Ticketpreise: Möglicher Verstoß des VfL Bochum gegen die DFL-Spielordnung // Fragen an die DFL

Kartenpreise VfL Bochum 2019/2020

Grafik-Quelle: Ticket-Preisliste VfL Bochum (farbliche Hervorhebungen durch uns)

Dieses Schreiben ging soeben per Tele-Fax an die Pressestelle der Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) raus:


Sehr geehrte Damen und Herren,

in der aktuellen Fassung der DFL-Spielordnung (SpOL) vom 15.06.2019 heißt es unter Abschnitt III. § 3 4. 1. „Eintrittskarten für Gastmannschaften“:

Die Aufteilung des dem Gastverein zustehenden Kontingents auf die verschiedenen Stadionbereiche (Tribünensitzplätze, günstige Sitzplätze im Fanbereich, Stehplätze) richtet sich nach den baulichen und sicherheitstechnischen Gegebenheiten des Stadions des Heimvereins. Dieser hat jedoch in jedem Fall sicher zu stellen, dass die Zuschauer der Gastmannschaft bei der Preisgestaltung nicht schlechter gestellt werden als die Zuschauer der Heimmannschaft. Die Tickets im Auswärtsbereich müssen folglich zu dem Preis angeboten werden, der auch für die Tickets der gleichen Kategorie im Heimbereich gilt.

Der Zweitligist VfL Bochum ruft in seiner Preisliste für die Saison 2019/2020 im Vorverkauf 25,00 EUR für eine Eintrittskarte im Gästesitzplatzbereich (Blöcke E2 und F) auf. Für Plätze in den direkt angrenzenden Sitzplatzblöcken G und H1, die ebenfalls auf der West-Tribüne eine nicht-unterscheidbare Platzqualität (siehe Anlage) bieten, werden lediglich 18,00 EUR verlangt. Diese sind allerdings Heimzuschauern vorbehalten. An der Abendkasse sind die Preise jeweils 2,00 EUR höher, an der Differenz von 7,00 EUR ändert sich somit nichts.

Diese Praxis wirft bei mir einige Fragen auf, die Sie mir sicherlich beantworten können:

1.) Verletzt diese Preispolitik Ihrer Meinung nach das oben zitierte SpOL-Gebot, nach dem Zuschauer der Gastmannschaft bei den Eintrittspreisen nicht schlechter gestellt werden dürfen als die der Heimmannschaft?

2.) Ist diese Abweichung von den Vorschriften der SpOL mit Ihnen sowie den 17 anderen Vereinen der 2. Bundesliga abgesprochen?

3.) Birgt diese Preisgestaltung nicht ein gewisses Sicherheitsrisiko, da preisbewusste Gästefans dazu verleitet werden könnten, 7,00 EUR günstigere Karten für die Sektoren neben dem Gästebereich zu erwerben (im offenen Vorverkauf des VfL Bochum ist dies in der Regel problemlos möglich)? Diese würden so in Bereiche gelangen, die eigentlich strikt den Heimfans vorbehalten sind und Fantrennungskonzepte ad absurdum geführt.

Vielen Dank im Voraus.


Die Fragen werde ich öffentlich auf meinem Twitteraccount und hier im Blog publizieren. Dort würde ich auch (unkommentiert) per E-Mail erhaltenen Antworten veröffentlichen.

Zu Gast bei Freunden

Heute Abend um 20:30 Uhr treffen Ingolstadt und Rostock im Hinspiel der Zweitligarelegation aufeinander. Gut, dass dieser Nord-Süd-Gipfel live (ab 20:15 Uhr im NDR Fernsehen) übertragen wird. Denn sämtlichen Hansa-Fans ist nach den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende in Düsseldorf die Auswärtsfahrt nach Bayern untersagt.

Dabei hat der deutsche Fußball in den vergangenen Wochen bereits eine bemerkenswerte Häufung von Fällen verwaister Gästeblöcke erlebt.  Auch Kölner, Dresdener und Nürnberger wurden an die Begleitung ihrer Tams gehindert. Natürlich unterscheiden sich die Gründe dafür teilweise recht deutlich, dennoch oder gerade deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob es neuerdings tatsächlich mehr Krawall in den Stadien gibt oder ob es sich bei dieser modernen Form der Sippenhaft nicht vielleicht doch eher um eine moderne Form von Aktionismus handelt.

