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Falls es noch eines Beweises der Unwichtigkeit des spanischen Verbandspokals „Copa del Rey“ bedurfte: Christiano Ronaldo führt den im Frühjahr 2011 mit Real Madrid errungenen Titel auf seinem Google+-Profil gar nicht erst auf.

Edit: Wie probek bei twitter hinweist, gilt das Gleiche für Ronaldos wesentlich ältere Facebook-Seite. Damit hätten wir dann auch alle großen sozialen Netzwerke in diesem Artikel untergebracht.

Patschinski, der Regen und ich

DFB-Pokal – 10/11
Eintracht Trier – 1. FC Nürnberg
0:2 (0:1)
15.08.10, Moselstadion (Trier)
5.200 Zuschauer (ca. 1.400 Gäste)

Wer gestern von den Stehplatzterassen in Trier an, oder besser: in der Mosel Fußball geschaut hat, dem dürfte dieses Bild bekannt vorkommen:

Es schüttete im gesamten Südwesten wirklich aus allen Rohren. Hach, die Dächer dieser modernen Plastikarenen sind schon irgendwie nicht verkehrt,

Ansonsten war’s ein Pokalspiel wie vom Reißbrett: Die Amateure aus der Regionalliga West hatten viele gute Chancen, am Ende obsiegte die Effizienz des Erstligisten. Sinnbildlich für die vergeblichen Anstrengungen der Trierer steht deren prominentester Spieler – Stürmer Nico Patschinski. Ein Glücksritter von tragikkomischer Gestalt, der in seiner Karriere auch den einen oder anderen Abstieg mitgenommen hat. Er hat sich stets bemüht.

Ausdrücklich gelobt werden sollen an dieser Stelle die Eintrittspreise beim Pokalschreck aus der ältesten Stadt Deutschlands. 6,50 EUR für einen ermäßigten Stehplatz gehen mehr als klar.

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Moselstadion Trier Moselstadion Trier
Moselstadion Trier Moselstadion Trier
Moselstadion Trier Moselstadion Trier
Moselstadion Trier Club-Fans

Spielberichte: Kicker.de | Eintracht-Trier.com | FCN.de | Clubfans United

Blaue Stunde

Verbandspokal Westfalen – 10/11
BV Brambauer-Lünen – SpVgg Erkenschwick
3:4 (0:4)
08.08.10, Glückauf-Arena (Lünen)
194 Zuschauer (ca. 50 Gäste)

Endlich wieder Live-Fußball. Westfalenpokal, Verbands- gegen Oberliga. Echt, ehrlich, erdig. Noch dazu mit einem sehr kuriosen Spielverlauf: Nachdem die klassenhöheren Gäste bereits nach 20 Minuten mit 0:4 in Führung ilegen und weitere Hochkaräter verballern, kommt der heimische BVB (könnt ihr meine Schmerzen beim Tippen fühlen?) im zweiten Abschnitt in einer wahren Regenschlacht noch bis auf ein Tor heran.

Zitat des Tages:

Echte Sportler spielen am liebsten im Matsch oder auf Asche.

(Ein kleines Mädchen)

Das mit der Asche dürfte im Lüner Stadtteil Brambauer aber eher schwierig werden, nachdem das Stadion am Freibad vor wenigen Jahren in Folge einer Komplettrenovierung mit einer blauen Kunststoffbahn und Kunstrasen ausgestattet und in „Glückauf-Arena“ umbenannt wurde. Eine sehenswerte Spielstätte, von deren Ausbaugrad ich positiv überrascht wurde.

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

Glückauf-Arena Brambauer Glückauf-Arena Brambauer
Glückauf-Arena Brambauer Glückauf-Arena Brambauer
Glückauf-Arena Brambauer Glückauf-Arena Brambauer

This is Sparta?

KNVB beker – 09/10
Sparta Rotterdam – FC Twente
0:4 (0:2)
27.01.10, Het Kasteel (Rotterdam)
4.344 Zuschauer (ca. 500 Gäste)

Ein Club, der seit über 40 Jahren nichts mehr an seinem Briefkopf ändern musste, steht im Viertelfinale des nationalen Pokals – und nicht einmal viertausend Heimfans wollen dieses vor Ort erleben. Auf den ersten Blick kaum nachvollziehbar, zumal der Zuschauerschnitt in der Liga bei rund 10.000 liegt.

Temperaturen um den Gefrierpunkt, Dauerregen und eine Stadionüberdachung ohne (im Frikandelreich eigentlich obligatorische) Heizstrahler mögen eine gewisse Rolle gespielt haben. Vielleicht haben die unentschuldigt Fehlenden die Chancenlosigkeit ihrer Herzenstruppe aber auch bereits geahnt.

Ja, es lief denkbar wenig zusammen bei den Hausherren. So wenig, dass die schiere Abgezocktheit des Twente-Kapitäns bereits ausreichte, die wackeren Spartaner quasi im Alleingang zu bezwingen. Der Name des zweifachen Torschützen: Blaise Nkufo. Ein Mann wie ein Stier, von seinen Gegenspielern in den entscheidenden Momenten einfach nicht zu bändigen.

In Enschede erlebt der Ex-Kongolese, Ex-Mainzer und Ex-Hannoveraner wohl die beste Zeit seiner Karriere. Sämtliche Finger würde man sich heute in der Leinestadt nach einem Angreifer seines Formats lecken, doch Nkufos tatsächlich absolvierte Saison im Trikot der 96er verlief katastrophal. Lediglich neun Einsätze ohne Torerfolg stehen für den mittlerweile 34-Jährigen zu Buche.

