Dokumentation: Los Cerveceros de Quilmes – Die Bierbrauer aus Quilmes

Während beim Marktführer youtube jedes noch so banale Handyvideo in Fingernagelgröße landet, tummelt sich bei Vimeo eher die Avantgarde der Internetfilmer. Da passt es gut ins Bild, dass dort auch eine gut halbstündige Dokumentation über die Fanszene des Quilmes Atlético Club zu finden ist. Mit professionellem Equipment gedreht und absolut hochwertig in Szene gesetzt. Einfach so für Jedermann kostenlos abrufbar. Wahnsinn, dieses Internetz.

Quilmes befindet sich innerhalb der Agglomeration von Buenos Aires und ist insbesondere durch die dort beheimatete Brauerei bekannt. 1887 wurde der Quilmes Atlético Club (QAC) gegründet und ist somit einer der ältesten Fußballverein Argentiniens. Inzwischen besitzt der Verein zwar das Image einer Fahrstuhlmannschaft, doch 1978 konnte QAC zum ersten und bisher einzigen mal die argentinische Meisterschaft in die kleine Bierstadt holen. Die Erinnerungen an den Gewinn der Campeonato Metropolitano dient ein Stück weit auch als Aufhänger für einige der im Film zu sehenden Interviews.

Ich empfehle übrigens, diesen Film nicht in einem schnöden Browserfenster anzusehen. Das Werk von Andreas Geipel, Franz Sickinger und Shooresh Fezoniinem verdient mindestens einen großen LED-TV. Wer sich für die Hintergründe und Entstehungsgeschichte interessiert und ausreichende Spanischkenntnisse besitzt, sollte sich außerdem diesen Text zu Gemüte führen.

[via Schalkefan.de]


Tanze Teamgeist mit mir

Früher war alles besser. Zumindest schöner. Sogar so ein vermeintlich egaler Gegenstand wie ein Fußball. Die Rede ist natürlich nicht von irgendeinem, sondern von dem Fußball schlechthin. Benannt nach einem südamerikanischen Standardtanz und seit seiner Entwicklung 1978 viele Jahre der Inbegriff eines hochwertigen Spielballs.

Foto: Shine2010 (CC-Lizenz)

Der Nachbarsjunge bekam Ende der 80er einen, ein billiges Replikat aus Plastik. Änderte blöderweise nichts an meinem Neid. Im Sommer 1994 leistete sich unser Dorfverein einen „Questra“ − der offizielle Tango der Weltmeisterschaft in den US of A. Einen echten. Einen einzigen. Der musste für alle mit Bällen der Größe 5 spielenden Teams ausreichen. Und ab und zu durfte sogar die B-Jugend zum Tanz bitten.

Diesen seltenen Momenten fieberten die wenigen guten Techniker in unserer Mannschaft regelrecht entgegen. Auch für uns Torhüter waren Schüsse mit dem Tango eine wahre Wohltat. Fühlte sich einfach nach Fußball an, im krassen Gegensatz zu den bei Übungseinheiten verwendeten Eisenkugeln aka Trainingsbälle. Jene wettergegärbten Ellipsoide, von einem stadtbekannten Choleriker aka Jugendleiter bis kurz vor dem Platzen mit Druckluft befüllt, die insbesondere während der harten südbadischen Winter jeglichen Spielspaß an verstauchten Fingern abprallen ließen.

Das langsame Ende der Tango-Ära im klassischen Triaden-Design läutete die WM in Südkorea und Japan ein. Mit einer „syntaktischen Schaumschicht“ und einem bunten Asia-Look konnte der damalige Turnierball „Fevernova“ aufwarten. Die Nachfolger „Teamgeist“ (2006), „EUROPASS“ (2008) und „Jabulani“ (2010) sind bestimmt ebenfalls qualitativ hochwertige Sportgeräte. Und vielleicht bekommen auch die heutigen Nachwuchskicker feuchte Augen beim Anblick dieser Hightech-Produkte, ich weiß es nicht.

Ganz sicher bin ich mir hingegen, dass wir damals im Leben nicht auf die Idee gekommen wären, uns über die Flugeigenschaften „unseres“ Tangos zu beschweren.