„My last name is Fuchs and I’m amazing at soccer only“

Stefan Kuntz, Creedence Clearwater Couto und mein ehemaliger Klassenkamerad Gaylord haben mindestens zwei Dinge gemeinsam:

  1. Der Engländer findet ihre Namen zum Schießen
  2. Sie haben nie für einen englischen Verein Fußball gespielt

Dass den Engländer, dem man ja gemeinhin ein feines Gespür für die Art von Humor nachsagt, die einem nicht direkt mit dem nackten Jörg Butt ins Gesicht springt, allerdings auch ein deutscher Allerstaatsname wie Fuchs zum Beömmeln bringt, verwundert dann doch ein bisschen. Ja, wirklich. Fuchs… ausgesprochen wie Fucks… ach, Sie verstehen schon.

However, ein gewisser Uwe Fuchs hat dem Engländer jedenfalls den Gefallen getan und in den Neunzigern anderthalb Spielzeiten als Profi auf der Insel verbracht. Und obwohl vor allem das erste halbe Jahr in Middlesbrough ziemlich erfolgreich für den bulligen Mittelstürmer verlief, war mir dieser Umstand bis heute nicht bewusst.

Seine äußerst respektable Ausbeute von neun Toren in 15 Ligaspielen trug nicht nur maßgeblich zum Aufstieg in die Premier League bei, sie sicherte der Leihgabe von Fortuna Köln(!) auch lebenslangen Kultstatus bei den Anhängern von Boro. Zu einer Weiterverpflichtung konnte sich der frischgebackene Erstligist nach der Saison 94/95 dennoch nicht durchringen. So wechselte Fuchs für 750.000 Pfund zum Skandalverein Millwall nach London, ehe er seine Karriere nach nur einer Saison bei Arminia Bielefeld ausklingen ließ.

Ein netter Youtube-User hat seine Treffer für Middlesbrough dankenswerterweise zu einem Wissenslücken stopfenden Video zusammen geschnitten. Neben ein paar wirklich grandiosen Buden ist auch das Drumherum sehenswert. Der heutige Trainer des VfL Osnabrück hatte nämlich die Ehre, die letzten Spiele auf dem Rasen, oder besser Acker, des legendären Ayresome Park (Spielstätte der WM 1966) zu erleben. Bitte überzeugen Sie Sich selbst (Boxen voll aufdrehen!):


Das perfekte Tor

Man kennt – ich kenne – diese Szene aus diversen WM-Rückblicken: Clodoaldo fummelt sich sehr überheblich und sehr überlegen durch das Mittelfeld und nach einem langen Steilpass gelangt der Ball zu Edison-Arantes-do-Nascimento-genannt-Pelé. Erst scheint es so, als sei der damals 29-Jährige mit seinem lateinamerikanischen Offensiv-Latein am Ende, ehe er die vielleicht lässigste Vorlage der Fußballgeschichte gibt. Carlos Alberto, Außenspann, Tor.

Weniger bekannt war mir hingegen, dass dieser Treffer im angelsächsischen Raum (in Brasilien vermutlich sowieso) „The perfect goal“ genannt wird.

Berechtigt? Überzeugen Sie Sich selbst – Carlos Alberto der Echte mit seinem 4:1 im WM-Finale 1970:

Burying the Coffin 2011


Die Saison 1888/89 sollte zur erfolgreichsten überhaupt in der wechselhaften Geschichte des Preston North End FC werden. Die allererste Austragung der englischen Fußballmeisterschaft konnte das fortan “The Invincibles” genannte Team ungeschlagen für sich entscheiden, den FA-Cup sicherten sich die “Unbesiegbaren” ohne einen einzigen Gegentreffer. Den Cup musste der erste Double-Gewinner zwölf Monate später zwar den Blackburn Rovers überlassen, den Meistertitel konnte die legendäre Truppe aber verteidigen. Danach gewann PNE die Trophäe allerdings nie wieder. Seit über 118 Jahren warten “The Lilywhites” nun also schon auf den Titel.

Soviel zur erfolgreichen Vergangenheit, die Gegenwart des ersten englischen Fußballmeisters sieht dann doch etwas trister aus: Vergangene Saison musste PNE die zweitklassige Championship nach unten verlassen. Und weil die Fans irgendwann einmal damit begonnen haben, nach einem Abstieg ihres Vereins symbolisch einen Sarg zu Grabe zu tragen, gab es vor wenigen Tagen erstmals seit 1993 die fällige Trauerprozession in den Straßen Prestons zu bestaunen.

Und so sieht das Ganze in bewegten Bildern aus:

Cantona-ha-ha-ha-ha

Es wäre eigentlich schon befremdlich genug, dass Eric Cantona seine 1995 begangene Kung-Fu-Attacke gegen einen Anhänger von Crystal Palace als „Karrierehöhepunkt“ bezeichnet hat (via: Kommentar beim Trainer).

