„Hans Krankl, sogn’s irgendwos“

Wer im Baden-Württemberg der 1980er-Jahre aufwuchs, tat dies zusammen mit der Mini-ZiB, Petzi, Helmi und natürlich mit Enrico und den anderen Knalltüten von Am dam des. Nur Bahnhof verstanden? Macht nix – die Rede ist vom großartigen Kinderprogramm (nicht ironisch gemeint) des ORF.

Daneben konnte das öserreichische Staatsfernsehen vor allem durch aktuelle Filme ohne Werbeunterbrechungen und regelmäßigen Fußballübertragungen punkten. Es mag für premierleagueverwöhnte Sky-Abonnenten vielleicht ein bisschen pervers klingen, aber ich habe die österreichische Bundesliga trotz ihrer mäßigen Qualität immer gerne verfolgt.

So kam es, dass ich 1992 zufällig Zeuge einer legendären Interviewsituation wurde, auf die ich mir zum Ausstrahlungszeitpunkt keinen wirklichen Reim machen konnte. Lag wohl an der Randomness – so würde es zumindest der Engländer nennen – des Gesehenen. Immer mal wieder habe ich in den vergangenen Jahren auf den gängigen Videoportalen danach erfolglos gesucht. Und inzwischen hat sich endlich jemand die Mühe gemacht, das Ding hochzulanden. Grandios. Youtube spült irgendwann einfach alles nach oben!

Zur Einordnung: Hans Krankl versuchte sich damals ausnehmend erfolglos als Trainer von Rapid Wien und spekulierte außerdem ganz offensichtlich auf die Rolle des Heinrich „Isch scheiß disch sowas von zu mit mein’m Jeld“ Haffenloher in Kir Royal. Die Darstellung des schmierigen Großindustriellen blieb dann allerdings doch Mario Adorf überlassen, Krankls Posten beim Rekordmeister sollte in der drauffolgenden Saison von Gustl Starek übernommen werden.

Krankl zeigte sich ob dieser beruflichen Hiobsbotschaften derart erzürnt, dass er für  die verbleibenden Partien als Rapid-Coach nicht mehr mit der Presse sprechen wollte. Das zog er dann auch erstmal durch, bis er von einem hartnäckigen Reporter vor Anpfiff eines Wiener Derbys geradezu bekniet wurde, dieses Schweigegelübde doch bitte zu brechen. Was er dann auch tat:

Das Wunderteam: Nur noch 10

Stürmer von internationalem Format waren in Österreich einst Legion. Doch die fetten Jahre schienen längst vorbei, spätestens seit dem Karriere-Ende von Toni Polster.

Momentan hat Rapid-Angreifer Stefan Maierhofer aber beste Chancen, in die riesigen Fußstapfen von Sindelar, Krankl und Co. zu treten. Leider muss der 27-jährige Edeltechniker in der Nationalmannschaft die Kohlen quasi alleine aus dem Feuer holen.

Der Ex-Bayer wirkt ob seiner individuellen Klasse oftmals wie ein Fremdkörper in einer Mannschaft von drittklassigen Spielzerstörern. Auf ein neues Wunderteam müssen die leidgeplagten Fans wohl noch ein bisschen länger warten.

Wie heillos überfordert die Grobmotoriker im Mitspieler-Pelz mit seinen genialen Körpertäuschungen ohne Ball oder den butterweichen Kopfballverlängerungen sind, beweist dieser Zusammenschnitt der unglücklichen 0:2-Niederlage in Litauen. Doing.