Eine Arena mit Esprit

Statt als flugzeughangarähnliches Etwas könnte sich das ehemalige Düsseldorfer Rheinstadion heute auch als zeitgemäße Leichtathletikarena präsentieren. Wenn, ja wenn diese Machbarkeitsstudie von 1998 eines Krefelder Architekturbüros in die Realität umgesetzt worden wäre. Die „vorhandene charakteristische Pylonstruktur“, die dem Rheinstadion „etwas Majestätisches“ verlieh, hätte so erhalten werden können.

Neben ästhetischen gibt es natürlich auch ganz praktische Gründe, die für den Verbleib der Laufbahn sprächen. Platzsturm-Witze bitte im Bedarfsfall selbstständig bei twitter nachlesen.

Unbekanntes zur WM 2006

War mir auch noch nicht bewusst: Die Fernsehübertragung von abendlichen Fußballspielen in HD stellt aufgrund lichthungriger Objektive höhere Anforderungen an die Flutlichtausstattung der Stadien. Details dazu findet man auf dieser auch ansonsten sehr interessanten Seite über Video- und Filmformate:

In Deutschland ging die Fußball WM 2006 bereits zu Ende. Die Stadien wurden auf HDTV getrimmt, auch da die USA & Japan auf diesem Standard bestehen. Lichttechnisch bedeutet das eine leistungsmäßige Steigerung zu bestehenden Anlagen. HDTV verlangt nach mind. 1500, besser 1800 LUX Flutlicht. Im Falle des Nürnberger Frankenstadions haben die 472 Flutlichtlampen mit je 2000 Watt an vier Masten knapp ein Megawatt Leistung. Für Standard-TV reichen meist 700-1000 LUX.

Filmkritik: Deutschland. Ein Sommermärchen (DVD)

Deutschland. Eine Sommerflunkerei.

Sönke Wortmanns hochgelobte Fußball-Doku bietet für meinen Geschmack einfach zu wenig richtige Hintergründe, zu viel Schweini-Poldi-Tralala. Die Kabinenansprachen von Jürgen und Jogi sind natürlich allein schon in ihrer Rhetorik überraschend albern. Gleichzeitig aber auch irgendwie ernüchternd, weil ich eigentlich so ziemlich jede Floskel bereits aus meiner aktiven Zeit als Vereinsfußballer kenne. Das gilt sogar für den Dialekt.

Richtig interessant wird es immer dann, wenn Klinsmanns komplette Entourage über Taktik austauscht – wahnsinn, welcher Aufwand hier allein personell betrieben wurde.

Fazit

Alles in allem enttäuschend. Das Bohei um diesen Film war inhaltlich kaum gerechtfertigt.

Wertung

4 von 10 Punkten


Produktinformation

Deutschland – Ein Sommermärchen (2 DVD Special Edition)

Regisseur: Sönke Wortmann
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Studio: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungstermin: 9. Juli 2007

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Die großartigsten Vereins-Maskottchen (04)

Unsere beliebte Serie geht in die nächste Runde und darf sich ausnahmsweise mit etwas Prominenz schmücken.

16. Top Oss

So sieht in der Welt der Maskottchen ein verschossener Elfmeter aus: Statt eines Zauberers oder eines Pferdekopfes bespaßt in der Heimatstadt von Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij ein Bärchen die wenigen Zuschauer. Wie öde.

17. Watford FC

Seit dem Ausstieg von Sir Elton John gibt er an der Vicarage Road alleine den Ton an: „Harry the Hornet“.

18. Holstein Kiel

Lieber vom Leben gezeichnet als von Brösel gemalt. „Stolle“ heißt der Kieler Leitstorch im kinderfreundlichen Comic-Look.

19. RAEC Mons

Die kleine wallonische Gemeinde hört im flämischsprachigen Teil Belgiens auf den Namen „Bergen“. Und da selbiges nunmal auch zu den Aufgaben eines Feuerwehrmannes gehört, ergibt die Rekrutierung von Grisu auf einer an den Drachenhaaren herbeigezogenen Metaebene durchaus Sinn.

20. WM 2006

Da jeder schlechte Witz bereits gemacht wurde, gibt es für Goleo und Pille einen kommentarlosen Ehrenplatz in unserer Galerie. Fürs Lebenswerk sozusagen.

Kurzes Zahlenglück

Nach dem torlosen Unentschieden gegen Schweden brüllte er mir freudestrahlend ins Gesicht:

We are the only team, that has never been beaten and did not concede a single goal at the World Cup.

Kurz überlegt… und ja, er hatte recht, der farbenfroh kostümierte Edelfan aus Trinidad und Tobago. Simple Statstik kann also offensichtlich selbst Nicht-Mathematiker in Verzückung versetzen. Mag sie, wie in diesem Fall, auch noch so sinnlos erscheinen. Fünf Tage später hatte es sich mit der ungeschlagenen Herrlichkeit der Soca Warriors allerdings sowieso erledigt: England siegte 2:0.

Der historische Schuss (01): Bitte nicht drängeln

WM 2006: Angola – Portugal 0:1 (in Köln)

Luís Figo, Simão, Cristiano Ronaldo, Pauleta. Eine Offensivabteilung, die eigentlich mehr als fünf Minuten guten Fußball erwarten lässt. Aber nach einem Treffer und einem Schuss an den Außenpfosten stellen die Mannen um den aktuellen Weltfußballer bereits nach 300 Sekunden alle Angriffsbemühungen ein.

Dennoch schafft es ein von jeglichem Sachverstand unbelastetes Publikum problemlos, die schwache Darbietung auf dem Rasen zu unterbieten. Effzeh-Hymnen wechseln sich ab mit Karnevalschlagern, deren Tolerierung einen durch Genuss der exklusiv ausgeschenkten Ami-Plörre unmöglich zu erreichenden Alkoholisierungsgrad erfordern. Wer nicht aus Köln kommt, stimmt wahlweise mexikanische Wellen oder Deutschland-Sprechchöre an. So toll die WM auch wahr – gleichwohl lernte man irgendwie auch jeden aufrichtigen Fußball-Hasser zu schätzen.

Es waren die kleinen Geschichten, abseits des Sommermärchen-Hypes, die diesem durchkommerzialisierten Turnier eine Nuance Charme verliehen haben. Und so ließ ein einziges Foto, respektive die ulkige Begebennheit, die mich zum Betätigen des Auslösers animierte, selbst diesen eher durchwachsenen Juniabend in Müngersdorf in guter Erinnerung bleiben:

Die Umständlichkeit, die ein Großteil der angolanischen Fans beim Betreten des Stadions an den Tag legte, war einfach bemerkenswert. Wie Lemminge bildeten die Südwest-Afrikaner lange Schlangen vor den ersten vier Eingangstoren, obwohl sich direkt daneben etwa 15 weitere völlig menschenleer präsentierten. Eine wirklich absurde Szenerie, die in unserer Reisegruppe natürlich eine intensiv geführte Diskussion über soziologische und kulturelle Ursachen zur Folge hatte.

Die von Political Correctness geprägte Debatte hat ihren Höhepunkt längst überschritten, als sich Oberstudienrat Keek B.* aus L. in seinem ihm ureigenen Habitus zu einem lakonischen Fazit hinreißen lässt:

Das sind die bestimmt von der Essensausgabe so gewohnt.

Das nennt man wohl pädagogischen Pragmatismus.

* Name der Redaktion bekannt