„Denn wir kommen aus Ohligs, super Ohligs“

Stadion am Hermann-Löns-Weg, lost Ground

An dem, was in der Bergischen Metropole Solingen derzeit passiert, hätte der 1914 verstorbene Hermann Löns vermutlich seine Freude gehabt. Wobei „derzeit“ genau genommen einen Zeitraum von inzwischen mehreren Jahren beschreibt. Hmm, wir hatten hier schon bessere Einstiege, aber vielleicht wird die Ironie ja im nächsten Abschnitt klar.

Jedenfalls hat sich das im Stadtteil Ohligs verortete Stadion am Hermann-Löns-Weg in den vergangenen sieben Jahren Stück für Stück in das Landschaftsideal von „Heidedichter“ Löns zurückentwickelt: in eine Heidelandschaft eben, samt typischer Vegetation. Und Schafen.

14 Jahre, von 1975 bis 1989, kickte die einst stolze Union hier in der zweiten Bundesliga. Viele weitere Spielzeiten im höherklassigen Amateurfußball folgten. Im Mai 2010 kam das abrupte Ende. Wohnhäuser sollten nach dem Willen der Stadt Solingen auf dem Stadiongelände entstehen. Doch diese hat sich, wenn man einem Kommentator Glauben schenken darf, bei diesem Vorhaben wohl ziemlich verrechnet.

Bislang wurde der Abriss jedenfalls immer wieder hinausgezögert. Anfang 2018 soll es nun wirklich, wirklich soweit sein. Bis dahin könnte man vielleicht noch einmal vorbeischauen. Oder sich dieses Video zu Gemüte führen:

Ortstermin #Fußballkultur: Sané – Déplacer les buts

Lost Places sind cool. Vor sich hin gammelnde Fußballplätze sind cool. Die Schnittmenge aus beiden natürlich der Hammer. Kann man nun noch die Verbindung zu einem bekannten Namen herstellen, wird die Angelegenheit sogar ein Thema für diese Seite.

:: Hollandes Sparzwänge

Im Oktober 2013 verkündete das französische Verteidigungsministerium die Auflösung des 110. Infanterieregiments. Eine hierzulande vernachlässigbare Meldung, wäre jenes nicht als Teil der Deutsch-Französischen Brigade im südbadischen Donaueschingen stationiert gewesen.


Kasernengebiet zwischen Villinger Str., Hindenburgring und Friedhofstr.

Genau 50 Jahre waren die Franzosen für die 21.000 Einwohner-Stadt und die umliegenden Gemeinden ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und darüber hinaus bei der restlichen Bevölkerung überaus beliebt. Aus und vorbei – die überwiegende Mehrheit der zuletzt rund Tausend Soldaten und Zivilangestellten sagte bereits 2014 zum letzten mal au revoir.

Über die zukünftige Nutzung des Areals wurde bislang nicht endgültig entschieden, die Verantwortlichen geben sich trotz der bevorstehenden Mammutaufgabe aber betont gelassen. Wohnen, Gewerbe, Mischnutzung – vieles scheint möglich. Vergangenen Sommer führte eine Lokalzeitung erstmals eine Gruppe interessierter Bürger über das riesige Gelände mit seinen knapp fünfzig Gebäuden.

Ende Mai 2015 sind noch einige wenige Wohnungen direkt hinter dem Eingangsbereich der Foch-Kaserne bewohnt. Eine Notbesatzung ist damit beschäftigt, die ordnungsgemäße Übergabe und Abtransporte zu organisieren. Dürfen wir hier überhaupt sein? Es gibt keine Wachen mehr, klar. Doch nach wie vor verbieten nicht zu übersehende Schilder bilingual das Betreten des Terrains. Sich einfach nicht erwischen lassen ist vielleicht eine gute Idee.

:: Auf den Punkt kommen

Ach ja, das hier ist ein Fußballblog. Und ein bisschen Promi-Glitzer hatte ich ja auch angedeutet. Gestern Abend hatte einer der – persönliche Meinung – wichtigsten Protagonisten der Bundesliga in der Nachwendezeit einen seinen selten gewordenen Auftritte im deutschen Fernsehen. Live aus seinem ehemaligen Wohnzimmer, in dem gut zwei Stunden später einem seiner Söhne ein Meisterpokal überreicht werden sollte.

Für Schnellmerker: Die Rede ist von Souleymane „Samy“ Sané. Und bevor dieser in Freiburg und noch etwas später in Bochum 6 für Schlagzeilen und vor allem Tore sorgte, leistete er am Rande des Schwarzwalds seinen Militärdienst ab. Als Teil des 110. Infanterieregiments.

Ohne es beweisen zu können: Die ersten Tore auf deutschem Boden dürfte der Mann mit den 51 Bundesligatreffern auf einem denkbar unglamourösen Kasernensportplatz als Mitglied der Kompaniemannschaft erzielt haben. Und diesen Platz gibt es immer noch.

Sogar eine kleine Tribüne ist vorhanden, deren massive Betonstufen ihre besten Tage allerdings hinter und die sich auf der Rückwand austobenden Graffitikünstler hoffentlich noch vor sich haben. Die Laufbahn ist uneben, der Rasen wird nur selten und im unmittelbaren Torbereich gar nicht mehr gemäht. Vor sich hin gammelnde Fußballplätze sind cool.

Genug gelabert – Fotos (zum Vergrößern anklicken):

Militärgelände - Zutritt verboten