Tom meets Zizou – die obligatorische Rezension

…oder nennen wir es besser: einige mehr oder weniger unstrukturierte Gedanken und Beobachtungen.

Tom meets Zizou Banner

Von Thomas Broich habe ich zum ersten mal zu Beginn seiner Karriere in einem Fußball-Forum erfahren. Ein ebenfalls dort angemeldeter Burghausen-Fan (ja, gibt es wirklich) schwärmte in höchsten Tönen von diesem jungen Mittelfeld-Juwel, das damals für Wacker die Regionalliga durcheinander wirbelte.

Broichs erste Ausrufezeichen in der 2. Bundesliga habe ich auch noch mitbekommen. Dass er danach in Mönchengladbach neben „Frank Fahrenhorst(!!!), Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski“ (Verständnis-Apparat Johannes Bekerner) als einer der großen Hoffnungsträger des deutschen Fußballs galt, aber irgendwie nicht. Oder ich habe das mit zunehmender Verkalkung nicht mehr so auf dem Schirm, kann natürlich auch sein.

Ticket Tom meets ZizouZudem kommt nun einmal vor, dass vormals hoch gehandelte Jungstars nicht den absoluten Durchbruch schaffen. Den ersten großen Karriereknick unter Dick Advocaat samt Verbannung in die zweite Mannschaft habe ich daher überhaupt nicht, sein langsames Verschwinden aus dem Fokus höchstens am Rande registriert. Das Hauptmotiv des Films, Thomas Broich als tragischer Misfit im knallharten Bundesligageschäft, war für mich bei der ersten Beschäftigung mit dieser Langzeitdoku völlig neu.

Den Spitznamen Mozart – retrospektiv betrachtet eher Fluch als Segen – habe ich, naiv wie ich bin, seiner Jugendlichkeit, seiner Filigranität und seinem Esprit zugeschrieben. Tatsächlich stammt er von einem klassikuninteressierten Mitspieler. Wie profan.

Summa summarum werfen diese ganzen Wissenslücken und Fehlannahmen eine große Frage auf: Konsumiere ich zu wenig oder zu viele Boulevardmedien?

Kein Film von Traurigkeit

Von 2003 bis 2011 begleitete Regisseur Aljoscha Pause die Karriere von Thomas Broich, reiste um den halben Erdball und sprach mit Dutzenden Weggefährten. Herausgekommen sind über 100 Stunden Rohmaterial, die der Filmemacher begleitet von der fantastischen Musik von Roland Meyer de Voltaire zu einer intensiven Charakterstudie verdichtete.

Die Längen, die Tom meets Zizou gemäß einiger anderer Rezensionen haben soll, konnte ich so nicht ausmachen. Wenn, dann wurde höchstens Broichs Premierensaison in der ersten Liga etwas zu erschöpfend beleuchtet. Langeweile kam während der gut zwei Stunden aber nie auf. Zu unverblümt, offen und bisweilen auch überraschend humorvoll sind die Statements von Broich selbst und den anderen Interviewten.

Etwa, wenn die noch immer sehr stark im bayrischen Idiom gefangene Ex-Freundin zu Wort kommt und so gar nicht das Bild der typischen Spielerfrau verkörpert. Oder sein Trainerkumpel Micheal Oenning, dem irgendjemand vielleicht mal ein Taschentuch hätte reichen sollen. Die meisten Lacher gingen allerdings eindeutig auf das Konto von Berti Vogts, der, ganz offensichtlich ein wenig neben sich stehend, den jüngsten Auftritt von U-21-Kapitän Broich gleich mehrfach mit „Boah! Das ist ein guter Spieler.“ adelt.

Schlüsselszene und gleichzeitig eindringlichster Blick auf Broichs Naturell? Oder einfach nur Zufall? Ich weiß es nicht, aber die Minuten unmittelbar nach dem Gewinn der Australischen Meisterschaft haben es auf jeden Fall in sich. Denn selbst im Moment des großen Triumphes gelingt es Broich nicht, im Kollektiv der jubelnden Mannschaftskameraden abzutauchen; stattdessen wandelt der inzwischen 30-Jährige gedankenverloren, fast schon beckenbaueresk über das Spielfeld und wischt sich noch während der laufenden Siegerehrung den Glitter als materialgewordenen Erfolg von den verschwitzten Armen.

