Unser Star für Bærum

Endlich! Morgen ist Eurovision Song Contest. Wird auch langsam Zeit, dass Lena Meyer-Landrut (fortan LML abgekürzt) ihren „Love Olaf“ in die Rente schickt. Doch der Wettbewerb formerly known as „Grand Prix De La Chanson“ wird nicht – wie überall zu lesen ist – in Oslo stattfinden, sondern im Nobel-Vorort Bærum. Genauer gesagt auf der Halbinsel Fornebu. Noch genauer gesagt in der dortigen Mehrzweckhalle, normalerweise Austragungsort für Erstligafußball.

Hausherr Stabæk IF ist damit (meines Wissens) der einzige Profiverein in Europa, der in einem komplett geschlossenen Bauwerk um Punkte spielt. Die einzige Meisterschaft der Vereinsgeschichte wurde 2008 aber noch im alten Stadion Nadderud errungen. In der laufenden Saison belegt Stabæk den 7. Rang der Tabelle. Möglichkeit zur Aufholjagd bietet sich am Grandprix-Wochenende allerdings nicht – die Liga pausiert. Ob das extra für LML geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Eine Prognose für den Wettbewerb gestaltet sich schwierig. Die englischen Buchmacher™ favorisieren den Vertreter Molwaniens. Der einbeinige Transvestit „Д“ geht mit einem betont jazzigen Scooter-Cover an den Start. Und LML? Die 19-Jährige stammt bekanntermaßen aus der hippen Fußballmetropole Hannover. Platz 15 sollte also drin sein.

Letzte Ausfahrt Tromsø

Tippeligaen – 2009
Strømsgodset IF – Tromsø IL
2:1 (0:0)

21.06.09, Marienlyst Stadion (Drammen)
5.075 Zuschauer (ca. 400 Gäste)

Exakt 940 km einfache Strecke, von Emden bis nach Burghausen (oder umgekehrt): Das ist laut aktuellem 11FREUNDE-Sonderheft der längste Anfahrtsweg, den jemals ein Verein in Deutschland zu einem Auswärtsspiel zurückzulegen hatte. Gut, bekanntermaßen stimmen die Behauptungen der 11Schreiberlinge nicht immer, Begegnungen im DFB-Pokal scheint man in diesem Fall auch keine größere Beachtung geschenkt zu haben. Aber selbst wenn diese Zahl korrekt sein sollte – der Fanschar von Tromsø IL dürfte sie nicht einmal ein müdes Lächeln abringen.

Spritztouren von über 1.000 km sind für die Anhänger des am nördlichsten gelegenen Erstligisten der Welt quasi Tippeligaen-Alltag. Satte 1.683 km mussten die 400 Unentwegten gar bis zum schmucklosen Gästeblock in Drammen (gut 40 km südwestlich von Oslo gelegen) bewältigen. Durchaus beachtlich, selbst wenn ein gewisser Teil davon im Dunstkreis der Haupstadt leben und arbeiten dürfte.

Strømsgodsets Spielstätte präsentiert sich als ziemlich hausbackene Vertreterin ihrer Art, die zudem nur auf drei Seiten ausgebaut ist. Von der Idee, 2010 in eine funkelnigelnagelneueaffentittengeile Multifunktionsarena überzusiedeln, mussten sich die Vereinsverantwortlichen aber vor einiger Zeit verabschieden. Den Meister von 1970 plagen chronische Finanz-Sorgen. Die Tage des Marienlyster Kunstrasens scheinen also noch lange nicht gezählt zu sein.

Der gleißenden Nachmittagssonne zum Trotz,

erblicken unsere bundesligagestählten Adleraugen einen alten Bekannten. Der bosnische Schwabe Sead Ramovic hat nach mehreren unglücklichen Gastspielen in Deutschland nördlich des Polarkreises eine neue sportliche Heimat gefunden. Der routinierte Schnapper zeigt allerdings nur eine durchwachsene Leistung. An Hexerei grenzende Reflexe wechseln sich mit kaum erklärbaren Unsicherheiten nach harmlosen Distanzschüssen ab. Dieses Manko fehlender Souveränität wurde dem 30-Jährigen bereits von seinem damaligen Übungsleiter in Gladbach bescheinigt.

