WM 2010: Tipps 26. & 27. Juni

██ = Buchmacher | ██ = ich

Auswertung von gestern:

11 Punkte | 9 Punkte

Gesamtstand:

95 Punkte | 73 Punkte

Tipps für den 26. und 27. Juni:

Uruguay – Südkorea 1:0 | 2:0
USA – Ghana 1:1 | 1:0
Deutschland – England 1:1 | 0:2

Shreken Sie Deutsch? Neenee, England hat eine andere Qualität in Mittelfeld und Angriff als die harmlosen Ghanaer. Die englischen Tabloids können also schon mal die an den Falkland-Krieg angelehnten Schlagzeilen auspacken.

Argentinien – Mexiko 1:0 | 1:0

Herr von Bode fehlt

Marco Bode galt zu seiner aktiven Zeit als Prototyp des etwas anderen Fußballprofis: intelligent, politisch denkend, mit einer Meinung ausgestattet, links. Nur konsequent, dass der Mann aus Osterode in seiner 379 Spiele währenden Bundesliga-Karriere ganze zehn Verwarnungen kassiert und auch neben dem Platz selten zur verbalen Notbremse angesetzt hat.

Wenn man nun noch bedenkt, das Zeit Online eigentlich für seriösen Journalismus steht, erscheinen einige Passagen dieses Textes, in dem Bode auf sein WM-Turnier 2002 zurückblickt, extrem eigenartig. Der gröbste Schnitzer:

Ich saß die ersten beiden Spiele des Turniers auf der Ersatzbank und wurde meist nur zur zweiten Halbzeit eingewechselt.

Nochmal zum Mitdenken (jemand muss es ja tun): Um einen ganzzahligen Anteil an der Gesamtsumme zwei zu beschreiben, nutzt Marco Bode – oder Protokollist Christoph Heymann – das Zahlwort „meist“. Das ist schon mal mindestens so bescheuert wie die Headline dieses Artikels, da in solchen Fällen nun einmal lediglich null, 50 oder eben 100 Prozent möglich sind. Warum nicht einfach von der den Tatsachen entsprechenden „Partie gegen Irland“ gesprochen wird?

Vielleicht, weil Bodes Erinnerungsvermögen an den sportlichen Verlauf dieser Weltmeisterschaft – die für ihn selbstredend etwas ganz „Besonderes“ war – generell etwas getrübt scheint:

Wir mussten dieses Spiel unbedingt gewinnen, sonst wären wir ausgeschieden.

Ganz so dramatisch war die Lage für die deutsche Elf vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Kamerun nämlich längst nicht. Ein Unentschieden hätte aufgrund des überragenden Torverhältnisses sicher zum Gruppensieg ausgereicht und wenn die „Irrländer“ nicht gegen Saudi Arabien gewonnen hätten, wären Rudis Riesen selbst bei einer nicht allzu hohen Niederlage ins Achtelfinale eingezogen.

So langsam beginne ich aber zu verstehen. Wär ja auch noch schöner, sich von dieser dämlichen Realität den launigen Artikel vermiesen zu lassen.

WM 2010: Tipps 23. Juni

██ = Buchmacher | ██ = ich

Auswertung von gestern (vergessen zu bloggen…) und vorgestern:

20 Punkte | 16 Punkte

Gesamtstand:

65 Punkte | 54 Punkte

Tipps für den 23. Juni:

USA – Algerien 1:0 | 2:0

Slowenien – England 0:1 | 1:1

England damit raus!

Australien – Serbien 0:1 | 0:2
Ghana – Deutschland 0:1 | 1:0

Torschütze: KPB

Stranger than Fiction

Deutschland 2010: Eine Nation im WM-Fieber. Innenstädte scheinen vor lauter Großleinwänden kaum noch begehbar, auch in vielen Lichtspielhäusern kann dem gemeinsamen Fußballgenuss gefrönt werden. In einem solchen blickte Stadioncheck.de der hässlichen Fratze des Rudelguckens todesmutig ins Gesicht.

Irgendwo im Ruhrgebiet. Drei Frauen und ich auf dem Weg in ein Multiplex-Kino. Gruppenzwang. Im Auto-Radio läuft der unsägliche Formatsender Eins Live. Keine Schule, kein Handwerksbetrieb, wo nicht mindestens ein Radioreporter die „Stimmungslage“ abklopft. Gebührenfinanziert, versteht sich. Eine Horde Halbstarker singt sich in Brackwede warm, in Ennepetal juchzen Bürokauffrauen um die Wette. Endlich wird die totale Verbeachvolleyballisierung einer Sportart von schlechter Popmusik unterbrochen. Nie waren Destiny’s Child so wertvoll wie heute.

