Wenn sie subjektiv sind, würde ich an meiner objektiven Linie festhalten

Dass es ein schwieriges Unterfangen ist, die Qualität von Schiedsrichter-Leistungen richtig einzuordnen, wissen wir nicht zuletzt durch zahlreiche Folgen des Schiedsrichter-Podcasts „Collinas Erben“. Oder eben durch zünftige Wirtshaus-Wemsereien.

Der einigermaßen hilflos wirkende Ansatz der Sportpresse greift in der Regel auf das Schulnotensystem zurück, manchmal gibt es als Bonus noch eine zusammenfassende Einschätzung in Tweetlänge. Wesentlich akribischer geht die Gilde der Unparteiischen selbst vor, die mit ihrem berühmt-berüchtigten Beobachtungsbogen ein stark differenzierendes Bewertungswerkzeug entwickelt hat.

Das klingt immerhin schon mal recht selbstkritisch, auch sich selbst gegenüber. Was fehlt, ist der Blick von außen, der möglichst ohne Bias nach standardisierten Maßgaben bewertet. Oder in die schillernde Sprache von Wirtschaftsrechtlern übersetzt: „Wie definiere ich Qualität in Verträgen und Lieferbeziehungen, wie prüfe ich sie [,,,].“

Unter dieser Prämisse haben Ende 2009 Wirtschaftsrecht-Studierende der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen ihren selbst entworfenen Qualitätsbeurteilungsbogen für Fußballschiedsrichter beim Drittligakracher Fortuna Düsseldorf – VfR Aalen (1:1) live und in Echtzeit auf die Probe gestellt – Bogen und Studenten haben offensichtlich bestanden (PDF-Dokument, Laden dauert evtl. einen Moment).

Sonntagsschuss: Lumpis Rekord

Die Amis haben’s gut: Ein Rebound ist ein Rebound ist ein Rebound. Ein RBI ist…

Beim Fußball hingegen ist das ja immer so eine Sache mit den individuellen Statistiken. Bis heute konnte mir niemand überzeugend vermitteln, wie sich genau ein „Zweikampf“ definiert. Wo fangen lange Pässe an, wo hören kurze auf?

Was mit der berühmt-berüchtigten „ran-Datenbank“ begann, ist spätestens seit dem Auftauchen von Unternehmen wie Opta in eine absurde Superlativjagd ausgeartet. Rekord: Vier Kopfballtore in sieben Spielen mit ungewaschenen Ohren (saisonübergreifend). You name it.

Mit ein und demselben Verein von der 4. in die 1. Liga aufzusteigen und in jeder dieser Spielklassen auch zu spielen, ist aber anscheinend tatsächlich noch keinem Profi gelungen. Bis gestern. Hut ab, Andreas „Lumpi“ Lambertz!

Damit war 2004 noch nicht unbedingt zu rechnen, als Du mit einem Affen auf der schmächtigen Brust für Fortuna in der Oberliga Nordrhein gezaubert hast:

Andreas Lambertz

Szene aus der Saison 2003/04, Oberliga Nordrhein: GFC Düren – Fortuna Düsseldorf

Eine Arena mit Esprit

Statt als flugzeughangarähnliches Etwas könnte sich das ehemalige Düsseldorfer Rheinstadion heute auch als zeitgemäße Leichtathletikarena präsentieren. Wenn, ja wenn diese Machbarkeitsstudie von 1998 eines Krefelder Architekturbüros in die Realität umgesetzt worden wäre. Die „vorhandene charakteristische Pylonstruktur“, die dem Rheinstadion „etwas Majestätisches“ verlieh, hätte so erhalten werden können.

Neben ästhetischen gibt es natürlich auch ganz praktische Gründe, die für den Verbleib der Laufbahn sprächen. Platzsturm-Witze bitte im Bedarfsfall selbstständig bei twitter nachlesen.

Stöckchen-Versuch: Mein Lieblingsstück

Mein absolutes Lieblingsstück ist ein Schild aus dem Düsseldorfer Rheinstadion. Bis zum letzten Spiel im Frühjahr 2002 wies es maximal 17 Zuschauern pro Heimspiel zuverlässig den Weg. Zu Reihe 19, Plätze 18 bis 34.

Heute erfüllt das gute Stück nur noch eine repräsentative Aufgabe: Es verschönert die miefige Arbeitsecke den Newsdesk der Stadioncheck-Redaktion. Und so sieht das dann aus:


Warum? Weil es ein Originalstück ist, das nichts gekostet hat und genau deshalb einen großen Wert besitzt. Weil so etwas nicht jeder hat. Weil es mich an ein Ereignis erinnert, an dem ich teilgenommen habe.

