Tunnelblick

Hatten wir das Thema „Spielertunnel“ eigentlich schon unter fußballkulturellen Gesichtspunkten besprochen? Nein? Dann wird es Zeit. Die schönsten Exemplare gibt es – natürlich – in Südamerika, wo die Spieler nicht selten aus unterirdischen Katakomben durch überdimensionierte Schläuche in das gespült werden, was mit Fug und Recht als Hexenkessel bezeichnet werden kann.

Aber auch hierzulande lassen sich schöne Exemplare finden. Zum Beispiel dieses Prachtstück im südbadischen Villingen. Dort, im Stadion Friedengrund, ist der Verfasser dieser Zeilen in Jugendjahren selbst einige male zu Punktspielen und bei Turnieren angetreten.

Das Highlight war dabei nicht etwa, dass man sich in einer Sportstätte messen durfte, die als einzige im Kreis den Bezeichnung als Stadion (Vgl. die URL dieser Webseite) auch verdiente. Nein, die Besonderheit lag im Tunnel zum Spielfeld. Das Klackern von Schraubstollen auf den Betonstufen vor der Tribüne, die veränderten Lichtverhältnisse, die Abschottung von der brodelnden spärlichen Zuschauerkulisse… ein bisschen wie Bundesliga. Toll.

FOTOS

Sonntagsschuss: Exempel

Vom Platz gestellter Spieler: „Schiri, ich hab nichts gemacht. Das war eine ganz normale Bewegung im Zweikampf.“

Gegnerischer Spieler: „Da war wirklich nichts.“

Schiedsrichter: *Trotz der Entlastung durch den Mannschaftskapitän des Gegners und der Tatsche, dass niemand im Stadion außer dem Linienrichter die vermeintliche Tätigkeit gesehen hat, ziehe ich das mit dem Platzverweis in der Nachspielzeit eines sportlich längst entschiedenen Spieles eiskalt durch.*

 

Oder halt als Foto:

Ortstermin #Fußballkultur: Sané – Déplacer les buts

Lost Places sind cool. Vor sich hin gammelnde Fußballplätze sind cool. Die Schnittmenge aus beiden natürlich der Hammer. Kann man nun noch die Verbindung zu einem bekannten Namen herstellen, wird die Angelegenheit sogar ein Thema für diese Seite.

:: Hollandes Sparzwänge

Im Oktober 2013 verkündete das französische Verteidigungsministerium die Auflösung des 110. Infanterieregiments. Eine hierzulande vernachlässigbare Meldung, wäre jenes nicht als Teil der Deutsch-Französischen Brigade im südbadischen Donaueschingen stationiert gewesen.


Kasernengebiet zwischen Villinger Str., Hindenburgring und Friedhofstr.

Genau 50 Jahre waren die Franzosen für die 21.000 Einwohner-Stadt und die umliegenden Gemeinden ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und darüber hinaus bei der restlichen Bevölkerung überaus beliebt. Aus und vorbei – die überwiegende Mehrheit der zuletzt rund Tausend Soldaten und Zivilangestellten sagte bereits 2014 zum letzten mal au revoir.

Über die zukünftige Nutzung des Areals wurde bislang nicht endgültig entschieden, die Verantwortlichen geben sich trotz der bevorstehenden Mammutaufgabe aber betont gelassen. Wohnen, Gewerbe, Mischnutzung – vieles scheint möglich. Vergangenen Sommer führte eine Lokalzeitung erstmals eine Gruppe interessierter Bürger über das riesige Gelände mit seinen knapp fünfzig Gebäuden.

Ende Mai 2015 sind noch einige wenige Wohnungen direkt hinter dem Eingangsbereich der Foch-Kaserne bewohnt. Eine Notbesatzung ist damit beschäftigt, die ordnungsgemäße Übergabe und Abtransporte zu organisieren. Dürfen wir hier überhaupt sein? Es gibt keine Wachen mehr, klar. Doch nach wie vor verbieten nicht zu übersehende Schilder bilingual das Betreten des Terrains. Sich einfach nicht erwischen lassen ist vielleicht eine gute Idee.

