Dokumentation: Los Cerveceros de Quilmes – Die Bierbrauer aus Quilmes

Während beim Marktführer youtube jedes noch so banale Handyvideo in Fingernagelgröße landet, tummelt sich bei Vimeo eher die Avantgarde der Internetfilmer. Da passt es gut ins Bild, dass dort auch eine gut halbstündige Dokumentation über die Fanszene des Quilmes Atlético Club zu finden ist. Mit professionellem Equipment gedreht und absolut hochwertig in Szene gesetzt. Einfach so für Jedermann kostenlos abrufbar. Wahnsinn, dieses Internetz.

Quilmes befindet sich innerhalb der Agglomeration von Buenos Aires und ist insbesondere durch die dort beheimatete Brauerei bekannt. 1887 wurde der Quilmes Atlético Club (QAC) gegründet und ist somit einer der ältesten Fußballverein Argentiniens. Inzwischen besitzt der Verein zwar das Image einer Fahrstuhlmannschaft, doch 1978 konnte QAC zum ersten und bisher einzigen mal die argentinische Meisterschaft in die kleine Bierstadt holen. Die Erinnerungen an den Gewinn der Campeonato Metropolitano dient ein Stück weit auch als Aufhänger für einige der im Film zu sehenden Interviews.

Ich empfehle übrigens, diesen Film nicht in einem schnöden Browserfenster anzusehen. Das Werk von Andreas Geipel, Franz Sickinger und Shooresh Fezoniinem verdient mindestens einen großen LED-TV. Wer sich für die Hintergründe und Entstehungsgeschichte interessiert und ausreichende Spanischkenntnisse besitzt, sollte sich außerdem diesen Text zu Gemüte führen.

[via Schalkefan.de]


Interview – Fortuna-Blogger Dirk über das Ausweichstadion: „Ich freu mich auf den ‚Hexenkessel'“

Am 14. Mai wird sich Lena Meyer-Landrut an der Titelverteidigung beim Eurovision Song Contest (ESC) in der Düsseldorfer Esprit-Arena versuchen. Zweitligist Fortuna Düsseldorf muss daher für drei Spiele in ein eigens dafür errichtetes Stahlrohrstadion (>> Vor-Ort-Bericht und Fotogalerie) ausweichen.

In den Kommentarspalten lokaler Medien wird der 2,8 Millionen Euro teure Umzug durchaus kontrovers diskutiert. Doch wie sieht die Stimmung innerhalb der Fanszene aus? Wir sprachen mit Fortuna-Fan Dirk, Betreiber des bekannten Blogs „1895mythos„.

Hallo Dirk, toll, dass Du spontan für dieses Gespräch zur Verfügung stehst. Vielleicht zum Anfang kurz was zu Deiner Person: Wie lange bist Du schon Fortuna-Fan und wie sieht in etwa Dein Fußball-Konsum aus?

Ich bin seit 25 Jahren Fortuna-Fan, habe eine Dauerkarte und bis letztes Jahr dort nebenbei gearbeitet. Wenn möglich fahre ich auch zu Auswärtsspielen, was aber in letzter Zeit weniger geworden ist.

Kannst Du mir was über die aktuelle Stimmungslage sagen – wie steht die Fangemeinde unabhängig von Fortuna zu der Tatsache, dass der ESC in Düsseldorf stattfindet?

Das allgemeine Feedback sieht recht positiv aus. Natürlich gibt es immer Nörgler, aber der Großteil findet es gut. Es ist für Düsseldorf ein Imagegewinn und Fortuna entstehen dadurch keine finanziellen Nachteile. Gut ist auch, dass es in dieser Saison um nichts mehr gut. sonst würde die Stimmung eventuell anders aussehen

Und speziell auf den Umzug für drei Spiele bezogen?

Dadurch, dass das mobile Stadion direkt neben der Arena steht, wird die Situation recht entspannt angesehen. Die Aufteilung der Blöcke ist seitens Fortuna schon erfolgt und es wurde alles getan, um die Wünsche der Fans umzusetzen.

Die Kapazität (20.168) liegt allerdings unter Fortunas bisherigem Zuschauerschnitt (21.570) und die Gästeteams werden ihre Kontingente sicher auch vollständig in Anspruch nehmen. Könnte das ein Problem werden?

Das habe ich anfangs auch gedacht, aber da es um nichts mehr geht, werden von Fortuna-Seite hier keine Probleme entstehen. Mit Aachen, Bielefeld und Union kommen Mannschaften, die ebenfalls keine Ziele mehr haben. Arminia ist abgestiegen, Aachen und Union stehen im Mittelfeld. Aber natürlich hast du recht, dass das Stadion immer ausverkauft sein wird. Da werden die meisten Fans, die nur hin und wieder ins Stadion kommen, wohl keine Karten bekommen. Alle Dauerkarten-Inhaber haben ihre Tickets allerdings sicher.

Fortunas Tabellenposition im gesicherten Mittelfeld ist so gesehen also ein Glücksfall für die Verantwortlichen.

Absolut! Stell Dir doch mal vor, wir würden gegen den Abstieg oder um den Aufstieg spielen. Sollte dann irgendwas in die Hose gehen, möchte ich nicht wissen, welche Wellen das schlüge. Ein Punkt muss aber auch erwähnt werden: Der Umzug ins Paul-Janes-Stadion hätte große Sicherheitsrisiken aufgeworfen. Gerade mit den Fans von Union gab es letzte Saison großen Ärger. Schon allein deshalb wurde im Fanlager die Lösung mit einem mobilen Stadion an der Arena wohlwollend aufgenommen.

Stand denn ein Umzug ins Paul-Janes-Stadion ernsthaft zur Debatte?

Ja, das war die erste Option von Stadt, ESC-Planern und Fortuna. Das Paul-Janes-Stadion sollte instand gesetzt werden. Ausschlaggebend für die Entscheidung dagegen waren in erster Linie die fehlende Infrastruktur – Stichworte: Parkplätze, VIP-Bereich, Fan-Trennung – und die Sicherheitsbedenken der Polizei

Gibt es auch Fans, die lieber in einer anderen Stadt gespielt hätten? Alternativen wären mit Krefeld, Mönchengladbach, Leverkusen oder Köln ja durchaus vorhanden.

Nicht wirklich. Über Leverkusen wurde diskutiert und man munkelte, dass es bereits Gespräche mit Bochum gegeben hatte. Aber die Fangemeinde wollte natürlich einen Verbleib in Düsseldorf, die Entscheidung wurde dann auch gut aufgenommen. Köln und Gladbach wären nie eine Option gewesen. Dort wäre das Sicherheitsrisiko noch viel höher.

Letzte Frage: Dein persönliches Fazit bezüglich der ganzen Thematik fällt also auch eher positiv aus?

Man muss es nehmen wie es kommt. Aufgrund der aktuellen Tabellensituation sehe ich das alles recht entspannt. Da der ESC in meinen Augen ein absolutes Highlight für die Stadt Düsseldorf darstellt, fand ich die Planung gut, hier wurde wirklich konstruktiv für alle Seiten die beste Lösung gesucht und in meinen Augen auch gefunden. Ich freu mich auf den „Hexenkessel“. Um erste Eindrücke zu gewinnen, werde ich am 26. März auch das U17-Länderspiel Deutschland – Ukraine besuchen.

Vielen Dank.