Fußball-Memorabila sind also unser Thema. Ihr habt doch sicher auch ein solches Lieblingsstück. Vielleicht einen Wimpel aus dem Jahr der letzten Meisterschaft? Ein Stadionmodell im Maßstab 1:1? Oder doch eher die verschwitzte Schienbeinschonerin von Hope Solo?

Wenn ja: Schreibt Blogartikel, ladet Unmengen an twitpics hoch und hinterlasst hier einfach einen Kommentar! Ich würde mich freuen.

Mitgemacht haben bislang:

Schalkefan Matthias mit einem ganz besonderen Schlüsselanhänger

Niklas, der gleich gleich drei Lieblingsstücke mit Schalke-Bezug präsentiert

Ich bin mir sicher, dass der Turnhallengeruch nicht von Phils Lieblingsstück stammt

Basti huldigt einem der besten und vor allem sympathischsten Spieler, die je das königsblaue Trikot getragen haben

Dem Gintaras‘ seine Deutschlehrerin ihre Torwarthandschuhe bei Trainer Baade

Endlich: Ein Wimpel. Der Libero klärt uns über die Hintergründe auf

Sonntagsschuss: Concrete Monster

Aus einer Zeit, als die Fassaden von Fußballstadien noch nicht mit jedem Quadratzentimeter „Saubere Unterhaltung für die ganze Familie“ geschrien haben.

Wer dieses Betonmonster erkennt, dem spendier‘ ich außerdem ein Spezi (ohne Eis).

Live-Bericht: Fortuna Düsseldorf – Rot-Weiss Essen | letztes Spiel im Rheinstadion

Aus unserem Archiv:

Regionalliga Nord – 01/02
Fortuna Düsseldorf – Rot-Weiss Essen
1:1 (0:0)
03.03.02, Rheinstadion (Düsseldorf)
21.000 Zuschauer (ca. 4.000 Gäste)

Das allerletzte Spiel im Düsseldorfer Rheinstadion, da musste ich natürlich auch dabei sein. Vor dem Match wurde mit Hilfe von Plakaten und Flyern heftig Werbung gemacht. Ausserdem gab es zum ersten mal seit einigen Jahren in Düsseldorf einen organisierten Vorverkauf, der mit allerlei Sonderaktionen die Zuschermassen locken sollte. Im Endeffekt wurden die angestrebten 25.000 nicht ganz erreicht, 21.000 Menschen sind aber natürlich trotzdem eine beachtliche Menge für ein Spiel in der 3. Liga.

Für das Intro hatten beide Parteien einiges vorbereitet. Schon einige Minuten vor Anpfiff rauchte es an allen Ecken und Enden im Stadion. Beim Einlauf der Gladiatoren brannten die Fortunen eine beachtliche Anzahl bengalischer Feuer ab, teils genehmigt teils reingeschmuggelt. Auch die RWE-Fans haben ganz gut gezündelt. Derartig viel Pyroeinsatz hat man wohl seit einigen Jahren nicht mehr in einem deutschen Stadion gesehen.

Ganz witzig anzuschauen war auch ein Rollifahrer, der vor und nach dem Spiel seine ganz eigene Show mit rotem Rauch zelebrierte. Ansonsten wurden natürlich noch jede Menge Spruchbänder präsentiert, so wie sich das für so ein Ereignis auch gehört.

Das Spiel hielt dann nicht ganz die Erwartungen – wie so oft, wenn vorher ein viel darüber geredet wurde. Das 1:1 war leistungsgerecht, mit einem Punkt kann Essen aber wohl um einiges besser leben als Fortuna.

Teilweise war es sehr laut im Stadion, manchmal konnte man allerdings auch eine Stecknadel fallen hören. Beeindruckend waren aber auf jeden Fall die „FOR-TU-NA“-Sprechchöre, wenn die nahezu vollbesetzte Gegengerade miteinstimmte. Da die RWE-Fans ebenfalls nur streckenweise zu vernehmen waren, endete auch der Sangeswettstreit wahrscheinlich mit einem Unentschieden.

Nach Abpfiff versorgten sich noch etliche Fans mit Souvenirs in Form von Metallschildern. Das rief einen aufgebrachten (und etwas übermotivierten) Ordner auf den Plan. Er wollte den Vandalen verdeutlichen, dass das „eine Riesensauerei“ wäre, „noch fünf Spiele von Rheinfire“, und überhaupt. Eierwerfen braucht kein Mensch!