Broich is Ultra

Thomas Broich lässt wenig Zweifel daran, dass sein früheres Image, die Inszenierung als ständig bücherlesender Schöngeist zumindest teilweise nicht unbedingt seinem Wesen entsprochen hat und eher ein Produkt der eigenen Unangepasstheit war. Weil Broich diese Umstände reflektiert, ohne sie zu verleugnen oder sich total ändern zu wollen, weil er auch ansonsten äußerst sympathisch und entwaffnend ehrlich rüberkommt, strahlt Aljoscha Pauses Portrait eine außergewöhnliche Wahrhaftigkeit aus.

Außerdem bleibt die Erkenntnis, dass der Bundesliga ein Typ wie Thomas Broich mit ihrem Heer von mediengeschulten Viertelintellektuellen mit Gesamtschul-Abi einfach fehlt. Seine Pässe tun es sowieso.

Fazit

Großartig. Wer sich auch nur ein bisschen für die Hintergründe des Spiels interessiert und die Möglichkeit hat (>>Termine), den Film in seiner Nähe im Kino zu sehen, sollte diese wahrnehmen. Alle anderen sparen für die sicherlich irgendwann erscheinende DVD.


Infos

Tom meets Zizou


Regie: Aljoscha Pause
Verleih: mindjazz pictures
Buch / Idee: Aljoscha Pause
Schnitt: Anne Pannbacker
Kamera: Robert Schramm, Martin Nowak, Jochen Wagener u.a.
Musik: Roland Meyer de Voltaire
Sprecher: Josef Tratnik
Produktion: Aljoscha Pause, Hans-Peter Klein, Filmworks

DVD bestellen | Blu-ray bestellen (Amazon Partnerlinks)

Stadion-Porträt: Wörthersee Stadion, Austria Klagenfurt

Premiere auf Stadioncheck.de: Ein Gastbeitrag. Matthias, Mastermind hinter Schalkefan.de, ist mit dem österreichischen Bundesland Kärnten familiär verbunden und versorgt uns Stadionfreaks daher mit Fotos und einem Porträt des EM-Stadions in der Landeshauptstadt Klagenfurt. Wir bedanken uns ganz herzlich, ein Besuch bei Matthias‘ famosem Blog wird hiermit auch Nicht-Schalkern mit durchaus imperativem Subtext empfohlen.

Das Wörthersee Stadion war die modernste und galt als die stimmungsvollste Spielstätte der „Euro 2008“ in Österreich und der Schweiz. Der Oberrang, eine Stahlrohr-Tribüne mit Tränenblech-Bodenbelag, sorgte durch seinen Resonanzkörper für eine außergewöhnliche Stimmung, unter anderem bei zwei Vorrundenspielen des späteren Vizeeuropameisters Deutschland. Dieser Glanz täuschte darüber hinweg, dass Klagenfurt als Spielstätte der EM ein Planungsfehler war. Denn im dünn besiedelten Bundesland Kärnten existiert keine Infrastruktur für Fußball auf nationalem Niveau.

Euro 2008 in Klagenfurt (Kroatien v Deutschland)

Landeshauptmann Jörg Haider, der den Bau und die Austragung der „Euro“ in seinem Stammland zur Chefsache gemacht hatte, fädelte in Ermangelung eines Erstligaclubs den Deal ein, die Bundesliga-Lizenz des ASKÖ Pasching (in Deutschland besser bekannt unter dem Namen SV Pasching) zu kaufen und nach Klagenfurt zu transferieren. Doch auch der so geschaffene Retortenclub SK Austria Kärnten schaffte es nicht, österreichischen Spitzenfußball im südlichen Bundesland zu etablieren, stieg kurz nach der Europameisterschaft ab und meldete Konkurs an. Sämtliche Wiederbelebungsversuche scheiterten – auch und vor allem weil Haider zwischenzeitlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Heute wird das Stadion vom unterklassigen SK Austria Klagenfurt genutzt, der seine Heimspiele vor wenigen Hundert Zuschauern austrägt und gegen den im Juni 2011 ebenfalls ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde. Ausgang offen.

