Betr.: #AudiCup2017 – Fragen an @DasErste

Audi-Cup 2017

Diese Fragen gingen soeben per Fax an die Pressestelle des Ersten Deutschen Fernsehens raus:

1. Erhält die ARD / Das Erste von Turniersponsor Audi finanzielle Unterstützung für die Übertragung?

2. a) Falls ja: Wie stellt sich diese dar?

b) Falls nein: Wieso übernehmen Sie die Bezeichnung „Audi Cup“ ohne Bindestrich in Ihre Berichterstattung? Sollten Markennamen, die nicht den Rechtschreibungs-Regeln der deutschen Standardsprache entsprechen, von einer Anstalt des öffentlichen Rechts nach journalistischen Maßstäben korrigiert (Beispiel: „Iphone“ statt „iPhone“) werden?

3. Wieso tangiert bzw. verletzt die an vielen Stellen (z.B. in der Vorankündigung, Videotext, usw.) von Ihnen publizierte sowie mehrfach in der Live-Übertragung erwähnte Automarke nicht das gesetzliche Werbeverbot nach 20 Uhr?

4. Wie bewerten Sie den sportlichen Wert derartiger Freundschaftsspiele?

5. Wie rechtfertigt dieser eine Live-Übertragung zur so genannten Prime-Time in einem gebührenfinanzierten Medium?

Falls wir eine Antwort erhalten (wovon wir natürlich schwer ausgehen), wird sie an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht.

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Betr.: #AudiCup2015 – Weitere Fragen an das @ZDF

Das Antwortschreiben des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) auf das im vorherigen Blogbeitrag veröffentlichte Fax hat weitere Fragen aufgeworfen. Dieses mal wurde Herr Hagedorn von der Abteilung „Presse und Information“ des ZDF direkt per E-Mail (Zukunft!) angeschrieben:

1. Wie gestaltet sich das Vertrags-Verhältnis mit -Partner Bayern München?

2. Ist die „Respektierung“ eines nicht der Rechtschreibung entsprechenden Produktnamens demnach wichtiger als das journalistische Selbstbewusstsein des größten TV-Senders der Republik?

3. Wieso muss dieser Name überhaupt genannt werden (die ARD etwa verzichtet in ihren Fernseh- und Radioprogrammen bisweilen bewusst auf die Erwähnung von nach Sponsoren benannten Stadien bzw. wählt eine neutrale Bezeichnung wie „Arena in München“)?

4. Bayern München ist der einzige deutsche Fußballclub, dessen Freundschaftsspiele Ihr Sender wiederholt live überträgt (bitte korrigieren Sie mich, falls ich da falsch liege). Zementieren bzw. vergrößern Sie damit – sowohl nach marktwirtschaftlichen als auch aufmerksamkeitsökonomischen Gesichtspunkten – nicht die sportliche und finanzielle Vormachtstellung dieses Wettbewerbsteilnehmers?

5. Wie beurteilen Sie die Ausgewogenheit Ihrer Sportberichterstattung unter der Prämisse „Fußball & Wintersport vs. alle anderen Sportarten“?

Außerdem erlaube ich mir die noch nicht beantwortete Frage aus dem Ausgangsfax zu wiederholen:

„Wieso tangiert bzw. verletzt die an vielen Stellen (z.B. in der Programmankündigung, Videotext, usw.) von Ihnen publizierte sowie mehrfach in der Live-Übertragung erwähnte Automarke nicht das Werbeverbot nach 20 Uhr?“

Eine etwaige Antwort wird wie gehabt an dieser Stelle unkommentiert veröffentlicht.

+++ Update – 7. August 2015: Das Zweite Deutsche Fernsehen hat heute erneut auf meine Nachfragen geantwortet. +++

1. Bei dem Erwerb der Übertragungsrechte handelt es sich um einen im Bereich der Sportrechte üblichen Vorgang.

2. Den Namen der jeweiligen sportlichen Veranstaltung zu verwenden, entspricht den üblichen Gepflogenheiten – siehe UEFA Champions League oder FIFA Weltmeisterschaft. Das ZDF berichtet von Sportveranstaltungen und nennt folglich auch die offiziellen Titel dieser Veranstaltungen.

3. Auch das ZDF nutzt bei der Nennung der Stadien Varianten wie Arena in München – das ist aber etwas anderes als der offizielle Titel einer sportlichen Veranstaltung.

4. Dass die Partie des Champions-League-Siegers von 2013 und des Champions-League-Siegers von 2014 zum Start in die neue Saison die Zuschauer fasziniert, hat am Mittwochabend das Turnierfinale belegt: 6,32 Millionen Zuschauer verfolgten das Spiel Bayern München – Real Madrid live im ZDF, bei einem Marktanteil von 24,6 Prozent.

5. Die Ausgewogenheit in der Sportberichterstattung ist gegeben. So berichten wir derzeit in Absprache und Wechsel mit der ARD live von den Schwimm-Weltmeisterschaften in Kasan; daran schließt sich die Berichterstattung von der Leichtathletik-WM in Peking an.

Zu der laut Ihrer Mail unten für Sie offen gebliebenen Zusatzfrage:

Bei der Nennung offizieller Veranstaltungstitel handelt es sich nicht um Werbung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages bzw. der ZDF-Werberichtlinien. Das ZDF berichtet von Sportveranstaltungen und nennt folglich auch die offiziellen Titel dieser Veranstaltungen. Auf den Titel von Sportveranstaltungen hat das ZDF keinen Einfluss, ebenso wenig wie auf den Namen teilnehmender Mannschaften (z.B. Bayer Leverkusen). Die Nennung ist redaktionell veranlasst und stellt schon deshalb keine Werbung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages dar.

