Flach spielen, hochsterilisieren

Es ist mal wieder Zeit, mit einem der großen popkulturellen Mythen der Fußballgeschichte aufzuräumen. Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Es war nicht Bruno Labbadia, der uns den wunderbaren Neologismus „Hochsterilisierung“ geschenkt hat. Bernd Hoss, damals Trainer bei Blau-Weiß 90, kannte bereits in der Saison 84/85 diese ganz besondere Form der Entkeimung:

Ob Hoss – hier ist Nomen zur Abwechslung wirklich mal Omen – nun tatsächlich der Vater dieser Wortschöpfung war, vermag ich nicht zu sagen. Er bestärkt mich aber zumindest in der vagen Erinnerung, den Ausdruck bereits vor Brunos legendärem Statement schon aus dem ein oder anderen Reportermund vernommen zu haben.

Das Spielfeldinterview ist übrigens nur der Schlussteil einer auch in seiner Gesamtheit wirklich sehenswerten Zusammenfassung einer Zweitliga-Partie zwischen eben jenem Blau-Weiß 90 und Hertha BSC. Ein echtes Berliner Derby also, wie es vielleicht nächste Saison in leicht veränderter Konstellation wieder stattfinden wird.

Der Hügel

ACHTUNG: WERBECLIP!

Vom Auftraggeber, ein sympathischer Sportartikelhersteller aus den US of A, bekomme ich allerdings nichts. Leider. Darüber hinaus hat das Ding schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und kann daher getrost unter N wie Nostalgie abgeheftet werden.

Viel schwerer als der kommerzielle Hintergrund wiegt sowieso die Tatsache, dass man über eine Minute seines Lebens die virtuelle Gegenwart von „Ich seh‘ die VIP-Logen vor lauter Stehplätzen nicht mehr“ ertragen muss. Warum ich das Video trotz dieser Voraussetzungen hier verlinke?

Wenn ich das so genau wüsste. Ein ganz junger Nuri Sahin, der mit seinen türkischen Kumpels einen Abhang in der sauerländischen Heimat zum Bolzplatz umfunktioniert – hat etwas. Irgendetwas.

Fankultur in den 90ern: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“

Unser neues Lieblings-Video-Portal Vimeo hat mal wieder eine echte Perle an den Blogstrand gespült:

Die Spielzeit 93/94 war die bislang letzte, die der Wuppertaler SV in der 2. Bundesliga verbringen durfte. Wie es der Zufall so wollte, war es diese Abschieds- und Abstiegssaison, die Volker Hoffmann zu einem 45-minütigen Dokumentarfilm verarbeitete: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“.

Der Wuppertaler Filmemacher lässt darin so ziemlich jede Stimme rund um das Stadion am Zoo zu Wort kommen – den politisch denkenden Fanzinemacher, eher einfach gestrickte Fanclubmitglieder in Kutte, den „szenekundigen“ Polizeibeamten, trinkfreudige Allesfahrer, den Ordner, die Mecker-Rentner, vermummte Hools mit verzerrten Stimmen oder den juvenilen Schnösel auf der Haupttribüne etc. pp. Dadurch wirkt der Film zwar manchmal ein wenig reißbrettartig, bildet auf der anderen Seite allerdings eben auch ein großes Spektrum an Meinungen, Eindrücken und (Fan-)Lebenswirklichkeiten ab.

Bitte sehr:

Europa-Hugo

November 2005. Inter muss sein Champions-League-Heimspiel gegen Porto in einem menschenleeren San Siro austragen. Hugo Almeida, damals noch in seiner Heimat aktiv, tritt zum Freistoß an:

Wir merken uns: Ein wuchtig im Tornetz einschlagender Ball wirkt um so beeindruckender, wenn das daraus resultierende Geräusch von ein paar Quadratkilometern Beton reflektiert wird.

 

Derby-Impressionen: Hertha BSC – Union Berlin

Aus Zeitmangel gibt es keinen Bericht und nur einige verspätete Fotos vom Berliner Derby-Wochenende. Schön war’s. Und wenn man bedenkt, dass ein Aufstiegsplatz kraft DFL-Statuten ja bereits fix an den VfL Bochum vergeben ist, muss das zweite auch nicht das letzte Pflichtspiel zwischen Hertha und Union gewesen sein.

2. Bundesliga, 2010/11, 21. Spieltag

Hertha BSC – 1. FC Union Berlin 1:2 (1:1)

1:0 Hubnik (13., Kopfball, Mijatovic)
1:1 Mosquera (37., Linksschuss, Stuff)
1:2 Mattuschka (71., direkter Freistoß, Rechtsschuss)

Video:

…und Fotos:










Implosive Menschen kennen keine Grenzen

Die neue Heimat der Dallas Cowboys ist vermutlich der spektakulärste Stadionneubau, den es in jüngerer Vergangenheit zu bestaunen gab. Aber auch bei der Beseitigung ihrer alten Spielstätte haben es die Texaner so richtig krachen lassen. Eindrucksvoll dokumentiert wird die Sprengung des Texas Stadiums von diesem interaktiven 720-Grad-Video – gefilmt vom Spielfeld(!) aus. Man befindet sich also quasi mitten im Auge des Hurrikans, der 37 Jahre NFL-Geschichte binnen weniger Sekunden einfach so wegbläst. Fasten your seatbelts.