Impressionen: Fortuna Düsseldorf – Union Berlin

2. Bundesliga – 10/11
Fortuna Düsseldorf – 1. FC Union Berlin
3:0 (2:0)
15.04.11, Airberlin-World (Düsseldorf)
18.900 Zuschauer (ca. 1.200 Gäste)

Ja, ich bin spät dran. Aus Gründen. Deshalb nur in aller Kürze einige Eindrücke vom ersten Spiel in der Lena-Arena aka „airberlin world“:

Fortuna hat ein Stadion,
da muss man sich benehmen.
Drum bauen wir ein zweites hin,
benehmen uns daneben.

Fotos:







Interview – Fortuna-Blogger Dirk über das Ausweichstadion: „Ich freu mich auf den ‚Hexenkessel'“

Am 14. Mai wird sich Lena Meyer-Landrut an der Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest (ESC) in der Düsseldorfer Esprit-Arena versuchen. Zweitligist Fortuna Düsseldorf muss daher für drei Spiele in ein eigens dafür errichtetes Stahlrohrstadion (>> Vor-Ort-Bericht und Fotogalerie) ausweichen.

In den Kommentarspalten lokaler Medien wird der 2,8 Millionen Euro teure Umzug durchaus kontrovers diskutiert. Doch wie sieht die Stimmung innerhalb der Fanszene aus? Wir sprachen mit Fortuna-Fan Dirk, Betreiber des bekannten Blogs „1895mythos„.

Hallo Dirk, toll, dass Du spontan für dieses Gespräch zur Verfügung stehst. Vielleicht zum Anfang kurz was zu Deiner Person: Wie lange bist Du schon Fortuna-Fan und wie sieht in etwa Dein Fußball-Konsum aus?

Ich bin seit 25 Jahren Fortuna-Fan, habe eine Dauerkarte und bis letztes Jahr dort nebenbei gearbeitet. Wenn möglich fahre ich auch zu Auswärtsspielen, was aber in letzter Zeit weniger geworden ist.

Kannst Du mir was über die aktuelle Stimmungslage sagen – wie steht die Fangemeinde unabhängig von Fortuna zu der Tatsache, dass der ESC in Düsseldorf stattfindet?

Das allgemeine Feedback sieht recht positiv aus. Natürlich gibt es immer Nörgler, aber der Großteil findet es gut. Es ist für Düsseldorf ein Imagegewinn und Fortuna entstehen dadurch keine finanziellen Nachteile. Gut ist auch, dass es in dieser Saison um nichts mehr gut. sonst würde die Stimmung eventuell anders aussehen

Und speziell auf den Umzug für drei Spiele bezogen?

Dadurch, dass das mobile Stadion direkt neben der Arena steht, wird die Situation recht entspannt angesehen. Die Aufteilung der Blöcke ist seitens Fortuna schon erfolgt und es wurde alles getan, um die Wünsche der Fans umzusetzen.

Die Kapazität (20.168) liegt allerdings unter Fortunas bisherigem Zuschauerschnitt (21.570) und die Gästeteams werden ihre Kontingente sicher auch vollständig in Anspruch nehmen. Könnte das ein Problem werden?

Das habe ich anfangs auch gedacht, aber da es um nichts mehr geht, werden von Fortuna-Seite hier keine Probleme entstehen. Mit Aachen, Bielefeld und Union kommen Mannschaften, die ebenfalls keine Ziele mehr haben. Arminia ist abgestiegen, Aachen und Union stehen im Mittelfeld. Aber natürlich hast du recht, dass das Stadion immer ausverkauft sein wird. Da werden die meisten Fans, die nur hin und wieder ins Stadion kommen, wohl keine Karten bekommen. Alle Dauerkarten-Inhaber haben ihre Tickets allerdings sicher.

Fortunas Tabellenposition im gesicherten Mittelfeld ist so gesehen also ein Glücksfall für die Verantwortlichen.

Absolut! Stell Dir doch mal vor, wir würden gegen den Abstieg oder um den Aufstieg spielen. Sollte dann irgendwas in die Hose gehen, möchte ich nicht wissen, welche Wellen das schlüge. Ein Punkt muss aber auch erwähnt werden: Der Umzug ins Paul-Janes-Stadion hätte große Sicherheitsrisiken aufgeworfen. Gerade mit den Fans von Union gab es letzte Saison großen Ärger. Schon allein deshalb wurde im Fanlager die Lösung mit einem mobilen Stadion an der Arena wohlwollend aufgenommen.

Stand denn ein Umzug ins Paul-Janes-Stadion ernsthaft zur Debatte?