:: Auf den Punkt kommen

Ach ja, das hier ist ein Fußballblog. Und ein bisschen Promi-Glitzer hatte ich ja auch angedeutet. Gestern Abend hatte einer der – persönliche Meinung – wichtigsten Protagonisten der Bundesliga in der Nachwendezeit einen seinen selten gewordenen Auftritte im deutschen Fernsehen. Live aus seinem ehemaligen Wohnzimmer, in dem gut zwei Stunden später einem seiner Söhne ein Meisterpokal überreicht werden sollte.

Für Schnellmerker: Die Rede ist von Souleymane „Samy“ Sané. Und bevor dieser in Freiburg und noch etwas später in Bochum 6 für Schlagzeilen und vor allem Tore sorgte, leistete er am Rande des Schwarzwalds seinen Militärdienst ab. Als Teil des 110. Infanterieregiments.

Ohne es beweisen zu können: Die ersten Tore auf deutschem Boden dürfte der Mann mit den 51 Bundesligatreffern auf einem denkbar unglamourösen Kasernensportplatz als Mitglied der Kompaniemannschaft erzielt haben. Und diesen Platz gibt es immer noch.

Sogar eine kleine Tribüne ist vorhanden, deren massive Betonstufen ihre besten Tage allerdings hinter und die sich auf der Rückwand austobenden Graffitikünstler hoffentlich noch vor sich haben. Die Laufbahn ist uneben, der Rasen wird nur selten und im unmittelbaren Torbereich gar nicht mehr gemäht. Vor sich hin gammelnde Fußballplätze sind cool.

Genug gelabert – Fotos (zum Vergrößern anklicken):

Militärgelände - Zutritt verboten

Joachim Hopp vs. Collinas Erben


Es war eine schöne Zeit, als man beim Stichwort „Hopp“ noch unwillkürlich an einen Duisburger Abwehrspieler und nicht an einen nordbadischen Philanthropen dachte. Nach Gastspielen bei einigen anderen unterklassigen Clubs leitet MSV-Legende Joachim Hopp inzwischen das Training beim Oberligisten 1. FC Wülfrath.

Auch in der 5. Liga tut er dies mit genau dem Einsatz und der Leidenschaft, die ihn bereits als Spieler ausgezeichnet haben. Das ist nicht selbstverständlich für einen, der 160 Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga vorzuweisen hat. Marginale Unzulänglichkeiten beim Umgang mit dem Regelwerk verzeihen wir schon allein deshalb und führen diese auf die Hitze des Gefechts zurück. Hoppi, bleib einfach wie Du bist.

Der regelmäßige Konsum vom Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben sei an dieser Stelle allerdings auch allen alten Hasen im Fußballgeschäft empfohlen. Das erklärende Audiomaterial, das uns vom Team freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, stammt aus der Folge „Die Taktik des Schiedsrichters“. Vielen Dank!

Sonntagsschuss: Hollywood in Leverkusen

Seit der jüngsten Erweiterung auf 30.000 Plätze wird das Dach der Leverkusener BayArena von acht V-förmigen Pylonen getragen. Und wer auch immer für das Aussehen deren Fundament-Verankerungen verantwortlich war – er oder sie muss ein großer Fan des Hasen „Frank“ aus Donnie Darko sein:

Fotos & Stadion-Porträt: Croke Park, Dublin

It would break my heart to see St George’s Cross waving over Croke Park. As long as I live, there will never be a soccer match played at this place. Never soccer!

Das war nicht unbedingt die erhoffte Reaktion. Statt einem „Vielleicht“ ernteten wir nur Pathos und bitteren Ernst, als wir uns im Herbst 2004 während einer spontanen Stadionbesichtigung bei einem Funktionär der Gaelic Athletic Association (GAA) nach der Wahrscheinlichkeit zukünftig hier stattfindender Fußball-Wettkämpfe erkundigten.

