Betr.: #AudiCup2015 – Fragen an das @ZDF

Diese Fragen gingen soeben per Fax an die Pressestelle des ZDF raus:

1. Erhält das ZDF von Turniersponsor Audi finanzielle Unterstützung für die Übertragung?

2. a) Falls ja: Wie stellt sich diese dar?

b) Falls nein: Wieso übernehmen Sie die Bezeichnung „Audi Cup“ ohne Bindestrich in Ihre Berichterstattung? Sollten Markennamen, die nicht den Rechtschreibungs-Regeln der deutschen Standardsprache entsprechen, von einer Anstalt des öffentlichen Rechts nach journalistischen Maßstäben korrigiert (Beispiel: „Iphone“ statt „iPhone“) werden?

3. Wieso tangiert bzw. verletzt die an vielen Stellen (z.B. in der Programmankündigung, Videotext, usw.) von Ihnen publizierte sowie mehrfach in der Live-Übertragung erwähnte Automarke nicht das Werbeverbot nach 20 Uhr?

4. Wie bewerten Sie den sportlichen Wert derartiger Freundschaftsspiele?

5. Wie rechtfertigt dieser eine Live-Übertragung zur so genannten Prime-Time in einem gebührenfinanzierten Medium?

Falls ich eine Antwort erhalte (wovon wir natürlich schwer ausgehen), wird sie an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht.

+++ Update – 5. August 2015: Das Zweite Deutsche Fernsehen hat heute Nachmittag auf mein Fax geantwortet. +++

Das ZDF erhält von Audi keine finanzielle Unterstützung. Vertragspartner für den Audi Cup ist im übrigen Bayern München.

„Audi Cup“ ist der offizielle Titel der Veranstaltung. Dies wird vom ZDF respektiert und die Veranstaltung deshalb auch mit ihrem Namen im Programm so benannt.

Beim Audi Cup handelt es sich um den letzten Test von Bayern München vor Beginn der neuen Saison. Das Turnier ist hochkarätig besetzt und trifft deshalb auch auf sehr hohes Zuschauer-Interesse, wie bereits die Einschaltquoten am gestrigen Abend bewiesen haben. Die Live-Übertragung des Spiels Bayern München – AC Mailand sahen 5,90 Millionen Zuschauer, bei einem Marktanteil von 21,6 Prozent.

Mona Lisa goes schwul

Wann immer eine Sau namens „Homosexuelle Fußballprofis“ durchs Mediendorf getrieben wird, ist Marcus Urban nicht weit. Und damit auch der bzw. die Blödeste kapiert, was den heute als Kommunikations-Berater und Künstler tätigen Thüringer als Fachmann auf dem Gebiet der Schwule-Fußballer-Forschung qualifiziert, greifen die Filmemacher vom TV-Magazin Mona Lisa (ML) in einem Beitrag über „Das letzte Tabu“ (Link zur ZDF-Mediathek) ganz tief in die Antexter-Trickkiste.

Zunächst ist Urban – im Hochsommer – mit einem pinkfarbenen Schal (schwuhuuul!) zu sehen, einige Sekunden später trägt er ein Fußballtrikot mit „Hamburg“-Aufdruck (Fußball-Asi!) und daddelt unmotiviert auf einem Sportplatz herum.

Der Holzhammer wirkt beim bräsigen ZDF-Publikum offenbar immer noch am besten. Etwas komisch ist nur, dass der obligatorische Experte Urban nie professionell, sondern nur in der DDR-Nachwuchsoberliga Fußball gespielt hat und dennoch per Bauchbinde als „Ex-Fußballprofi“ angekündigt wird.

Das ist ungefähr so, als würde man den berüchtigten Münchner „Klatschreporter“ Michael Graeter als Fachmann für „Fans“ und „Fußballspieler“ bezeichnen, nur weil man diesen mit der Kamera in der Fußgängerzone beim etwas verwirrt anmutenden Durchblättern einer Ausgabe der „Sport-Bild“ erwischt hat.

Und auf so eine bescheuerte Idee käme ja nun wirklich niemand, oder?

Leider doch. Und was Graeter zu Fans und Spielern, zu Killern und Schwestern, zu Terminatoren und Ticketverkäufen zu sagen hat, schlägt wirklich dem Fass den Boden aus. Geradezu geschäft… wait for it… schädigend. Überzeugen Sie Sich selbst:

Abmoderiert wird dieser Beitrag von ML-Frontfrau Barbara Hahlweg übrigens mit dem süffisanten Hinweis, dass Fußball-Promis wie Klopp oder Beckenbauer (und andere) eine Sache gemeinsam hätten:

Sie alle hatten Besseres zu tun, als sich zu diesem Thema zu äußern.

