Werner Biskup: In agro veritas

Werner Biskup ist eine dieser “Kultfiguren der Bundesliga”, mit der ich kraft meiner späten Geburt nicht mehr so wirklich in Berührung gekommen bin. Zu seinen Fähigkeiten als Trainer kann ich also wenig sagen. Wohl aber, dass der am 22. Juni verstorbene Biskup meisterhaft mit Trollen umgehen konnte – lange bevor dieser Begriff in einer durch die Netzkultur beeinflussten Bedeutung den Weg in unseren Sprachgebrauch fand. Anekdote?

Anekdote: Irgendwann ist ein Kumpel von mir als Teil einer angeschickerten Truppe von Abiturienten bei einem von Werner Biskup geleiteten Training aufgelaufen. Nach einigen Sprüchen der Preisklasse “Werner, sauf doch einen mit!” oder “Den hätt’ ich auch noch gemacht!” verdonnerte der immer wieder mit Alkoholproblemen kämpfende Übungsleiter die Burschen kurzerhand zum Mittrainieren.

Völlig geschlaucht von einer halben Stunde Fußball unter Profibedingungen haben sich die halbstarken Großmäuler dann kleinlaut verzogen. Großartige Aktion. Werner 1, Pennäler 0.

RIP, Werner Biskup

Schaaf wird neuer Trainer auf Schalke

 

Sofern er einen gültigen Arbeitsvertrag unterschreibt.

 

(das gilt lustigerweise auch für jeden anderen Trainer auf der Welt)

 

(oder für Erwin Schwaluppke aus Essen-Katernberg)

 

Ansonsten bleibt halt Keller. Wir haben ja auch gar nichts anderes behauptet.

 


 

Wie der Sportboulevard und dessen hässliche Regionalzeitungs-Schwestern arbeiten. Immer.

Joachim Hopp vs. Collinas Erben


Es war eine schöne Zeit, als man beim Stichwort „Hopp“ noch unwillkürlich an einen Duisburger Abwehrspieler und nicht an einen nordbadischen Philanthropen dachte. Nach Gastspielen bei einigen anderen unterklassigen Clubs leitet MSV-Legende Joachim Hopp inzwischen das Training beim Oberligisten 1. FC Wülfrath.

Auch in der 5. Liga tut er dies mit genau dem Einsatz und der Leidenschaft, die ihn bereits als Spieler ausgezeichnet haben. Das ist nicht selbstverständlich für einen, der 160 Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga vorzuweisen hat. Marginale Unzulänglichkeiten beim Umgang mit dem Regelwerk verzeihen wir schon allein deshalb und führen diese auf die Hitze des Gefechts zurück. Hoppi, bleib einfach wie Du bist.

Der regelmäßige Konsum vom Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben sei an dieser Stelle allerdings auch allen alten Hasen im Fußballgeschäft empfohlen. Das erklärende Audiomaterial, das uns vom Team freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, stammt aus der Folge „Die Taktik des Schiedsrichters“. Vielen Dank!

LMA – The League Managers Association

Seit 1992 haben die Trainer bzw. respektive Manager der Premiership und der Football League (2. bis 4. Liga) eine eigene Interessensvertretung: The League Managers Association (LMA). Das bedeutet natürlich auch, dass Alphatiere wie Arsène Wenger und Sir Alex gemeinsam mit einer Stimme Lobbyarbeit für ihre Zunft betreiben sollen. Wobei ich mir eine Mitgliederversammlung des imaginären deutschen Pendants mit Otto Rehhagel und Udo Lattek auch ganz amüsant vorstelle. Neid und Missgunst.

Vorsitzender dieses Verbandes ist übrigens üblicherweise der Trainer der Englischen Nationalmannschaft, momentan also Fabio Capello.

Nur „ah ah“

Du bist die Krönung: aus 3 Metern schiebst Du dem Keeper den Ball in die Arme. Habe ich noch nie gesehen. Den mache ICH! Aber mit dem schlappen Piss, und vorher trinke ich 36 Fernet Branca, Du Arschloch!

Der beste Teil einer grandiosen Halbzeit-Ansprache, die einem Mitglied des 11Freunde-Forums zu Teil wurde. Beim Lesen musste ich sofort an unseren damaligen Jugendleiter denken. Ein Macher-Typ, ein Hans Dampf in allen Gassen, wie es ihn wohl bei jedem kleinen Dorfverein geben muss. Gefühlt hat er sämtliche Jugendmannschaften selbst trainiert, tatsächlich waren es aber wohl immer nur zwei pro Spielzeit.

Neben dem Umstand, dass er der Bruder einer auch international bekannten Schlagersängerin ist, zeichnete sich der Mann durch einen geradezu kindlichen Jähzorn aus. Nur zu gut erinnere ich mich an ein eigentlich bedeutungsloses Hallenturnier, als er ordentlich Backenfutter an das Kampfgericht verteilte und die restlichen Spiele nicht mehr in den Innenraum gelassen wurde.

Zur lebenden Legende machten ihn aber vor allem seine sporadischen Ausflüge in den Bereich der Ehehygiene. Das Meisterstück: „Disch will isch mal auferer Frau sehe, da gommt nur ‚ah ah‘, du Sauhund!“ Sprachs, und ahmte dabei pantomimisch einen Kopulierenden mit Herzinfarkt nach. Dabei war es dem Übungsleiter offensichtlich schnurzpiepegal, dass sich seine Häme gegen einen gänzlich unverdorbenen E-Jugendspieler richtete. Immerhin ging er mit allen Schützlingen gleich schlecht um – der Verspottete war sein eigener Sohn.