Werner Biskup: In agro veritas

Werner Biskup ist eine dieser “Kultfiguren der Bundesliga”, mit der ich kraft meiner späten Geburt nicht mehr so wirklich in Berührung gekommen bin. Zu seinen Fähigkeiten als Trainer kann ich also wenig sagen. Wohl aber, dass der am 22. Juni verstorbene Biskup meisterhaft mit Trollen umgehen konnte – lange bevor dieser Begriff in einer durch die Netzkultur beeinflussten Bedeutung den Weg in unseren Sprachgebrauch fand. Anekdote?

Anekdote: Irgendwann ist ein Kumpel von mir als Teil einer angeschickerten Truppe von Abiturienten bei einem von Werner Biskup geleiteten Training aufgelaufen. Nach einigen Sprüchen der Preisklasse “Werner, sauf doch einen mit!” oder “Den hätt’ ich auch noch gemacht!” verdonnerte der immer wieder mit Alkoholproblemen kämpfende Übungsleiter die Burschen kurzerhand zum Mittrainieren.

Völlig geschlaucht von einer halben Stunde Fußball unter Profibedingungen haben sich die halbstarken Großmäuler dann kleinlaut verzogen. Großartige Aktion. Werner 1, Pennäler 0.

RIP, Werner Biskup

„My last name is Fuchs and I’m amazing at soccer only“

Stefan Kuntz, Creedence Clearwater Couto und mein ehemaliger Klassenkamerad Gaylord haben mindestens zwei Dinge gemeinsam:

  1. Der Engländer findet ihre Namen zum Schießen
  2. Sie haben nie für einen englischen Verein Fußball gespielt

Dass den Engländer, dem man ja gemeinhin ein feines Gespür für die Art von Humor nachsagt, die einem nicht direkt mit dem nackten Jörg Butt ins Gesicht springt, allerdings auch ein deutscher Allerstaatsname wie Fuchs zum Beömmeln bringt, verwundert dann doch ein bisschen. Ja, wirklich. Fuchs… ausgesprochen wie Fucks… ach, Sie verstehen schon.

However, ein gewisser Uwe Fuchs hat dem Engländer jedenfalls den Gefallen getan und in den Neunzigern anderthalb Spielzeiten als Profi auf der Insel verbracht. Und obwohl vor allem das erste halbe Jahr in Middlesbrough ziemlich erfolgreich für den bulligen Mittelstürmer verlief, war mir dieser Umstand bis heute nicht bewusst.

Seine äußerst respektable Ausbeute von neun Toren in 15 Ligaspielen trug nicht nur maßgeblich zum Aufstieg in die Premier League bei, sie sicherte der Leihgabe von Fortuna Köln(!) auch lebenslangen Kultstatus bei den Anhängern von Boro. Zu einer Weiterverpflichtung konnte sich der frischgebackene Erstligist nach der Saison 94/95 dennoch nicht durchringen. So wechselte Fuchs für 750.000 Pfund zum Skandalverein Millwall nach London, ehe er seine Karriere nach nur einer Saison bei Arminia Bielefeld ausklingen ließ.

Ein netter Youtube-User hat seine Treffer für Middlesbrough dankenswerterweise zu einem Wissenslücken stopfenden Video zusammen geschnitten. Neben ein paar wirklich grandiosen Buden ist auch das Drumherum sehenswert. Der heutige Trainer des VfL Osnabrück hatte nämlich die Ehre, die letzten Spiele auf dem Rasen, oder besser Acker, des legendären Ayresome Park (Spielstätte der WM 1966) zu erleben. Bitte überzeugen Sie Sich selbst (Boxen voll aufdrehen!):


Return of the Relegation

Jetzt ist sie also wieder da, nach 18 Jahren Pause. Nur die Älteren werden sich an legendäre Partien wie das Duell des juvenilen Tony Yeboah (verstärkt durch zehn andere Saarbrücker) mit Eintracht Frankfurt erinnern.

Mein Tipp: Die Paarungen sind wirklich sehr ausgeglichen und versprechen vier spannende Kampfspiele. Nürnberg und Osnabrück werden sich jeweils knapp durchsetzen.

Relegation zur 1. Bundesliga
LIVE IN DER ARD

Do 28.05.09 18:00
Energie Cottbus – 1. FC Nürnberg
So 31.05.09 15:30
1. FC Nürnberg – Energie Cottbus

Relegation zur 2. Bundesliga
LIVE IM NDR / WDR

Fr 29.05.09 20:30
SC Paderborn 07 – VfL Osnabrück
Mo 01.06.09 15:30
VfL Osnabrück – SC Paderborn 07

De Zoch kütt!

