Tourbericht: Wiesbaden & Nürnberg

Endlich mal wieder Zeit für Schalke, endlich mal wieder Zeit für eine Auswärtsfahrt. Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschied ich mich, am Freitag vor der königsblauen Stippvisite in Nürnberg noch eine Partie des SV Wehen Wiesbaden mitzunehmen.

Die dortige Fertigbau-Arena habe ich bereits Ende 2007 während eines Zweitligaspiels begutachten dürfen. Durch einen kompletten Festplattencrash – der mich, nebenbei erwähnt, zum Datensicherungsstreber werden ließ – sind allerdings sämtliche Fotos von damals über die Wupper. Von daher „musste“ ich so oder so noch einmal ein Heimspiel des SVWW besuchen.

Die Hinfahrt mit Umstieg in Mainz verlief weitestgehend ereignislos, sieht man einmal von einem völlig euphorisierten Zugführer ab, der die nahende Ankunft in Wiesbaden fast schon ekstatisch zelebrierte. Gerne hätte man den Grund dafür herausgefunden, doch trotz gewohnt pünktlicher Ankunft blieb wenig Zeit für Sightseeing – ab in’s Stadion!

Von der durch Klassizismus und Jugendstil geprägten und gemäß Reiseführer sehr harmonisch wirkenden Innenstadt bekommt man auf dem direkten Weg von Hauptbahnhof zum Stadion leider nichts mit. Dafür läuft, respektive fährt der geneigte Fußballfan an der Zentrale des Statistischen Bundesamtes entlang.

Vielleicht trägt der kühl und technokratisch wirkende Hochhauskomplex eine Mitschuld an Wiesbadens suboptimalem Abschneiden bei „Hessens schönste Städte“. Die Zuschauer der Kultsendereihe des hr wählten ihre Landeshauptstadt jedenfalls nur auf Rang 16. Hinter Käffern wie Bad Orb oder Schlitz. Was wohl unser Lokführer dazu sagen würde?

3. Liga – 2011/2012
SV Wehen Wiesbaden – SpVgg Unterhaching
0:0
10.04.2012, Brita-Arena
2.300 Zuschauer (ca. 20 Gäste)

Tja, was soll man zu solch einem Spiel großartig schreiben? Am besten nur das Nötigste: keine Tore, kaum Chancen, Abstiegskrampf pur, wenig Zuschauer, die, wenn überhaupt vernehmbar, fast ausschließlich zusammengeklautes Liedgut präsentierten. Schnell weg hier.

Die Übernachtungsfrage wurde wie üblich bereits im Vorfeld geklärt und über HRS ein Hotelzimmer gebucht. Die Anforderungen waren klar:

  • zentral gelegen mit guter ÖPNV-Anbindung
  • 24h-Rezeption, da die Anreise erst am späten Abend/in der Nacht erfolgen würde
  • gutes Preis-/Leistungsverhältnis
  • zumindest ordentliche Bewertungen

Die Wahl fiel schlussendlich auf das Hotel Diplomat in Frankfurt, das allen Ansprüchen gerecht werden konnte. Zudem konnte ich von Wiesbaden HBF direkt ohne umzusteigen zu einem S-Bahnhof in unmittelbarer Nähe fahren. Das doch recht kleine, aber saubere Zimmer wurde als absolut ausreichend für eine erholsame Nacht befunden und nach einem Absackerbier gingen im Ostend auch rasch die Lichter aus.

Bevor es am nächsten Morgen weiter gen Nürnberg gehen sollte, stand noch ein kurzer Ausflug nach Frankfurt-Rödelheim auf dem Programm. Immer wieder toll: Der ÖPNV in Frankfurt. Schnelle Taktungen, gute Umstiegsmöglichkeiten, halbwegs saubere Fahrgastbereiche. Ja, ich glaube, von allen deutschen Großstädten mit über 250.000 Einwohnern hat Frankfurt den besten Nahverkehr.

Rödelheim erhielt seinen Namen durch ein früher in Deutschland weltbekanntes Hip-Hop-Duo und, naja, ist nicht unbedingt ein Ort zum Urlaub machen. Der bereits erwähnte Festplattendefekt führte mich gleichwohl zum zweiten mal in meinem Leben in diese pittoreske Ecke der Bankenmetropole. Keine ist, keine andere ist.

