Flach spielen, hochsterilisieren

Es ist mal wieder Zeit, mit einem der großen popkulturellen Mythen der Fußballgeschichte aufzuräumen. Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Es war nicht Bruno Labbadia, der uns den wunderbaren Neologismus „Hochsterilisierung“ geschenkt hat. Bernd Hoss, damals Trainer bei Blau-Weiß 90, kannte bereits in der Saison 84/85 diese ganz besondere Form der Entkeimung:

Ob Hoss – hier ist Nomen zur Abwechslung wirklich mal Omen – nun tatsächlich der Vater dieser Wortschöpfung war, vermag ich nicht zu sagen. Er bestärkt mich aber zumindest in der vagen Erinnerung, den Ausdruck bereits vor Brunos legendärem Statement schon aus dem ein oder anderen Reportermund vernommen zu haben.

Das Spielfeldinterview ist übrigens nur der Schlussteil einer auch in seiner Gesamtheit wirklich sehenswerten Zusammenfassung einer Zweitliga-Partie zwischen eben jenem Blau-Weiß 90 und Hertha BSC. Ein echtes Berliner Derby also, wie es vielleicht nächste Saison in leicht veränderter Konstellation wieder stattfinden wird.

Zugesetzt

Ich glaube unsere Mannschaft muss heute mit dem Ergebnis zufrieden sein. Denn so wie das Spiel gelaufen ist, hätte es auch noch anders kommen können.

Diese anerkennenden Worte fand Bayern-Manager Uli Hoeneß 1986 nicht etwa nach einer Partie gegen Bremen oder den HSV, sondern nach dem 1:1 bei Blau-Weiß 90.

Die Berliner stiegen bekanntlich am Ende der Saison als abgeschlagener Tabellenletzter aus der 1. Bundesliga ab. Umso erstaunlicher erscheint der Spielverlauf dieser Begegnung in der Sportstudio-Zusammenfassung. Gleiches gilt auch für die Kommentatorenleistung des jungen Jörg Dahlmann, die vergleichsweise nüchtern und sachlich, ich bin fast geneigt zu sagen: gut daherkommt. Viel Spaß damit: