Ein schlaghosenförmiger Fleck auf der persönlichen Fußballlandkarte

Na klar, dass Bazis und Fohlen das Jahrzehnt dominiert haben, ist bekannt. 1970 als das Jahr des ersten Mönchengladbacher Titels bekomme ich auch noch auf die Kette. Aber die genaue Verteilung der Meisterteams während der zehn Spielzeiten der 70er? Keine Chance. Von den Ergebnissen in Europapokal- und exotischeren Wettbewerben ganz zu schweigen.

Warum ist das so? Wieso lässt mich das Fußballgeschehen einer kompletten Dekade so kalt?

Mit anderen Phasen der bundesdeutschen Fußballgeschichte pflege ich hingegen einen völlig anderen Umgang. Ich verschlinge jedes Informationsfitzelchen über die Oberliga West, auch die Anfangsjahre der Bundesliga üben in ihrem kunterbunten Schwarz-Weiß eine große Faszination auf mich auf.

Nur wenige Stunden Selbstreflexion später springt mich ein Deutungsversuch förmlich in Olli-Kahn-Manier an: Die Alltagskultur, die Meme, die Themen der 70er sind für mich nicht greifbar. Ihnen geht gleichwohl der geheimnisvoll-historische Dunst der Nachkriegszeit ab – und sei es nur, weil ich (Jahrgang 1978) diese Epoche zumindest auf dem Papier noch in Nuancen miterlebt habe.

An die 80er wiederum kann ich mich noch ziemlich gut erinnern. Damals fand außerdem meine fußballerische Sozialisation (wer einen weniger überkandidelten Ausdruck kennt – her damit!) statt. Vor dem Fernseher und auf dem Platz.

Soweit die Theorie. Vielleicht liegt mein Desinteresse aber auch einfach nur daran, dass der Fußball der 70er ganz furchtbar anzusehen ist. Langsam, einschläfernd, ohne Dynamik. Wenn die ballführende Mannschaft ohne jede Gegenwehr bis fünf Meter vor den gegnerischen Strafraum spazieren kann, ist das nicht die Sportart, welche allen aktuellen Problemen zum Trotz zurecht als beliebteste der Welt gilt.

Wer mit dieser These spontan nichts anzufangen weiß, möge sich einfach mal Spiele der WM 1970 in kompletter Länge zu Gemüte führen. Furchtbar, wie gesagt.