Um das Wörthersee Stadion nicht gänzlich ungenutzt zu lassen, vergab der Österreichische Fußballbund (ÖFB) zahlreiche Länderspiele und nationale Pokalendspiele nach Klagenfurt. Auch das im Januar 2010 ausgetragene Eishockeyderby zwischen den beiden nationalen Spitzenteams Villacher SV (VSV) und dem Klagenfurter Athletiksport Club (KAC) sorgte mit 30.500 Zuschauern für das seltene Erlebnis eines nahezu ausverkauften Hauses.

Das heutige Wörthersee Stadion wurde in den Jahren 2006 und 2007 auf dem Gelände seines im Jahr 1960 erbauten namensgleichen Vorläufers vollständig neu errichtet. In der Baukalkulation enthalten war ursprünglich der sofortige Rückbau nach der EM auf 22.000 Zuschauer. Mehrere Abnehmer für die Elemente des Stahlrohr-Oberrangs aus dem In- und Ausland standen bereit. Doch das überbordende Lob der Fußballfachwelt für die großartige Spielstätte verleitete das Land Kärnten dazu, den Rückbau so lange zu verzögern, bis das Material des Oberrangs aus baustatischer Sicht wertlos wurde und potenzielle Käufer Abstand nahmen. Die im Haushalt der Betreibergesellschaft eingeplanten Rückbaukosten wurden innerhalb kürzester Zeit durch die laufenden Betriebskosten aufgezehrt, sodass letztendlich das Geld fehlte, die Planungen umzusetzen. Zuletzt durfte der Oberrang aufgrund von genehmigungsrechtlichen Streitigkeiten nur noch an wenigen Terminen im Jahr genutzt werden.

Derzeitiger Stand ist, dass ein Rückbau nicht stattfinden und stattdessen die Statik des Oberrangs nachgebessert werden soll. Das Wörthersee Stadion soll in seiner derzeitigen Form erhalten bleiben. Allerdings wird auch das nichts daran ändern, dass es auf unabsehbare Zeit eine wunderschöne Sportstätte ohne nennenswerte fußballerische Nutzung bleiben wird.

Stadion-Daten:

Wörthersee Stadion, Klagenfurt (auch: Sportpark Klagenfurt)
Adresse: Südring 207, 9020 Klagenfurt, Österreich
Heimatverein: SK Austria Klagenfurt
Kapazität: 32.000
Erbaut: 2006 bis 2007

Fotogalerie:

Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt
Wörthersee Stadion, Klagenfurt Wörthersee Stadion, Klagenfurt

Fotos und Text: Schalkefan.de

Stadion-Porträt (02): Olímpic Feixa Llarga, CE L’Hospitalet de Llobregat

Der Unterschied zwischen den Begriffen Vorort und Stadtteil ist vielen Deutschen offenbar nicht so ganz bewusst. So wird der FC Schalke 04 von gegnerischen Fans gerne als „Gelsenkirchener Verortverein“ verunglimpft, obschon „Gelsenkirchener Stadtteilverein“ die korrekte Betitelung wäre. Vororte zeichnen sich also durch ihre Eigenständigkeit aus und werden, sofern sie Großstädten vorgelagert sind, auch Satellitenstädte genannt.

Wieso ich das erzähle? Weil vor den Toren Barcelonas die mit über 250.000 Einwohnern bevölkerungsreichste Satellitenstadt Europas liegt. L’Hospitalet de Llobregat belegt damit sogar Rang 14 auf der Liste der größten Städte des Landes und beheimatet natürlich auch einen mehr oder weniger erfolgreichen Fußballclub: CE L’Hospitalet.

Stets unterklassig

Der 1957 durch eine Dreifachfusion entstandene Verein hat es allerdings noch nie in die erste Liga geschafft, vielmehr scheint mit 23 Spielzeiten die Drittklassigkeit der natürliche Lebensraum der „Riberencs“ (Uferbewohner) zu sein. Seine Spielstätte – manch einer mag es bereits geahnt haben – ist somit eindeutig das Interessanteste an diesem Club.

Dabei gestaltet sich bereits die Suche nach dem korrekten Stadionnamen äußerst spannend. Bezeichnungen wie „Estadio Municipal Feixa Llarga“ oder „Estadi de la Feixa Llarga“ lassen sich im Netz finden, am Stadion selbst prangt in in großen Lettern der Name „Estadi de Futbol de L’Hospitalet“. Die gebräuchlichste und auch von uns für diesen Text verwendete Firmierung lautet aber „Olímpic Feixa Llarga“.

