Kritik: Sonderheft Regionalliga West von Reviersport & Fussifreunde

Zum Start der neuen Regionalliga West haben die Reviersport und Fussifreunde Köln ein gemeinsames Sonderheft herausgegeben. Für eine ausführlich formulierte Blattkritik fehlt uns leider die Zeit, auf eine Beurteilung dieses interessanten Print-Projektes wollten wir dennoch nicht komplett verzichten. Wir haben uns daher in bester Gemeinschaftskunde-Manier für eine Pro- und Contra-Liste entschieden. Deutschlands Sozialpädagoginnen wären stolz auf uns.

Die Fakten

  • 64 Seiten
  • Tabloid-Format, auf Zeitungspapier gedruckt
  • Verkaufspreis: 2,00 EUR

Pro

  • Das Layout wirkt angenehm modern und luftig.
  • Die Kooperation zweier Magazine mit unterschiedlichem regionalen Fokus verleiht dem Produkt Glaubwürdigkeit und „Breite“.
  • Gute Doppelinterviews mit den Trainern der vermeintlichen Top-Teams – Scholz (Viktoria Köln) vs. Koschinat (Fortuna Köln) und Wrobel (RWE) vs. Basler (RWO).
  • Sprachlich ist zwar noch Luft nach oben, die Texte sind dennoch auf einem höheren Niveau als in einer regulären, unter größerem Aktualitätsdruck produzierten Reviersport-Ausgabe (zu Fussifreunde kann ich diesbezüglich nichts sagen).
  • Der Preis: 2,- EUR sind fair und angemessen.

Contra

  • Die Statements der im Rahmen der Mannschaftsvorstellungen befragten „Insider“ sind teilweise unbrauchbar. Wenn etwa der Essener Fanbeauftragte Lothar Dohr meint, die anderen Mannschaften für eine Prognose zu wenig zu kennen, ist das einfach nicht hilfreich.
  • Leider wurde auf den von Sport 1 bekannten, nervigen Pathos nicht komplett verzichtet. „Die beste Regionalliga aller Zeiten“ – so etwas hat das Heft überhaupt nicht nötig.
  • Auch als regionalligainteressierter Mensch kenne ich viele der Spieler überhaupt nicht. Bei den Mannschaftskadern hätte ich mir daher eine Spalte gewünscht, in der die bisherigen Einsätze des Spielers im höherklassigen Fußball (ab RL aufwärts) aufgelistet sind.
  • Die für die meisten Fließtexte verwendete Schriftgröße bewegt sich am unteren Ende der Zumutbarkeit. Hier hätte man gerne einen halben Punkt nach oben gehen dürfen. Der dafür benötigte Platz hätte problemlos bei grafischen Elementen wie der opulent zweispaltigen Darstellung der Wunschelf eingespart werden können:

Fazit

Trotz der aufgeführten Schwächen fühle ich mich gut über die NRW-weite Liga informiert. Die Regionalliga West 2012/13 kann starten! (äh, ja, hat sie schon, wir sind etwas spät dran)

Wertung

7 von 10 Punkte

Regionalliga: Reform follows function

Neben zu vielen Reserveteams – allein zehn in der Weststaffel – war die Undurchlässigkeit der Regionalligen (RL) einer der Hauptkritikpunkte der Amateurvereine am 2008 erfolgten Umbau der höchsten DFB-Ligen. Drei Absteiger sind angesichts 20 Drittligamannschaften in der Tat nicht viel, so dass man in den RL schon Meister werden muss, um die Klasse nach oben zu verlassen. Das bedeutet auch, dass für die meisten RL-Teams das letzte Drittel der Saison zu Spielen um die güldene Ananas verkommt.

Wir fassen zusammen: Reserveteams ziehen keine Zuschauer und bringen wenig bis keine eigenen Fans mit. Freundschaftsspiele ziehen keine Zuschauer. => Massive Finanzprobleme für die in der Regel eh nicht auf Rosen gebetteten Clubs.

Was die 255 stimmberechtigten Delegierten nun dazu bewogen hat, auf dem DFB-Bundestag in Essen die Zahl der RL ab 2013 von drei auf fünf zu erhöhen… ich weiß es nicht, ich kann es mir schlicht und ergreifend nicht erklären. Die Freundschaftsspielproblematik gegen Saisonende wird sich dann also weiter verschärfen und wenn nicht einmal mehr der Meister einer Spielklasse automatisch und sicher aufsteigt, dann krankt das System.

Die „Reviersport“, sonst eigentlich eher nicht für ihren subversiven Humor bekannt, fasst den Geist dieser Veranstaltung mit einer einzigen Bildunterschrift treffend zusammen:

Quelle: Reviersport-Printausgabe vom 25.10.2010

Quelle: Reviersport-Printausgabe vom 25.10.2010

Amateure.