Knapp 30 Personen haben sich zu Spielbeginn in einem klimatisierten Saal mittlerer Größe eingefunden. Public Fewing statt Viewing. Auffällig: Das Bild auf der riesigen Leinwand ist viel unschärfer als erwartet. Thomas Müller wirkt so in der Großaufnahme ein wenig wie einer der Na’vi aus dem 3D-Blockbuster „Avatar“. Den 3D-Effekt muss Fan sich ohne Brille freilich dazudenken. Immerhin: Vuvuzelas sind verboten.

Anstoß. Während Krasic seinen Gegenspieler Badstuber zum ersten mal ganz alt aussehen lässt, tricksen hinter mir zwei clevere Mittzwanziger die Tröten-Prohibition aus. Mit einer Kuh-Glocke. „Stimmung machen“ nennen sie ihr Gebimmel. Stimmung, das Unwort des Jahrtausends. Zum Mitschreiben: Stimmung herrscht, Stimmung wird nicht gemacht.

Profis überall

Als der spanische Schiedsrichter Undiano innerhalb weniger Minuten vier gelbe Karten verteilt, enntbrannt unter den Glöcknern eine heftige Diskussion. Dürfen verwarnte Spieler ausgewechselt werden oder nicht? Nach kurzer Beratung kommt die Expertenkommission zum Ergebnis, dass eine solche Rochade erlaubt sein müsste. Allerdings „nur in der Halbzeitpause.“ Das ist natürlich absolut korrekt.

Der bereits vorbestrafte Miro Klose bettelt derweil um seine Herausstellung. Spätestens jetzt hätte Löw reagieren müssen. Wenige Minuten später ist es dafür zu spät: Der 32-Jährige sieht nach einem weiteren unnötigen Tackling die Ampelkarte. Sicher, das Foul war nicht böswillig. Doch man musste einfach damit rechnen, dass der Unparteiische seine Linie konsequent durchzieht

Wenige Sekunden später: Langer Steilpass, Holger Badstuber ist im Sprintduell gegen Krasic chancenlos. Und das, obwohl er mit zwei Metern Vorsprung gestartet war. Die Flanke des Flügelspielers erreicht Dikembe Mutombo, der keine Mühe hat, gegen Muggsy Bogues zum Dunking anzusetzen. Nein, ernsthaft: 32 cm beträgt der Größenunterschied zwischen Nikola Žigić und Phillip Lahm, dagegen war Letschkow vs. Häßler ein Duell auf Augenhöhe.

Der lange Angreifer vom FC Valencia kann so natürlich problemlos per Kopf auf den völlig freistehenden Milan Jovanović ablegen. Dieser hat sogar noch die Muße, den Ball mit der Brust anzunehmen, sich in aller Seelenruhe einen Sliwowitz einzuschenken und dann, frisch gestärkt, Jabulani in die Maschen zu dreschen. 1:0 für Serbien!

Wenn ich jemanden diesen Treffer gönne, dann der „Schlange“, Milan Jovanović. Ein Stürmer, der immer alles aus sich herausholt und an guten Tagen ganz alleine eine Abwehr terrorisieren kann. Ich glaube nicht, dass ich jemals einen schnelleren Spieler live im Stadion erlebt habe. Über 50 Ligatore hat der 29-Jährige in seiner Zeit bei Standard erzielt, von daher nehme ich ihm seinen Wechsel nach Liverpool keinesfalls übel. Mach’s gut, „Lane“.

EHC Bremen

Wir müssen reden. Über Per Mertesacker. Seit Jahren beglückt Werder die Bundesliga mit Einshockeyergebnissen, satte 175 Gegentreffer hat der 25-Jährige im Laufe seiner vier Spielzeiten bei den Grün-Weißen erlebt. Erstaunlich, dass der stacksige, hüftsteife, langsame und gemessen an seiner Körpergröße auch nicht übermäßig kopfballstarke Mertesacker irgendwie trotzdem nie in der Kritik steht. Noch erstaunlicher, dass mit Wiese und Frings zwei weitere Defensivspieler aus der Bremer Schießbude vehement ihren Einsatz bei der WM forderten.

