Dem Tom Forde sein komischer Frust

Wir „positiv-verrückten Fußballfans“ (R. Callmund) können uns an solchen Bildern doch gar nicht sattsehen: Der eine, strahlender Held, bejubelt einen Etappensieg im steten Kampf moderner Gladiatoren und schlägt in Donnerbalken-Stellung seine zu Victory-Zeichen geformten Hände vor die erfolgsverwöhnte Visage. Der andere, dieser scheiss Verlierer, schreit mit geballten Fäusten und weit aufgerissenen Augen seinen ganzen „Frust heraus“.

Genau so wird sich das abgespielt haben, liebe einestages-Redaktion. Genau so.

Links KW 13 2010

Mit Lichtorgel in der Bullendisko (11freunde.de)

Wie männliche Cheerleader (ZEIT Online)

Ein-Mann-Armee des Weltfußballs (SPON)

Ultras in Britain are wrongly persecuted (WSC)

In die Enge getrieben (sueddeutsche.de)

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich

Rot-Weiß Oberhausen ist sicherlich ein Verein, der mehr mediale Aufmerksamkeit dieser Art verdient hätte. Oder auch nicht, denn der Artikel ist wirklich mangelhaft. Nicht nur, dass das Bild vom ehrlichen Malocherclub mit der im Regen stehenden Fankurve ausgelutschter nicht sein könnte, auch die geschilderten Analogien zwischen RWO und St. Pauli sind schlichtweg an den Haaren herbeigezogen. Niemand, der schon einmal Spiele beider Vereine besucht hat, würde auch nur auf die Idee kommen, diese in irgendeiner Weise zu vergleichen.

Darüber hinaus hält sich Herr Hermanns nicht an die Fakten. Mit Aussagen wie dieser

Der Verein ist zweimal hintereinander aufgestiegen, von der Oberliga in die Zweite Liga, er erlebt gerade die Kommerzialisierung im Schnelldurchlauf.

versucht der Autor ganz offensichtlich, die Kleeblätter als einen für gewöhnlich im Amateurfußball beheimateten Club darzustellen, der momentan seine ersten Schwimmversuche im Haifischbecken Bundesliga absolviert. Und das ist einfach nicht korrekt.

Richtig ist, dass RWO gerade das Kunststück vollbracht hat, gleich zweimal hintereinander – in verschiedene Richtungen – durch die Regionalliga zu marschieren (also: 2. BL > RL Nord > OL Nordrhein > RL Nord > 2. BL). Zuvor spielte der Verein sieben Spielzeiten am Stück im (damals offenbar noch gänzlich unkommerziellen) Unterhaus und verpasste den Sprung in die 1. Liga in der Saison 2003/2004 lediglich um zwei Punkte.

Diese Informationen wären in zehn Minuten locker und leicht auf der Vereinshomepage oder bei fussballdaten.de zu recherchieren gewesen. Ich bin sogar der Meinung, dass ein über Fußball schreibender Journalist so etwas eigentlich auch aus dem Kopf wissen müsste. Erst recht, wenn dies für ein derart renommiertes Blatt geschieht. Oder steckt hinter diesen unsauberen Ausführungen etwa gar nicht naive Unwissenheit, sondern vielmehr der Versuch, den Leser bewusst zu manipulieren? Egal, wenn Oberhausen tatsächlich so etwas wie „Hoffenheim ohne Hopp“ ist, dann sind Texte wie dieser im Tagesspiegel eben wie Hoffenheim mit Hopp: entbehrlich.