Quo vadis, Stadion am Zoo?

In seiner fast 100-jährigen Geschichte war das Wuppertaler Stadion am Zoo einem steten Wandel unterzogen. Derzeit laufen Planungen für eine weitere Umbauphase, die unter anderem eine futuristisch anmutende Neugestaltung der Gegengeraden vorsieht. Wie realistisch diese Zukunftsvisionen angesichts der momentanen Finanzproblemen des Regionalligisten sind? Anderes Thema. Dieses Video zeichnet dereinst den Weg des früheren Radsport-Mekkas zu seiner momentanen Daseinsform als reines Fußball-Stadion nach – unter anderem mit vielen spektakulären Luftaufnahmen.

Logan statt Logen – Hold Me Now

Fußball hat in der Republik Irland einen schweren Stand. Als Mannschaftssportart Nr. 3 oder 4 und der übermächtigen Premier League quasi in der direkten Nachbarschaft, werden die Spiele in der heimischen Elite-Liga nur selten von mehr als 3.000 Zuschauern besucht. In der Hauptstadt Dublin gibt es vier „große“ Vereine mit vergleichbarem Fanpotential, in den zu großen Teilen baufälligen Dalymount Park des Bohemian Football Club pilgern im Schnitt 2.000 Unentwegte.

Als inoffizielle Clubhymne wurde in der jüngeren Vergangenheit der bislang mit Abstand beste Wettbewerbsbeitrag beim Eurovision Song Contest adoptiert: Hold Me Now, Gewinner der Ausgabe von 1987. Vor einigen Jahren war Interpret und Komponist Johnny Logan dann tatsächlich einmal zu Gast, um gemeinsam mit den Fans zu, ähm, performen. Gänsehaut gefällig? Bitte sehr:

Halt mich fest, weine nicht, sag kein Wort. Zusammen singen ist aber ok.

Betr.: Aufstiegsfeier RBS Leipzig – Fragen an den MDR

Diese sieben Fragen gingen soeben per Fax an die Pressestelle des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) mit Sitz in Leipzig raus:

1.) Mitglieder der Rock-Band Silly traten in Trikots anderer Fußball-Vereine auf. Daraus resultierende Nachfragen hat Sängerin Anna Loos gemäß Bild.de folgendermaßen beantwortet: „Der MDR hat uns zu einem Fußballfest für die ostdeutschen Clubs eingeladen. Also haben wir verschiedene Trikots von Vereinen angezogen, denen wir von unserer Herkunft her nahe stehen.“

Ist diese Aussage von Frau Loos zutreffend?

a) Falls ja: Wurde so versucht, die Veranstaltung auf eine Ebene mit größerer gesellschaftlicher Relevanz zu heben?

2.) Wer hat diese Veranstaltung organisiert?

3.) Wer kommt für die Kosten dieser Veranstaltung (Planung, Mietausgaben, Genehmigungen, Entsorgung, Sicherheit, Show-Acts, etc.) auf?

4.) Sehen Sie die nach § 7 Abs. 3 des RStV geforderte strikte Trennung von Werbung und Programm angesichts der Bereitstellung einer derartigen Plattform für einen Getränkehersteller noch als gewährleistet an?

5.) Mehrere explizit auf Ihrer Webseite als Journalisten porträtierte Mitarbeiter traten im Laufe dieser Veranstaltung als euphorisierte Präsentatoren in Erscheinung – wie schätzen Sie die Gefahr zumindest eines partiellen Verlustes der journalistischen Unabhängigkeit in Bezug auf RBS Leipzig ein?

6.) Welche über den reinen Nachrichtenwert („Etwa {Anzahl} Menschen feiern den 2. Tabellenplatz eines unterklassigen Sportteams.“) hinaus reichende Tragweite rechtfertigt die mehrstündige Live-Übertragung dieser Veranstaltung?

7.) Wie beurteilen Sie die Ausgewogenheit Ihrer Sportberichterstattung unter der Prämisse „Fußball & Wintersport vs. alle anderen Sportarten“?

Update – die heutige Antwort der MDR-Presseabteilung:

Zu Kosten und Organisation bitte den Veranstalter RB Leipzig fragen. Der MDR hat das TV-Signal produziert, berichtet und sich um die Akquise der Bands gekümmert. Ein Briefing zur „Kleiderordnung“ für die Künstler gehorte nicht dazu.
Es war die Aufstiegsfeier von RB Leipzig, aber das MDR-Engagement ist breiter: „Sport im Osten“ hat auch die Aufstiege von Dresden und Aue umfangreich begleitet.
Viele tausende Menschen im Sendegebiet haben sich gefreut, dass nach mehr als 22 Jahren wieder ein sächsisches Fußballteam in der Bundesliga spielt. Einen Verstoß gegen die Trennung von Programm und Werbung oder einen Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht bei der Berichterstattung sieht der MDR nicht.
Beim Sport setzt der MDR nicht nur auf die populärsten Sportarten, sondern deckt ein breites Spektrum ab: Handball und Volleyball gehören genauso dazu wie Eishockey oder Boxen.