Ja, das war die erste Option von Stadt, ESC-Planern und Fortuna. Das Paul-Janes-Stadion sollte instand gesetzt werden. Ausschlaggebend für die Entscheidung dagegen waren in erster Linie die fehlende Infrastruktur – Stichworte: Parkplätze, VIP-Bereich, Fan-Trennung – und die Sicherheitsbedenken der Polizei

Gibt es auch Fans, die lieber in einer anderen Stadt gespielt hätten? Alternativen wären mit Krefeld, Mönchengladbach, Leverkusen oder Köln ja durchaus vorhanden.

Nicht wirklich. Über Leverkusen wurde diskutiert und man munkelte, dass es bereits Gespräche mit Bochum gegeben hatte. Aber die Fangemeinde wollte natürlich einen Verbleib in Düsseldorf, die Entscheidung wurde dann auch gut aufgenommen. Köln und Gladbach wären nie eine Option gewesen. Dort wäre das Sicherheitsrisiko noch viel höher.

Letzte Frage: Dein persönliches Fazit bezüglich der ganzen Thematik fällt also auch eher positiv aus?

Man muss es nehmen wie es kommt. Aufgrund der aktuellen Tabellensituation sehe ich das alles recht entspannt. Da der ESC in meinen Augen ein absolutes Highlight für die Stadt Düsseldorf darstellt, fand ich die Planung gut, hier wurde wirklich konstruktiv für alle Seiten die beste Lösung gesucht und in meinen Augen auch gefunden. Ich freu mich auf den „Hexenkessel“. Um erste Eindrücke zu gewinnen, werde ich am 26. März auch das U17-Länderspiel Deutschland – Ukraine besuchen.

Vielen Dank.

Taken by a Stranger: Lena schickt Fortuna ins Ausweich-Stadion (+Fotos)

Düsseldorf hat den Aschermittwoch-Blues. Es nieselt, dunkle Wolken schweben bedrohlich über der Stadt und zwingen die Autofahrer bereits am frühen Nachmittag zur Benutzung des Abblendlichts. Gegen 16 Uhr werkeln nur noch wenige Arbeiter auf der bekanntesten Baustelle Fußballdeutschlands.

Durch Lena Meyer-Landruts Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest ist die angestammte Heimat des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf sechs Wochen lang belegt. Zwar wären in Krefeld, Leverkusen oder Mönchengladbach bundesligaerprobte und gut zu erreichende Alternativspielorte vorhanden, doch Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) hat Fortunas Verbleib in der Landeshauptstadt zur Chefsache erklärt. In Sichtweite der Esprit-Arena entsteht daher momentan ein temporäres Stadion mit rund 20 000 Zuschauerplätzen.

Es ist gar nicht so einfach, sich auf dem Messegelände im Nordwesten der Landeshauptstadt zu orientieren. Im Gewirr von Parkplätzen, Zäunen und Hinweisschildern gelingt die Suche nach der Baustelleneinfahrt nicht auf Anhieb. Einmal dort angekommen, steigt einem sofort der intensive Duft von Rindenmulch in die Nase. Großzügig ausgelegt soll dieser den Bauschutt kaschieren. Der Rollrasen wurde noch nicht verlegt, dafür sind die vier überdachten Tribünen bereits unfallfrei begehbar. Keine Frage, der ungewöhnliche und 2,8 Millionen Euro teure Spielort wird bis zu seinem ersten Zweitliga-Einsatz am 15. April auf jeden Fall fertig.

„Lena-Arena“ lautet der passende Arbeitstitel des noch namenlosen Stadions. Denn Gemeinsamkeiten zwischen Bardin und Sportplatz sind durchaus vorhanden: Beide sind neu, auf eine gewisse Weise frech, taugen für einen veritablen Hype, lassen aber gleichzeitig Substanz vermissen und werden bald schon wieder vergessen sein – lediglich drei Profi-Partien werden inmitten der gewagt anmutenden Stahlrohrkonstruktion ausgespielt.

Das flüchtige Just-in-time-Stadion als architektonisches Chiffre der Wegwerfgesellschaft? Oder erleben wir hier nicht weniger als die Zukunft des Sportstättenbaus? Bitte entscheiden Sie selbst:

Fotogalerie:

Termine:

U-17-Länderspiel, 26.05.11, 15:00 Uhr: Deutschland – Ukraine
30. Spieltag, 15.04.11, 18:00 Uhr: Fortuna Düsseldorf – Union Berlin
31. Spieltag, 24.04.11, 13:30 Uhr: Fortuna Düsseldorf – Arminia Bielefeld
33. Spieltag, 08.05.11, 13:30 Uhr: Fortuna Düsseldorf – Alemannia Aachen