Doch nicht nur beim Übeltäter selbst hat der gezielte Fehltritt bleibenden Eindruck hinterlassen – Shaun Hollamby, ein in Großbritannien wohl einigermaßen bekannter Rennfahrer und Palace-Fan, beantwortet die Frage nach seinem lustigsten Stadionerlebnis folgendermaßen:

Cantona

Quelle: Programmheft "Palace" Nr. 19 (Saison 2010/2011), S. 49

Man muss wohl schon mit diesem berühmt-berüchtigten britischen Humor ausgestattet sein, um einen schwerste Verletzungen in Kauf nehmenden, tätlichen Angriff gegen einen zum selben Team haltenden Zuschauer als lustig und bizarr zu empfinden. Bizarrer und lustiger ist dann nur noch Hitler als Karnevalskostüm. But please don’t menschen ze war.

Siebenundsechzig Millionen, einhundertachtundreißig Tausend

…und, wenn ich mich richtig erinnere, 40 Pfund und 40 Pennies. Oder übersichtlicher: 67.138.040,40 Britische Pfund, umgerechnet 77.223.188,07 EUR.

So viel haben die 20 Clubs der englischen Premier League in der Phase vom 1. Oktober 2009 bis zum 30. September 2010 zusammen ausgegeben. Für die Nachwuchsförderung etwa? Oder für die Fanbetreuung? Bunte Fähnchen? Nichts von alledem. Etwa zwei Edin Džekos gingen alleine für Provisionszahlungen an Spielerberater drauf.

Spielerberater. Ganz klar. Spielerberater müsste man sein.

Kühe, Schweine, Chelsea-Fans

Chelsea gilt seit der Regentschaft von Abramczik Abramowitsch-Vorgänger Ken Bates als Anziehungspunkt für neureiche Snobs und Erfolgsfans. Ob das so tatsächlich stimmt, wäre an anderer Stelle zu klären. Fest steht, dass Mitte der 80er eher stadtbekannte Unruhestifter mit dem Hang zum gepflegten Platzsturm den Ton an der Stamford Bridge angegeben haben.

Die Zustände waren offenbar derart aus dem Ruder gelaufen, dass Bates sich nur noch mit der Installation eines Elektrozauns(!) vor der Fankurve zu helfen wusste. Ein pikanterweise nur wenige Tage vor den Katastrophen von Heysel und Bradford aufgenommenes Foto zeigt den sichtlich stolzen Chairman mit seinem metallenen Ungetüm. Letztlich siegte aber die Vernunft und der Zaun musste das Schicksal des Schnellen Brüters teilen – 1985 fertiggestellt, aber nie ans Netz gegangen.

Links KW 5 2011

„Silvio Berlusconi ist ein cooler Typ“ (Zeit Online)

Was bleibt, was war gut, was weniger? Das war Katar 2011 (ballverliebt.eu)

Record transfer fees? Who says the economy isn’t booming? (guardian.co.uk)

Endstand 21:16 (blog5)

Die Demut des Exzentrikers (sueddeutsche.de)

Die weißen Tauben sind mythen

Ein besonderer Tritt in meinen Hintern war die Nachricht, dass es Anfield bald nicht mehr geben wird. Englischer Fußball ohne Anfield, Liverpool ohne Anfield – das übersteigt meine Vorstellungskraft, das will ich einfach nicht glauben. Anfield ist noch immer das einzige Stadion, wo die Tribüne hinter den Toren größer ist, als an der Seitenlinie. Und den Mythos, den dieser Ground besitzt, muss ich dir nicht erklären.

Diesen unsäglichen Unsinn erzählte Fotograf Chris Olley im Interview mit 11Freunde.de, nachdem er sämtliche 92 Profistadien in England abgelichtet hatte. Offenbar erkennen selbst als kritisch geltende britische Fußballfans die groteske Verklärung des Everybody-Gutfinds-Clubs Liverpool nicht mehr als solche.

„Och nö, jetzt kommt der olle Stadion-Nerd bestimmt mit irgendeinem slowakischen Drittligastadion um die Ecke“, mag der eine oder andere Leser nun denken. Nein, keine Sorge, das ist auch gar nicht nötig. Es hätte schon gereicht, wenn sich Mr. Olley seine eigenen Fotos mal etwas genauer angeschaut hätte.

Besonders eindrucksvoll und vor allem viel deutlicher als in Anfield ist erwähntes Hintertor-Phänomen wohl im Prenton Park zu beobachten.:

In Birkenhead, nur durch den Mersey Kilometer von Liverpool getrennt, treten die Tranmere Rovers im Schatten des grandiosen Kop Stand um Punkte an. Und das völlig mythosfrei.