FAZ: Capricciosa predigen, Funghi servieren

Vor fast genau einem Jahr kritisierte die FAZ die mediale Omnipräsenz einiger weniger Experten. Was Ferdinand Dudenhöffer für die Autobranche, ist Prof. Dr. phil., Dipl.-Soz. Gunter A. Pilz für alle Fragen rund um das problemhafte Sozialverhalten von Fußballanhängern. Dabei gilt: je krawalliger, desto Pilz.

Komisch nur, dass eben jene FAZ ihre eigene Doktrin ignoriert und den selbsternannten Fanforscher in jüngster Verganenheit in gleich zwei Artikeln zu Wort kommen lässt. Eine Suche nach Pilz im FAZ.net-Archiv ergibt weitere Treffer, deren Aufruf aber leider kostenpflichtig ist.

Auch Derwesten.de (mit topaktuellem Symbolfoto aus dem Gelsenkirchener Parkstadion) oder Welt Online vertrauen wie unzählige andere Nachrichtenportale auf die Dienste des Hannoveraner Professors. Immer, wenn es irgendwo in der Fußballrepublik gekracht hat, darf er sich mit Erkenntnissen dieser Güteklasse in Szene setzen:

Viele sehen solche Auswärtsfahrten als Abenteuer-Urlaub an. Um Fußball geht es nicht mehr.

Es scheint offenbar völlig egal zu sein, dass solche Allgemeinplätze bereits x-fach bei der journalistischen Auseinandersetzung mit dem in Abständen immer wieder losbrechenden Hooliganismus verheizt wurden. Hauptsache, sie können von einer Fachkraft Koryphäe leicht abgewandelt abermals auf Kommando abgespult werden.

Telefon für Pilz.
Die 80er sind dran… und wollen ihre Phrasen zurückhaben!

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich gibt es Gewalt im Umfeld von professionellen Fußballspielen. Gab es früher schon und wird es vermutlich auch in Zukunft noch geben. Genau wie in Großraumdiscotheken, auf Straßenfesten und überall sonst, wo (zu) viele junge Männer auf engstem Raum aufeinander treffen und unter dem Einfluss eines explosiven Cocktails aus Adrenalin, Testosteron und Alkohol stehen.

Selbstverständlich spielen auch gruppendynamische Prozesse innerhalb von Fanvereinigungen eine Rolle. Aber gerade deshalb ist sein mantraartiges Wiederkäuen von bloßen Begrifflichkeiten so unfassbar gehaltlos. Als ob die Entstehung von gewalttätigen Auseinandersetzungen dadurch begünstigt würde, dass es seit geraumer Zeit en vogue ist, einen Fanclub statt „Komakolonne ’85“ lieber „Ultras Hintertupfingen“ zu nennen.

Das alles lässt nur einen Schluss zu: Der Wissenschaftler Gunter A. Pilz bereitet seinen verkopften und schwer verdaulichen Einheitsbrei mit zu viel Forschungsbesteck zu. Vermutlich hat der gute Mann noch nie ein Fußballstadion, geschweige denn einen Sonderzug von innen gesehen.

In Frankfurt mag man sich damit rechtfertigen, dass Pilz der einzige wissenschaftliche Experte für diesen Tehmenkomplex ist. Richtiger werden seine Postulate dadurch aber auch nicht.

Prof. Dr. phil., Dipl.-Soz. Gunter A. Pilz

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