienreaktion ein Mitarbeiter der TSG 1899 Hoffenheim dazu bekannt, am Samstag während des Spiels gegen Borussia Dortmund eine entsprechende Apparatur eigenmächtig zum Einsatz gebracht zu haben. Der Mitarbeiter wollte damit nach eigener Aussage „ein Gegenmittel“ gegen die aus seiner Sicht nicht mehr erträglichen Beleidigungen gegenüber Herrn Dietmar Hopp einsetzen. Weiter hat der Mitarbeiter eingeräumt, dass er sich der Tragweite seiner Handlung nicht bewusst war und die Aktion auch einen eher scherzhaften Charakter haben sollte. Als Reaktion hat die TSG 1899 Hoffenheim entsprechende arbeitsrechtliche und disziplinarische Schritte gegen den Mitarbeiter eingeleitet. Des Weiteren wurde laut Auskunft der Polizeidirektion Heidelberg Strafanzeige gestellt.

Weder die Geschäftsführung der TSG 1899 Hoffenheim noch Präsident Hofmann oder Herr Hopp selbst wussten von der Existenz und dem Einsatz des eingesetzten Gerätes. Alle Verantwortlichen distanzieren sich ausdrücklich von dieser Aktion und entschuldigen sich bei allen Fußballfans, deren Spielerlebnis durch diese Vorkommnisse beeinträchtigt wurde. Sollte es in einzelnen Fällen tatsächlich zu einer Schädigung der Gesundheit von Stadionbesuchern gekommen sein, entschuldigt sich der Verein hierfür ebenfalls ausdrücklich. Die Führung der TSG 1899 Hoffenheim wird dafür Sorge tragen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen wird.«

Wie geht es nun weiter?

Diese Pressemitteilung der TSG 1899 Hoffenheim liest sich zunächst einmal nicht sehr glaubwürdig und riecht schwer nach Guttenbergscher Salamitaktik mit dem ominösen Mitarbeiter als willkommenes Bauernopfer. Einziges Problem: Das muss den pfiffigen Kraichgauern natürlich erst einmal jemand nachweisen.

Es bleibt demnach die große Frage, wie diese geradezu groteske Affäre in ihrer Gesamtheit nun juristisch zu bewerten ist. Der Gladbecker Rechtsanwalt Thomas Wings gibt in seinem Blog „Höchstrafe“ eine erste Einschätzung ab:

»Im Fazit gehe ich also grundsätzlich von strafbaren Verhalten aus, wenn die Behauptung des Dortmunders zutrifft, seit dem Ereignis unter einem Tinnitus zu leiden. Ob das so ist, wird relativ leicht von einem Sachverständigen geprüft werden können. Je nach Beschaffenheit des Geräts könnte sogar von einer gefährlichen Körperverletzung ausgegangen werden, wonach das aber schon eher zweifelhaft ist.«

Oder wie der Kaiser es ausdrücken würde: Schau‘ mer mal…

Ehrenamtsschimmel

+++ Update (24.11.11): Werder Bremen und der VfL Wolfsburg wurden mit in die Liste aufgenommen. An der Weser wird die Ausbeutung von Arbeitskraft übrigens besonders professionell betrieben: Die Rekrutierung der Freiwilligen erledigt eine Zeitarbeitsfirma, die dadurch entstehenden Kosten holt man (teilweise) über eine als Sponsor fungierende Versicherung wieder rein. +++

Vor gut einem Monat haben wir über das höchst erfolgreiche Volunteer-Programm von Hannover 96 berichtet. Was wir damals noch nicht ahnten: Nach 96er-Vorbild hat sich das Einspannen von kostenneutralen Arbeitskräften im deutschen Fußball mittlerweile zu einem regelrechten Industriezweig entwickelt.

Da wir uns außerdem nicht nachsagen lassen möchten, bewusst negativ oder einseitig über die Niedersachsen zu schreiben, haben wir uns die Mühe gemacht, nach anderen Programmen dieser Art zu suchen. Diese Auflistung erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist das Ergebnis einer semi-intensiven Google-Recherche und dem Absuchen der offiziellen Vereinswebseiten. Wer weitere Volunteer-Programme kennt, darf sich natürlich gerne in den Kommentaren zu Wort melden.

1. Bundesliga

Hannover 96

Programm existiert seit: Beginn Saison 05/06

Anzahl Volunteers: 80

Aufgaben: Auskunftserteilung und Hilfestellung, Platzanweisung, Ticketing, Mitwirken in der EDV, Kinderbetreuung

Leistungen: keine Angabe

Quelle: www.hannover96.de/CDA/awd-arena/volunteer-programm.html

Borussia Dortmund

Programm existiert seit: Beginn Saison 07/08

Anzahl Volunteers: 130

Aufgaben: Auskunftserteilung und Hilfestellung, Platzanweisung, Betreuung von behinderten Gästen, VIPs und Journalisten

Leistungen: Volunteer-Kleidung für jedes Wetter, Verpflegung und ein Exemplar des Stadionmagazins; sofern Aufgabengebiet und Platzsituation auf den Ränge es zulassen, können manche Volunteers auch das Spiel verfolgen

Quelle: BVB-Webseite (siehe Google)

1. FC Köln

Programm existiert seit: 2007

Anzahl Volunteers: 60

Aufgaben: als Ansprechpartner für Fan-Fragen dienen

Leistungen: keine Angabe

Quelle: www.fc-volunteers.de und www.fc-koeln.de/stadion/volunteers/

1. FC Nürnberg

Programm existiert seit: keine Angabe

Anzahl Volunteers: keine Angabe

Aufgaben: Auskunftserteilung, allgemeine Kundenbetreuung, Verkauf des Stadionmagazins, Überwachung der Nichtraucherblöcke, Ausgabe hinterlegter Tickets,

Leistungen: Kleidung (Polo-Shirt darf nach Beendigung der Tätigkeit behalten werden), kostenlose Verpflegung, Ticket für den Nahverkehr, Urkunde

Quelle: www.fcn.de/stadion/clubvolunteers/fakten/

FC Augsburg

keine näheren Angaben

Quelle: www.fcaugsburg.de/cms/website.php?id=/index/stadion/data8201.htm

Hertha BSC

Programm existiert seit: Beginn Saison 07/08

Anzahl Volunteers: 80 bis 100 pro Heimspiel

Aufgaben: allgemeine Informationserteilung, Toiletten- und Kioskauskunft, Platzanweisung

Leistungen: keine Angabe

Quelle: www.herthabsc.de/index.php?id=1589 und www.herthabsc.de/index.php?id=413&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1313

FC Schalke 04

Supportersclub und Thorsten Wieland haben mich auf Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass es auch bei Schalke ein Volunteers-Programm gibt oder zumindest gegeben hat. Ein entsprechender News-Artikel auf der Schalke-Webseite (wohl relaunchbedingt heute nicht mehr aufrufbar) wurde Anfang 2008 von Thorsten in seinem Königsblog kommentiert.

Auf dem im Sommer 2009 neu gestalten Internetangebot des S04 lässt sich aktuell allerdings kein Hinweis mehr auf ein derartiges Freiwilligen-Programm finden.

Programm existiert seit: 2007

Anzahl Volunteers: Pool von 140 Helfern

Aufgaben: Auskunftserteilung an verschiedenen Stellen

Leistungen: keine Angabe

Quelle: http://www.schalke04.de/aktuell/news/einzelansicht/artikel/s04-volunteers-helfer-in-jeder-lebenslage.html (Danke an Supportersclub!)

TSG Hoffenheim

Programm existiert seit: Saison 07/08

Anzahl Volunteers: keine Angabe

Aufgaben: Medienbetreuung, als Ansprechpartner für Fans fungieren, Umsetzung von Werbemaßnahmen

Leistungen: keine Angabe

Quelle: http://www.achtzehn99.de/achtzehn99-volunteers-1899-hoffenheim-sucht-dich/

Bayer Leverkusen

Programm existiert seit: keine Angabe

Anzahl Volunteers: rund 65 am Spieltag

Aufgaben: Auskunftserteilung, Arbeit im Innenraum, Pressebetreuung, Tätigkeiten für den „Löwenclub“ (teilweise kostenpflichtiges Programm, um Kinder an den Verein zu binden)

Leistungen: keine Angabe

Quelle: http://www.bayer04.de/B04-DEU/de/_md_aktuell-dt.aspx?aktuell=aktuell-4059&guid=0-79106AF3-9D98-4F55-B709-4085FA5D246F-667

VfB Stuttgart

Programm existiert seit: neu zu Beginn der Saison 11/12

Ansonsten keine näheren Angaben

Quelle: http://www.vfb.de/de/verein/volunteers/bewerbung/page/2066-0-8-1307539352.html

Werder Bremen

Programm existiert seit: Bundesligasaison 2008/09

Anzahl Volunteers: keine Angabe

Aufgaben: Presse-, VIP und Besucher-Betreuung, Mitarbeit im Marketing und bei Werder-TV

Leistungen: einheitliche Ausrüstung, Verpflegung während der Einsätze, Bescheinigung bei Bedarf

Quelle: http://www.werder.de/de/business/news/36495.php (Danke an denTrainer!)

VfL Wolfsburg

Programm existiert seit: Saison 2006/2007

Anzahl Volunteers: keine Angabe

Aufgaben: Medien und Kommunikation, Sicherheit, Service, Transport & Verkehr

Leistungen: Uniform, kostenlose Verpflegung, Tageseintrittskarte, kostenlose Mitgliedschaft im Wölfeclub (nach zehn Einsätzen)

Quelle: https://www.vfl-wolfsburg.de/info/ueber-uns/stellenangebote/volunteers.html (Danke an vflwobarchiv)

2. Bundesliga

VfL Bochum

Programm existiert seit: Juli 2009

Anzahl Volunteers: keine Angabe

Aufgaben: Unterstützung in verschiedenen Servicebereichen, Betreuung behinderter Gäste, Auskunftserteilung, allgemeine Kundenbetreuung

Leistungen: keine Angabe

Quelle: www.vfl-bochum.de/site/_verein/volunteersp.htm

3. Liga und darunter

Preussen Münster

Programm existiert seit: Saison 09/10

Anzahl Volunteers: bis zu 20 pro Spieltag

Aufgaben: Unterstützung in verschiedenen Servicebereichen, Betreuung behinderter Gäste, Auskunftserteilung, allgemeine Kundenbetreuung

Leistungen: Verfolgen der Spiele, Zeugnis, Ermäßigung auf den Beitrag für die Vereinsmitgliedschaft

Quelle: www.scpreussen-muenster.de/stadion/stadionhelfer

SV Wehen Wiesbaden

Programm existiert seit: keine Angabe

Anzahl Volunteers: keine Angabe

Aufgaben: u.a. Gästebetreuung

Leistungen: Volunteer-Teamkleidung, kostenlose Verpflegung am Spieltag, die Möglichkeit Heimspiele live zu verfolgen, 2 Eintrittskarten für 3 Heimspiele pro Saison, Tickets für Auswärtsspiele, gemeinsame Veranstaltungen

Quelle: http://www.svwehen-wiesbaden.de/verein/sport-gmbh/volunteers (Danke an stehblog)