2. Bundesliga – 08/09
FSV Frankfurt – VfL Osnabrück
1:0 (0:0)
22.02.09, C**-Arena (Frankfurt)
4.084 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

Fastnachtssonntag. Welcher Teil dieser wunderschönen Republik bietet sich besser an, jeglichem närrischem Treiben aus dem Weg zu gehen, als das nicht gerade als karnevalistisches Epizentrum bekannte Hessen? Konfettibunt ist alle Theorie, empfangen mich doch bereits am Hbf die ersten Pappnasen.

Kaum von diesem Schock erholt, gibt es an der Haltestelle Sportfeld die nächste Aufregung: Ultras aus Osnabrück blockieren die Treppen und formieren sich zum Marsch gen WM-Stadion. Ein Vorbeikommen ist unmöglich, was nicht nicht nur mir, sondern auch vielen aus Niedersachsen angereisten „Normalos“ sichtlich auf die Nerven geht. In solchen Situation zeigt sich, dass sich mittlerweile große Teile der deutschen Ultra-Szene von der Geisteshaltung ihrer Mitstreiter in der Fankurve entfernt haben.

Als sich der Zug endlich in Bewegung setzt, fliegen statt Kamelle markige Loblieder auf vom bundesweiten Profifußball ausgeschlossene Kameraden durch die neblige Luft.

Echte Solidarität oder pure Selbstinzinierung? Macht pauschales Bagatellisieren von Stadionverboten wirklich Sinn? Oder schneiden sich die Fanszenen in letzter Instanz damit ins eigene Fleisch, indem sie so das Handeln stadtbekannter Radaubrüder legitimieren? Haftet solchen Aktionen nicht eine ähnliche Beliebigkeit an wie beispielsweise der berühmt-berüchtigten Datei „Gewalttäter Sport“?

Nein, „Fußballfans sind keine Verbrecher“. Aber viel zu oft angetrunkene, schlecht erzogene Rotzlöffel ohne Eier in der Hose. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass beim Betreten der S-Bahn im vermeintlichen Schutz einer anonymisierenden Masse eine zufällig am Bahnsteig stehende Familie mit Migrationshintergrund aufs Übelste beschimpft worden ist? Warum werden die diensthabenden Ordnungshüter, obwohl angenehm zurückhaltend agierend, als „Bullenschweine“ tituliert?

Natürlich gibt es ungerechtfertigte Stadionverbote, gegen die etwas unternommen werden muss. Ich wage aber die kühne These, dass die bloße Eventisierung von einem Kilometer Fußweg keinen merkbaren Erfolg haben wird. Der Dialog mit den Vereinen und fundierte Rechtsberatung erscheinen jedenfalls weitaus erfolgsversprechender.

Im Stadion herrscht Tristesse pur. Nicht verwunderlich, bei etwa 4.000 Zuschauern in einer die 13-fache Menge fassenden Arena. Wenigstens verspricht die Paarung nach den Vorfällen des turbulenten Hinspiels, als dem VfL sage und schreibe drei Elfmeter zugesprochen wurden, ein wenig Brisanz. FSV-Manager Reisig sprach ob der Publikumsreaktionen von „kriegsähnlichen Zuständen“, was bei Gästetrainer Pele Wollitz nicht wirklich gut ankam.

Dementsprechend verweigert dieser seinem Gegenüber Thomas Oral kurz vor Anpfiff den eigentlich obligatorischen Handschlag. Sozusagen der eisige Auftakt für ein ordentliches Zweitligaspiel, das Franfkurt die größeren Spielanteile, Osnabrück hingegen die klareren Torchancen beschert. Lila-Weißes Unvermögen, ein großartig haltender Patric Klandt (Kicker-Note: 1) und das Torgestänge konservieren ein torloses Unentschieden bis in die Nachspielzeit hinein.

Der Allerletzte von 13 Frankfurter Eckbällen sorgt dann für die Entscheidung. Youssef Mokhtari findet den Kopf des langen Verteidigers Emil Noll und Stefan Wessels ist geschlagen. Drei ganz wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten für die Bornheimer, die ihre erstaunliche Erfolgsserie damit auf 14 Punkte aus den letzten sechs Spielen ausbauen.

Aber natürlich lassen es die beiden temperamentvollen Übungsleiter damit nicht bewenden. Ihr verbales Duell auf der Pressekonferenz endet mit einem leistungsgerechten 1:1. Nein, Freunde werden die Herren Wollitz und Oral in naher Zukunft bestimmt nicht werden.

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