Letzte Ausfahrt Tromsø

Tippeligaen – 2009
Strømsgodset IF – Tromsø IL
2:1 (0:0)

21.06.09, Marienlyst Stadion (Drammen)
5.075 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

Exakt 940 km einfache Strecke, von Emden bis nach Burghausen (oder umgekehrt): Das ist laut aktuellem 11FREUNDE-Sonderheft der längste Anfahrtsweg, den jemals ein Verein in Deutschland zu einem Auswärtsspiel zurückzulegen hatte. Gut, bekanntermaßen stimmen die Behauptungen der 11Schreiberlinge nicht immer, Begegnungen im DFB-Pokal scheint man in diesem Fall auch keine größere Beachtung geschenkt zu haben. Aber selbst wenn diese Zahl korrekt sein sollte – der Fanschar von Tromsø IL dürfte sie nicht einmal ein müdes Lächeln abringen.

Spritztouren von über 1.000 km sind für die Anhänger des am nördlichsten gelegenen Erstligisten der Welt quasi Tippeligaen-Alltag. Satte 1.683 km mussten die 400 Unentwegten gar bis zum schmucklosen Gästeblock in Drammen (gut 40 km südwestlich von Oslo gelegen) bewältigen. Durchaus beachtlich, selbst wenn ein gewisser Teil davon im Dunstkreis der Haupstadt leben und arbeiten dürfte.

Strømsgodsets Spielstätte präsentiert sich als ziemlich hausbackene Vertreterin ihrer Art, die zudem nur auf drei Seiten ausgebaut ist. Von der Idee, 2010 in eine funkelnigelnagelneueaffentittengeile Multifunktionsarena überzusiedeln, mussten sich die Vereinsverantwortlichen aber vor einiger Zeit verabschieden. Den Meister von 1970 plagen chronische Finanz-Sorgen. Die Tage des Marienlyster Kunstrasens scheinen also noch lange nicht gezählt zu sein.

Der gleißenden Nachmittagssonne zum Trotz,

erblicken unsere bundesligagestählten Adleraugen einen alten Bekannten. Der bosnische Schwabe Sead Ramovic hat nach mehreren unglücklichen Gastspielen in Deutschland nördlich des Polarkreises eine neue sportliche Heimat gefunden. Der routinierte Schnapper zeigt allerdings nur eine durchwachsene Leistung. An Hexerei grenzende Reflexe wechseln sich mit kaum erklärbaren Unsicherheiten nach harmlosen Distanzschüssen ab. Dieses Manko fehlender Souveränität wurde dem 30-Jährigen bereits von seinem damaligen Übungsleiter in Gladbach bescheinigt.

An den Gegentoren ist Ramovic freilich völlig schuldlos. Vor allem beim Siegtreffer der Hausherren lassen sich seine Vorderleute wie Jugendspieler düpieren. Ein überlegter Volleyschuss von Öyvind Storflor, tief in der Nachspielzeit, verleitet die in der „GodsetUnionen“ organisierten Heimfans zu einem finalen Gefühlsausbruch. Auch für uns stellt dieser emotionale Höhepunkt einen würdigen Abschluss einer fußballerisch wenig berauschenden, dafür umso entspannteren Bildungsreise dar.

Photobucket Photobucket
Photobucket Photobucket