Herr von Bode fehlt

Marco Bode galt zu seiner aktiven Zeit als Prototyp des etwas anderen Fußballprofis: intelligent, politisch denkend, mit einer Meinung ausgestattet, links. Nur konsequent, dass der Mann aus Osterode in seiner 379 Spiele währenden Bundesliga-Karriere ganze zehn Verwarnungen kassiert und auch neben dem Platz selten zur verbalen Notbremse angesetzt hat.

Wenn man nun noch bedenkt, das Zeit Online eigentlich für seriösen Journalismus steht, erscheinen einige Passagen dieses Textes, in dem Bode auf sein WM-Turnier 2002 zurückblickt, extrem eigenartig. Der gröbste Schnitzer:

Ich saß die ersten beiden Spiele des Turniers auf der Ersatzbank und wurde meist nur zur zweiten Halbzeit eingewechselt.

Nochmal zum Mitdenken (jemand muss es ja tun): Um einen ganzzahligen Anteil an der Gesamtsumme zwei zu beschreiben, nutzt Marco Bode – oder Protokollist Christoph Heymann – das Zahlwort „meist“. Das ist schon mal mindestens so bescheuert wie die Headline dieses Artikels, da in solchen Fällen nun einmal lediglich null, 50 oder eben 100 Prozent möglich sind. Warum nicht einfach von der den Tatsachen entsprechenden „Partie gegen Irland“ gesprochen wird?

Vielleicht, weil Bodes Erinnerungsvermögen an den sportlichen Verlauf dieser Weltmeisterschaft – die für ihn selbstredend etwas ganz „Besonderes“ war – generell etwas getrübt scheint:

Wir mussten dieses Spiel unbedingt gewinnen, sonst wären wir ausgeschieden.

Ganz so dramatisch war die Lage für die deutsche Elf vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Kamerun nämlich längst nicht. Ein Unentschieden hätte aufgrund des überragenden Torverhältnisses sicher zum Gruppensieg ausgereicht und wenn die „Irrländer“ nicht gegen Saudi Arabien gewonnen hätten, wären Rudis Riesen selbst bei einer nicht allzu hohen Niederlage ins Achtelfinale eingezogen.

So langsam beginne ich aber zu verstehen. Wär ja auch noch schöner, sich von dieser dämlichen Realität den launigen Artikel vermiesen zu lassen.