An den Gegentoren ist Ramovic freilich völlig schuldlos. Vor allem beim Siegtreffer der Hausherren lassen sich seine Vorderleute wie Jugendspieler düpieren. Ein überlegter Volleyschuss von Öyvind Storflor, tief in der Nachspielzeit, verleitet die in der „GodsetUnionen“ organisierten Heimfans zu einem finalen Gefühlsausbruch. Auch für uns stellt dieser emotionale Höhepunkt einen würdigen Abschluss einer fußballerisch wenig berauschenden, dafür umso entspannteren Bildungsreise dar.

Photobucket Photobucket
Photobucket Photobucket

Eng, enger, Valerenga*

Ingo & Maik & Marc & Nobbi & ich in Norwegen. Wo gleich die Hälfte der 16 Erstligavereine im Großraum Oslo beheimatet ist. Zumindest wenn man bei der Deutung des Begriffs „Großraum“ genauso phantasievoll agiert wie Ryanair. Der unter „Oslo-Torp“ firmierende und vom irischen Low-Cost-Carrier unter anderem von Düsseldorf-Niederrhein (sprich: irgendwo fast in Holland) angeflogene Lufthafen ist gut und gerne 120 km von der Hauptstadt entfernt. Wer hingegen wie wir seine Zelte in Sandefjord aufschlagen möchte, hat lediglich eine fünfminütige Zugfahrt vor sich.

Die konsequenterweise am Sandefjordsfjord gelegene Kommune bietet knapp über 40.000 Einwohnern ein Zuhause und lebte lange Jahre vom Walfang. Doch diese Zeiten sind vorbei – die letzte Pizza Tonno wurde bereits 1968 mit Walfleisch made in Sandefjord belegt. Ein Museum, ein imposanter Brunnen im Hafen und nicht zuletzt die stilisierte Schwanzflosse im Signet des sportlichen Aushängeschildes erinnern an diese blutige Tradition. Heutzutage ist der Tourismus eines der wichtigsten Standbeine der lokalen Wirtschaft.

Tippeligaen – 2009
Sandefjord Fotball – Vålerenga IF
0:2 (0:1)

20.06.09, K** Arena (Sandefjord)
7.810 Zuschauer (ca. 3.000 Gäste)

So bedeutsam sogar, dass selbst die obligatorischen Grußworte in der Stadionzeitung nicht etwa vom Mannschaftskapitän oder Vereinspräsidenten, sondern von der Tourismusmanagerin an die Fans gerichtet wird. Das gewissenhafte Studium des Programmheftes fördert aber noch eine weitere bemerkenswerte Erkenntnis zutage: Der 1997 aus einer Fusion entstandene Gastgeber konnte in bislang sechs Vergleichen noch keinen einzigen Punktgewinn gegen den Meister von 2005 erzielen.

Und daran sollte sich auch im siebten Anlauf nichts ändern. Vålerenga beherrscht eine ziemlich schwache Partie sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Die Fans des Arbeitervereins aus Oslo sorgen wenigstens für gelegentliche Ruhestörungen, können allerdings nicht an die Partystimmung bei meinem Heimspiel-Besuch vor fast vier Jahren anknüpfen. Eine mögliche Ursache ist im kollektiven Gusto für Hochprozentiges schnell gefunden.

Während also der Alkoholerwerb eine tiefe Schneise in den Brieftaschen vieler Schlachtenbummler hinterlassen haben dürfte, kann beim Eintritt ordentlich gespart werden. Kartenpreise von umgerechnet etwa 11 bis 22 EUR sind, angesichts des hier herrschenden Preisniveaus, als geradezu lächerlich günstig zu bezeichnen. Damit erklärt sich das wirklich äußerst mäßige Spielniveau natürlich bis zu einem gewissen Grad selbst. Auch der Bau eines kompletten Stadions ist bei solchen Ticketschnäppchen offensichtlich nicht drin. Werden die beiden Geraden von zwei typischen Exemplaren der gemeinen Fertigbau-Tribüne geziert, herrscht hinter den Toren provisorische Stahlrohrtristesse.

Photobucket Photobucket

Photobucket Photobucket

Photobucket Photobucket

Photobucket Photobucket

Den Abend lassen wir in unserem wirklich nett gelegenen Guesthouse bei Krabbensalat und zollfreiem Dosenbier ausklingen. Wobei selbst hier, im südlichen Landesteil, die Sonne in den Sommermonaten eigentlich nie komplett untergeht. Wenn auch nicht von einer Mitternachtssonne im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann, ist z.B. Zeitunglesen bis tief in die Nacht problemlos möglich. Folgendes Foto wurde genau um 23.00 Uhr Ortszeit aufgenommen:

Fazit: Ja, hier lässt es sich aushalten!

*Insider