Die deutsche Fußball-Landkarte 2010

Pünktlich zum Start der Spielzeit 2010/2011 gibt es auf stadioncheck.de die aktualisierte Version der deutschen Fußballlandkarte. Diese errechnet sich folgendermaßen: Die im überregionalen Fußball aktiven Teams der 16 Bundesländer werden gezählt, je nach Höhe der Spielklasse bewertet und die Summe mit der Einwohnerzahl ins Verhältnis gesetzt.

Folgende Punkteskala kommt dabei zur Anwendung:

  • 1. Bundesliga: 4 Punkte
  • 2. Bundesliga: 3 Punkte
  • 3. Liga: 2 Punkte
  • Regionalliga: 1 Punkt

Da sie ihre Heimspiele zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen und so nur eine äußerst geringe fußballkulturelle Tragweite besitzen, werden den Reserveteams der Profiteams nur jeweils den halben Wert zugesprochen.

Bremen führt die Abschlusstabelle erneut mit deutlichem Vorsprung an (sortiert nach Punkte/Mio. Einwohner):

Rang 2009 Land Teams Einw. (Mio.) Punkte Punkte/Mio.
1. 1. Bremen 3 0,663 6 9,050
2. 2. Hamburg 3 1,771 8,5 4,800
3. 11. Saarland 3 1,037 4 3,857
4. 3. RLP 7 4,046 13 3,213
5. 4. NRW 26 17,997 52 2,889
6. 6. Ba-Wü 15 10,750 27,5 2,558
7. 7. Bayern 15 12,520 30,5 2,436
8. 8. Hessen 9 6,073 14,5 2,388
9. 5. Berlin 4 3,416 7,5 2,196
10. 9. Thüringen 3 2,289 5 2,184
11. 13. BB 3 2,536 5,5 2,169
12. 12. NS 9 7,972 16,5 2,070
13. 14. Sachsen 5 4,220 8 1,896
14. 10. MVP 1 1,680 2 1,190
15. 16. SA 2 2,412 2 0,829
16. 15. SH 2 2,837 2 0,705

Aufsteiger des Jahres ist das Saarland, das sich acht Positionen höher als in der Vorsaison platzieren konnte. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl haben die Aufstiege von Saarbrücken (3. Liga) und Homburg (RL) jeweils eine Verdoppelung von Punktezahl und Quotient bewirkt.

Berlin beweist einmal mehr eindrucksvoll, dass es alles andere als eine Fußballstadt ist und verliert vier Plätze. Am Tabellenende schließlich tauschen Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein die rote Laterne.

Aufbereitet als „Wetterkarte“ ergibt sich folgendes Bild:

Punkte / Mio. Einwohner ≥ 4
Punkte / Mio. Einwohner ≥ 3
Punkte / Mio. Einwohner ≥ 2
Punkte / Mio. Einwohner ≥ 1
Punkte / Mio. Einwohner < 1

Bremer Unterkurs

Wir hätten auch den Titel holen können in diesem Jahr.

Hat wer am Wochenende gesagt? Na?

Natürlich Thomas Klaus Allofs. Ausgerechnet Klaus Allofs. Und klingt dabei so charmant wie einer jener frischgebackenen Abiturienten, die ungefragt ihre miese Durchschnittsnote rechtfertigen: „Aber nur, weil ich so wenig gelernt habe.“

Um nicht falsch verstanden zu werden – klar hätte Werder Bremen in dieser Saison die Meisterschaft gewinnen können. Theoretisch. Wie 17 andere Bundesligisten übrigens auch, vielleicht hat ihm das vorher keiner erklärt. Die Hanseaten hätten auch die Copa Libertadores holen können. Oder den Bodensee-Cup. Oder Ailton. Hätte hätte Beruhigungstablette.

Solche Leute sind früher völlig zurecht zu keiner Party eingeladen worden. Aber was macht das Nürnberger Fachmagazin? Stimmt dem kauzigen Alt-Pennäler nicht nur zu, sondern widmet seinem Luftschloß sogar einen ganzen Artikel. Dazu fällt mir dann nicht einmal mehr ein blöder Spruch ein.

Wie Spielplanhexer aus Fehlern lernen

Kalender: Wird schon schiefgehen

Samstag, 16.05.2009:
3. Liga, 37. Spieltag
13:30 Uhr: Werder Bremen II – Stuttgarter Kickers
1. Bundesliga, 33. Spieltag
15:30 Uhr: Werder Bremen – Karlsruher SC

Stuttgarter und Karlsruher, Württemberger und Nord-Badner, die mögen sich einfach nicht besonders. Sollte sich eigentlich auch bis nach Frankfurt herumgesprochen haben. Nun waren damals aufgrund des bereits feststehenden Abstieges nicht allzu viele Kickers-Fans in den Norden mitgereist, so dass es wohl  zu keinen größeren Scharmützeln kam, als einige KSC-Anhänger vor Anpfiff der Erstligapartie „am Gästeblock vorbeigeschaut haben“. Glück gehabt.

