They tried to make me go to rehab, but I said…

Ich bin einigermaßen von mir selbst überrascht; oder auch nicht: Nachdem ich am Mittwoch noch absolut keine Lust auf das Turnier in Brasilien hatte, ist heute, nur drei Tage später, auch hier ohne Thermometer leicht erhöhte Temperatur messbar.

Dieser Zustand ist freilich nicht mit dem WM-Fieber von 1990 zu vergleichen. Weil man die rund um den Fußball geschehende Gesamtscheiße inzwischen besser einordnen kann, weil es tatsächlich immer schlimmer wird oder weil man als Erwachsener einfach generell viel von seiner Begeisterungsfähigkeit eingebüßt hat? Keine Ahnung, vermutlich spielt das alles mit rein.

Eine Weltmeisterschaft ist aber eben immer noch geil, #ESP vs #NED jetzt schon ein Klassiker und überhaupt. Machen wir uns nichts vor:

Mein Name ist Jens und ich bin süchtig.

Genauso wie ihr. Fußball ist unser Crystal Meth. Das Fernsehen unser Dealer. Wir bezahlen mit unserer ungeteilten Aufmerksamkeit und am Ende landet die Kohle bei Drogenbaron Sepp.

Hat man sich das erst einmal eingestanden, wird auch klar, warum wir einer “comichaft grotesken Organisation” wie dem Fußballweltverband scheinbar wirklich alles durchgehen lassen. Warum dieser zusammen mit Politik und nationalem Organisationskomitee die Bedenken von Millionen Brasilianern einfach aus dem Weg knüppeln kann. Warum selbsternannte Sportjournalisten im Campo Fernsehgarten noch nicht einmal mehr Distanz vortäuschen und Interviews mit den Beinen im Planschbecken führen.

Meth muss nun einmal auch nicht in parfümiertes Geschenkpapier mit Schleife verpackt werden, um in entsprechenden Kreisen reißenden Absatz zu finden.

Stand heute sage ich selbstverständlich, dass ich ein WM-Turnier in einem auf dem Rücken von Sklaven in die Wüste gerotzten Unrechtsstaat nicht schauen würde. Werde ich das am Tag des Eröffnungsspiels im Jahr 2022 immer noch so sehen? Ich bin mir da nicht mehr so sicher.