Das Sonnensystem Hopp

Dass kleine Sportvereine ihre besten Spieler oft an reichere/erfolgreichere Clubs verlieren, liegt in der Natur der Sache. Blöd ist es aber trotzdem. Noch blöder, wenn der abwerbende Club vielleicht erfolgreicher, aber in Wirklichkeit bankrott ist.

Bei dem kleinen Verein könnte es sich um den Schwenninger ERC gegen Ende der 90er Jahre handeln, damals die beste Nachwuchsschmiede in der mit Talenten nicht gerade gesegneten deutschen Eishockeylandschaft. Der Pleiteclub sind demnach die Mannheimer Adler, die allerdings einen letzten Trumpf in der Tasche hatten, von dem sie selber vermutlich gar nichts wussten: einen gerade einmal 18-jährigen Anhänger namens Daniel Hopp.

Glücklicherweise hatte dieser einen relativ wohlhabenden Vater, der den klammen Adlern mit einer Geldspritze von rund zehn Millionen Euro aus der Patsche half. Und wenig später der Stadt Mannheim mit einem zinslosen Darlehen in siebenfacher Höhe zu einer modernen Multifunktionshalle verhalf, in der die Adler inzwischen ihre Kreise ziehen.

Die Rettung eines mit gezinkten Karten spielenden Wettbewerbsteilnehmers war die erste unschöne „Begegnung“ mit der Person Dietmar Hopp. Das war 1998. Drei Jahre später wurde ich zum ersten mal auf die mir zuvor komplett unbekannte TSG Hoffenheim aufmerksam, die als Aufsteiger in der Oberliga Baden-Württemberg zum direkten Durchmarsch in die (damals drittklassige) Regionalliga ansetzte.

Inzwischen ist viel passiert in der Metropolregion Rhein-Neckar. Gleich zwei mal ist Hopp etwa bei der Installation eines Großvereins gescheitert, wobei bemerkenswerterweise jeweils der in Sachen Sportsponsoring sehr umtriebige Energieversorger MVV eine bestimmende Rolle spielte.

Besonders interessant ist dabei das misslungene Entstehen des „FC Heidelberg 06“ – ein regelrechtes Fußballmonster aus drei bis vier Clubs „der Region“, für dessen Erschaffung Frankenstein Hopp ohne mit der Wimper zu zucken auch seine ach so geliebte TSG Hoffenheim als Organspender geopfert hätte.

Was ist das also für ein Typ, der dennoch das Narrativ des „Jungen von hier, der einfach nur seinen Jugendverein unterstützt“ aufrechterhalten konnte? Wo muss man überall seine Finger drin haben, um scheinbar von der Öffentlichkeit eines kompletten Landstrichs (und darüber hinaus) als edler Wohltäter verklärt zu werden?

Ja, eine Art Mindmap für das „Sonnensystem Hopp“ wäre nicht schlecht. Gibt’s nicht? Hmm… selber machen! Et voilà (zum Vergrößern anklicken):

Legende:
— direkte Verbindung | – – – indirekte / einmalige / nicht mehr bestehende / zukünftige Verbindung
Arbeitsverhältnis | es ist Geld geflossen | Verwandtschaftsverhältnis | Nutzungsonstiges

Ich bin kein Psychologe, aber mit „Megalomanie“ lässt sich diese Grafik vielleicht ganz gut zusammenfassen. Und noch ein Hinweis: Es handelt sich hier natürlich um keine investigative Rechercheleistung, die Infos lassen sich mit etwas Vorwissen problemlos ergooglen.

Quellen / weiterführende Links:

http://www.faz.net/aktuell/sport/2-bund … 80123.html
http://www.faz.net/aktuell/sport/fussba … 94054.html
http://www.rp-online.de/sport/fussball/ … -1.1673447
http://www.spiegel.de/sport/fussball/wa … 236-2.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sap-sp … 38166.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen … 664-2.html
http://www.gc-slr.de/461.html
http://www.gc-slr.de/grusswort_beckenbauer.html
http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-s … 70981.html
http://www.welt.de/sport/article5945699 … aters.html
http://www.fr-online.de/sport/daniel-ho … 24988.html
http://saparena.de/kontakt/
http://firma-24.de/dietmar-wolf-hopp-ar … e-mannheim
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachric … ionen-Euro
http://www.derwesten.de/sport/fussball/ … 14132.html
http://www.press-schlag.de/2011/10/04/d … tmar-hopp/
http://www.spiegel.de/sport/sonst/solhe … 66357.html
http://www.achtzehn99.de/kontakt-frauen/
http://www.fc-astoria-walldorf.de/index.php?content=1
http://dietmar-hopp-stiftung.de/s71_akt … ertraeume/
http://www.aktion-kindertraeume.de/sponsoren.php
http://www.beckenbauer-stiftung.de/partner.htm
http://golfwelt.com/artikel/travel/diet … r-provence
http://www.spiegel.de/sport/fussball/wa … 04382.html
http://www.focus.de/sport/fussball/nati … 19569.html
http://www.morgenweb.de/sport/adler-man … -1.1199053
http://www.transfermarkt.de/de/hsw-heid … _9946.html
http://www.deutschlandcup-online.de/spi … a-mannheim

Die Beckenbauerkehre

Eben so bei twitter:

Ich dann wiederum so und der Premium-Heinz auch so:

Pfff, „Tascikehre“. Dabei kann es sich ja schon unter rein chronologischen Gesichtspunkten nur um eine Kopie oder meinetwegen auch Remix der Beckenbauerkehre handeln. Der junge Stuttgarter kann froh sein, wenn er keine Alimente Tantieme zahlen muss.

