Stadion-Porträt (02): Olímpic Feixa Llarga, CE L’Hospitalet de Llobregat

Der Unterschied zwischen den Begriffen Vorort und Stadtteil ist vielen Deutschen offenbar nicht so ganz bewusst. So wird der FC Schalke 04 von gegnerischen Fans gerne als „Gelsenkirchener Verortverein“ verunglimpft, obschon „Gelsenkirchener Stadtteilverein“ die korrekte Betitelung wäre. Vororte zeichnen sich also durch ihre Eigenständigkeit aus und werden, sofern sie Großstädten vorgelagert sind, auch Satellitenstädte genannt.

Wieso ich das erzähle? Weil vor den Toren Barcelonas die mit über 250.000 Einwohnern bevölkerungsreichste Satellitenstadt Europas liegt. L’Hospitalet de Llobregat belegt damit sogar Rang 14 auf der Liste der größten Städte des Landes und beheimatet natürlich auch einen mehr oder weniger erfolgreichen Fußballclub: CE L’Hospitalet.

Stets unterklassig

Der 1957 durch eine Dreifachfusion entstandene Verein hat es allerdings noch nie in die erste Liga geschafft, vielmehr scheint mit 23 Spielzeiten die Drittklassigkeit der natürliche Lebensraum der „Riberencs“ (Uferbewohner) zu sein. Seine Spielstätte – manch einer mag es bereits geahnt haben – ist somit eindeutig das Interessanteste an diesem Club.

Dabei gestaltet sich bereits die Suche nach dem korrekten Stadionnamen äußerst spannend. Bezeichnungen wie „Estadio Municipal Feixa Llarga“ oder „Estadi de la Feixa Llarga“ lassen sich im Netz finden, am Stadion selbst prangt in in großen Lettern der Name „Estadi de Futbol de L’Hospitalet“. Die gebräuchlichste und auch von uns für diesen Text verwendete Firmierung lautet aber „Olímpic Feixa Llarga“.

Ja, richtig, wir haben es hier mit einem waschechten Olympiastadion zu tun. Während der Spiele 1992 diente es als Hauptaustragungsort des ersten olympischen Baseballturniers. Durch die charakteristische Boomerangform des einzigen zweirangigen Bereichs der Anlage, der der sich zu etwa gleichen Teilen über eine Seiten- und eine Hintertortribüne erstreckt, ist diese Vergangeneheit bis heute zu erahnen.

Neues Jahrtausend, neuer Sport

Erst 1999 wurde die Spielstätte dann in ein Fußballstadion mit einer Kapazität von 6.294 Sitzplätzen umgebaut. Seitdem gehen dort die, wie bereits erwähnt, zumeist drittklassigen Kicker von CELH auf einem 110 m mal 68 m großen Kunstrasenspielfeld ihrer Profession nach. Und sollte sich an der Spielklasse mittelfrisitg etwas im positiven Sinne ändern – Platz für einen Ausbau ist auf jeden Fall genug vorhanden.

Das Stadion ist von Barcelona sehr einfach mit der U-Bahn (Endhaltestelle „Hospital de Bellvitge“) zu erreichen, zudem spielt CE L’Hospitalet häufig um 12 Uhr. Ein Stadionbesuch bietet sich damit vorzüglich als Vorprogramm zu einem Abendspiel von Barca oder Espanyol an. Gefrühstückt sollte man da allerdings schon haben – bei meiner Stippvisite Anfang 2006 gab es an den Kiosken lediglich Bier und Chips zu kaufen.

 

Stadion-Daten:

Olímpic Feixa Llarga, L’Hospitalet de Llobregat
Adresse: Feixa Llarga s/n, 08907 L’Hospitalet, Spanien
Heimatverein: CE L’Hospitalet
Kapazität: 6.294 Sitzplätze
Erbaut: 1992; 1999 Umbau zum Fußballstadion

Fotogalerie:

Stadion-Porträt (01): Stade Saint-Symphorien, FC Metz

Mittelmäßige Stadion-Porträts gibt es wie Sand am Meer. Oft kalt geschrieben, beschränken sich diese in der Regel auf die üblichen Verdächtigen: Anfield, Nou Camp, Trolli Arena. Das ist nicht weiter schlimm, aber auch nicht sonderlich spannend. Högschde Eisenbahn also, diesem Einheitsbrei eine Serie mittelmäßiger Porträts von nicht ganz so oft besungenen Fußballplätzen entgegenzusetzen. Teil 1 führt uns nach Lothringen:

Der Blick des Captains wandert einmal, zweimal, dreimal durch das Stadion, ehe er an der dreistöckigen Tribune Ouest (s. Aufmacherbild) hängen bleibt. Kopfnicken und die herausgestreckte Unterlippe signalisieren Zufriedenheit und Beeindrucktsein gleichermaßen. Und dann dieser Satz:

Das Stadion ist die Macht!

Der langjährige Stadionsprecher der großen SG Wattenscheid 09 ist ein weitgereister Mann („San Siro? Klar, war ich auch schon – 14-mal.“). Wäre es zu Gefühlsregungen fähig – das Stade St. Symphorien in Metz könnte sich auf dieses Lob wirklich etwas einbilden.

Zumindest froh dürfen die Fans des FC Metz sein, alle zwei Wochen von eben jener Westtribüne ihre Mannschaft anfeuern zu dürfen. Die Sichtverhältnisse sind hervorragend, was zum einen natürlich der steilen Bauweise geschuldet ist. Außerdem wurde auf die eine gerade in deutschen Sportstätten weit verbreitete Unsitte verzichtet – über Zäune und Tornetze muss man sich in dem 26.700 Zuschauer fassenden Stadion nicht ärgern.

Modern, aber nicht eintönig

Die aktuelle Maximalkapazität resultiert aus einer schrittweise durchgeführten Komplettrenovierung, die in den 90er-Jahren begonnen wurde. 1998 wurde der Neubau der wuchtigen Tribune Ouest fertiggestellt, drei Jahre später folgte ihr etwas kleineres und nur aus zwei Rängen bestehendes Pendant hinter dem anderen Tor. Die Tribünen an den Spielfeldseiten sind etwas älteren Datums, wurden damals aber ebenfalls aufgefrischt.

Momentan spielt der Vizemeister von 1998 nur in der Ligue 2. Was unter anderem bedeutet, dass die 1923 eröffnete Arena zumeist nur spärlich gefüllt ist. Wenn es auf dem Rasen mal wieder nicht rund läuft, bleiben den Anhängern der „Granats“ aber zum Trost noch die Merguez, die in kleinen Buden auf dem Stadionvorplatz verkauft werden. Denn wenigstens die scharfen Hackfleischwürste sind in Metz absolut erstklassig.

Stadion-Daten:

Stade Saint-Symphorien, Metz
Adresse: 3, avenue Saint-Symphorien, 57050 Longeville-les-Metz, Frankreich
Heimatverein: FC Metz
Kapazität: 26.700 überdachte Sitzplätze
Zuschauerrekord: 28.766 (1991, Division 1: FC Metz – Olympique Marseille)
Erbaut: 1923
Zuletzt renoviert: 2001

Fotogalerie:

Stade Saint-Symphorien, FC Metz Stade Saint-Symphorien, FC Metz
Stade Saint-Symphorien, FC Metz Stade Saint-Symphorien, FC Metz
Stade Saint-Symphorien, FC Metz