Man kann es ihnen wirklich nicht verübeln.

Laptop und Lederbluse

Früher war alles besser, sogar die Schleichwerbung. Zumindest subtiler kam sie daher, als heutzutage im Zweiten Deutschen Zwangs-Bezahlfernsehen.

KMH: „Olli, bist Du son Typ, der mit dem Laptop vorm Fernseher sitzt?“ *

Olli: „Nee, eigentlich nicht… obwohl, doch, seit es das Fennorackel gibt.“

* als ob sie das nicht genau wüsste

Nepper, Schlepper, Spitzen-Rapper

Ein Auszug aus der aktuellen, ähm, Folge (nach dem Ghana-Spiel) der zurecht hochgelobten „Blumentopf-RAPortagen“ im Ersten:

Am Sonntagnachmittaaa(g)
kommts zum Klassikaaa
diesmal in Afrikaaa
kommt schon Jungs, ihr macht das klaaa

Wertung: Sieben „Yo!“s auf der nach unten offenen Claus-Lufen-Skalaaa.

Ich bin nicht nur Fußballfan

Ich bin sogar ein sehr, sehr großer Fußballfan. Manche würden meinen Konsum vielleicht als „extrem“ bezeichnen. Ansichtssache.

Doch das geht definitiv zu weit:

Nachdem Michael Ballacks Innenband bereits außerplanmäßig im ZDF (19:20 Uhr | ZDF spezial: WM-Aus für Ballack) thematisiert wurde, sah sich offensichtlich auch die ARD zu einer kurzfristigen Programmänderung genötigt. Zur Stunde läuft eine „Sportschau extra„. Und das, während vor der US-Küste täglich Tausende Barrel Öl in den Golf von Mexiko fließen und in einer südostasiatischen Hauptstadt ein Bürgerkrieg tobt. Brennpunktfrei.

Leute, justiert mal eure Prioritäts-Sensoren neu. Euer Zwangsgebührenmodell ist kaum noch zu rechtfertigen.

Weil’s einfach Pflicht ist

Der dritte Matchball brachte die Entscheidung. Mit einem 2:0-Sieg über Jahn Regensburg hat Union Berlin den Aufstieg in die 2. Bundesliga erreicht. Herzlichen Glückwunsch!

Ein großer Tag natürlich für alle Freunde der Eisernen, aber auch ein dankbares Ereignis für Fernsehmacher. Sind bei so einem Erfolg eines derart gut unterstützten Vereins doch schöne Bilder und O-Töne mit vielen Emotionen garantiert. Ein von tausenden Anhängern überfluteter Rasen, Schampuspullen im Entmüdungsbecken, ein weinender Präsident, halbnackte Spieler und lustige Interviews. Man kennt das ja. Aber, mal ganz unter uns, als bräsiger TV-Rezipient möchte man doch irgendwie auch gar nichts anderes vorgesetzt bekommen.

Sozusagen also eine Win-win-win-Situation, absolut ausgeschlossen da etwas zu verbocken. Die gestrige Ausgabe der Sportschau bewies dann allerdings, das es sehr wohl möglich ist, selbst diesen fernsehtechnischen Elfmeter ohne Torwart zu versemmeln. Versemmeln ist vielleicht der falsche Ausdruck. Denn verwandelt hat er ihn ja, der an der Seitenauslinie herumvagabundierende Reporter. In einen sensationellen Dialog mit Berlins Trainer Uwe Neuhaus (Gedächtnisprotokoll):

Reporter: Ham‘ Sie sich die zweite Liga schonmal ein bisschen angeschaut? So Spielstärke, Konkurrenz?

Neuhaus: Och, ich interessier mich eigentlich gar nicht für Fußball.

Leider ist dieser aus einer sensationell dummen Frage und einer sensationell schlagfertigen Antwort bestehende Gesprächsfetzen aber nicht einfach nur witzig. Er vermittelt vielmehr einen Eindruck davon, wie ein Journalist, erstmal im sicheren Schoß des öffentlich-rechtlichen Gebührenparadieses angekommen, seine eigenen Scheuklappen auf andere Berufsbilder projiziert. Schon GEZahlt?