Aber mal ernsthaft, das kann doch nicht sein!? Mir wurde im Training jahrelang diese den Ball abschirmende und das Spiel entschleunigende Bewegung gelehrt, und dann gibt es diesen Begriff überhaupt nicht?

Immerhin: Der Trick an sich scheint Freunden der rustikaleren Spielweise bekannt zu sein:

Weitere Expertenmeinungen nehmen wir gerne in den Kommentaren oder bei twitter entgegen. Und Google zeigt bei einer Suche nach „Beckenbauerkehre“ jetzt zumindest ein Ergebnis an. So.

Immer gegen die Deutschen

Zur deutschen WM-Folklore gehört seit geraumer Zeit – neben dem beständigen Erreichen des Viertelfinales – das Beklagen vermeintlicher Fehlentscheidungen. Vor allem Platzverweise und Sperren sorgen immer wieder für Unruhe im DFB-Lager. Eine kleine Chronologie:

  • 1998 – Christian Wörns ist nicht nur gedanklich zu langsam für Davor Šuker und fliegt vom Platz. Berti Vogts wittert eine Verschwörung.
  • 2005 – Deutschlands Wunderstürmer Mike Hanke sieht im kleinen Finale des Confed-Cups den roten Karton und wird für die nächsten zwei Pflichtspiele gesperrt. Mangels Qualifikation ist das gleichbedeutend mit den ersten beiden Gruppenspielen bei der Heim-WM.
  • 2006 – Sugar Ray Frings wird unter skandalösen Umständen vom Weltverband IBF vom Halbfinal-Kampf gegen Italien ausgeschlossen. Der Schlachtruf „Nie wieder Pizza“ steht seitdem synonym für einen IQ unter Raumtemperatur.
  • 2010 – Der spanische Schiedsrichter bleibt unverständlicherweise seiner harten Linie treu und zeigt Miroslav Klose nach einem dämlichen Frustfoul die verdiente Ampelkarte. Der Facebook-Mob tobt.

Diese Fälle von sehr selektiver Wahrnehmung werden zusätzlich von einem Vorfall relativiert, der allerdings schon etwas länger zurückliegt. 45 Jahre um genau zu sein, und mir selbst war diese Episode bis vor kurzem überhaupt nicht bekannt. Da musste schon die kostenlose Android-App „Franz Beckenbauer Quiz“* [sic] um die Ecke kommen:

Na, wer weiß es?

Antwort B (also die zweite  von oben) ist richtig. Die Fifa hat einfach nonchalant auf die Sperre verzichtet. So etwas kann wohl nur einem ewigen Glückskind wie dem Franzl passieren. Ob sich die Fans des Finalgegners daraufhin in „Nie wieder Bratwurst“-Gesängen ergeben haben, ist hingegen nicht bekannt.

*bietet Spielspaß fur etwa eine mittellange Straßenbahnfahrt

Soccer in den USA weiter auf dem Vormarsch

Eine Bestandsaufnahme von zeitloser Gültigkeit:

Inzwischen schwärmen nahezu 30 Prozent der US-Bürger für den Fußball nach europäischer Art. Nur noch American Football, dessen Spielzeit (September bis Januar) an die Soccer-Saison (März bis August) anschließt, und Pferderennen zählen augenblicklich noch mehr Anhänger als der europäische Fußball.

Der amerikanische Football wird vorwiegend von gutgepanzerten Spielern mit den Händen ins Ziel getragen, die Füße sind zum Treten des Gegners da. Jährliche Todesrate: bis zu 49. Im europäischen Fußball ist Handspiel verboten, nachgetreten wird nur, wenn der Schiedsrichter wegguckt. Der vor Jahren noch als „Emigranten-Sport“ verhöhnte Soccer-Wirbel „breitet sich“, so „U.S. News & World Report“, besonders „unter jungen Menschen schnell aus“.

Amerikaner zwischen 18 und 25 […] gelten als typische Fans des Fußballs made in Europe. 49 Prozent der zahlenden Zuschauer sind Frauen. Mädchen spielen Fußball unter sich, aber auch in gemischten Mannschaften. Soccer ist der beliebteste Schulsport.

Und angesichts dieser positiven Entwicklungen wagt natürlich auch The Kaiser eine Prognose:

Beckenbauer: „In zehn Jahren gibt es bestimmt die ersten Weltklassespieler amerikanischer Abstammung.“