19:1 (10:0)

Jugendanekdote? Jugendanekdote.

19:1. Kein neuartiges Breitbildformat, sondern das nüchterne Ergebnis der höchsten Pflichtspielniederlage meines Lebens. Das Hinspiel in voller Nennstärke ging noch eher unglücklich mit 0:1 verloren. So weit, so normal. Doch an einem verregnetem Frühsommertag Mitte der Neunziger war alles anders. Lediglich neun einsatzbereite Spieler konnte Trainer Manfred zum Rückspiel auf den komplett unter Wasser stehenden Hartplatz schicken.

Nun könnte man annehmen, dass derartige Platzverhältnisse der unterlegenen Mannschaft in die Karten spielen sollten. Auch im tiefsten Schwarzwald und selbst in der B-Jugend. Taten und tun sie aber nicht. Weil jeder Befreiungsschlag, jeder Konterversuch apprupt in einer Pfütze endet. Weil sich das dominierende Team eine gewisse Ungenauigkeit im Passspiel leisten kann, ohne dass Bälle sofort im Aus landen.

Als dann irgendwann noch unser Libero vom Platz humpelte, ging es nur noch darum, nicht zweistellig zu verlieren.

Dieser Kampf war bereits in der Halbzeit verloren. Unser Coach hatte blöderweise nicht aufmerksam genug mitgezählt. Seine Aussage, ohne unseren Torwart stünde es bereits 10:0, besaß also durchaus eine lobende Absicht. Ich konnte über diesen Fauxpas allerdings nicht lachen. Denn ich stand im Tor.

Statt gegen die 10, stemmten wir uns in der zweiten Spielhälfte also gegen die ominöse 20. Man muss sich ja Ziele setzen. Und am Ende hatten wir Erfolg, schafften irgendwie sogar den für unmöglich gehaltenen Ehrentreffer. Als Sieger der Herzen fühlten wir uns dennoch nicht.

Ähnlich ärgerlich wie die Niederlage an sich hätten die Kommentare einiger Klassenkameraden am darauf folgenden Montag sein können. Von wegen Schießbude und so. Hätten. Denn wer ein solches Resultat am Torwart festmacht, kann keine Ahnung von Fußball haben.