Das Stadion am Brentanobad war dann auch zum Glück geöffnet und in einer guten Viertelstunde zufriedenstellend abfotografiert. Ganz so reibungslos verlief die weitere Reise in Richtung Frankenland dann allerdings nicht, der IC hatte am Ende über eine halbe Stunde Verspätung.

Dennoch blieb genügend Zeit, um vor dem Spiel das Reichparteitagsgelände samt Zeppelinfeld zu erkunden und auch noch auf dem Vereinsgelände des 1. FC Nürnberg vorbeizuschauen. Rund um den Sportpark Valznerweiher hat der Glubb ein neues zentrales Funktionsgebäude mit allem Zipp und Zapp (Jugendinternat, Lizenzspielerbereich, Museum, Verwaltung) errichtet. Durchaus beeindruckend.

1. Bundesliga – 2011/2012
1. FC Nürnberg – FC Schalke 04
4:1 (3:0)
11.04.2012, Stadion Nürnberg
44.031 Zuschauer (ca. 3.500 Gäste)

Nach einer erneuten Derbyniederlage war bereits vor diesem Spiel die Luft aus der eigentlich recht erfolgreich verlaufenden Saison raus. Zumindest der zur CL-Qualifikation berechtigende 4. Tabellenplatz war Schalke kaum noch zu nehmen. Und das merkte man Huub Stevens‘ Truppe dann auch an. Mit „katastrophal“ ist diese Leistung noch wohlwollend umschrieben. Ganz anders die Mannschaft des FCN, der mit diesem beherzten Auftritt ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt gelang.

Deutlich interessanter als der dargebotene Sport war aber ohnehin das Geschehen auf den Rängen. Schalker und Nürnberger Anhänger forderten gemeinsam lautstark das „Max-Morlock-Stadion“:


Auch auf dem Hauptbahnhof blieb die Atmosphäre im Anschluss ausgelassen und friedlich. Vermutlich hat die Fanfreundschaft schon bessere Tage erlebt, dennoch ist es immer wieder eine nette Erfahrung, wenn man als Auswärtsfan wohlwollend und ohne Anfeindungen empfangen wird. In diesem Sinne: Schalke und der FCN!

Fotos: Frankfurter Volksbank Stadion, FSV Frankfurt

Frankfurter Volksbank Stadion, Frankfurt

Adresse: Am Erlenbruch 1, 60332 Frankfurt am Main
Heimatverein: FSV Frankfurt
Kapazität: 10.470 Zuschauer (4.470 Sitzplätze und 6.000 Stehplätze)
Zuschauerrekord: 30.000 (1950, Oberliga Süd: FSV Frankfurt – Eintracht Frankfurt 1:2)
Erbaut: 1931
Umbau: seit 2008; 2009 wiedereröffnet

Traditioneller Name: Stadion am Bornheimer Hang. Im Januar 2012 wurde die Haupttribüne als letzter verbliener Teil der ursprünglichen Sportanlage abgerissen. Die rekonstruierte Tribüne ist inzwischen fertig gestellt.

Fotos:

Links KW 24 2011

Der verkaufte Gaul (Schalkefan.de)

„Bild“-Zeitung, Nationalelf und viele Abhängigkeiten (ZEIT Online)

Erstklassige Graffitis zu Ehren eines zweitklassigen Fußballvereins (stadtkindFFM)

Besenschwinger in der Provinz (taz.de)

Zweimeterdreizehn (freitagsspiel)

Zwei Eintracht Frankfurts, es gibt nur zwei Eintracht Frankfurts!

Ein Unglück kommt selten allein: Erst Christoph Daum, dann der Abstieg aus der 1. Bundesliga und jetzt muss sich die Frankfurter Eintracht auch noch vor Gericht mit einem aufmüpfigen Ringerverein rumschlagen, der eben auch Eintracht Frankfurt heißt (oder heißen möchte). Alle Infos gibt’s beim Markenblog.

De Zoch kütt!