Doch dieses sicherheitstechnische blaue Auge hat den Kommandozentralen von DFB und DFL keinen Erkenntnisgewinn beschert. Anders sind diese Ansetzungen jedenfalls nicht zu erklären:

Samstag, 08.05.2010:
3. Liga, 38. Spieltag
13:30 Uhr: Werder Bremen II – Erzgebirge Aue
1. Bundesliga, 34. Spieltag
15:30 Uhr: Werder Bremen – Hamburger SV

Selbst wenn es für den HSV am letzten Spieltag um nichts mehr gehen sollte, werden natürlich trotzdem Tausende Hamburger den Weg zum Nordderby antreten. Aue ist momentan Tabellenführer der 3. Liga, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Veilchen just in der Hansestadt den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern werden.

Nun herrscht keine bekannte Rivalität zwischen Aue und Bremen respektive Hamburg, dennoch dürfte die Polizei wenig erpicht darauf sein, gleich drei große Fangruppen trennen zu müssen. Da sich die Spielstätte der Werder-Reserve aber dummerweise direkt auf dem Gelände des Weserstadions befindet, wurde die Drittligapartie vorsorglich in den Stadtteil Oberneuland verlegt.

Dort trägt gewöhnlich der FC Oberneuland seine Heimspiele in der Regionalliga Nord aus. Der „Sportpark am Vinnenweg“, der mit 5.050 Plätzen so gerade eben die Vorraussetzungen für die 4. Liga erfüllt, ist aber eigentlich deutlich zu klein für die höchste DFB-Spielklasse:

Zuschauerkapazität des Stadions von mehr als 10.000 Plätzen, davon mindestens 2.000 Sitzplätze.

Aber der DFB wäre aber nicht der DFB, wenn er für die zweiten Mannschaften nicht noch eine Sonderregelung aus dem Hut gezaubert hätte:

Für 2. Mannschaften der Lizenzligen: Zuschauerkapazität des Stadions von über 5.000 Besucherplätzen;

Und die 5.000er-Marke wird von der schnuckeligen Stadtteil-Arena ja um genau 50 Plätze übertroffen. Alles klar also? Nicht ganz:

Benennung Ausweichstadion für Spiele mit erhöhtem Zuschaueraufkommen bzw. Risikospiele.

Und wenn eine lila-weiße Karawane aus dem Erzgebirge kein „erhöhtes Zuschaueraufkommen“ darstellt, was dann? Pech, dass das für diese Fälle als Ausweichstadion benannte Weserstadion bereits anderweitig belegt ist.

Während also immer wieder Vereine vom Aufstieg in den überregionalen Fußball ausgeschlossen oder zumindest unnötig schikaniert werden, weil die Umrüstung ihrer Stadion mit unangemessenen finanziellen Risiken einherginge, setzt sich der DFB hier nonchalant über die selbst gesetzten Anforderungen für drittligataugliche Spielstätten hinweg.

Basisnähe geht anders. Vernünftige Spieltagsplanung erst recht.

Deutschlandkarte 02: Pokalträume

Analog zur ersten fußballdemographischen Deutschlandkarte möchte ich diesmal die Chancen unserer „Feierabendkicker“ auf eine Teilnahme im DFB-Pokal beleuchten. Oder anders ausgedrückt: Wieviele Amateurvereine dürfen die einzelnen Bundesländer pro Einwohner ins Rennen schicken?

Neben den vier Bestplatzierten der 3. Liga (Zweitvertretungen von Proficlubs dürfen seit einigen Jahren nicht mehr teilnehmen) qualifizieren sich 24 Vereine über die Pokalwettbewerbe der 21 DFB-Landesverbände. In den drei mitgliederstärksten Verbänden – das waren in den letzten Jahren stets Westfalen, Bayern und Niedersachsen – erhält auch der unterlegene Finalist einen Startplatz.

Auch hier hat Bremen wieder mit deutlichem Abstand die Nase vorn:

Land Einwohner Verband1 3. Liga2 Summe Plätze/Ew.
Bremen 0,663 1,00 0,00 1,00 1,508
Saarland 1,037 1,00 0,00 1,00 0,964
Thüringen 2,289 1,00 0,50 1,50 0,655
Meck-Pomm 1,680 1,00 0,00 1,00 0,595
HH 1,771 1,00 0,00 1,00 0,565
RLP 4,046 2,00 0,00 2,00 0,494
SH 2,837 1,00 0,25 1,25 0,441
SA 2,412 1,00 0,00 1,00 0,415
Brandenburg 2,536 1,00 0,00 1,00 0,394
Sachsen 4,220 1,00 0,50 1,50 0,355
Ba-Wü 10,750 3,00 0,50 3,50 0,326
NS 7,972 2,00 0,50 2,50 0,314
Berlin 3,416 1,00 0,00 1,00 0,293
Hessen 6,073 1,00 0,50 1,50 0,247
Bayern 12,520 2,00 1,00 3,00 0,240
NRW 17,997 4,00 0,25 4,25 0,236

