Eine Arena mit Esprit

Statt als flugzeughangarähnliches Etwas könnte sich das ehemalige Düsseldorfer Rheinstadion heute auch als zeitgemäße Leichtathletikarena präsentieren. Wenn, ja wenn diese Machbarkeitsstudie von 1998 eines Krefelder Architekturbüros in die Realität umgesetzt worden wäre. Die „vorhandene charakteristische Pylonstruktur“, die dem Rheinstadion „etwas Majestätisches“ verlieh, hätte so erhalten werden können.

Neben ästhetischen gibt es natürlich auch ganz praktische Gründe, die für den Verbleib der Laufbahn sprächen. Platzsturm-Witze bitte im Bedarfsfall selbstständig bei twitter nachlesen.

Abwehr ist die beste Verteidigung

Eigentlich war der FK Dukla Praha längst im Heute einer marktwirtschaftlich orientierten Tschechischen Republik angekommen. Da nach Ende des kommunistischen Regimes die finanzielle Unterstützung des selbigen fehlte, sah sich der einstige Armeeklub genötigt, mit einem anderen Verein zu fusionieren. So kam es, dass die 1. Mannschaft 1997 ins mittelböhmische Kaff Pribram quasi zwangsversetzt wurde.

Der ein Jahr darauf gegründete Nachfolgeverein wird momentan aber von seiner Vergangenheit eingeholt. Zwar gelang dem „neuen“ FK Dukla 2011 die Rückkehr in die 1. Liga – doch was eigentlich nichts außer ein Grund zur Freude sein sollte, brachte auch Probleme mit sich: Das Dukla-Stadion Juliska entspricht nicht mehr so ganz den Anforderungen der höchsten Spielklasse.

Nachdem man die Saison noch in der angestammten Spielstätte gestartet hatte, ist diese seit kurzem wegen der notwendigen Umbauarbeiten gesperrt. Die riesige Haupttribüne etwa bekommt uefa-konforme Sitze, außerdem wird ein neuer Rasen samt Heizung verlegt. Da Stadion und Grundstück noch immer Eigentum des Verteidigungsministeriums sind, gestaltet sich die Renovierung allerdings weitaus komplizierter, als dies bei einem städtischen oder vereinseigenen Stadion der Fall wäre.

Passierschein A38

So lässt Dukla-CEO Michal Šrámek besorgte Anhänger per Pressemitteilung wissen, dass die Renovierung der Zuschauerränge gute Fortschritte mache. Die Arbeiten an der Spielfläche würden sich allerdings verzögern, da hierfür eine andere Art von Genehmigung duch das Ministerium notwendig sei, die bislang noch nicht erteilt wurde.

Bis es soweit ist, beziehungsweise bis zum Abschluss aller Baumaßnahmen, nutzt der elffache Landesmeister Prags stadiontechnische Alzweckwaffe. Dukla ist das neunte Team in den vergangenen zehn Jahren, das Heimspiele im Stadion Evžena Rošického (auch als Strahov bekannt) austrägt. Kleiner Trost für die Fans: Aufgrund der umzugsbedingten Unannehmlichkeiten verzichtet der Klub im Exil auf die Erhebung von Eintrittsgeldern.

Schüsselschwund

Toll, dass der 1. FCN den Klassenerhalt geschafft hat. Nicht nur, weil ich mit dem FC Augsburg so gar nichts anfangen kann. Sondern vor allem, weil Nürnberg der 1. Bundesliga in der kommenden Saison etwas ganz Exklusives zu bieten hat: eine Laufbahn. Es stimmt tatsächlich, die Heimat des „Glubb“ wird nach dem Abstieg der Berliner Hertha das einzige verbliebene Leichtathletik-Stadion in Deutschlands Eliteliga sein.

Damit spitzt sich ein Ende der 90er einsetzender Trend zu. Angesichts des sukzessiven Umbaus des Hamburger Volksparkstadions gelangten damals auch andere Stadionbetreiber zu der Erkenntnis, dass ihre Mehrzweckkampfbahnen vielleicht nicht mehr zeitgemäß sein könnten. Vielen Stadien wurden seitdem nach Hamburger Vorbild die Laufbahn genommen (Köln, Duisburg, Frankfurt), andere komplett durch Neubauten ersetzt (München, Gelsenkirchen).