Der Gebrauch des Begriffs Soccer kam dabei nicht von ungefähr: Fußball – gleiches gilt im Übrigen auch für Rugby – ist in den Augen der Tradition- und Nationalisten der GAA eine Freizeitbeschäftigung der britischen Besatzer Nordirlands. Das Label Football bleibt daher exklusiv dem Nationalsport Gaelic Football vorbehalten.

1901 wurde das erste und für lange Zeit auch einzige Fußballspiel auf dem Croke-Park-Areal ausgetragen. Damals befand sich an Stelle des heute beindruckenden Bauwerks allerdings noch ein besserer Sportplatz mit Laufbahn, im Volksmund als „Jones Road“ bekannt. Sieben Jahre später kaufte die gälische Sportvereinigung das Gelände und 1913 wurde das zunächst aus lediglich zwei Tribünen bestehende Stadion unter seinem noch heute gültigen Namen eröffnet.

Glasgow oder Dublin: Hauptsache Irland

Als sich der feststehende Abriss des Nationalstadions Lansdowne Road im Jahr 2007 näherte, intensivierte sich auch die Diskussion um die Verwendung des Croke Park als Ausweichstadion für internationale Rugby- und Fußballspiele. Ein unvorstellbares, ja geradezu obszönes Szenario in den Augen vieler GAA-Hardliner, welches sich mangels Alternativen doch peu à peu konkretisierte.

Der einzige ernstzunehmende Gegenentwurf sah die Nutzung der Heimspielstätte des irischen Nationalteams auf Vereinsebene vor: den Glasgower Celtic Park. Nach monatelangen Verhandlungen verkündete der irische Fußballverband FAI im Januar 2006 jedoch die Einigung mit der GAA. Deren strenge Regularien bezüglich nicht-gälischer Sportarten wurde für die Zeit des Lansdowne-Neubaus gelockert, wozu sicher auch der eine oder andere Euro beigetragen hat.

Sitzen ist für’n…

Seit einem 2004 beendeten Umbau präsentiert sich das Croke Park Stadium als atemberaubende Sportstätte. Modern, steil, massiv. In das ansonsten symmetrisch durchgestylte Gesamtbild mag eine Hintertortribüne indes so gar nicht passen. Eine hinter Hill 16 verlaufende Bahnlinie verhindert die Angleichung der Stehplatzterasse an die Stilistik ihrer dreistöckigen Nachbarn.

„Hill 16“ in Stehplatzkonfiguration

Mit einem maximalen Fassungsvermögen von 82.300 Zuschauern ist Croke Park momentan das viertgrößte für Fußball geeignete Stadion Europas – nach Wembley, Camp Nou und dem Estadio Santiago Bernabéu. Für die Freundschafts- und Qualifikationsspiele Irlands wurden die Stehränge allerdings mit temporären Sitzschalen bestückt, wodurch die Kapazität um einige Tausend Plätze sank.

Am 24. März 2007 war dann der historische Moment gekommen: Irland empfing Wales zur ersten Fußballpartie im Croke Park nach 106-jähriger Pause. Und im Herbst 2009 hat auch yours truly die zweitletzte Möglichkeit zu einem Spielbesuch genutzt. Ob der eingangs Zitierte irgendwelche Konsequezen gezogen hat, konnte vor Ort leider geklärt werden. Wir hoffen aber, dass er und auch seine Kollegen die fünf Jahre zuvor getroffene Aussage nicht allzu wörtlich genommen haben.

Stadion-Daten:

Croke Park Stadium, Dublin
Adresse: Croke Park, Dublin 3, Irland
Heimatverein: Hauptsitz der Gaelic Athletic Association (GAA); momentan kein Fußballbetrieb
Kapazität: 82.300 (9.000 Stehplätze)
Zuschauerrekord Fußball: 74.103 (2009, Play-Off WM-Qualifikation: Irland – Frankreich 0:1)
Erbaut: 1913
Zuletzt renoviert: 2004

Fotogalerie

Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin
Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin
Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin
Croke Park, Dublin Croke Park, Dublin