Ja, richtig, wir haben es hier mit einem waschechten Olympiastadion zu tun. Während der Spiele 1992 diente es als Hauptaustragungsort des ersten olympischen Baseballturniers. Durch die charakteristische Boomerangform des einzigen zweirangigen Bereichs der Anlage, der der sich zu etwa gleichen Teilen über eine Seiten- und eine Hintertortribüne erstreckt, ist diese Vergangeneheit bis heute zu erahnen.

Neues Jahrtausend, neuer Sport

Erst 1999 wurde die Spielstätte dann in ein Fußballstadion mit einer Kapazität von 6.294 Sitzplätzen umgebaut. Seitdem gehen dort die, wie bereits erwähnt, zumeist drittklassigen Kicker von CELH auf einem 110 m mal 68 m großen Kunstrasenspielfeld ihrer Profession nach. Und sollte sich an der Spielklasse mittelfrisitg etwas im positiven Sinne ändern – Platz für einen Ausbau ist auf jeden Fall genug vorhanden.

Das Stadion ist von Barcelona sehr einfach mit der U-Bahn (Endhaltestelle „Hospital de Bellvitge“) zu erreichen, zudem spielt CE L’Hospitalet häufig um 12 Uhr. Ein Stadionbesuch bietet sich damit vorzüglich als Vorprogramm zu einem Abendspiel von Barca oder Espanyol an. Gefrühstückt sollte man da allerdings schon haben – bei meiner Stippvisite Anfang 2006 gab es an den Kiosken lediglich Bier und Chips zu kaufen.

Stadion-Daten:

Olímpic Feixa Llarga, L’Hospitalet de Llobregat
Adresse: Feixa Llarga s/n, 08907 L’Hospitalet, Spanien
Heimatverein: CE L’Hospitalet
Kapazität: 6.294 Sitzplätze
Erbaut: 1992; 1999 Umbau zum Fußballstadion

Fotogalerie:

Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat
Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat
Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat
Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat Olímpic Feixa Llarga, CE L'Hospitalet de Llobregat

Stadion-Porträt (01): Stade Saint-Symphorien, FC Metz

Mittelmäßige Stadion-Porträts gibt es wie Sand am Meer. Oft kalt geschrieben, beschränken sich diese in der Regel auf die üblichen Verdächtigen: Anfield, Nou Camp, Trolli Arena. Das ist nicht weiter schlimm, aber auch nicht sonderlich spannend. Högschde Eisenbahn also, diesem Einheitsbrei eine Serie mittelmäßiger Porträts von nicht ganz so oft besungenen Fußballplätzen entgegenzusetzen. Teil 1 führt uns nach Lothringen:

Der Blick des Captains wandert einmal, zweimal, dreimal durch das Stadion, ehe er an der dreistöckigen Tribune Ouest (s. Aufmacherbild) hängen bleibt. Kopfnicken und die herausgestreckte Unterlippe signalisieren Zufriedenheit und Beeindrucktsein gleichermaßen. Und dann dieser Satz:

Das Stadion ist die Macht!

Der langjährige Stadionsprecher der großen SG Wattenscheid 09 ist ein weitgereister Mann („San Siro? Klar, war ich auch schon – 14-mal.“). Wäre es zu Gefühlsregungen fähig – das Stade St. Symphorien in Metz könnte sich auf dieses Lob wirklich etwas einbilden.

Zumindest froh dürfen die Fans des FC Metz sein, alle zwei Wochen von eben jener Westtribüne ihre Mannschaft anfeuern zu dürfen. Die Sichtverhältnisse sind hervorragend, was zum einen natürlich der steilen Bauweise geschuldet ist. Außerdem wurde auf die eine gerade in deutschen Sportstätten weit verbreitete Unsitte verzichtet – über Zäune und Tornetze muss man sich in dem 26.700 Zuschauer fassenden Stadion nicht ärgern.

