Fotos: Lukas-Podolski-Sportpark, FC Bergheim 2000

Stadion

Lukas-Podolski-Sportpark, Bergheim (Erft)

Adresse: Sportparkstraße, 50126 Bergheim
Heimatverein: FC Bergheim 2000; in der Vergangenheit nutzte auch Hilal-Maroc Bergheim die Anlage
Kapazität: ca. 5.000

Im Jahr 2010 spendete Nationalspieler Lukas Podolski 160.000 Euro für die Einrichtung einer neuen Kunstrasenanlage auf dem Gelände des Sportparks. Das ehemalige Stadion Süd-West wurde daraufhin von seiner Heimatstadt in Lukas-Podolski-Sportpark umbenannt.

Fotogalerie (Bilder durch Anklicken vergrößern):

EM 2012: Analogblog Halbfinale Deutschland – Italien 1:2

Tom meets Zizou – die obligatorische Rezension

…oder nennen wir es besser: einige mehr oder weniger unstrukturierte Gedanken und Beobachtungen.

Tom meets Zizou Banner

Von Thomas Broich habe ich zum ersten mal zu Beginn seiner Karriere in einem Fußball-Forum erfahren. Ein ebenfalls dort angemeldeter Burghausen-Fan (ja, gibt es wirklich) schwärmte in höchsten Tönen von diesem jungen Mittelfeld-Juwel, das damals für Wacker die Regionalliga durcheinander wirbelte.

Broichs erste Ausrufezeichen in der 2. Bundesliga habe ich auch noch mitbekommen. Dass er danach in Mönchengladbach neben „Frank Fahrenhorst(!!!), Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski“ (Verständnis-Apparat Johannes Bekerner) als einer der großen Hoffnungsträger des deutschen Fußballs galt, aber irgendwie nicht. Oder ich habe das mit zunehmender Verkalkung nicht mehr so auf dem Schirm, kann natürlich auch sein.

Ticket Tom meets ZizouZudem kommt nun einmal vor, dass vormals hoch gehandelte Jungstars nicht den absoluten Durchbruch schaffen. Den ersten großen Karriereknick unter Dick Advocaat samt Verbannung in die zweite Mannschaft habe ich daher überhaupt nicht, sein langsames Verschwinden aus dem Fokus höchstens am Rande registriert. Das Hauptmotiv des Films, Thomas Broich als tragischer Misfit im knallharten Bundesligageschäft, war für mich bei der ersten Beschäftigung mit dieser Langzeitdoku völlig neu.

Den Spitznamen Mozart – retrospektiv betrachtet eher Fluch als Segen – habe ich, naiv wie ich bin, seiner Jugendlichkeit, seiner Filigranität und seinem Esprit zugeschrieben. Tatsächlich stammt er von einem klassikuninteressierten Mitspieler. Wie profan.

Summa summarum werfen diese ganzen Wissenslücken und Fehlannahmen eine große Frage auf: Konsumiere ich zu wenig oder zu viele Boulevardmedien?

Kein Film von Traurigkeit

Von 2003 bis 2011 begleitete Regisseur Aljoscha Pause die Karriere von Thomas Broich, reiste um den halben Erdball und sprach mit Dutzenden Weggefährten. Herausgekommen sind über 100 Stunden Rohmaterial, die der Filmemacher begleitet von der fantastischen Musik von Roland Meyer de Voltaire zu einer intensiven Charakterstudie verdichtete.

Die Längen, die Tom meets Zizou gemäß einiger anderer Rezensionen haben soll, konnte ich so nicht ausmachen. Wenn, dann wurde höchstens Broichs Premierensaison in der ersten Liga etwas zu erschöpfend beleuchtet. Langeweile kam während der gut zwei Stunden aber nie auf. Zu unverblümt, offen und bisweilen auch überraschend humorvoll sind die Statements von Broich selbst und den anderen Interviewten.

Etwa, wenn die noch immer sehr stark im bayrischen Idiom gefangene Ex-Freundin zu Wort kommt und so gar nicht das Bild der typischen Spielerfrau verkörpert. Oder sein Trainerkumpel Micheal Oenning, dem irgendjemand vielleicht mal ein Taschentuch hätte reichen sollen. Die meisten Lacher gingen allerdings eindeutig auf das Konto von Berti Vogts, der, ganz offensichtlich ein wenig neben sich stehend, den jüngsten Auftritt von U-21-Kapitän Broich gleich mehrfach mit „Boah! Das ist ein guter Spieler.“ adelt.