1. Startplätze, die dem Bundesland durch die Verbandspokalwettbewerbe zustehen
2. Anzahl der Vereine, die das Land in der dritten Liga stellt / 16 Ligateilnehmer [20 – 4 Zweitvertretungen] * 4 Startplätze

In der beliebten „Wetterkarte“ dominieren diesmal Gelb- und Rottöne:

deutschlandkarte02

Plätze / Mio. Einwohner ≥ 1,00
Plätze / Mio. Einwohner ≥ 0,75
Plätze / Mio. Einwohner ≥ 0,50
Plätze / Mio. Einwohner ≥ 0,25
Plätze / Mio. Einwohner < 0,25

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Deutschlandkarte 01: Das Herz…

…des deutschen Fußballs schlägt nicht im Westen, wie Franz Beckenbauer 1997 behauptet hat, sondern im Norden der Republik. Zu diesem Ergebnis kommt, wer die im überregionalen Fußball aktiven Teams der 16 Bundesländer zählt, je nach Höhe der Spielklasse bewertet und die Summe mit der Einwohnerzahl ins Verhältnis setzt.

Folgende Punkteskala kam dabei zur Anwendung:

  • 1. Bundesliga: 4 Punkte
  • 2. Bundesliga: 3 Punkte
  • 3. Liga: 2 Punkte
  • Regionalliga: 1 Punkt

Da sie ihre Heimspiele zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen und so nur eine äußerst geringe fußballkulturelle Tragweite besitzen, habe ich den Reserveteams der Profiteams nur jeweils den halben Wert zugesprochen.

Bremen führt die Abschlusstabelle mit deutlichem Vorsprung an (sortiert nach Punkte/Mio. Einwohner):

Land Teams Einw. (Mio.) Punkte Punkte/Mio.
1. Bremen 3 0,663 6 9,050
2. Hamburg 4 1,771 8 4,517
3. RLP 7 4,046 13 3,213
4. NRW 26 17,997 56 3,112
5. Berlin 5 3,416 9,5 2,781
6. Ba-Wü 16 10,750 28 2,605
7. Bayern 15,5* 12,520 30 2,396
8. Hessen 8,5* 6,073 14,5 2,388
9. Thüringen 3 2,289 5 2,184
10. MVP 2 1,680 3,5 2,083
11. Saarland 2 1,037 2 1,929
12. NS 8 7,972 15 1,882
13. BB 2 2,536 4 1,577
14. Sachsen 4 4,220 6 1,422
15. SH 2 2,837 3 1,057
16. SA 2 2,412 2 0,829
Prüfsumme 110 82,219

* Der Regionalliga-Süd-Aufsteiger FC Bayern Alzenau ist zwar, Nomen est Omen, geographisch in Bayern beheimatet, nimmt aber traditionell am Spielbetrieb des Hessischen Fußballverbandes (vgl. Viktoria Aschaffenburg) teil. Von daher habe ich ganz salomonisch jeweils einen halben Punkt an die beiden Bundesländer verteilt.

Als Infografik aufbereitet, ergibt sich folgendes hübsche Bild:

deutschlandkarte01

Punkte / Mio. Einwohner ≥ 4
Punkte / Mio. Einwohner ≥ 3
Punkte / Mio. Einwohner ≥ 2
Punkte / Mio. Einwohner ≥ 1
Punkte / Mio. Einwohner < 1

Dass die Stadtstaaten Bremen und Hamburg in diesen Vergleich die Bestnoten kassieren, ist wenig überraschend. Verblüfft hat mich hingegen – vom reinen Bauchgefühl her – der dritte Platz von Rheinland-Pfalz, gleichzeitig Spitzenreiter unter den Flächenländern.

Das Durchschnitts-Land kann 6,875 Teams im bezahlten Fußball und 5,139 Millionen Einwohner vorweisen, erzielt nach unserer Rechnung 12,844 Punkte und kommt so nach Adam Riese auf einen Quotienten von 2,499. Hessen kommt diesen Daten erstaunlich nahe. Überdurchschnittlich gut  fällt mit 4,003 hingegen das Divisionsergebnis des außer Konkurrenz gestarteten Ruhrgebiets  aus.

Anzumerken wäre noch, dass diese Rangordnung auch von der verwendeten Punkteskala abhängt und natürlich nicht in Stein gemeisselt ist. Ein Aufstieg vom 1. FC Magdeburg oder Chemie Halle, und Schleswig-Holstein kann sich vielleicht in der nächsten Saison damit rühmen, Deutschlands Fußball-Diaspora Nr. 1 zu sein.

+++ Update +++

Hier gibt es die Gesamtübersicht der Punkteverteilung als Google-Doc.