Beim Gegentreffer hat der gebürtige Hannoveraner das Kunstück vollbracht, gleich zwei kapitale Fehler innerhalb weniger Sekunden zu begehen. Zunächst schleicht Žigić, dem er zweifelsohne zugeteilt war, in seinem Rücken davon. Zu allem Überfluss springt er dann auch noch halbherzig in Richtung Spielgerät, welches er nie und nimmer erreichen wird, statt Jovanović im Fünf-Meter-Raum zu übernehmen. Mit einem direkten Kopfball auf die kurze Ecke wäre Manuel Neuer jedenfalls kaum zu überwinden gewesen.

Kurze Zeit später setzt Khedira das Leder den Kunststoff an den Querbalken. Saal 3 steht Kopf. Der Halbzeitpfiff sorgt zunächst einmal für Beruhigung. Endlich dürfen die verwarnten Spieler getauscht werden. Doch Joachim Löw vertraut der gleichen Zehn wie vor dem Wechsel. Deutschland spielt also weiter ohne nominelle Sturmspitze.

Dafür dreht Mesut Özil endlich auf. Traumpass in den Lauf von Podolski, der Kölner verzieht frei vor Torhüter Stojkovic. Nicht wenige Anwesende haben bereits zum Torjubel angesetzt. Özil lässt genial auf Podolski abtropfen, der nagelt den Ball aus spitzem Winkel ins Außennetz. Jetzt drehen alle ab. Im Public-Viewing-Paralleluniversum ist Deutschland gerade mit 2:1 in Führung gegangen. In der Realität steht es weiterhin 0:1.

Serbien ist eine Basketballnation. Vielleicht erklärt dieser Umstand, wieso Vidic, ähnlich wie Kuzmanović in der Auftaktpartie gegen Ghana, eine in seine Nähe segelnde Flanke mit der Hand fangen möchte. Erneut ein mehr als überflüssigen Handelfmeter. Doch selbst dieses Geschenk will Lu-Lu-Lu Lukas Podolski nicht annehmen. Stojkovic hält.

Vandalismus 2.0

Dennoch sorgt auch dieser Fehlschuss nicht für die Entscheidung, das übernimmt Löw höchstpersönlich. Klar, Özil hat in der ersten Hälfte nicht viel gezeigt, aber das kann doch in dieser Situation kein Maßstab mehr sein. Jede gefährliche Aktion im zweiten Abschnitt ging vom jungen Bremer aus, seine Auswechslung ist daher mehr als unverständlich. Auch die Hereinnahme von Marin für Müller erscheint wenig sinnvoll, wenn es den Elfmeter bereits gegeben hat. Play the odds, Jogi!

Serbien mogelt seinen knappen Vorsprung ins Ziel. Letztendlich etwas unglücklich für eine gut kämpfende deutsche Mannschaft. Im Netz tobt sich der Mob auf der Facebook-Seite von Señor Undiano aus. Im Kino hingegen bleibt es relativ ruhig. Es gibt zwar vereinzelte Unmutsäußerungen, aber das für einen zünftigen Sprechchor nötige Nationalgericht will niemandem einfallen. Paella wär’s gewesen, ihr Flaschen, oder meinetwegen auch Tapas. Das kommt davon, wenn man selbst auf Malle nur Schnitzel mit Pommes konsumiert. „Nie wieder Pizza“ kann schließlich jeder.

WM 2010: Tipps 18. Juni

██ = Buchmacher | ██ = ich

Auswertung von gestern:

3 Punkte | 3 Punkte

Gesamtstand:

34 Punkte | 23 Punkte

Tipps für den 18. Juni:

Deutschland – Serbien 1:0 | 2:0

Spielt Klose doer Cacau in der Sturmspitze? Egal. Ich werde das Spiel beim Public Fewing im Kino verfolgen. Es wird grauenhaft (und dazu denken Sie Sich jetzt die angewiederten Werbe-Gesichter der Klitschkos).

Slowenien – USA 0:1 | 1:1

Zwei Millionen gegen über 300 Millionen Einwohner. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dennoch werden sich die Slowenen einen Punkt ermämpfen und haben damit gute Aussichten aufs Achtelfinale.

England – Algerien 2:0 | 1:0

Wird ein reines Gewürge (vgl. Frankreich – Mexico).