– Die Presseabteilung des MDR via Kurznachrichtendienst Twitter

„Außer XY könnt ihr alle geh’n“

Gehört zur deutschen Stadion-Folklore wie Wunderkerzen zur Adventszeit oder von Metzgereien präsentierte Eckballstatistiken: Nach sportlichem Misserfolg wird genau ein Spieler – oft, aber nicht zwingend regional verwurzelt – vom Publikum lautstark von der auf die Mannschaft einprasselnden Kritik ausgenommen. Zuletzt am Wochenende in Stuttgart eindrucksvoll zu beobachten.

Warum ist schwer zu erklären, hat dieser in der Regel weder signifikant bessere Leistungen erbracht noch ein geringeres Gehalt als seine Teamkollegen bezogen. Manuel Andrack versucht es dennoch am Beispiel Thomas Cichon:

Antisemitismus in Heidenheim?

Wenn auf

das hier

folgt, wird man unweigerlich an eine Debatte von vor anderthalb Jahren erinnert. Damals musste sich 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster als Reaktion auf eine eher mäßige (persönliche Meinung) Polemik gegen RBS Leipzig den Vorwurf des „strukturellen Antisemitismus“ gefallen lassen.

Schauen wir uns das Corpus Delicti doch einfach einmal etwas genauer an. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus den Reihen spätpubertierender Provinzultras ein derart begnadeter Künstler rekrutiert?

Eher klein, denke ich, sagt mir mein mittelgesunder Menschenverstand und nach Stunden aufwändiger Recherche einer Google-Bildersuche ist der Urheber des mateschitzschen Konterfeis auch gefunden: Das Ding stammt höchstwahrscheinlich aus der Feder des österreichischen Karikaturisten Petar Pismestrović.

Bitte entscheiden Sie selbst:

Links: Fragment eines beim Spiel Heidenheim – RBS Leipzig verteilten Geldscheins // Rechts: Dietrich Mateschitz, gezeichnet von Petar Pismestrović

Karikaturen übertreiben, überspitzen bestimmte physiognomische Merkmale der zu porträtierenden Person und hier unterscheidet sich Pismestrović‘ Herangehensweise auch nicht wesentlich von der anderer bekannter Berufskollegen. Betrachtet man auf seiner Webseite eine Galerie von Arbeitsproben, wird eigentlich schnell klar, dass diese Darstellung Matteschitz‘ einfach seinem Stil entspricht.

Die „Hakennase“ wirkt an Mahmud Ahmadinedschad (leider nicht direkt verlinkbar; bitte in der Flash-Galerie selbst erscrollen) als Indiz oder gar Beweis für Antisemitismus jedenfalls extrem schwach auf der Brust.

tl;dr

Man kann den Heidenheimer Fans hier durchaus Unreife, mangelnde Sensibilität, Doppelmoral oder eine Urheberrechtsverletzung vorwerfen. Aber Antisemitismus? Sollte wenn, dann wohl eher in Richtung des Zeichners gehen. Oder man atmet erst mal durch und fragt sich, ob Missverständnisse und Fehler nicht oft auch unbeabsichtigt passieren.*

*deplatzierte Unsachlichkeit entfernt (d.Red.)

#BILDnotwelcome

Zuletzt aktualisiert: 17.09.2015, 20:03 Uhr

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Tunnelblick

Hatten wir das Thema „Spielertunnel“ eigentlich schon unter fußballkulturellen Gesichtspunkten besprochen? Nein? Dann wird es Zeit. Die schönsten Exemplare gibt es – natürlich – in Südamerika, wo die Spieler nicht selten aus unterirdischen Katakomben durch überdimensionierte Schläuche in das gespült werden, was mit Fug und Recht als Hexenkessel bezeichnet werden kann.

Aber auch hierzulande lassen sich schöne Exemplare finden. Zum Beispiel dieses Prachtstück im südbadischen Villingen. Dort, im Stadion Friedengrund, ist der Verfasser dieser Zeilen in Jugendjahren selbst einige male zu Punktspielen und bei Turnieren angetreten.

Das Highlight war dabei nicht etwa, dass man sich in einer Sportstätte messen durfte, die als einzige im Kreis den Bezeichnung als Stadion (Vgl. die URL dieser Webseite) auch verdiente. Nein, die Besonderheit lag im Tunnel zum Spielfeld. Das Klackern von Schraubstollen auf den Betonstufen vor der Tribüne, die veränderten Lichtverhältnisse, die Abschottung von der brodelnden spärlichen Zuschauerkulisse… ein bisschen wie Bundesliga. Toll.

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