Die Klärung dieser Problematik hätte sicher einen eigenen Artikel verdient. Kommt vielleicht noch, aber momentan bin ich von diesem ganzen Themenkomplex doch ziemlich genervt. Daher möchte ich mich in diesem Text auf einen unkommentierten Blick auf die Bedingungen für Auswärtsfahrern in anderen Fußballnationen werfen:

Italien
Nichts genaues weiß man nicht. Generell differiert die Handhabung mit personalisierten Tickets recht stark. Während bei einigen Vereinen am Spieltag gar kein Kartenverkauf mehr stattfindet, sind die Kassenhäuschen andernorts bis drei Stunden vor Spielbeginn geöffnet.  Auch der Abgleich der auf die Eintrittskarte gedruckten Daten mit den Ausweispapieren erfolgt überall mit unterschiedlicher Genauigkeit. Es gibt zwar kein generelles Verbot, gleichwol finden einzelne Spiele ohne Gäste statt. Abhängig von dem zu erwartenden Zuschaueraufkommen, Rivalität oder negativen Vorfällen in der Vergangenheit.

Schweiz
Ich empfehle einfach mal die Lektüre des Artikels „Alle Fahnen verbieten – Repressionen gegen Fans, die hier noch diskutiert werden, sind in der Schweiz längst Realität“ in 11Freunde #102 (Mai 2010). Wie man vor den eigenen Anhängern kapituliert, demonstriert eindrucksvoll der FC Zürich, der gar keine Karten für Auswärtsspiele mehr verkaufen will.

Argentinien
In der eingleisigen 2. Liga (Nacional B) und in der 3. bis 5. Spielklasse des Großraums Buenos Aires (Primera B, C und D Metropolitana) fnden ausnahmslos alle Spiele ohne Gästefans statt. In der Primera División wäre eine solche Regelung angesichts der einflussreichen Barras Bravas kaum durchsetzbar.

Griechenland
Udo Latteck hätte an Hellas seine helle Freude: Neid und Missgunst sorgen hier unter dem Deckmantel der Gewaltprävention für hundertprozentige Heimspiele. Das gilt zumindest bei direkten Duellen der großen Fünf aus dem Großraum Athen (AEK, PAO,  Olympiakos) und aus Thessaloniki (Aris, PAOK). Kurioserweise sind hier nicht Verband oder Politik, sondern die Vereine selbst verantwortlich. Verweigert also beispielsweise AEK für das Derby gegen Olympiakos die Zuteilung eines Auswärtskontingents, findet das Rückspiel wenig überraschend auch ohne Gäste statt. Diese Praxis beschränkt sich übrigens nicht nur auf den Fußball-Sport. Auch bei Risikospielen in anderen populären Sportarten sind in aller Regel keine Auswärtsfans zugelassen.

Mazedonien

Ein allgemeines Gästeverbot, das im im August 2009 erlassen wurde, ist zu Beginn der Rückrunde wieder aufgehoben worden.

Niederlande

In den Niederlanden werden Gästefans in Zukunft von Risikospielen ausgeschlossen. […] Als Vorbild sollen die Sicherheitsvorkehrungen beim brisanten Duell Feyenoord Rotterdam gegen Ajax Amsterdam dienen. Die beiden Spitzenvereine verkaufen für diese Spiele seit 2009 keine Karten an die jeweiligen Auswärtsfans.

Bislang wurde bei als riskant eingestuften Begegnungen der Erwerb von Auswärtstickets an die Teilnahme an einer organisierten Busfahrt geknüpft, um die Schlachtenbummler jeweils direkt vor den Gästesektor karren zu können. Umlandfans u. ä. bleiben bei diesem Konzept natürlich auf der Strecke.

Frankreich
Paris Saint Germain beschloss im März, seinen eigenen Fans keine Eintrittskarten für die verbleibenden Auswärtspartien der laufenden Saison zu verkaufen. Diese Entscheidung ist eine Folge gewalttätiger Auseinandersetzungen beim Spiel gegen Olympique Marseille, durch die ein Anhänger ums Leben kam.

Belgien
Bei Risikospielen gilt eine Kombi-Regelung analog zu den Niederlanden.