WM 2010: Tipps 13. Juni

██ = Buchmacher | ██ = ich

Auswertung von gestern:

Südkorea – Griechenland 1:1 | 1:0
0 Punkte | 3 Punkte

Argentinien – Nigeria 2:0 | 3:1
3 Punkte | 3 Punkte

England – US of A 1:0 | 2:0
0 Punkte | 0 Punkte

Gesamtstand: 8 Punkte | 6 Punkte

Tipps für den 13. Juni:

Algerien – Slowenien 0:1 | 0:0

Sounds like Gurkenkick.

Serbien – Ghana 1:0 | 2:1

Ghana schätze ich schwächer als 2006 ein. Die Serben werden es wohl machen.

Deutschland – Australien 1:0 | 2:0

Australien wird alt aussehen. So oder so.

WM-Aufgalopp & Tipps 11. Juni

So, in einer knappen halben Stunde ist es soweit. Ich werde jetzt aber nicht großartig in den Singsang über  „die erste WM auf afrikanischem Boden“ eisnteigen. Stattdessen möchte ich einfach in aller Kürze mit meinem Expertenwissen glänzen. Oder auch nicht.

Ich nehme aus Zeitmangel lediglich am Buerpott-Tippspiel teil. Und zwar mit den Ausgängen, die sich bei Internetbuchmachern als die Wahrscheinlichsten herauskristallisiert haben. Gegen diese Sicherheitstipps trete ich hier mit meinen eigenen Vorhersagen an. Ergo: Ich kann mich quasi nur blamieren.

██ = Buchmacher | ██ = ich

Weltmeister: Spanien | Brasilien

Vorneweg: Ich halte keinem Team die Daumen. WM heisst für mich, ganz entspannt Fußball gucken zu können oder Mitfieber-Stress. Den Spaniern würde ich es aber absolut nicht gönnen. Die dortige Fußball-Kultur geht einfach überhaupt nicht.

Mein Tipp ist Brasilien. Obwohl oder gerade weil die Südamerikaner schon namhaftere Kader zu Turnieren geschickt haben. Ich denke einfach, ohne die Bürde des absoluten Topfavoriten wird es Kaka und Co. leichter fallen, einen konzentrierten Auftritt hinzulegen.

Wie schneidet Deutschland ab? Viertelfinale | Viertelfinale

„Potential“ ist ein Begriff, den der Bundesjogi häufig benutzt, wenn er nach den den Stärken seiner Mannschaft gefragt wird. Dabei würde ihm wohl niemand widersprechen wollen. Und doch ist Potential vor allem etwas nicht Greifbares, in erste Linie ein Versprechen in die Zukunft.

Einer der wenigen im Kader, die bereits heute ihr volles Potential ausgeschöpft haben, ist Phillip Lahm. Genau genommen ist der Münchner der einzige Feldspieler im Team, dem man getrost das Attribut „Internationale Klasse“ anheften kann. Neben sportlichem Können sticht beim 26-Jährigen die Routine aus 65 Länderspieleinsätzen hervor.

Erfahrung ist ein Gut, über das ein Großteil der Auswahl nur in homöopathischen Dosen verfügt. Dass Deutschland bei dieser WM nicht zu den Topfavoriten zählt, dürfte auch diesem Umstand geschuldet sein. Zudem fehlt nach Ballacks Ausfall der Anführer, einer, der dem sicherlich talentierte Ensemble in kritischen Situationen mit seinem Auftreten Halt verleiht.

Die Vorrunde wird die DFB-Auswahl überstehen. Ghana und vor allem die überalterten Australier sollten keine Stolpersteine darstellen. In der KO-Runde ist dann zwar alles möglich™ – das Erreichen des Viertelfinales müsste aber bereits als Erfolg gewertet werden.

Tipps für den 11. Juni:

Südafrika – Mexiko 1:1 | 1:0

Mein Tipp ist zugegebenermaßen eher Wunsch als realistische Prognose. Dafür kenne ich auch die Spieler von Südafrika zu wenig. Es wäre einfach schön für den „Flow“ dieses Turniers, wenn der Gastgeber wenigstens ins Achtelfinale kommen würde.

Uruguay – Frankreich 0:1 | 1:2

Hier schließe ich mich den Buchmachern weitestgehend an, Frankreich besitzt einfach mehr Klasse. Drei Tore sind aber besser eins.