2. Bundesliga – 08/09
FSV Frankfurt – VfL Osnabrück
1:0 (0:0)
22.02.09, C**-Arena (Frankfurt)
4.084 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

Fastnachtssonntag. Welcher Teil dieser wunderschönen Republik bietet sich besser an, jeglichem närrischem Treiben aus dem Weg zu gehen, als das nicht gerade als karnevalistisches Epizentrum bekannte Hessen? Konfettibunt ist alle Theorie, empfangen mich doch bereits am Hbf die ersten Pappnasen.

Kaum von diesem Schock erholt, gibt es an der Haltestelle Sportfeld die nächste Aufregung: Ultras aus Osnabrück blockieren die Treppen und formieren sich zum Marsch gen WM-Stadion. Ein Vorbeikommen ist unmöglich, was nicht nicht nur mir, sondern auch vielen aus Niedersachsen angereisten „Normalos“ sichtlich auf die Nerven geht. In solchen Situation zeigt sich, dass sich mittlerweile große Teile der deutschen Ultra-Szene von der Geisteshaltung ihrer Mitstreiter in der Fankurve entfernt haben.

Als sich der Zug endlich in Bewegung setzt, fliegen statt Kamelle markige Loblieder auf vom bundesweiten Profifußball ausgeschlossene Kameraden durch die neblige Luft.

Echte Solidarität oder pure Selbstinzinierung? Macht pauschales Bagatellisieren von Stadionverboten wirklich Sinn? Oder schneiden sich die Fanszenen in letzter Instanz damit ins eigene Fleisch, indem sie so das Handeln stadtbekannter Radaubrüder legitimieren? Haftet solchen Aktionen nicht eine ähnliche Beliebigkeit an wie beispielsweise der berühmt-berüchtigten Datei „Gewalttäter Sport“?

Nein, „Fußballfans sind keine Verbrecher“. Aber viel zu oft angetrunkene, schlecht erzogene Rotzlöffel ohne Eier in der Hose. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass beim Betreten der S-Bahn im vermeintlichen Schutz einer anonymisierenden Masse eine zufällig am Bahnsteig stehende Familie mit Migrationshintergrund aufs Übelste beschimpft worden ist? Warum werden die diensthabenden Ordnungshüter, obwohl angenehm zurückhaltend agierend, als „Bullenschweine“ tituliert?

Natürlich gibt es ungerechtfertigte Stadionverbote, gegen die etwas unternommen werden muss. Ich wage aber die kühne These, dass die bloße Eventisierung von einem Kilometer Fußweg keinen merkbaren Erfolg haben wird. Der Dialog mit den Vereinen und fundierte Rechtsberatung erscheinen jedenfalls weitaus erfolgsversprechender.

Im Stadion herrscht Tristesse pur. Nicht verwunderlich, bei etwa 4.000 Zuschauern in einer die 13-fache Menge fassenden Arena. Wenigstens verspricht die Paarung nach den Vorfällen des turbulenten Hinspiels, als dem VfL sage und schreibe drei Elfmeter zugesprochen wurden, ein wenig Brisanz. FSV-Manager Reisig sprach ob der Publikumsreaktionen von „kriegsähnlichen Zuständen“, was bei Gästetrainer Pele Wollitz nicht wirklich gut ankam.

Dementsprechend verweigert dieser seinem Gegenüber Thomas Oral kurz vor Anpfiff den eigentlich obligatorischen Handschlag. Sozusagen der eisige Auftakt für ein ordentliches Zweitligaspiel, das Franfkurt die größeren Spielanteile, Osnabrück hingegen die klareren Torchancen beschert. Lila-Weißes Unvermögen, ein großartig haltender Patric Klandt (Kicker-Note: 1) und das Torgestänge konservieren ein torloses Unentschieden bis in die Nachspielzeit hinein.

Der Allerletzte von 13 Frankfurter Eckbällen sorgt dann für die Entscheidung. Youssef Mokhtari findet den Kopf des langen Verteidigers Emil Noll und Stefan Wessels ist geschlagen. Drei ganz wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten für die Bornheimer, die ihre erstaunliche Erfolgsserie damit auf 14 Punkte aus den letzten sechs Spielen ausbauen.

Aber natürlich lassen es die beiden temperamentvollen Übungsleiter damit nicht bewenden. Ihr verbales Duell auf der Pressekonferenz endet mit einem leistungsgerechten 1:1. Nein, Freunde werden die Herren Wollitz und Oral in naher Zukunft bestimmt nicht werden.

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