Aktion Libero

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

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Der würde von den Fans niedergemacht. Fußball ist trotz der vielen Frauen im Stadion ein Macho-Sport.

Ähnlich negativ wie Tim Wiese im April 2010 äußerte sich vor wenigen Wochen Klatschreporter Michael Gräter bezüglich eines möglichen Outings eines Bundesligaprofis. Letztgenannter malte gar den ökonomischen Teufel in Gestalt rückläufiger Eintrittskartenverkäufe an die Wand.

Ich glaube nicht an diese Horrorszenarien und bin außerdem der Meinung, dass jahrelanges Versteckspiel und Selbstverleugnung auf Dauer ungesünder sind als die offen vorgetragene Ablehung einiger Unverbesserlicher in der Fankurve. Die wird es sicherlich geben, doch sollte nicht unterschätzt werden, dass in den vergangenen Jahren eine Annäherung eher linker, gebildeter, reflektierender Zielgruppen an den vermeintlichen Proletensport stattgefunden hat. Süddeutsche, ZEIT und taz berichten heute mit einer Selbstverständlichkeit über Fußball, an die noch vor zehn Jahren nicht zu denken war. Eine Entwicklung, an der Magazine wie 11 Freunde und nicht zuletzt die zahlreichen Fußballblogs der Republik nicht ganz schuldlos sein dürften.

Würde sich ein Spieler meines Lieblingsvereins als homosexuell outen, ich würde ihn im nächsten Heimspiel doppelt so laut anfeuern. Nicht wegen seines Schwulseins, sondern für seinen Mut, für sein Streben nach einem selbstbestimmten Leben. Und um Menschen wie Wiese und Gräter verstummen zu lassen. Die Aktion Libero beweist: Ich stehe mit dieser Haltung nicht alleine da.


Weitere Informationen über die Aktion, die Hintergründe und Unterstützer gibt es auf Aktion-Libero.de. Ihr könnt die Aktion aber natürlich auch gerne hier im Blog mit einem Kommentar unterstützen.

Links KW 33 2009

Die Angst der Spieler vor Schwulen-Hass (sueddeutsche.de)

Romario comes out of retirement at the age of 43 (guardian.co.uk)

Manager von Camridge Utd wirft hin – nach neun Tagen im Amt (bbc.co.uk)

Juristische Herzensangelegenheit (taz.de)

Simak: Alles nur ein Bluff? (kicker.de)

Christoph Street Day

Nach wie vor hat sich kein Profifußballer in Deutschland offen dazu bekannt, homosexuell zu sein. Für Christoph Daum jedenfalls sind Schwule

normale Kumpels.

Ferner befürwortet der Trainer des 1. FC Köln ausdrücklich ein mögliches Outing:

Ich bin für das Coming-Out von schwulen Fußballern. […] Wenn ein Profi zu mir käme und sich outen würde, würde ich ihn unterstützen.

Erstaunlich! Ist es doch noch nicht einmal ein Jahr her, dass sich der Kumpel-Typ in einer TV-Dokumentation über den Umgang mit Homosexuellen in der Nachwuchsarbeit folgendermaßen geäußert hat:

Ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.

Da hat sich in der total verrückten Spaßmetropole am Rhein offenbar ein bemerkenswerter Gesinnungswandel vollzogen. Oder auch nicht.

Getz ma ehrlich, Christoph den PR-Berater gewechselt? Oder einfach nur den Stoff?