Das kurze Engagement Nkufos gestaltete sich übrigens – glaubt man Wikipedia – vor allem deshalb so unerfolgreich, weil er von Ralle Rangnick vornehmlich auf der für einen Spieler mit seiner Physiognomie denkbar ungeeigneten Position des Außenstürmers eingesetzt wurde. Ein Schachzug, den ich Co-Trainergott M. Slomka aber ebenfalls zutrauen würde.

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam
Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam
Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam
Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam Sparta-Stadion Het Kasteel, Rotterdam

Landespokale 2009/2010

Sodele, mit der heutigen Auslosung in Duisburg stehen in allen für mich unter geographischen Gesichtspunkten relevanten Verbandspokal-Wettbewerben zumindest die Partien der jeweils ersten Runde fest (Nachholtermine in Klammern):

1. Runde 2. Runde
Niederrheinpokal 01/02.08 (04./05.08.) 10./11.10. (14.10.)
Westfalenpokal 02.08. 26.08.
Südbadischer Pokal 25./26.07. tba
wfv-Pokal 01/02.08. tba

Jetzt muss nur noch herausgefunden werden, ob der Ground von Rheingold Emmerich mit dem lauschigen Vereinsnamen mithalten kann. Und wo spielt eigentlich Barisspor Bottrop? Oder der SV Ibbenbüren? Hach, ich liebe es…

Pimp my Zweitliga-Titel

radkappe1

Foto: Bundesliga.de

Wie bereits vor Beginn der Saison angekündigt, will die DFL den Bestplatzierten der 2. Bundesliga in Zukunft mit einer eigenen Trophäe belohnen. Das gute Stück wurde am Montag nun endlich der gebannten Öffentlichkeit vorgestellt, berichtet Bundesliga.de.

So sieht sie also aus, die Meisterschale zweiter Klasse. Geschaffen wurde das 8,5 kg schwere und 30.000 Euro teure Unikat vom einem bekannten Künstlerteam aus Los Angeles. Bei der Gestaltung haben sich die Designer ganz offensichtlich von einer Radkappe aus dem neuesten Tuning-Katalog inspirieren lassen. Auch wenn die DFL sich etwas anders ausdrückt:

Der Stern steht für die Strahlkraft der 2. Bundesliga und für den Glanz des Meisters. Die sieben Strahlen des Sterns stehen für die sieben herausragenden Tugenden, über die der Zweitliga-Meister verfügen muss.

Diese sieben Eigenschaften sind: Leidenschaft, Teamgeist, Siegeswille, Nervenstärke, Durchsetzungsvermögen, Technik und Taktik.

Es ist allerdings zu befürchten, dass selbst die Aussicht auf diese Auszeichnung den 1. FC Köln in seiner nächsten Zweitligasaison nicht davon abhalten wird, nach Feststehen des Aufstiegs alle sieben Todsünden Tugenden zu vergessen und die letzten Spiele wie gewohnt zu vergeigen.

Der Pokal hat keine eigenen Gesetze

KNVB beker – 08/09
AZ – Achilles’29
3:0 (1:0)
21.01.09, D** Stadion (Alkmaar)
13.313 Zuschauer (ca. 500 Gäste)

Alkmaar Zaanstreek erlebte in der niederländischen Eliteliga bis dato einen äußerst kuriosen Saisonerlauf. Zwei peinlichen Pleiten zum Auftakt folgte eine atemberaubende Serie von 16 Spielen ohne Niederlage. Allein 14 dreifache Punktgewinne bedeuteten die Herbstmeisterschaft und nähren die Hoffnung auf den zweiten Titel nach 1981.

Damals konnte AZ sogar das Double erringen. Auch in der aktuellen Auflage des nationalen Pokalwettbewerbs bewiesen die Kicker aus der Provinz Noord-Holland von Anfang an ihre Top-Form. Nach einem lockeren Erstrundensieg gegen Almelo wurde der Serienmeister PSV Eindhoven durch ein hart-umkämpftes 1:0 n.V. eliminiert. Was sollte da in einem Heimspiel gegen eine Amateurtruppe mit diesem putzigen Namen schon passieren?

Und genau das war das Problem – es passierte nicht viel. Der haushohe Favorit zeigte wenig Laufbereitschaft und begnügte sich lange mit der Verwaltung des frühen Führungstreffers. Startrainer Louis van Gaal fasste die uninspirierte Vorstellung seiner Mannschaft folgendermaßen zusammen:

Achilles hat sehr konservativ agiert: mit fünf Verteidigern, vier Mittelfeldspielern und einer Spitze. Damit hatten wir große Schwierigkeiten. Dennoch haben wir unsere Mission erfüllt. Wir haben die nächste Runde erreicht und ich konnte einige Jungprofis 90 Minuten spielen lassen. Mit unserem Spiel bin ich wirklich nicht zufrieden, es war mäßig bis schlecht.

Zum Sportlichen wäre damit auch alles gesagt. Der Ausflug in Rudi Carrells Heimatstadt besaß allerdings auch einen architektonischen Konnex: Vor zweieinhalb Jahren ersetzte dort ein modernes Stadion mit 17.000 Plätzen die Bruchbude Alkmaarderhout. Und im Gegensatz zu vielen seiner Artgenossen kann Alkmaars neues Zuhause durchaus überzeugen. Während geschwungene Tribünendächer der nach einer Bank benannten Spielstätte Eleganz verleihen, sorgen vier darauf montierte Flutlichtmasten für einen gewissen Retro-Look.

Einzig über einen Wechsel des Stadion-DJs sollten die Vereins-Verantwortlichen vielleicht einmal nachdenken. „Was wollen wir trinken“ auf Niederländisch, unterlegt mit übelstem Techno-Gebumse der Kategorie Autoscooter, ist wirklich mehr als grenzwertig.

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