Schlüsselszene und gleichzeitig eindringlichster Blick auf Broichs Naturell? Oder einfach nur Zufall? Ich weiß es nicht, aber die Minuten unmittelbar nach dem Gewinn der Australischen Meisterschaft haben es auf jeden Fall in sich. Denn selbst im Moment des großen Triumphes gelingt es Broich nicht, im Kollektiv der jubelnden Mannschaftskameraden abzutauchen; stattdessen wandelt der inzwischen 30-Jährige gedankenverloren, fast schon beckenbaueresk über das Spielfeld und wischt sich noch während der laufenden Siegerehrung den Glitter als materialgewordenen Erfolg von den verschwitzten Armen.

Broich is Ultra

Thomas Broich lässt wenig Zweifel daran, dass sein früheres Image, die Inszenierung als ständig bücherlesender Schöngeist zumindest teilweise nicht unbedingt seinem Wesen entsprochen hat und eher ein Produkt der eigenen Unangepasstheit war. Weil Broich diese Umstände reflektiert, ohne sie zu verleugnen oder sich total ändern zu wollen, weil er auch ansonsten äußerst sympathisch und entwaffnend ehrlich rüberkommt, strahlt Aljoscha Pauses Portrait eine außergewöhnliche Wahrhaftigkeit aus.

Außerdem bleibt die Erkenntnis, dass der Bundesliga ein Typ wie Thomas Broich mit ihrem Heer von mediengeschulten Viertelintellektuellen mit Gesamtschul-Abi einfach fehlt. Seine Pässe tun es sowieso.

Fazit

Großartig. Wer sich auch nur ein bisschen für die Hintergründe des Spiels interessiert und die Möglichkeit hat (>>Termine), den Film in seiner Nähe im Kino zu sehen, sollte diese wahrnehmen. Alle anderen sparen für die sicherlich irgendwann erscheinende DVD.


Infos

Tom meets Zizou


Regie: Aljoscha Pause
Verleih: mindjazz pictures
Buch / Idee: Aljoscha Pause
Schnitt: Anne Pannbacker
Kamera: Robert Schramm, Martin Nowak, Jochen Wagener u.a.
Musik: Roland Meyer de Voltaire
Sprecher: Josef Tratnik
Produktion: Aljoscha Pause, Hans-Peter Klein, Filmworks

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Rüdiger Mielke

Wer ist der erfolgreichste Torjäger der Bundesliga-Geschichte?

Einfache Antwort auf diese vermeintlich noch einfachere Frage: Gerd Müller. Natürlich. Weiß doch jedes Kind.

Nun, wenn es nach der Gesamtzahl der erzielten Tore geht, führt natürlich kein Weg am Bomber der Nation (365 Tore in 427 Erstligaspielen) vorbei. Die meisten Treffer ohne deutschen Pass erzielte Claudio Pizarro, der die Liste der noch aktiven Spieler ebenfalls anführt (142/304).

Da sich zumindest in diesem Zusammenhang „erfolgreich“ nicht so einfach deklinieren lässt, käme zum Beispiel auch Dieter Müller in Frage. Sechs mal in einem einzigen Spiel konnte außer ihm schließlich kein anderer Spieler einnetzen, nicht einmal Namensvetter Gerd.

Das Tor des Monats stellt einen weiteren Benchmark dar, welcher freilich erst seit 1971 existiert und auch für Torschützen anderer Wettbewerbe offen steht. Dennoch oder gerade deshalb sind die bislang zehn Auszeichnungen, die der erst 26-jährige Lukas Podolski bereits verbuchen konnte, aller Ehren wert.

Und doch verblassen die Statistiken dieser auch international bekannten Stürmerstars gegen die Bundesligabilanz eines gewissen Rüdiger Mielke: 15 Spiele, 15 Tore. Mielke, hoffentlich weder verwandt noch verschwägert mit Erich, kann also tatsächlich einen Torquotienten von 1,0 aufweisen. Mehr geht kaum.

In der Vorbereitungsphase zu seiner dritten Spielzeit bei den Senioren zog sich der junge Lizenzspieler des MSV Duisburg eine schwere Knieverletzung zu und musste seine Bundesligakarriere beenden, ehe sie überhaupt richtig begonnen hatte. Im Alter von gerade einmal 21 Jahren.