Tradition? Drauf geschissen

RBS Leipzig ist für die Bundesliga-Rechteverwerter Gefahr und Chance zugleich. Diese Erkenntnis scheint nun auch bei der ARD respektive der Sportschau angekommen zu sein. Bei Sky konnte man das bereits zu Saisonbeginn bezeugen, als das erste Heimspiel der Leipziger mit großem Getöse inszeniert wurde. Über eins muss man sich aber im Klaren sein: Wo immer ein an exklusive Lizenzen gebundenes Produkt wie die Bundesliga vermarktet wird, kann per Definition nicht journalistisch über selbiges darüber berichtet werden. Muss man als Rezipient aber damit rechnen, im Rahmen eines Live-Tickers darüber belehrt zu werden, welche Vereine zurecht am Start sind?

Markenpflege outgesourct

Ja, von Sky kann und muss man das tatsächlich erwarten. 485,7 Millionen Euro pro Saison müssen irgendwie refinanziert werden und mit der Aussicht, dass die Meisterschaft mittelfristig tatsächlich schon regelmäßig an Weihnachten entschieden ist, dürfte das schwer werden. Mit albernen Narrativen wie „Die Liga der Weltmeister“ oder „Der spannendeste Abstiegskampf aller Zeiten!!!“ lässt sich sicher manches kompensieren, aber … der Kunde mag vielleicht etwas blöd sein, jeden Scheiß lässt er sich aber dann doch nicht andrehen.

Mit dem Film- und Serienangebot bröckelt momentan (Netflix und Filesharing sei Dank) zudem ein wesentliches Standbein des aktuellen Geschäftsmodells weg. Dass sich nun der Leipziger Ableger der Energy-Plörre aufmacht, vielleicht schon nächste Saison in der 1. Liga um die vorderen Plätze mitzumischen, dürfte in Unterföhring beinahe schon wie ein Silberstreif am Horizont wirken. Es verwundert also nicht, dass man von Sky keine kritische Einordnung in Sachen RBS erwarten kann. Im Gegenteil. Wenn aber die Abhandlung eines öffentlich-rechtlichen Senders klingt, als habe Dietrich Matteschitz gerade seine Vorzimmerdame zum Diktat gebeten, ist das eine neue Qualität. Ja, sorry, so viel Gebührenkeule muss sein*. Es geht hier aber nicht darum, der ARD oder der Sportschau eine positive Ansicht zu RBS verbieten zu wollen. Die kann gerne geäußert werden – als klar gekennzeichneter Kommentar und Privatmeinung eines Autors. Aber doch nicht eingebettet in einer sportfokussierten Liveberichterstattung.

It’s not the tradition, stupid

Es geht hier auch nicht um das leidige Thema Tradition. Was soll das überhaupt sein? Das Alter eines Vereins? Oder die Dauer, die dieser erstklassig ist? Werden Zeiten in der zweiten Liga wenigstens zur Hälfte angerechnet? Niemand** wird bestreiten, wie sehr etwa der SC Freiburg oder der FSV Mainz 05 in den vergangenen 15 bis 20 Jahren die Bundesliga-Landschaft bereichert haben. Ganz ohne Mäzene oder Investoren in der Hinterhand. Und obwohl erstgenannter Club traditionell und bis Anfang der 80er sogar nur die Nr. 2 der Stadt war. Stillstand ist der Tod und das Klammern an Althergebrachtes nur ein Symptom menschlicher Unfähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Tatsächlich ist das sarkastische Umdrehen des Traditions-Argument der einzige Taschenspielertrick, der den RBS-Apologeten (in diesem Fall einem Mitarbeiter des Haus- und Hofsenders MDR) bleibt:

Man sollte ihnen kein zusätzliches Futter liefern.

 

*Man könnte sich nun auch noch fragen, wieso auf Basis von Zwangsabgaben existierender Rundfunk bei reinen Textangeboten (wie eben einem Ticker) überhaupt in Konkurrenz zu privatwirtschaftlich finanzierte Medien treten muss. Aber das würde zu weit führen.

**Von irgendwelchen Lokalrivalitäten mal abgesehen.

Schaaf wird neuer Trainer auf Schalke

 

Sofern er einen gültigen Arbeitsvertrag unterschreibt.

 

(das gilt lustigerweise auch für jeden anderen Trainer auf der Welt)

 

(oder für Erwin Schwaluppke aus Essen-Katernberg)

 

Ansonsten bleibt halt Keller. Wir haben ja auch gar nichts anderes behauptet.

 


 

Wie der Sportboulevard und dessen hässliche Regionalzeitungs-Schwestern arbeiten. Immer.

Was Lewis Holtby sagt und was sky daraus macht

Dortmund, 26.11.2011. Schalkes Mittelfeldspieler Lewis Holtby äußert sich direkt im Anschluss an die 0:2-Niederlage im Interview mit sky: „Das kann man nicht mehr ändern, leider Gottes. Jetzt haben wir so ein Spiel abgeliefert. Wir sind aber aus keinem Wettbewerb raus. Wir haben die Möglichkeit, nächste Woche eine Reaktion zu zeigen.“

Sky-Fieldreporter danach zu Sebastian Kehl (sinngemäß): „Sebastian Kehl, was sagen Sie zu den Provokationen von Lewis Holtby, der sich eben über Borussia Dortmunds Ausscheiden in der Champions League lustig gemacht hat?“

Kehl: „[Irgendeinen pseudo-empörten Blödsinn]“