Heute besitzt jeder halbwegs ambitionierte Dorfverein eine der immergleichen Fertigbau-Arenen auf der grünen Wiese. Als „Schmuckkästchen mit Tribünen direkt am Spielfeldrand“ werden diese seelenlosen Bauten im Sportreporter-Sprech gleichsam nichtsagend wie euphemistisch bezeichnet. Auch die nackten Zahlen zeichnen ein erschütterndes Bild: Der Anteil* der Laufbahnstadien sank in den vergangenen 20 Spielzeiten von jeweils 75 % auf 5,6 % (1. Bundesliga) bzw. 22,2 % (2. Bundesliga).

Das ist schade. Nicht unbedingt um die Sichtverhältnisse in den oft eher Tellern statt Schüsseln gleichenden Spielstädten. Aber um die zeitlos elegante Zeltdach-Konstruktion des Münchner Olympiastadions, die monströsen Zäune vor der Nordkurve des Gelchenkirchener Parkstadions oder die giraffenartigen Flutlichtmasten des Rudolf-Harbig-Stadions in Dresden. Ja, ich als regelmäßiger Stadiongänger vermisse die einst blühenden Tartan-Landschaften.

* Als Laufbahnstadion wurde eine Spielstädte gezählt, wenn sie in der betreffenden Spielzeit eine komplette Laufbahn (egal ob mit Asche- oder Kunststoffbelag) vorweisen konnte, auf der zumindest Schulsport möglich war. Sämtliche während des laufendem Spielbetrieb umgebauten Stadien fielen ab Baubeginn aus der Wertung. Wenn sich zwei Vereine ein Stadion geteilt (z. B. Bayern und 1860 München) haben, kam es doppelt in die Wertung.

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Die endlose Radsport-Krise

3. Liga – 09/10
Wuppertaler SV – SSV Jahn Regensburg
2:2 (1:1)

29.07.09, Stadion am Zoo (Wuppertal)
4.870 Zuschauer (ca. 40 Gäste)

Bei meiner letzten Stippvisite am Zoo vor über sieben Jahren erinnerten die damals hinter den Toren existenten Steilkurven noch deutlich an die velosportive Vergangenheit der traditionsreichen Arena. In seiner jetzigen Form, mit den beiden an selber Stelle neugeschaffenen Tribünen, präsentiert sich das Wuppertaler Stadion der Drittklassigkeit gleichwohl mehr als gewachsen. Die Gegengerade ist somit das letzte noch verbliebene Kuriosum. Ein Umbau dürfte aber wohl erst nach einem Aufstieg in die 2. Bundesliga ein Thema werden. Und der ist, nicht nur aus finanziellen Gründen, so schnell nicht in Sicht.

Zwar kann der WSV zweimal in Führung gehen, muss dann aber jeweils den etwas unglücklichen Ausgleich hinnehmen. Hauptverantwortlich dafür  sind eklatante (wird dieses Wörtchen eigentlich auch außerhalb von Fußball-Kontexten verwendet?) Schwächen bei Standardsituationen. Wer aber ernsthaft drei Euro für einen Plastikbecher mit abgestandenem Mineralwasser verlangt, hat den Sieg dann auch einfach nicht verdient. Irgendwie.

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Spielberichte: HP Wuppertal | Kicker.de | HP Regensburg

RWE bekommt vielleicht ganz sicher ein neues Stadion

DerWesten und Reviersport berichten, dass eine Einigung bezüglich des Stadion-Neubaus in Essen kurz bevor steht. Stadtdirektor Christian Hülsmann präsentierte der Öffentlichkeit bereits einen fertigen Entwurf. Der Baubeginn soll im Herbst erfolgen, feierlich eröffnet würde das neue Schmuckkästchen dann 2011. Der erforderliche Ratsbeschluss am 4. März ist für Hülsmann offensichtlich nur noch Formsache:

Es gibt dort genug Fußballfans und die paar Schalker im Rat kriegen wir in den Griff.

Nun, ganz ketzerisch könnte man entgegnen, dass das mit dem „Schalker in den Griff kriegen“ vergangenes Wochenende noch nicht so wirklich gut funktioniert hat. Bevor an der Hafenstraße das Fundament nicht gesetzt ist, bleibt ein Rest Skepsis. Es wäre schliesslich nicht das erste Mal, dass die Vision von einem zeitgemäßen Stadion zum Teil auch an der Leistung der 1. Mannschaft scheitert.

Bereits 2004, nachdem sein Verein wieder einmal den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft hatte, verkündete der damalige Präsident Rolf Hempelmann, dass die Finanzierung eines Stadionumbaus gesichert sei. Passiert ist seinerzeit überhaupt nichts. Nach dem sofortigen Wiederabstieg verschwanden die ambitionierten Pläne, die unter anderem eine 90°-Drehung des Spielfeldes vorsahen, wieder in der Schublade.