Modern, aber nicht eintönig

Die aktuelle Maximalkapazität resultiert aus einer schrittweise durchgeführten Komplettrenovierung, die in den 90er-Jahren begonnen wurde. 1998 wurde der Neubau der wuchtigen Tribune Ouest fertiggestellt, drei Jahre später folgte ihr etwas kleineres und nur aus zwei Rängen bestehendes Pendant hinter dem anderen Tor. Die Tribünen an den Spielfeldseiten sind etwas älteren Datums, wurden damals aber ebenfalls aufgefrischt.

Momentan spielt der Vizemeister von 1998 nur in der Ligue 2. Was unter anderem bedeutet, dass die 1923 eröffnete Arena zumeist nur spärlich gefüllt ist. Wenn es auf dem Rasen mal wieder nicht rund läuft, bleiben den Anhängern der „Granats“ aber zum Trost noch die Merguez, die in kleinen Buden auf dem Stadionvorplatz verkauft werden. Denn wenigstens die scharfen Hackfleischwürste sind in Metz absolut erstklassig.

Stadion-Daten:

Stade Saint-Symphorien, Metz
Adresse: 3, avenue Saint-Symphorien, 57050 Longeville-les-Metz, Frankreich
Heimatverein: FC Metz
Kapazität: 26.700 überdachte Sitzplätze
Zuschauerrekord: 28.766 (1991, Division 1: FC Metz – Olympique Marseille)
Erbaut: 1923
Zuletzt renoviert: 2001

Fotogalerie:

Stade Saint-Symphorien, FC Metz Stade Saint-Symphorien, FC Metz
Stade Saint-Symphorien, FC Metz Stade Saint-Symphorien, FC Metz
Stade Saint-Symphorien, FC Metz

Mein Lieblingsspieler: Grotenburg’s Finest

Wenn fußballaffine Menschen zwischen „Spielerlegende“ und „Wien“ einen Zusammenhang konstruieren sollen, kommen den meisten schnell die üblichen Verdächtigen in den Sinn: Sindelaar, Binder, Hanappi, Krankl.

Weniger bekannt sein dürfte hingegen, dass die beiden Erstgenannten gar nicht in dieser wunderschönen Stadt geboren wurden, dafür aber einer der Europameister von 1992. Einfacher Grund: Sein Vater verdiente Ende der 60er als Profi beim Wiener Sportclub seine Brötchen.

Aufgewachsen ist das Fußballtalent dann allerdings in der dänischen Familienheimat. Und auch wenn er während seiner gesamten Karriere immer ein wenig im Schatten seines nicht minder begabten großen Bruders stand zockte – mein Lieblingsspieler heißt Brian Laudrup.

Erstmals aufgefallen ist mir der damals 20-Jährige fast zwangsläufig durch seinen Wechsel in die Bundesliga zu Bayer Uerdingen. Obwohl er nur eine Saison für den Werksclub bestritt, darf er wohl mit Fug und Recht als bester Kicker bezeichnet werden, der je das rot-blaue Jersey der Krefelder überstreifte. Trotz Ailton.

Mit einem Körperschwerpunkt, der stets unterhalb der Grasnarbe zu liegen schien, dribbelte, doppelpasste, trickste und täuschte sich der Edeltechniker nicht nur in die Herzen vieler Fans, sondern auch auf den Einkaufszettel von Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Nach zwei Jahren beim Rekordmeister folgte ein Intermezzo im einstigen Profitraumland Italien. Seine mit Abstand erfolgreichste Zeit erlebte der gereifte Brian dann allerdings in Glasgow bei den Rangers. Und auch wenn es großteils internetlosen 90ern nicht so ganz einfach war, in Sachen Laudrup auf dem Laufenden zu bleiben, schwappte via LaOla doch das eine oder andere Bewegtbild nach Deutschland.

Natürlich war da auch noch die dänische Nationalmannschaft, mit der Brian Laudrup in Schweden sensationell die Europameisterschaft holte. Sein Mitwirken an einem der besten WM-Spiele überhaupt samt formvollendetem Torjubel wurde hier im Blog ja schon ausgiebig gewürdigt.

Noch ein wenig Trivia: Garbage-Sängerin Shirley Manson war so in Brian Laudrup vernarrt, dass sie die Wahl ihres favorisierten Teams zweitweilig von der Karriereplanung des mit 1,86 m erstaunlich großen Dänen abhängig machte. Verrückt? Vielleicht. Wer sich dieses Video zu Gemüte führt, wird sie (und mich) aber sicherlich verstehen.