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Stranger than Fiction

Deutschland 2010: Eine Nation im WM-Fieber. Innenstädte scheinen vor lauter Großleinwänden kaum noch begehbar, auch in vielen Lichtspielhäusern kann dem gemeinsamen Fußballgenuss gefrönt werden. In einem solchen blickte Stadioncheck.de der hässlichen Fratze des Rudelguckens todesmutig ins Gesicht.

Irgendwo im Ruhrgebiet. Drei Frauen und ich auf dem Weg in ein Multiplex-Kino. Gruppenzwang. Im Auto-Radio läuft der unsägliche Formatsender Eins Live. Keine Schule, kein Handwerksbetrieb, wo nicht mindestens ein Radioreporter die „Stimmungslage“ abklopft. Gebührenfinanziert, versteht sich. Eine Horde Halbstarker singt sich in Brackwede warm, in Ennepetal juchzen Bürokauffrauen um die Wette. Endlich wird die totale Verbeachvolleyballisierung einer Sportart von schlechter Popmusik unterbrochen. Nie waren Destiny’s Child so wertvoll wie heute.

Knapp 30 Personen haben sich zu Spielbeginn in einem klimatisierten Saal mittlerer Größe eingefunden. Public Fewing statt Viewing. Auffällig: Das Bild auf der riesigen Leinwand ist viel unschärfer als erwartet. Thomas Müller wirkt so in der Großaufnahme ein wenig wie einer der Na’vi aus dem 3D-Blockbuster „Avatar“. Den 3D-Effekt muss Fan sich ohne Brille freilich dazudenken. Immerhin: Vuvuzelas sind verboten.

Anstoß. Während Krasic seinen Gegenspieler Badstuber zum ersten mal ganz alt aussehen lässt, tricksen hinter mir zwei clevere Mittzwanziger die Tröten-Prohibition aus. Mit einer Kuh-Glocke. „Stimmung machen“ nennen sie ihr Gebimmel. Stimmung, das Unwort des Jahrtausends. Zum Mitschreiben: Stimmung herrscht, Stimmung wird nicht gemacht.

Profis überall

Als der spanische Schiedsrichter Undiano innerhalb weniger Minuten vier gelbe Karten verteilt, enntbrannt unter den Glöcknern eine heftige Diskussion. Dürfen verwarnte Spieler ausgewechselt werden oder nicht? Nach kurzer Beratung kommt die Expertenkommission zum Ergebnis, dass eine solche Rochade erlaubt sein müsste. Allerdings „nur in der Halbzeitpause.“ Das ist natürlich absolut korrekt.

Der bereits vorbestrafte Miro Klose bettelt derweil um seine Herausstellung. Spätestens jetzt hätte Löw reagieren müssen. Wenige Minuten später ist es dafür zu spät: Der 32-Jährige sieht nach einem weiteren unnötigen Tackling die Ampelkarte. Sicher, das Foul war nicht böswillig. Doch man musste einfach damit rechnen, dass der Unparteiische seine Linie konsequent durchzieht

Wenige Sekunden später: Langer Steilpass, Holger Badstuber ist im Sprintduell gegen Krasic chancenlos. Und das, obwohl er mit zwei Metern Vorsprung gestartet war. Die Flanke des Flügelspielers erreicht Dikembe Mutombo, der keine Mühe hat, gegen Muggsy Bogues zum Dunking anzusetzen. Nein, ernsthaft: 32 cm beträgt der Größenunterschied zwischen Nikola Žigić und Phillip Lahm, dagegen war Letschkow vs. Häßler ein Duell auf Augenhöhe.

Der lange Angreifer vom FC Valencia kann so natürlich problemlos per Kopf auf den völlig freistehenden Milan Jovanović ablegen. Dieser hat sogar noch die Muße, den Ball mit der Brust anzunehmen, sich in aller Seelenruhe einen Sliwowitz einzuschenken und dann, frisch gestärkt, Jabulani in die Maschen zu dreschen. 1:0 für Serbien!