Die komplette Chronologie von Planungen, Pech und Pannen kann bei Virus RWE nachgelesen werden.

Einstürzende Neubauten

Zum Abschluss eines ereignisreichen (Fußball-)Jahres gibt es noch eine nette Geschichte von der Insel zu erzählen:

Der Darlington FC ist ein chronisch erfolgloser Viertligist aus dem Nordosten Englands. Das muss sich ändern, dachte sich Anfang des Jahrtausends wohl der damalige Chairman George Reynolds. Und was macht ein ambitionierter Vereinsboss in so einer Situation? Richtig, er plant den Bau eines neuen Stadions auf der grünen Wiese. Klotzen statt kleckern lautete offensichtlich die Devise des mittlerweile 71-jährigen Geschäftsmannes, dem ein ausnehmend halbseidener Ruf vorauseilt. Statt, wie üblich auf diesem sportlichen Level, 8 000 – 12 000 (mit der Möglichkeit einer späteren Erweiterung im Erfolgsfall) sollte das Prachtstück satte 25 500 Fans aufnehmen können.

2003 konnte die Einweihung gefeiert werden, Kostenpunkt: 20 Millionen britische Pfund. Doch damit nicht genug – auf sage und schreibe 60 000 Plätze wollte er sein Baby ausbauen, sollte der Verein erst einmal die Premier League erreicht haben. Gänzlich unbescheiden zeigte sich der kühne Visionär auch bei der Namensgebung (s. Hopp, Dietmar): „Reynolds Arena“ lautete die erste offizielle Bezeichnung des Schmuckkästchens. Immerhin 11 600 Menschen wohnten dem Eröffnungsspiel gegen die Kidderminster Harriers bei. So viele kamen danach nie wieder. Nicht einmal annähernd. Die durchschnittlichen Zuschauerzahlen seit dem Umzug lesen sich ernüchternd:

  • 2003/2004: 5 022 (League Two)
  • 2004/2005: 4 083 (League Two)
  • 2005/2006: 4 199 (League Two)
  • 2006/2007: 3 819 (League Two)
  • 2007/2008: 3 818 (League Two)

Bereits im April 2004, ein Dreivierteljahr nach seiner feierlichen Eröffnung, erhielt das Stadion den neuen, äußerst originellen Namen „The New Stadium“. Was war passiert? Darlington musste im Dezember 2003 Insolvenz beantragen und nur kurze Zeit später wanderte Reynolds, mittlerweile selbst bankrott, zudem wegen Geldwäsche hinter schwedische Gardinen. Der einst gefeierte Sonnenkönig hinterließ einen Scherbenhaufen.

Zwar hat sich die Lage inzwischen stabilisiert, doch nach wie vor schweben finanzielle Probleme und eine überschaubare sportliche Perspektive wie ein Damoklesschwert über den „Quakers“. Die Spielstätte firmiert mittlerweile unter einem kryptischen Sponsorennamen, bereits der dritte in der Post-Reynolds-Ära. Der Immobilienkönig George Houghton leitet momentan die Geschicke des angeschlagenen Clubs. Und was macht ein ambitionierter Vereinsboss in so einer schwierigen Situation? Richtig, er träumt von Zusatzeinnahmen, etwa durch ein Stadionhotel, VIP-Logen oder die Vermietung von Verkaufsflächen. Um dafür Platz zu schaffen müsste lediglich eine Tribüne des Stadions abgerissen werden. Der schicke All-Seater sei sowieso zu groß. Selbst in der zweiten Liga könne Darlington keine 25 000 Zuschauer mobilisieren, gibt Houghton zu bedenken. Eine nicht besonders gewagte These, angesichts einer Kapazitätsauslastung von unter 17 % über die letzten fünf Jahre. Die Frage, woher auf einmal die Massen an VIPs und Hotelgästen zu einem erwiesenermaßen unattraktiven Provinzclub strömen sollen, ließ der Präsident allerdings offen.

Die Fans spaltet dieses Vorhaben in zwei Lager. Viele haben Bedenken, dass sich die Atmosphäre bei Heimspielen durch den Umbau drastisch verschlechtern könnte. Wobei verwaiste VIP-Logen wohl auch nicht unbedingt weniger Stimmung machen dürften als 20 000 nicht besetzte Sitzschalen.