Jimmy Grimble: Bleeding Red

Der wunderbare Jugendfilm There’s Only One Jimmy Grimble hat hierzulande leider nie größere Bekanntheit erlangt. Was unter anderen daran abzulesen ist, dass ihm seit Veröffentlichung im Jahr 2000 gleich zwei deutsche Titel spendiert wurden. Wer Nur Mut, Jimmy Grimble im Fernsehen gesehen hat, sollte sich also nicht wundern, wenn er Fußball ist sein Leben: Jimmy Grimble im DVD-Regal entdeckt.

Der Film erzählt eine typische Außenseitergeschichte mit Working-Class-Touch. Jimmy (City-Fan) wird von seinen Kameraden in der Schulmannschaft (United, na klar) so lange gemobbt, bis er an ein Paar Wunderfußballschuhe gerät und mit diesen alten Botten das Team der Greenock Highschool bis ins Finale des U-16-Schulpokals von Manchester führt.

Spoiler:

Natürlich gewinnt Greenock das dramatische Endspiel nach 0:2-Rückstand noch. Natürlich bekommt Jimmy das Mädchen seiner Träume. Und natürlich sagt unser Held noch im Kabinengang des Maine Road Stadiums dem Scout von Manchester United ab, weil er nur für City spielen möchte.

In Nebenrollen ist mit Robert Carlyle und Ray Winstone die Premier League des britischen Films am Start, die Hauptfigur allerdings wird vom absoluten Newcomer Lewis McKenzie verkörpert. Wirklich außergewöhnlich ist dieser Umstand freilich nicht, dürften 15-Jährige Charakterdarsteller mit jahrelanger Schauspielerfahrung auch auf der Insel eher spärlich gesät sein.

Leider haben sich seit Jimmy Grimble für McKenzie keine nennenswerten Folgerollen ergeben und so sind online nur wenig Informationen über den heutigen Endzwanziger aufzutreiben. Einen Wikipedia-Eintrag etwa sucht man vergebens. Zum Glück gibt es da ja noch twitter:

Im blauen Jimmy steckte also ein roter Lewis. Quite shocking!

Different World

Passt wie Faust auf Eimer in das weihnachliche Besinnlichkeits-Übermaß: Man Utd muss 1993 in der zweiten Champions-League-Runde (als wirklich noch die Meister gegeneinander spielten) in Galatasarays Ali-Sami-Yen-Stadion antreten, erlebt dort sein rot-gelbes Wunder und scheidet aus.

Ist das erst oder schon 17 Jahre her? Erstaunlich auch, wie viele Protagonisten von damals auf United-Seite heute noch aktiv sind.

Manuel Neuer vor dem Abgang – Pest oder Sommergrippe?

Lieber Manuel,

glaub mir, ich kenne die typische Ambivalenz, die regelmäßig für 90 Minuten die Gedankenwelt eines Torhüters beherrscht. Ich bin schließlich selber einer. Man möchte etwas zu tun haben, sich auszeichnen. Das eigene Ego giert nach dem Lob der Mitspieler und dem des Trainers. Gleichzeitig will man aber natürlich unter allen Umständen zu Null spielen. Schüsse, die aufs Tor kommen, sollten also irgendwie haltbar sein. Wirklich logisch ist das nicht. Und doch werden am Spieltag wahrscheinlich sämtliche Torhüter auf diesem Planeten von dieser komischen, ja geradezu absurden Gefühlsmelange heimgesucht.

Momentan allerdings wäre es Dir sicher recht, wenn Du auf spektakuläre Paraden verzichten und dafür nicht so oft hinter Dich greifen müsstest. In der Nationalmannschaft bist Du Stammtorwart, Du hast eine gute WM gespielt. Da frustrieren die aktuellen Ergebnisse im Verein umso mehr. Selbstverständlich habe ich Verständnis dafür, dass ein junger Profi auf dem Weg zur Weltklasse internationale Titel gewinnen möchte. Unter diesen Umständen kommen die ständigen Avancen aus München freilich wenig überraschend.

Ich bin sicher nicht der größte FCB-Hasser und mit den üblichen München-Klischees von koksenden Schickis in ihren gentrifizierten Favelas möchte ich Dich auch nicht langweilen. Man könnte es dort sicher aushalten und Du kennst die Stadt, was man so hört, sowieso besser als ich. Ich könnte es aber einfach nicht ertragen, Dich im Bayern-Trikot gegen Schalke auflaufen zu sehen. Genau genommen könnte ich mir Manuel Neuer in gar keinem anderem Bundesliga-Dress als dem mit dem großen, kreisrunden „G“ vorstellen.

Wenn wir aber mal ehrlich sind – ein Wechsel zu den Stuttgarts, Hamburgs oder Bremens dieser Fußballwelt würde keinen Sinn ergeben. Was willst Du bei einem Verein, der zumindest in den vergangenen Jahren auf einem vergleichbaren Level wie Königsblau agiert hat? Nein, in Deutschland käme als nächster Karriereschritt nur der Rekordmeister in Frage. Oder eben ein Transfer ins Ausland. Dass Sir Alex in Manchester schon bald eine neue Nr. 1 braucht und Du perfekt ins Anforderungsprofil passen würdest, ist kein Geheimnis.

Im US-Sport gibt es den Ausdruck „Franchise-Player“. Der Eishockeyspieler Steve Yzerman, der 20 Jahre lang die Detroit Red Wings als Kapitän aufs Eis geführt hat, war einer von dieser Sorte. Doch diese Betitelung würde Dir nicht gerecht werden. Schon gar nicht in einer Zeit, in der weltweit nach 13-jährigen Talenten gescouted wird und ein bedeutungsloses Gebilde wie 1899 der unkritischen Journaille vom kleinen Nachbarverein abgeworbene A-Jugendspieler erfolgreich als „Eigengewächse“ verkauft.

Nein, Manuel, Du bist der Gegenentwurf zu all diesen desillusionierenden Entwicklungen. Du hast hier sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und Dich auch von Widrigkeiten nicht aufhalten lassen. Dein bisheriger Werdegang ist gelebte Anti-Globalisierung. Du bist – so viel Pathos muss erlaubt sein – Schalke 04. Nicht mehr und nicht weniger.

Von daher würde uns auch ein Wechsel zu Man Utd mehr als nur leicht verschnupft zurücklassen. Aber dieses Szenario wäre irgendwie erduldbar. Und weißt Du was? Vorausgesetzt, Du leistest Dir bei Deinen ersten Auftritten nicht sofort einen Riesenbock – sie würden Dich dort lieben. Ernsthaft. Für Deine natürliche, unprätentiöse Art. Für Deinen Lausbubencharme. Für Deine schiere Physis, die sich in Deinem Spielstil und insbesondere in Deinen bereits heute legendären Abwürfen manifestiert.

Falls Deine Entscheidung nicht schon längst gefallen ist: Überlege noch einmal ganz genau, was das Richtige ist. Nicht für uns. Sondern vor allem für Dich, für Deine Familie und Freunde in Buer.

Glück auf!

Ein Fan