Wenn ich jemanden diesen Treffer gönne, dann der „Schlange“, Milan Jovanović. Ein Stürmer, der immer alles aus sich herausholt und an guten Tagen ganz alleine eine Abwehr terrorisieren kann. Ich glaube nicht, dass ich jemals einen schnelleren Spieler live im Stadion erlebt habe. Über 50 Ligatore hat der 29-Jährige in seiner Zeit bei Standard erzielt, von daher nehme ich ihm seinen Wechsel nach Liverpool keinesfalls übel. Mach’s gut, „Lane“.

EHC Bremen

Wir müssen reden. Über Per Mertesacker. Seit Jahren beglückt Werder die Bundesliga mit Einshockeyergebnissen, satte 175 Gegentreffer hat der 25-Jährige im Laufe seiner vier Spielzeiten bei den Grün-Weißen erlebt. Erstaunlich, dass der stacksige, hüftsteife, langsame und gemessen an seiner Körpergröße auch nicht übermäßig kopfballstarke Mertesacker irgendwie trotzdem nie in der Kritik steht. Noch erstaunlicher, dass mit Wiese und Frings zwei weitere Defensivspieler aus der Bremer Schießbude vehement ihren Einsatz bei der WM forderten.

Beim Gegentreffer hat der gebürtige Hannoveraner das Kunstück vollbracht, gleich zwei kapitale Fehler innerhalb weniger Sekunden zu begehen. Zunächst schleicht Žigić, dem er zweifelsohne zugeteilt war, in seinem Rücken davon. Zu allem Überfluss springt er dann auch noch halbherzig in Richtung Spielgerät, welches er nie und nimmer erreichen wird, statt Jovanović im Fünf-Meter-Raum zu übernehmen. Mit einem direkten Kopfball auf die kurze Ecke wäre Manuel Neuer jedenfalls kaum zu überwinden gewesen.

Kurze Zeit später setzt Khedira das Leder den Kunststoff an den Querbalken. Saal 3 steht Kopf. Der Halbzeitpfiff sorgt zunächst einmal für Beruhigung. Endlich dürfen die verwarnten Spieler getauscht werden. Doch Joachim Löw vertraut der gleichen Zehn wie vor dem Wechsel. Deutschland spielt also weiter ohne nominelle Sturmspitze.

Dafür dreht Mesut Özil endlich auf. Traumpass in den Lauf von Podolski, der Kölner verzieht frei vor Torhüter Stojkovic. Nicht wenige Anwesende haben bereits zum Torjubel angesetzt. Özil lässt genial auf Podolski abtropfen, der nagelt den Ball aus spitzem Winkel ins Außennetz. Jetzt drehen alle ab. Im Public-Viewing-Paralleluniversum ist Deutschland gerade mit 2:1 in Führung gegangen. In der Realität steht es weiterhin 0:1.

Serbien ist eine Basketballnation. Vielleicht erklärt dieser Umstand, wieso Vidic, ähnlich wie Kuzmanović in der Auftaktpartie gegen Ghana, eine in seine Nähe segelnde Flanke mit der Hand fangen möchte. Erneut ein mehr als überflüssigen Handelfmeter. Doch selbst dieses Geschenk will Lu-Lu-Lu Lukas Podolski nicht annehmen. Stojkovic hält.

Vandalismus 2.0

Dennoch sorgt auch dieser Fehlschuss nicht für die Entscheidung, das übernimmt Löw höchstpersönlich. Klar, Özil hat in der ersten Hälfte nicht viel gezeigt, aber das kann doch in dieser Situation kein Maßstab mehr sein. Jede gefährliche Aktion im zweiten Abschnitt ging vom jungen Bremer aus, seine Auswechslung ist daher mehr als unverständlich. Auch die Hereinnahme von Marin für Müller erscheint wenig sinnvoll, wenn es den Elfmeter bereits gegeben hat. Play the odds, Jogi!

Serbien mogelt seinen knappen Vorsprung ins Ziel. Letztendlich etwas unglücklich für eine gut kämpfende deutsche Mannschaft. Im Netz tobt sich der Mob auf der Facebook-Seite von Señor Undiano aus. Im Kino hingegen bleibt es relativ ruhig. Es gibt zwar vereinzelte Unmutsäußerungen, aber das für einen zünftigen Sprechchor nötige Nationalgericht will niemandem einfallen. Paella wär’s gewesen, ihr Flaschen, oder meinetwegen auch Tapas. Das kommt davon, wenn man selbst auf Malle nur Schnitzel mit Pommes konsumiert. „Nie wieder Pizza“ kann schließlich jeder.