Tunnelblick

Hatten wir das Thema „Spielertunnel“ eigentlich schon unter fußballkulturellen Gesichtspunkten besprochen? Nein? Dann wird es Zeit. Die schönsten Exemplare gibt es – natürlich – in Südamerika, wo die Spieler nicht selten aus unterirdischen Katakomben durch überdimensionierte Schläuche in das gespült werden, was mit Fug und Recht als Hexenkessel bezeichnet werden kann.

Aber auch hierzulande lassen sich schöne Exemplare finden. Zum Beispiel dieses Prachtstück im südbadischen Villingen. Dort, im Stadion Friedengrund, ist der Verfasser dieser Zeilen in Jugendjahren selbst einige male zu Punktspielen und bei Turnieren angetreten.

Das Highlight war dabei nicht etwa, dass man sich in einer Sportstätte messen durfte, die als einzige im Kreis den Bezeichnung als Stadion (Vgl. die URL dieser Webseite) auch verdiente. Nein, die Besonderheit lag im Tunnel zum Spielfeld. Das Klackern von Schraubstollen auf den Betonstufen vor der Tribüne, die veränderten Lichtverhältnisse, die Abschottung von der brodelnden spärlichen Zuschauerkulisse… ein bisschen wie Bundesliga. Toll.

FOTOS

Fankultur in den 90ern: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“

Unser neues Lieblings-Video-Portal Vimeo hat mal wieder eine echte Perle an den Blogstrand gespült:

Die Spielzeit 93/94 war die bislang letzte, die der Wuppertaler SV in der 2. Bundesliga verbringen durfte. Wie es der Zufall so wollte, war es diese Abschieds- und Abstiegssaison, die Volker Hoffmann zu einem 45-minütigen Dokumentarfilm verarbeitete: „Attacke – Du gehst immer wieder hin“.

Der Wuppertaler Filmemacher lässt darin so ziemlich jede Stimme rund um das Stadion am Zoo zu Wort kommen – den politisch denkenden Fanzinemacher, eher einfach gestrickte Fanclubmitglieder in Kutte, den „szenekundigen“ Polizeibeamten, trinkfreudige Allesfahrer, den Ordner, die Mecker-Rentner, vermummte Hools mit verzerrten Stimmen oder den juvenilen Schnösel auf der Haupttribüne etc. pp. Dadurch wirkt der Film zwar manchmal ein wenig reißbrettartig, bildet auf der anderen Seite allerdings eben auch ein großes Spektrum an Meinungen, Eindrücken und (Fan-)Lebenswirklichkeiten ab.

Bitte sehr:

Bayer 04 bedankt sich bei 5.500 Zuschauern

Foto: turus.net

Ob man die Stadionkultur der 90er, die Ausläufer des Kuttenschicks, Vokuhilas, Chevignon-Jacken und Adidas-Torsion-Schuhe als Ideal stilisieren sollte? Ich weiß es nicht. Turus.net macht jedenfalls genau das in einem ausführlichen Text. Sehenswert sind aber vor allem die Fotos der zugehörigen Galerie. Großartige Zeitdokumente.

Eindeutige Favoriten: Das überschriftstiftende Foto der Anzeigetafel (steht heute übrigens in Oberhausen) über der alten Gästekurve des Leverkusener Haberland-Stadions und die Kumpeltypen vom FC Berlin.

In diesem Sinne: Nur Gute, keine Piccos. Viel Spaß.

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