Im September 2010 gab Brian Laudrup bekannt, an Lymphknotenkrebs zu leiden. Stadioncheck.de wünscht an dieser Stelle viel Kraft beim Kampf gegen diese furchtbare Krankheit. Du schaffst das.

Dieser Text erscheint in der Reihe „Mein Lieblingsspieler“, welche von Sidan auf el-futbol.de initiiert wurde.

Vorbild Preston: National Football Museum

Wohin vergibt der DFB sein offizielles Fußballmuseum? Diese Frage bewegt bereits seit Monaten die Fans in der Region. Nach dem Ausscheiden von Köln und Oberhausen sind nur noch zwei Kandidaten übrig geblieben: Gelsenkirchen und eine andere Großstadt im Ruhrgebiet. Ende Januar wollen die mächtigen alten Männer in Frankfurt (angeblich) endlich eine Entscheidung treffen. Es bleibt also noch ein wenig Zeit, um den Blick gen Insel zu richten, wo der älteste Fußballverband der Welt eine vergleichbare Einrichtung betreibt:

Die Saison 1888/89 sollte zur erfolgreichsten überhaupt in der wechselhaften Geschichte des Preston North End FC werden. Die allererste Austragung der englischen Fußballmeisterschaft konnte das fortan „The Invincibles“ genannte Team ungeschlagen für sich entscheiden, den FA-Cup sicherten sich die „Unbesiegbaren“ ohne einen einzigen Gegentreffer. Den Cup musste der erste Double-Gewinner zwölf Monate später zwar den Blackburn Rovers überlassen, den Meistertitel konnte die legendäre Truppe aber verteidigen. Danach gewann PNE die Trophäe allerdings nie wieder. Seit über 118 Jahren warten „The Lilywhites“ nun also schon auf den Titel – da soll noch mal jemand über Schalke oder Newcastle lästern.

Der Ruhm dieser frühen Erfolge ist dementsprechend ein wenig verblasst. Der 1881 gegründete Verein hat Jahrzehnte des sportlichen Siechtums hinter sich und schrammte in den 80ern nur knapp am Verlust des Profistatus vorbei. Pünktlich zum Jahrtausendwechsel erlebte PNE allerdings so etwas wie eine kleine Renaissance und die damit verbundene Rückkehr auf die englische Fußball-Landkarte. Als souveräner Meister gelang nach beinahe 20 Spielzeiten der Wiederaufstieg in die zweite Liga, in der sich der Club inzwischen etabliert hat.

Von wegen Fußballprovinz

Deepdale: Alan Kelly Stand

Die Football Association hingegen hatte ihren ersten Titelträger offensichtlich nie vergessen. Nicht etwa London, Manchester oder Liverpool, sondern die vergleichsweise kleine Universitätsstadt in der Grafschaft Lancashire wurde als idealer Standort für das nationale Fußballmuseum auserkoren.

Und so beherbergt Prestons von 1996 bis 2008 komplett umgebautes Stadion „Deepdale“ seit Februar 2001 die vielleicht beeindruckendste Ansammlung an Fußballdevotionalien überhaupt.

Explizit auf die verschiedenen Exponate einzugehen, würde hier jetzt sicherlich den Rahmen sprengen. Empfehlenswert ist vor allem der Streifzug durch das „First Half“ genannte Erdgeschoss, welches hauptsächlich den Anfängen des Spiels gewidmet ist. Darüber hinaus huldigt die Dauerausstellung „The English Football Hall of Fame“ einer erlesenen Auswahl ehemaliger Spieler und Manager. Eine Etage höher laden interaktive Stationen zum Mitmachen ein. Eine kleine Aussichtsplattform erlaubt außerdem einen tollen Einblick in das Innere der traditionsreichen Spielstätte.

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, ganz egal ob zufällig in der Gegend oder ganz bewußt dem runden Leder auf der Insel hinterherjagend. Darüber hinaus ist der Eintritt – es geschehen noch Zeichen und Wunder in der Heimat von Nepp und Abzocke – kostenlos. Bitte nachmachen, lieber DFB.

Und jetzt: Daumen drücken für die Fußballhauptstadt im Pott!